Hands on: Kowa Prominar 25mm F1.8-BK

Japanisches Glas, die erste.

Was bitte ist ein Kowa?

Kowa ist ein japanisches Unternehmen. Hierzulande praktisch unbekannt, aber eines von diesen Multikonzernen, die ihre Finger „überall“ drin haben: in der Medizin, Chemie, Kosmetik, Lebensmittel und … Optik. Letzteres übernimmt „Kowa Optimed“, das ist aber nur Teil der eigentlichen „Kowa Company Limited“, die bereits 1894 gegründet wurde. Optiken werden dort seit etwa 1946 gefertigt. Das Portfolio umfasst vorrangig Linsenkonstruktionen für bildverarbeitende Maschinen, Überwachungs- und Sicherheitskameras etwa an Grenzübergängen, aber auch Optiken für Fernsehproduktionen.

Insgesamt also nicht gerade ein Neuling auf dem Markt. Die Unternehmenserfahrungen sollen mit Produkten wie der Prominar-Serie auch Fotografen mit spiegellosen Systemkameras zugute kommen.

Diese Objektive kann man auch auf dem deutschen Markt bekommen. Und obwohl es sich um manuelle Optiken handelt, sind sie nicht gerade günstig, denn sie liegen bei rund 900 Euro pro Stück. Der Preis zumindest lässt demnach nicht auf billige Glasware schließen.

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Die Familie

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Die Prominar-Familie besteht derzeit aus drei Modellen, die dank MFT-Anschluss mit Olympus- und Panasonic-Kameras verwendet werden können. Ich habe sie an der niedlichen Olympus OM-D E-M10 Mark II ausgeführt, die ich auch schon einmal einzeln im Hands on hatte.

  • Kowa Prominar 25mm F1.8-BK
  • Kowa Prominar 12mm F1.8-BK
  • Kowa Prominar 8,5mm F2.8-BK

Eindruck

hands-on_kowa-prominar-25mm_001Das 25-Millimeter-Modell ist auf dem Bild oben ganz vorne zu sehen. Es besitzt die längste Brennweite – an der Olympus sind das 50 Millimeter. Das Objektiv kann sich also eine gleichmäßige Streulichtblende leisten, da der Bildwinkel nicht sehr weit ist.

Insgesamt könnte man das Objektiv als „süß“ bezeichnen. Mit knapp neun Zentimetern Länge und rund sechs Zentimetern Durchmesser ist es sehr kompakt, schlank und fasst sich prima an. An einer kleinen CSC fällt es damit auch nicht allzu sehr auf, obwohl es das längste der drei Prominars ist. Den Unterschied zu den üblichen MFT-Optiken merkt man aber, wenn man es in der Hand hat. Das Gehäuse ist echt solide und bringt es auf 400 Gramm Gewicht.

Äußerlich hat das Kowa einen starken Retro-Charakter und erinnert beispielsweise an das Nocturnus von Meyer Görlitz oder noch stärker an Voigtländer-Modelle. Die Mechanik ist vielleicht nicht der Traum jedes fotografierenden Ingenieurs, aber angenehm weich, wenn auch schwergängig. Das gilt für den Fokusring, noch mehr noch aber den Blendenring. Er besitzt eine Rasterung und muss schon etwas herzhafter angefasst werden. Das ist aber bei vielen Objektiven mit Blendenring üblich, da dieser nicht so oft verwendet wird wie der Fokusring.

Eigenschaften

Die Innereien des 25-Millimeter-Objektivs sind nicht wahnsinnig spektakulär: Es gibt acht Glaselemente in sechs Gruppen. Unter ihnen finden sich immerhin auch veredelte Sondergläser. Nämlich ein asphärisches und ein XD-Element. Blendenlamellen sind es neun an der Zahl – auch das ist Standard.

Besonders ist der Blendenring an sich, beziehungsweise die sogenannte „Dual Link Iris“. Mittels eines winzigen und unauffälligen Druckschalters kann die Rasterung des Rings entsperrt und der Ring über die Skala hinaus gedreht werden. Auf der anderen Seite taucht dann eine weitere Skala auf – mit Blendenwerten in einer T-Angabe (also T1.9, usw.). Das sind Filmer gewohnt, deren Filmobjektive üblicherweise so beschriftet sind. In dieser Stellung fällt dann auch die Rasterung der Blendenschritte weg.

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Wie gesagt, das Kowa ist ein manuelles Objektiv. Wer es an einer CSC verwendet, muss erstmal kleine Hürden überwinden. Viele der Kameras wollen nicht auslösen, wenn sie kein Objektiv erkennen. Den meisten Panasonics und Olympus‘ kann man das aber via Menü austreiben. Darüber hinaus unterstützen sie manuelles Fokussieren mit Sucherlupe oder Fokus Peaking. Sie starten das aber beim Kowa nicht automatisch beim Verstellen des Objektivrings, da sie es ja nicht wissen können. Diese Funktion muss man sich also auf eine Taste legen, will man es nutzen. Das macht das Hantieren ein wenig unbequem (Meckern auf hohem Niveau) ist aber dennoch enorm hilfreich.

 

Performance

hands-on_kowa-prominar-25mm_003So ganz sauber sind die Bilder mit dem Prominar nicht. Es tauchen vor allem gern mal chromatische Aberrationen und Blendenflecke auf. Das liegt tatsächlich aber gar nicht so sehr am Objektiv, sondern an der Kamera. Die Panasonic- und Olympus-eigenen Objektive sind auch nicht alle mit optischer Brillanz gesegnet, doch fällt es da nicht so auf, da die Kameras diese Modelle erkennen und mit zahlreichen teils heftigen Korrekturalgorithmen überziehen.

Das fällt bei Fremdobjektiven natürlich weitgehend weg, beziehungsweise ist es manchmal gar nicht möglich, da ja zwischen dem Kowa und der Kamera keine Informationen ausgetauscht werden.

Ich finde das prinzipiell aber gar nicht so schlimm. Gerade die weitwinkligeren Modelle erzeugen für mich inklusive der Bildfehler einen gewissen Charme. Beim 25er allerdings stören mich die Aberrationen bisweilen schon sehr.

Die Schärfe ist davon abgesehen sehr gut und die Bilder wirken plastisch und knackig. Letztlich liefern 50 Millimeter Brennweite (entsprechend KB) und eine hohe Offenblende von f1,8 einfach einen schönen Look, den ich mag und den ich gewohnt bin.

Fazit

Das Kowa Prominar 25mm F1.8-BK ist kein wahnsinnig interessantes Objektiv oder gar ein Must-Have. Es ist eine solide und lichtstarke Festbrennweite, die zumindest langlebig sein dürfte und sehr gut verarbeitet ist. Wer auf Retro steht und keinen Bock hat auf MFT-Plastiklinsen, findet darin aber vermutlich schon eine Alternative.

Die anderen Brennweiten – 12 und 8,5 Millimeter – sind da wesentlich spannender. Aber dazu lest ihr hier demnächst gesondert etwas.

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