Hands on: Sigma 24-35mm F2 DG HSM | Art

Sigma hat seine Weitwinkelfestbrennweite umgebaut, verlängert, zoomfähig gemacht und damit ein neues Spielzeug für Vollformatfotogafen heraus gebracht.

Weitwinkelzooms sind beliebt – nicht nur im APS-C-Bereich, sondern auch beim Vollformat, wo sie den gleichen Zweck erfüllen sollen: Flexibilität bereitstellen. In diesem Segment jedoch sind die Ansprüche an die Optik etwas höher, weswegen Zooms üblicherweise dort nicht massenhaft vorkommen. Und wenn, dann sind sie so teuer, dass man glauben muss, sie wären auch gut.

Sigma grätscht mit dem neuen 24-35er genau da rein. Sie bringen damit ein WW-Zoom zum „angemessenen“ Preis, das außerdem noch besonders lichtstark ist und optisch auch so anspruchsvoll, dass es der Hersteller direkt mal in der gehobeneren Art-Produktlinie platziert und nicht der allroundigeren Contemporary-Sparte.

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Eindruck

hands-on_sigma-24-35-f2_aufrechtDie Sigma-Objektive zeigen seit der Global-Vision-Offensive alle ein ähnlich hochwertiges Erscheinungsbild: Schwarz, weitgehend elegant, mit allen relevanten Aufdrucken. Verspielterweise hat das neue Zoom auch ein versilbertes A-Emblem. Außerdem sind die Optiken so kompakt wie möglich aber nicht kleiner als nötig.

Denn vor allem bei den Art-Modellen stellt Sigma die optische Qualität über allzu kompakte Gehäusemaße. Beim neuen Weitwinkelzoom bedeutet das einen Durchmesser von rund neun Zentimetern und eine Länge von etwa 12 Zentimetern. Damit fässt es sich ganz gut an – trotz einem Gewicht von fast einem Kilogramm. Ist also nicht gerade ein Plastik-Leichtgewicht.

Auch sonst vermittelt das neue Sigma alles andere als „ich bin billig“. Wie üblich wird das Hinterteil von einem Messing-Bajonett eingerahmt und über das Gehäuse hinweg gibt es nur äußerst geringe Spaltmaße, die praktisch keine Angriffsfläche für Kekskrümel bieten. Auffällig angenehm: Die Stellringe haben keinerlei Spiel. Sollte man also in die Versuchung kommen, mit dem Zoom zu zoomen, dann gibt es keine Ruckeleien beim geschmeidigen Stellvorgang.

Eigenschaften

18 Linsenelemente in 13 Gruppen. Das ist üblich bei komlexen Zooms aber ein wenig ungewöhnlich bei Sigma-Art-Objektiven. Die vielen Elemente müssen also sehr gut aufeinander abgestimmt und von hoher Qualität sein, damit sie halten können, was der Produktname verspricht.

Ansonsten deckt das massive Schwarze einen Brennweitenbereich von 24 bis 35 Millimetern ab. Manchen Leuten mag das zu wenig sein, macht im Alltagsgebrauch aber durchaus Sinn. Für gewöhnlich nutzt man das Sigma eher als richtiges Weitwinkel bei 24 Millimetern und zoomt ran, wenn man eine natürlichere, weniger verzerrte Bildgeometrie wünscht. Das ist in den meisten Fällen eher eine Korrektur und ein Ausprobieren, erspart aber in dem kurzen Moment Laufarbeit, die man einfach wegzoomen kann.

Performance

Was schnell untergeht: das neue Sigma ist ein Weltrekordler. Kurz ausgedrückt, ist es das lichtstärkste Weitwinkelzoom. Solche Rekorde sind aber nur noch schwer aufzustellen, was sich darin äußert, dass sie sehr ausführlich formuliert sind, weil sie so speziell sind. Im Fall des neuen Sigma heißt es korrekterweise (Stand: Juni 2015): „Das weltweit erste lichtstarke Weitwinkel-Zoom-Objektiv für Vollformat mit Blende f2 über den gesamten Brennweitenbereich.“

Das, was ihm die typischen 24-70er Vollformatzooms in Sachen Brennweite voraus haben, macht das Sigma also in Sachen Lichtstärke wieder wett. Und 1:2 bei 35 Millimetern ist schon ganz cool. Man kann sich problemlos kurze bis sehr kurze Verschlusszeiten leisten und damit einen Dynamikumfang in den Bildern bewahren, der sonst vielleicht verloren geht. Sieht man auch auf einigen Beispielbildern hier im Artikel: Trotz relativ schattigen Bereichen umgeht man das Ausbrennen des Himmels dank extrem kurzer Verschlusszeiten von 1/4.000 Sekunde oder kürzer.

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Zusammengenommen macht genau dies das Sigma sehr reizvoll für die Landschaftsfotografie. Dabei auch interessant: Das Teil ist innenfokussiert – die Frontlinse rotiert beim Zoomen also nicht mit und man kann sorglos Verlaufsfilter daran einsetzen.

Über alle Zweifel erhaben ist das neue Sigma in Sachen Bildfehlerkorrektur nicht. Ein klein wenig Vignettierung hier, ein Hauch von chromatischen Aberrationen da. Beides ist auf alltäglichen Bildern aber nur schwer zu erkennen oder zu provozieren. Überraschend gut gelingt die geometrische Korrektur. Selbst im Weitwinkel finden sich fast nur gerade ausgerichtete Linien. Das ist selten.

Und die Optik ist überraschend scharf. Vor allem im Weitwinkel kommt die Auflösung der Linsenkonstruktion den Werten der 24-Millimeter Festbrennweite von Sigma gleich. Das ist ebenfalls ziemlich selten. Bei 35 Millimetern ist sie etwas schwächer aber immer noch weit davon entfernt, dass der Schärfeabfall optisch sichtbar wäre.

Fazit

Dieser Artikel hier mag vor Begeisterung nicht gerade übersprudeln. Das liegt aber vor allem daran, dass ich mich im Weitwinkelbereich nicht zuhause fühle. Wenn ich schon von meinen 50 Millimetern weggehe, dann reizt mich eher der Telebereich.

Davon abgesehen ist das neue Sigma 24-35mm F2 DG HSM | Art ein verdammt gutes Zoomobjektiv. Mir ist der Brennweitenbereich zu gering, aber dafür erreicht es im Weitwinkel die Schärfe einer Festbrennweite und ist außerdem sehr lichtstark. Selbst wer auf anspruchsvollere Objektive setzt, liegt damit nicht allzu verkehrt.

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3 Gedanken zu “Hands on: Sigma 24-35mm F2 DG HSM | Art

  1. Aua! 35mm zoomen, um „Laufarbeit“ zu sparen… Was haben wir über Perspektive gelernt? ;)

    Mir sind die 11 mm eigentlich auch zu wenig, obwohl ich mich überwiegend als WW-Fan sehe.

    Aber.

    Manchmal nehme ich zum 24er Sigma auch noch das 35er mit. Ich könnte auf die f/1.4 verzichten, wenn das Zoom weit offen auch sehr gut ist. Damit gewänne (gewönne?) ich:

    > Platz in der Tasche
    > Weniger Gewicht zum schleppen
    > Weniger oft Linsen wechseln (= weniger schnell Staub auf dem Sensor)

    Weniger Geld dagegen würde ich nur dann ausgeben, wenn ich die beiden anderen auch sehr guten Linsen nicht schon hätte. Insofern – timing-problem bei Sigma. Preislich macht es nur wenig Unterschied (verhältnismässig), ob man 24 oder 35 als Festbrennweite kauft, 1 Blende schneller ist oder aber voll auf die neuen Sensoren baut, die diese Blende auch schon hergeben ohne mehr Rauschen, und für wenig mehr (ca. 25%?) auch gleich noch die andere plus sämtliche Brennweiten dazwischen bekommt.

    1. Pfft, wenn ich faul bin, ist mir die Perspektive doch egal! xD

      Ich habe beim Ausprobieren aber bemerkt, dass ich dieselben Motive immer wieder mit 24mm geknipst, dann schnell reingezoomt und nochmal geschossen habe. Einfach, um den Unterschied zu sehen oder zu schauen, obs besser geframed wird. Bevor ich rumlatsche, um das zu machen, bin ich im ersteren Fall schon wieder beim nächsten Motiv.

      Widerliches Knipsverhalten…. ^^

      Stimmt, Timing-Problem. Weitwinkelspezialisten werden das 24er nicht ersetzen wollen. Würden sich aber vielleicht überlegen, ob sie das 35er dazu nähmen oder lieber ein flexibleres Zoom als Alternative für unterwegs.

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