Hands on: Sony Alpha 7R II

Hands on zur momentan wohl für Fotografen spannendsten Kamera auf dem Markt.

Das damalige Auftauchen der Nikon D800 mit ihrem zu der Zeit einzigartigen 36-Megapixel-Sensor beschreibe ich gern als das Explodieren einer Bombe, da die Kamera den Markt gehörig durchgewirbelt und allen Konkurrenten einen Schlag ins Gesicht verpasst hat. Bleibt man bei diesem Bild, dann kann man sich leicht ausmalen, dass die Bombe auf feindlichem Gebiet hochgegangen ist.

Mit schweren Geschützen wird inzwischen zurück geschossen. So hat Canon die 5DS und 5DSR auf den Markt geworfen, deren schlagendes Argument ein 50-Megapixel-Sensor ist. Aber auch Sony schießt zurück. Und zwar verdammt scharf.

Mittels Raketenstart knüppelte der Hersteller (Zeitraum von der Ankündigung zum Produktlaunch = zirka 5 Wochen) eine Kamera in den Markt, die gegenüber den genannten nicht nur spiegellos ist, sondern das Zeug hat, diese auch spurlos in die Atmosphäre zu sprengen. Die Sony Alpha 7R II wirft zwar „nur“ 42 Megapixel Auflösung in die Waage, aber sie bringt ein Geheimnis mit, das ihr entscheidenden Vorsprung verschafft.

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Hintergrund

Nicht zuletzt wegen dem superschnellen Release der Kamera ist der Hype um die neue A7 derzeit extrem groß. Eine unglaubliche Masse an Leuten interessiert sich dafür und wer von ihnen sie sich nicht leisten kann, träumt von ihr.

Mir wurde das Teil das vor ein paar Wochen in London vorgestellt. Allzu viel gab es da noch nicht zu entdecken – die Geräte waren noch nicht ganz fertig. Kürzlich gab es nochmal eine Präsentation in einem Box-Club in Berlin, bei der auch das Fotografenduo Krolop & Gerst vor Ort waren (die einige von euch sicher kennen) und man die Kameras endlich ausprobieren konnte.

Ich sage übrigens absichtlich „die Kameras“, denn im Schatten der A7R II veröffentlichte Sony noch zwei weitere Geräte: die Bridge RX10 II und die Premium-Kompakte RX100 IV. Das sind ebenso spannende Teile und zusammen pflügen sie verheerend in den Markt. Denn sie haben eine Gemeinsamkeit: den umgebauten Sensor.

Das wirklich entscheidende Merkmal der neuen A7 (und auch der anderen) ist nicht die horrende Auflösung, sondern der neu gestaltete Sensor. Normalerweise werden bei einem solchen mehrere Schichten übereinander gelegt: zuoberst die Linsen, die das Licht sammeln, dann die Leiterbahnen. Sie bedecken nicht die ganze Fläche, sondern lassen Lücken, durch die das Licht hinunter zu den Dioden, den Pixeln gelangen kann.

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Sony A7R II, Sony-Zeiss FE 55m F1.8 ZA, 55mm, f1.8, ISO 100, 1/2.500s. 100-Prozent-Ansicht (nicht vergrößert!) eines Ausschnitts aus dem Bild unten rechts.

Diese beiden letzten Schichten hat Sony einfach vertauscht und die Leiterbahnen aus Kupfer hergestellt. Das verschafft der neuen Sensorarchitektur gleich zwei Vorteile: erstens gelangt mehr Licht auf die Pixel, da es nicht durch die Lücke der Leiterbahnen muss. Zweitens liefern die Kupferdrähte eine schnellere Datenübertragung und liegen näher am Prozessor. Die Folge: Der Sensor ist lichtempfindlicher und kann um ein vielfaches schneller ausgelesen werden.

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Der RX10 II verschafft das beispielsweise beeindruckende Fähigkeiten: Mit ihr kann man Super-Zeitlupenaufnahmen von bis zu 1.000 beeindruckenden Frames pro Sekunde in nahezu Full-HD-Auflösung aufzeichnen. Doch dazu in einem anderen Artikel mehr. Was es der A7R II an Vorteilen verschafft, sehen wir im folgenden…

Eindruck

hands-on_sony-a7r2_slantVorweg: Auch wenn sich die Ausstattungsmerkmale jeder Normalknipser wünschen würde – die A7R II ist für die Hände von Profis entwickelt. Nahezu das gesamte Look-and-Feel schreit danach.

Äußerlich unterscheidet sich die Kamera allerdings gar nicht so sehr von ihren Geschwistern. Spürbar ist, dass der Griffwulst sehr großzügig und das Ding unheimlich angenehm zu tragen ist. Spürbar ist auch das relativ hohe Gewicht. Mit der ersten A7 wollte Sony noch beweisen, wie klein und kompakt Vollformat geht. Sie brachte 474 Gramm auf die Waage. Das neue Flaggschiff kommt auf 582 Gramm. Das klingt nicht nach viel, aber man merkt es. Vor allem, weil das Gehäuse immer noch sehr kompakt, aber eben schwerer ist, wirkt das Ganze um einiges wertiger und massiver.

Ein bisschen „Knöpfchen-wechsel-dich“ hat Sony auch gespielt und zum Beispiel den Startknopf für die Videoaufnahmen verlegt. Er war vielen Anwendern im Weg und wurde angeblich zu oft aus Versehen benutzt. Ansonsten bietet sich das gewohnte Bild: Jede Menge Stellräder, die ähnlich arbeiten wie die einer klassischen SLR. Das Moduswahlrad muss mit einer Mitteltaste entsperrt werden und es gibt mehrere Tasten, die sich frei belegen lassen.

Eigenschaften

Eigentlich sollte ich hier anfangen, aufzuschreiben, was die Kamera nicht kann. Das wäre kürzer.

Also was hat Sony dem neuesten Flaggschiff mit auf den Weg gegeben? Über die neu gestaltete Sensorarchitektur habe ich bereits geschrieben. Sony nutzt außerdem ein Verfahren, bei dem der Sensor rückwärtig belichtet wird, um ihn noch empfindlicher zu machen. Derzeit ist es der einzige seiner Art. Untergebracht hat man auf ihm mächtige 42 Megapixel. Wie das im Größenvergleich ausseht, könnt ihr hier in meinem Artikel zu einem 5DS-Bild sehen.

Das „R“ im Namen der Kamera verweist auf des Weglassen des Tiefpassfilters. Dies soll eine maximale Schärfeausbeute garantieren. Weil dank der extrem hohen Auflösung jegliche Vibrationen unscharfe Bilder bedeuten können, hat Sony noch weitere Anpassungen vorgenommen. So ist der auf 500.000 Auslösungen ausgelegte Verschluss vibrationsarm aufgebaut und die Kamera bekam einen Silent-Modus spendiert, bei dem nur ein elektronischer Verschluss genutzt werden kann. In der Praxis ist das ein bisschen unheimlich – die Kamera macht tatsächlich nicht das winzigste Geräusch, erfasst aber Bilder mit maximal 1/16.000 Sekunde Verschlusszeit.

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Sony A7R II, Sony-Zeiss FE 55m F1.8 ZA, 55mm, f2.0, ISO 100, 1/800s. Rechts die 100-Prozent-Ansicht des Bilds links.

Natürlich hat die Kamera auch einen fünfachsigen Bildstabilisator integriert. Schraubt man ein Objektiv mit eigenem Stabi an und die Kamera kennt es, dann werden dessen Achsen genutzt und um die erweiterten Möglichkeiten innerhalb der Kamera ergänzt. Übrigens ist Sony auch sehr stolz darauf, die meisten Messungen und Anpassungen auch mit Drittobjektiven und Adaptern zu ermöglichen. In Berlin hatte ich eine brachiale A7R II in der Hand, an die via Adapter ein Zeiss Otus 1.4/85 gesetzt war. Das Objektiv ist manuell, die Fokussierung unterstützt die Kamera aber mit Sucherlupe, Zebramuster und Fokus-Peaking. Kurz gesagt: die Bedienung ist ein Kinderspiel und die Bildqualität lässt einen in Tränen ausbrechen.

hands-on_sony-a7r2_backDer elektronische Sucher ist daran natürlich nicht ganz unschuldig – die 2,3 Mio. Bildpunkte der OLED-Lösung sehen hervorragend aus und bieten neben der 100-Prozent-Bildfeldabdeckung auch eine Suchervergrößerung von 0,78-fach, was derzeit weltweit einzigartig ist. In der Praxis heißt das, das man fast mit den Augen rollen muss, um den gesamten Bildschirm im Sucher erfassen zu können. Wer das nicht will, nutzt ansonsten den Monitor, den auch bei dieser Kamera Sony vorbildlicherweise klappbar angebracht hat. Wenn wir schon bei den Extras sind: Wifi und NFC sind auch an Bord.

Kleine Details erfreuen darüber hinaus den Anwender. Ich erwähne es immer mal und muss es auch bei der neuen A7 tun: das Ding frisst Strom wie eine verdurstende Kuh das Wasser schlabbert. Den Akkustand kann man sich als Prozentanzeige darstellen lassen und anschließend beim weniger werden fast zuschauen. Das ist natürlich vor allem im Video-Einsatz äußerst lästig. Darum hat Sony rumgeschraubt und so lässt sich die Kamera jetzt auch mit Dauerstrom befeuern. Sehr cool.

Interessant auch, dass man so viel Wert auf Copyright-Belange gelegt hat. Von Fotografen wurde gewünscht, die Urheberinformationen direkt in der Kamera eingeben zu können. Das geht jetzt ausführlicher als zuvor und wird auch im Display eingeblendet. Eine andere, von Fotografen gewünschte, Funktion war es, mit der automatischen ISO-Wahl eine minimale Verschlusszeit kombinieren zu können (maximale Lichtempfindlichkeit ist übrigens ISO 102.400). So kann man der Kamera abgewöhnen, Belichtungskompromisse einzugehen, die zu verwackelten Bildern führen. Extrem kleiner aber enorm nützlicher Kniff.

Performance

Langschweifige Ausführungen zur Bildqualität schenke ich mir hier, ihr könnt die Fotos ja selbst betrachten und findet unten einen Link zu den vollaufgelösten Bildern. Einige Fakten, die ich immer wiederhole, seien euch grundlegend aber auch hier reingezimmert: Die Sony-Sensoren (und damit auch Nikon-Kameras) übertreffen in Sachen Dynamik und Rauschverhalten alles, was ich von der Konkurrenz kenne. Da kommt einfach niemand heran. Das gilt also auch für die A7R II, der man die gewaltige Auflösung der Fotos fast nicht anmerkt – weder in einem Verlust der Bildqualität noch in Sachen Arbeitsgeschwindigkeit.

Und damit kommen wir direkt zu einem der Hauptmerkmale der Kamera, das so prominent eigentlich gar nicht beworben wird. Die neue Sony ist schlichtweg das schnellste Stück Kamera, das ich jemals in der Hand hatte. Die brachialen Doppelprozessoren der Nikon D4 und Canon 1D-Modelle verarbeiten die Datenmengen zwar schneller, aber nichts kommt an den Autofokus der neuen A7 heran. Das Teil ist einfach verflucht schnell.

Ganze 399 Sensoren tasten das jeweilige Motiv ab, nutzen eine hypbride Mischung aus Phasen- und Kontrastmessung. Zwar decken die Sensoren „nur“ 45 Prozenten des Sichtfeldes ab, doch laut Hersteller ist selbst das mehr als bei jeder anderen Kamera. Schaut man durch den Sucher, sieht man eine Person durch das Bild laufen, über die haargenau die kleinen Quadrate des Autofokus flackern. Sie machen jede Bewegung in Echtzeit mit – sowohl seitlich als auch in der Tiefe. Und nebenbei erkennt die Kamera auch noch Gesichter und markiert diese (bis zu acht Stück gleichzeitig). Laut Sony arbeitet das System (auch durch die höhere Auslesegeschwindigkeit des Sensors) rund 40 Prozent schneller als vorhergehende Lösungen.

Natürlich macht sich der schnelle AF auch bei Videoaufnahmen bemerkbar. Ohne selbst nachzuregeln oder den Auslöser zu drücken, fokussiert die Kamera ständig nach und gelangt in Sekundenbruchteilen von weit entfernten Motiven zu nahen, um sie scharfzustellen. Und das wohlgemerkt ohne, dass ich ausdrücklich anvisiert habe, was ich fokussieren will.

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Sony A7R II, Sony-Zeiss FE 55m F1.8 ZA, Aufnahmezeit: 21:22 Uhr, 55mm, f2.0, ISO 5.000, 1/60s aus der Hand.

Ich bleibe bei der Videofunktion, denn die ist in der neuen A7 eine extrem wichtige Komponente. Der Premium-Kompakten RX100 IV hat man dank des neuen Sensors High-Speed-Videoaufnahmen spendieren können. Heißt: sie zeichnet bis zu 960 Bilder pro Sekunde und damit eine 40-fache Zeitlupe auf. Ähnliches beherrscht auch die RX10 II, die noch ein kleines bisschen schneller ist.

Die meisten haben jetzt erwartet, dass die A7R II das auch kann – immerhin baut sie auf der gleichen Sensor-Prozessor-Architektur auf. Sony hat jedoch darauf verzichtet, ihr das mitzugeben und konzentriert sich stattdessen ganz auf die 4k-Videoaufzeichnung. Und das ist eine gute Sache, denn das beherrscht sie damit unheimlich gut.

hands-on_sony-a7r2_frontWie ein Film aus einer A7-Kamera aussieht, könnt ihr auf den ganzen Videoportalen nachschauen. Ich selbst habe erst kürzlich einen gepostet, der ohne zusätzliche Beleuchtung nur bei Mondlicht gedreht wurde. Ein 4k-Beispielvideo der brandneuen 7R II findet ihr hier. Die Kamera zeichnet Videos in zig Formaten und Größen auf – Maximum ist 4k und das professionelle Format XAVC S. Das besondere daran ist, dass die Verarbeitung des Signals mit der extrem hohen Bitrate von 100 Mbit/s direkt in der Kamera stattfindet. Anschließen eines externen Rekorders ist damit nicht mehr nötig.

Mein technisches Video-Wissen stößt leider schnell an eine Grenze, die die Sony-Kamera bei weitem übertrifft, sonst würde ich hier noch mehr erzählen können. Zum Beispiel, dass die Kamera einen Dual-Modus unterstützt, bei dem man während dem Filmen Fotos machen kann. Oder man überlässt es der Kamera, die Szenen erkennt. Darum schwenke ich noch einmal schnell zur Foto-Performance um: Der mechanische Verschluss schnippelt mit den bei Profi-Geräten üblichen 1/8.000 Sekunde durch die Wirklichkeit und die Kamera nimmt dabei bis zu fünf Bilder pro Sekunde auf. Das ist wiederum keine Profi-Leistung, betrifft aber auch Bilder in voller Auflösung. Und die haben im Raw-Format mal eben rund 42 Megabyte. Das sind dann also etwa 210 Megabyte, die von der Kamera durch die Schaltungen gepresst und auf die Speicherkarte gelötet werden.

Diese muss auch wirklich flott sein, denn die Kamera ist es. Ich hatte mehr als einmal die Situation, in der die Kamera kompromisslos zum Dauersprint ansetzte und sich die Bilder auf die Karte hämmern wollte, aber dann die Puste ausging, weil das Ding nicht mit dem Speichern hinterher kam.

Fazit

Seit die ersten Gerüchte über eine superhochauflösende Sony-Kamera im Netz auftauchten, war jeder gespannt auf das, was da kommen würde. Natürlich steigerte sich damit die Erwartung und die Begeisterung auf ein Maximum. Jetzt, wo ich die Kamera insgesamt drei mal in der Hand hatte, muss ich sagen: Das Teil macht einfach höllisch Laune.

Sony hat hier ganz unscheinbar einen großen Schritt nach vorn gemacht, das merkt man dem Gerät (fast) an jeder Stelle an. Während Canon mit der neuen 5DS sehr plump mit der Megapixel-Keule zugeschlagen hat, wurde die A7R II sinnvoll erweitert, bietet mal eben extrem hochauflösende Bilder und ein viel kompakteres Gehäuse und dazu noch eine endlich mal wieder innovative Architektur, die echte Vorteile schafft.

Ich liebe meine Nikon D800. Ein robustes, griffiges, zuverlässiges, hochauflösendes, rundum tolles Arbeitstier. Ich hatte mich in sie verliebt und mir fast eine Niere weggespart, um sie zu bekommen. Ich mag die SLR-Klasse. Ich stelle fest, wie ich Nikon in Schutz nehme, wenn jemand was schlechtes drüber sagt.

Aber.

Die Sony Alpha 7R II ist die erste CSC, die meinen Stolz bricht und ich als Überlegen anerkenne. Gut gemacht, Sony.

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16 Gedanken zu “Hands on: Sony Alpha 7R II

  1. Haste fein geschrieben, Mario, vielen Dank, Das Ding sticht mir auch schon eine Weile ins Auge, aber bei dem Preis wohl eher Weihnachten. Wenn sie da noch lieferbar ist, hahaha. Bei Sonys Modellwechseln ist das ja so eine Sache. Mich hätte noch die AF Leistung bei schwachem Licht interessiert. Zwar hast Du gefilmt bei Mondlicht, aber war der AF da auch noch flott? Empfindest Du beim OLED-Sucherdisplay eine Verzögerung oder eine Art „Indirektheit“, das ja die großen Verfechter der Spiegelkrücken bemängeln?

    Mattscheibe und Spiegel empfand ich schon immer als Krücke und statt stundenlange den AF zu feinjustieren, würde ich die Zeit mit einem neuen Objektiv gern mit andrem verbringen.

    1. Hi Joju!

      Je weniger das Licht wird, desto mehr „atmet“ der Autofokus und umso länger muss er suchen. Darüber ist auch die A7R II nicht erhaben. Gemäß den Standardeinstellungen ist das AF-Hilfslicht aktiviert und das leistet einen verdammt guten Job. Zusammen mit dem ist die Kamera wirklich flott, auch wenn praktisch gar kein Licht mehr da ist. Mir ist auch aufgefallen, dass der unheimlich hell ist und der Kamera mindestens sechs Meter weit eine Hilfe ist.

      Vorgestern glaube ich, hatte ich folgende Situation: Ich stand abends kurz vor zehn am Rand eines Felds und visierte ein Fabrikgebäude an, ca. einen Kilometer von mir entfernt. Alles irgendwie bläulich. Damit hat sich die Kamera sehr schwer getan, auch die Laternen direkt vor der Fabrik waren keine Hilfe. Ich habe dann in den Himmel gezielt, damit der AF auf unendlich geht und bin dann wieder zurück zum Bildausschnitt, das ging dann. Aber das war, wie gesagt, zu einer Uhrzeit, bei der es praktisch schon Nacht war. Kleine Lichtquellen in größerer Nähe machen der Kamera keine Probleme.

      Der Sucher (und der LCD) ist quasi lag-frei. Ein Unterschied zu einem optischen Sucher ist praktisch nicht mehr vorhanden. Die Ausnahmen: Wenn man auf der Stelle steht und sehr schnell herumwirbelt, tauchen Motivschatten auf, als würden die Bilder beginnen, sich zu überlagern. Um das zu sehen, muss man sich aber schneller bewegen als wenn man ein vorbei ziehendes Flugzeug fotografieren wollte. Zweite Ausnahme: Wenn der Auslöser halb gedrückt ist und man sich bewegt, ruckt das Bild in dunklen Umgebungen.

      Gruß,
      Mario

  2. also deine unverhohlene begeisterung macht ja fast lust, sich mit dem teil näher zu befassen ;) eine ganz blöde frage: der vollformatssensor der spiegellosen (hab ich das richtig verstanden?) bleibt aber nach wie vor das problem, wenn ich meine nikon dx objektive draufschrauben will…

    1. Hi Paleica!

      Oh, hat man das wirklich so deutlich gemerkt? ^.^

      Ich halte es für sinnvoll, die Sony-Kameras vorzustellen, denn vor allem im klassischen SLR-Lager gibt es unheimlich viele Fotografen, die ignorieren, dass es eine Welt jenseits des „C’s“ und des „N’s“ gibt. Gerade die A7-Modelle haben diese Ignoranz aber nicht verdient, wie ich finde. Wenn Sony mit diesen Geräten weiter solchen berechtigten Druck aufbaut, müssen sich die Platzhirsche langsam aber sicher etwas einfallen lassen.

      Denn inzwischen bietet Sony Technologien, bei denen die anderen teilweise hinterher hinken. Nikon hat es da noch am entspanntesten, denn die nutzen ja Sony-Sensoren.

      Davon abgesehen zu deiner Frage:
      Sorry, ich habe es bei all den anderen A7-Reviews bestimmt geschrieben, hier aber nicht: Ja, auch die 7R II hat einen Vollformatsensor. Das ist das ganz klassische Format wie auch in SLRs, nur, dass kein Spiegel davor ist. Ergo: Auch hier lässt sich die physikalische Grenze nicht austricksen, wenn man von DX zu Kleinbild wechseln will – bei weitwinkligen DX-Brennweiten wird man eine Randabschattung sehen.

      Gruß,
      Mario

  3. Irgendwie sehe ich ja nicht ganz die Sinnhaftigkeit der Idee, vor eine 3500€ Kamera unpassende Objektive zu schrauben ;) Grad bei Weitwinkeln und hoch auflösendem Sensor wäre das programmierte Enttäuschung.

    Bei DPReview gibt es auch noch einige Samples, weil das viel mehr Porträts sind als bei Dir, Mario, erlaube ich mir mal einen Link zu posten: http://www.dpreview.com/sample-galleries/7076458101/sony-alpha-7r-ii-samples-gallery. Das kitzelt schon stark den Habenwollen-Nerv. :o

    Wenn man mal den Haufen Geld in die Hand nimmt, dann doch eher nicht, um mit Klapparadaptern Altbestände von Objektiven anzuschliessen – obwohl das Canon 11-24 ja nicht gerade Altbestand ist und sich vor dieser Kamera besser macht als vor der EOS 5Dwasweissich mit 50 MP.

    Andrerseits gibt es halt für fast alle Objektive auch einen Adapter für die Sony, allein das kann schon ein Alleinstellungsmerkmal sein. Aber eben, dann halt richtig tolle Linsen.

    1. Naja, Paleicas Überlegungen sind wirtschaftlicher Natur. Dass es nicht das sinnvollste ist, unpassende Objektive zu verwenden, weiß sie auch. Wir schrieben hier in den Kommentaren schonmal darüber, darum weiß ich das.

      Sie denkt über einen Wechsel zum Vollformat nach und will nur sicher sein, dass er so wenig schmerzhaft sei, wie möglich. Interessanterweise ist mir auch schon aufgefallen, dass recht viele Leute alles mögliche an ihre A7er adaptieren. Wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass Sony selbst das für sich in den Fokus gerückt hat. So weit ich weiß, wird alles von Metabones tadellos unterstützt.

      Klar, der Link geht in Ordnung. Ich würde gern am Wochenende ein Modelshooting mit der A7R II machen, weiß aber noch nicht, ob das klappen wird. Ich habe auch andere Porträts gemacht, für die aber keine Freigabe hier für den Blog.

      Gruß,
      Mario

  4. hallo, vielen Dank für den ausführlichen Test. Bin Canon Besitzer. Fotografiere oft in der Natur, im Regenwald, Steppe, Wüste (hohe Luftfeuchtigkeit, Erschütterungen, Staub, etc). Canon funktioniert einfach, vor allem die Objektive (L) sind erste Sahne. Oft finde ich, die Kameraproduzenten und die Objektivproduzenten sind nicht aus dem gleichen Haus, weil die Body – sorry, die sind irgendwo vor 5 Jahren stehen geblieben. Jede Neuerungen sind immer halbherzige Erneuerungen. Man wird einfach den Verdacht nicht los, bewusst nur ein Teil des technisch möglichen in eine Kamera verbauen, man will ja auch Argumente den Kauf für die übernächste Version haben. Klar, dieses falsche Spiel machen alle Hersteller irgendwo. Aber bei Canon ist es sooo offensichtlich, dass man sich einerseits verarscht vorkommt, und sich aber auch fragt, wollen die nicht oder können sie nicht. Das Gefühl hat man ja bei dieser Sony 7RII definitiv nicht. Ist diese Sony Kamera (und die Objektive) auch für den harten Einsatz gedacht? Das kann mir wahrscheinlich so niemand beantworten. Ich wäre grundsätzlich für ein Systemwechsel bereit, wären da nicht die verdammt guten Objektive von Canon.
    Gruss Frank

    1. Hallo Frank!

      Gerade hatte ich ein Gespräch mit Kollegen darüber, warum Canon und Nikon die Leute weglaufen und welchen Sprint Sony gerade hinlegt. Dein Kommentar unterstrich die Diskussion mit perfektem Timing.

      Ich teile deine Auffassung fehlender Innovation und vor allem der halbherzigen Neuerungen. Das ist nicht nur spürbar, sondern teils auch schon ärgerlich. Auch die neueste Sony könnte noch ein paar Bonus-Features haben (zB doppelter Kartenschacht), aber man spürt deutlicher, dass der Hersteller zeigen will, was möglich ist. Und davon profitiert nunmal der Anwender.

      Was die Objektive angeht: Die normalen Sony-Optiken, die ich an den E-Mount bringen kann, würde ich nie einem L-Objektiv vorziehen. Bei den Sony G-Objektiven wird es schon spannender – die darf man gern als Pendant zu den Canon-L’s betrachten. Wer noch einen Hauch mehr Qualität will, konzentriert sich auf die Sony-Zeiss-Optiken. Allerdings ist hier die Auswahl nicht so hoch wie bei Canon. Möchte man das Maximum aus dem pervers guten Sony-Sensor quetschen, dann schaut man sich die E-Mount-Objektive an, die von Zeiss direkt kommen. Ich habe hier im Blog jedes davon getestet und manchmal fällt es mir dabei schwer, objektiv zu bleiben. :)

      Jetzt kommt etwas, das wirklich interessant für dich ist: Ich wurde zur Vorstellung der Kamera zu einem Box-Event nach Berlin eingeladen. Dort habe ich ein Zeiss Otus 1.4/85 (Test auch hier im Blog) an die neue Sony adaptiert. Achtung: das Otus hatte einen Canon-Anschluss!
      Was soll ich sagen? Mir standen fast die Tränen in den Augen. Unfassbarer Bildeindruck und dank Focus-Peaking, Zebramuster, Sucherlupe ist die Bedienung lächerlich komfortabel. Der wirkliche Hinweis aber ist: Das Fokussystem der Sony ist dermaßen schnell, dass es kaum noch einen Unterschied macht, ob ich ein Objektiv von Sony ansetze oder eines von Canon adaptiere.

      Was das angeht, beweist der Hersteller echte Profi-Qualitäten und verlangt großen Respekt. Über den harten Einsatz schreibt Sony: „Die Kamera ist staub- und feuchtigkeitsresistent. Sie ist jedoch nicht wasser- oder spritzwasserfest.“
      Wasserfest ist dasselbe wie Wasserdicht – klar, dass sie das nicht ist. Aber bereits in diesem Video (https://goo.gl/W0gcgV) sieht man, was die A7er vertragen. In Berlin hat Sony auf einem Presseevent außerdem angekündigt, dass alle kommenden A7-Objektive noch stärker auf wetterfestigkeit ausgelegt sein werden: die Vorarbeit habe man bei der A7 R II bereits geleistet.

      Gruß,
      Mario

  5. Hallo Mario

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Elementare Argumente, die aus meiner Sicht ebenfalls für Sony und gegen Canon (wohl auch Nikon) sprechen sind:
    – die Grösse der Kamera (ich will ja nicht der ganzen Welt zeigen, schaut, es hat nur für Canon gereicht ;-), im ernst, wieso müssen die Kameras so monströs gross sein, ein guter Griff muss her, wie bei Sony!
    – das Gewicht (die Sony hat gerade mal etwa 500g, eine Canon 7 Mark II mit NUR Kropfaktor fast 1 Kg, versteht kein Mensch)
    – die Gehäuse-Materialisierung (im Gegensatz zu den Plastikbombern von Canon)
    – und nochmals der Bildsensor (es ist eine Frechheit, was für ein schlechter Sensor z.B. in der neuen Canon 7D Mark II verbaut ist (7 Jahren Zeit hat Canon für die Mark II gebraucht, ohne wirkliche Verbesserungen) und dafür für will Canon Fr. ca. 1600.-!)
    Bester Gruss
    Frank

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