Hands on: Sony FE 24 – 240 mm F3,5 – 6,3 OSS

Fettes Zoom mit lahmen Daten? Genauer hinschauen, bitte.

Eine Menge Glas kommt in diesen Tagen zusammen. Beim letzten Mal hatte ich mich einem wunderschönen Sony-Zeiss-Objektiv mit 35 Millimetern Festbrennweite gewidmet. Heute schiebe ich noch ein weiteres Sony-Modell nach. Allerdings diesmal etwas ganz anderes.

Und auch in Zukunft geht es mit vielen Objektiven weiter. Wer mir in den sozialen Netzwerken folgt, weiß bereits, dass ich ein paar traute Stunden mit gewissen Tamron-Modellen hatte, japanischen Besuch von Weitwinkeldrillingen hatte und was keiner weiß: Post aus Oberkochen habe ich auch bekommen und bin schon ganz hibbelig deswegen. :)

Ich hoffe, dass es in den nächsten Wochen kein Objektiv-Overload hier gibt, aber ein paar Kamerahersteller haben sich bereits angeschickt, die Herbstflaute möglichst bald zu beenden. Ihr dürft also gespannt sein.

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Eindruck

Vor einigen Wochen bin ich mit dem FE 24 – 240 mm F3,5 – 6,3 OSS unterwegs gewesen. Super-Ultra-Allround-Zoom von Sony. Warum drüber extra was schreiben?

Na, zum Beispiel damit ich diesen Artikel hier überflüssigerweise mit Worten auffüllen kann und euch nicht nur Bilder um die Augen klatsche. Aber auch weil Sony-Fotografen darauf gewartet haben. Denn bisher gab es noch kein Objektiv, das diesen Brennweitenbereich abdeckt, handlich und schlank ist und dann auch noch fürs Vollformat berechnet ist. Denn mit Zoomobjektiven für A7-Kameras sieht es überraschenderweise noch recht mau aus bei Sony.

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Wer sich jetzt ein kleines, unauffälliges Reisezoom wünscht, der guckt prompt in die Röhre. Denn unbeachtet der doch recht kompakten A7-Kameras ist man beim 24-240er keine Kompromisse eingegangen. Das Teil sieht aus wie ein komprimierter Kanonenofen, hat acht Zentimeter Durchmesser, fast 12 Zentimeter Länge und wiegt saftige 780 Gramm. Das ist mehr als 200 Gramm schwerer als die A7 Mark II an der ich es angeschraubt hatte.

Müßig zu erwähnen, dass es zwar massiv ist aber dafür sehr gut in der Hand liegt. Trotzdem erscheint die Konstruktion unausgewogen, denn bei der Größe der Frontlinse erwartet man schon eine höhere Lichtstärke als 1:3,5 am kurzen Ende.

Eigenschaften

Womit wir schon bei den Eigenschaften wären. Offenblende von f3,5 im Weitwinkel und f6,3 im Telebereich sind Standard und keine Sensation, die sich manche vielleicht erhofft haben. Ich persönlich hätte mir auch mehr gewünscht – vor allem wegen dem Look – aber das ist wohl der Kompromiss, den man eingehen muss, wenn man auf die Sony-Zeiss-Festbrennweiten verzichten möchte. Außerdem ist der Look im Telebereich doch ganz schick, wie ihr auf den Bildern hier im Artikel sehen könnt.

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Die Abmessungen habe ich schon erwähnt und auch, dass es ein relativ dickes Baby ist. An der Kamera fühlt es sich dennoch gut an. Zoom und Fokus laufen geschmeidig ab, auch da gibt es keinen Grund zur Beanstandung. Dafür, dass es kein G-Objektiv ist, scheint es überraschend gut verarbeitet.

Performance

hands-on_sony-fe24-240mm_standingOben habe ich die – verhältnismäßig geschlossenen – Offenblenden erwähnt. Bedeutet erstmal im Umkehrschluss, dass man entweder viel Licht zum Fotografieren braucht oder keine Chance hat, weil die Verschlusszeiten zu lang sind und man das Bild verwackelt.

Klingt soweit logisch. Aber bei der Schlussfolgerung hat man die Rechnung ohne Sony gemacht. Denn was hält einen davon ab, einfach die ISO hochzujubeln? Ich weiß, das ist auch für mich einer der letzten Schritte, die ich unternehme, um ein Bild zu retten. Aber wir reden hier von den Sony-A7ern und ohne ein Fanboy zu sein (bin selbst Nikon-Fotograf) kenne ich fast keine Kamera, die ein dermaßen gutes Rauschverhältnis hat. Das gilt für alle A7-Modelle und die Ausnahme bildet die A7S (und in wenigen Tagen auch die A7S II), die nochmal um einige Klassen besser sind.

Weil mir hohe ISO-Werte trotzdem unangenehm sind, habe ich alle Fotos hier im Artikel mit ISO 100 geschossen. Das hatte teilweise zur Folge, dass die Kamera Verschlusszeiten von bis zu 1/10 Sekunde verlangte. Und wisst ihr was? Bis auf minimale Verwackler in diesem extremen Bereich (den normalerweise kein hyperaktiver Fotograf mehr ruhig halten kann) sind alle Fotos scharf. Mit anderen Worten: der Bildstabilisator im FE 24-240 ist ziemlich gut.

Und er arbeitet in Kombination mit dem 5-Achsen-Stabi in der A7 II, der erkennt, was vorgeschraubt ist und den OSS des Objektivs mit dem in der Kamera kombiniert. So eine gute Stabilisierung kenne ich bisher nur von Olympus.

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1/10 Sekunde aus der Hand fotografiert bei maximalem Tele – von Verwacklungsunschärfen keine Spur.

An den Bildern seht ihr außerdem noch etwas. Oder besser gesagt, ihr seht es nicht: chromatische Aberrationen. Sie sind praktisch nicht existent. Auf einem oder zwei Bildern kann man sie in absoluten Extremfällen (schwarze Zweige vor weißem Himmel) leicht erahnen, doch sonst sind sie nirgendwo zu finden. Für ein zehnfaches Zoom ist das eine beachtliche Leistung.

Der Autofokus und auch die Bildschärfe stehen diesem Eindruck in nichts nach. Würde ich mir die Bilder ansehen ohne das Objektiv zu kennen, würde ich je nach Bildwinkel eher eine Festbrennweite oder maximal ein 24-70er respektive ein 70-200er-Objektiv vermuten.

Womit wir dann auch bei der Daseinsberechtigung des neuesten Sony-Zooms wären…

Fazit

Ich meine, seht es euch gern selbst an. Von der Bildqualität her ist das FE 24-240 tadellos und kann sicher mit den genannten Vollformat-Standardzooms mithalten. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die beiden erwähnten – nicht wie bei SLR-Systemen – eine durchgängige Blende von f2,8 sondern von f4 haben. Insofern taugt das FE 24 – 240 mm F3,5 – 6,3 OSS also durchaus dazu, die genannten zu ersetzen. Und zwar in einem Gehäuse.

Das macht die fülligen Maße und das hohe Gewicht im Grunde schon wieder wett. Die möglicherweise fehlende Lichtstärke gleicht die Kamera spielend aus und zusammen mit dem internen Stabilisator läuft die Kombination zur Hochform auf. Wer sich also an den reinen technischen Daten der Optik festbeißt, bekommt eindeutig ein falsches Bild. Das neue Sony ist ein richtig schickes Zoom.

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4 Gedanken zu “Hands on: Sony FE 24 – 240 mm F3,5 – 6,3 OSS

  1. Wenn ich die Bilder von Dir mal mit denen vergleiche, die noch vom 28-300 Nikon Scherben bei mir lagern, würde ich sagen, jo, nicht völlig übel.

    Allerdings hab ich mir ein paar mal angeschaut. Du hast ja keine Vollauflösung hinterlegt, aber auf nem 27er Monitor sind die Unschärfe deutlich zu sehen (weisshaariges Paar, Baum vorm Wasserfall oder Springbrunnen, diverse Blümchen, Jägermeisterfläschen) Terribly sorry, aber das reisst mich nicht vom Höckerle. Ein Suppenzuhm wie viele. Auch der hochgelobte Wackeldackel überzeugt mich nicht, die Blütenblätter sind unscharf und das Magenta schlicht grässlich, huh.

    Andrerseits: Selbst wenn es alles vom AllerOberFeinsten wäre, bliebe ja immer noch die sehr berechtigte Frage der Halbwertzeit des aktuellen Sony Bajonetts, bevor es wieder heisst „abandon ship, new mount ahead“. Sony macht echt interessantes Zeug, nur leider „halbbatzig“. Schade.

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