Hands on: Nikon 1 J5

Einmal 230 Gramm Kamera, bitte!

In den vergangenen Wochen gab es aus Zeitmangel deutlich weniger Hands-on-Berichte hier auf mworkz.net. In Zukunft kann sich das wieder ändern, denn zumindest Material wäre da genug. Letztens gab es wieder spannende Neuerscheinungen, die ich mir gekrallt habe. Doch vor den brandaktuellen Spielzeugen noch eine Nachreichung…

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Eindruck

hands-on_nikon1j5_slantDas jüngste Mitglied der Nikon-1-Serie erschien bereits im April. Und zwar ohne Glied. Genauer gesagt ohne Spiegelsystem, wie es bei der 1-er-Reihe Brauch ist, denn es handelt sich um Nikons Fuß in der Tür der spiegellosen Systemkameras. Um sich vom Rest des Marktes abzuheben, gestaltet das Unternehmen die Modelle nach zwei wesentlichen Aspekten: lächerlich klein und lächerlich schnell.

Die Nikon 1 J5 ist ein moderner Winzling. Sie bringt mit rund 230 Gramm Eigengewicht (inklusive Akku und Speicherkarte) weniger auf die Waage als so manches Objektiv einzeln. Weil „leicht“ so gut zu „klein“ passt, ist auch das Gehäuse ultrakompakt: sechs Zentimeter hoch, zehn Zentimeter breit und drei Zentimeter tief. Damit passt sie bequem in eine Männer-Hosentasche und geht verloren in einer Frauen-Handtasche.

Bequem bedienbar ist die J5 daher vor allem für zierliche Menschen, Kinder und zierliche Kinder. Die Stellringe oben liegen zwar eng beieinander, doch lassen sich noch gut benutzen. Die Schalter auf der Rückseite jedoch sind schon sehr unauffällig und können von fotografierenden Riesen vermutlich mit einem Daumen bedient werden – alle auf einmal.

Immerhin hat es Nikon geschafft – und das muss man ihnen lassen – einen niedlichen kleinen Klappblitz sowie ein klappbares LCD zu integrieren. Der ist sogar berührungsempfindlich und macht mit seinen winzigen Bildschirmsymbolen sogar (fast) die winzigen Knöpfe wieder wett. Und er kann – Nikons Gegenargument zu Smartphones – um 180 Grad nach vorne geklappt werden, damit man bequemer Selfies machen kann.

Eigenschaften

hands-on_nikon1j5_swifelIm Inneren der handtellerschmeichelnden Kamera steckt ein 1-Zoll-Sensor, dem Nikon beeindruckender Weise fast 21 Megapixel aufgehaucht hat. Das ist eine anständige Auflösung, die meiner Meinung nach für die allermeisten Situationen reicht. Zumindest, was die typische Zielgruppe der Kamera angeht.

Neben dem klappbaren LCD stehen auf der Liste der zeitgemäßen Features noch ein Wifi-Modul sowie ein NFC-Chip, der die Funkverbindung durch Berührung herstellt. Zeitgemäß ist vermutlich auch die Nutzung von microSD-Karten. Passt aber auch, denn schließlich ist das Ding so klein, dass eine normale SD-Karte vermutlich das Gehäuse ausbeulen würde.

Wenn wir schon bei „zeitgemäß“ sind, dann wollen wir den Begriff auch gleich mal überstrapazieren. Entweder dem Karton oder der Kamera selbst ist irgendwo ein fetter „4k“-Aufkleber draufgepappt und die Marketing-Abteilung spricht von dem Gerät als „perfekten Filmpartner“. Nun, das ist … definitiv euphemistisch. Beides.

hands-on_nikon1j5_backDie 1 J5 zeichnet zwar immerhin Full-HD mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde auf, aber das können die meisten anderen Kameras dieser Klasse auch. Als Spielerei gibt es eine Zeitlupenfunktion mit 120 Bildern pro Sekunde im HD-Format on top, was zeitweise schon recht cool ist. Wenig mehr als Spielerei ist allerdings auch die 4k-Geschichte. Zwar zeichnet die Kamera das hochauflösende Video auf, aber das mit nur 15 Bildern pro Sekunde. Erst ab etwa 24 davon empfindet das menschliche Auge Bewegungen als flüssig. Man muss also davon ausgehen, dass diese Funktion nur für den Aufkleber integriert wurde.

Performance

Kommen wir jetzt aber mal zu den Stärken der Kamera, nämlich ihrer Geschwindigkeit. Das bei fast allen 1-er Nikons das entscheidende Merkmal und vielleicht auch den kurzen Leiterbahnen der Geräte geschuldet.

Jedenfalls ist die J5 in der Lage, sich bis zu 20 Bilder pro Sekunde bei nachgeführtem Autofokus aus der Linse zu quetschen. Das ist schon eine beeindruckende Hausnummer und übertrifft mal eben jede SLR-Kamera. Ohne Autofokus sind sogar bis zu 60 Bilder pro Sekunde drin. Wer das noch schneller braucht, verlässt sich auf den elektronischen Verschluss, der dem Motiv mit 1/16.000 Sekunde zuzwinkert.

Völlig problemlos spielt dabei das Fokussystem mit, das sich auf insgesamt 171 Autofokusmessfelder verlässt. 105 davon arbeiten mit der sehr schnellen Phasenerkennung, der Rest ist für die genauere Kontrastmessung. Je nach erkannter Motivsituation wechselt die Kamera die Systeme.
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Mal so eben am Rande: Aufgrund des doch eher kleinen Sensors ergeben sich recht spannende Objektivkombinationen. Die J5 ist zum Beispiel mit dem 1 NIKKOR VR 10–30 mm 1:3,5–5,6 PD-ZOOM im Kit erhältlich. Das sind etwa 26 bis 78 Millimeter im Kleinbildformat, gequetscht in eine Optik, deren Gehäuse nur 2,8 Zentimeter tief und 85 Gramm schwer ist. Dämliche Idee dabei jedoch: Man muss vor der Benutzung das Objektiv erst entriegeln, damit es ein Stück ausfährt und sich dann zoomen lässt.

Im Test stand mir das 1 NIKKOR 32 mm 1:1,2 zur Verfügung. Eigentlich eine noch spannendere Optik, denn es hat eine KB-Brennweite von 85 Millimetern und eine maximale Offenblende von f1,2. Äußerst verlockende Kombination. Aber wie man auf den Fotos hier im Artikel sieht, hat es auch ein ernstes Problem mit chromatischen Aberrationen wenn die Blende ganz offen ist.

Fazit

Es ist schon nicht ganz von der Hand zu weisen, dass Nikon den kleinen 1er-Kameras beachtliches abverlangt, in Sachen Geschwindigkeit. Auch die Bildqualität geht prinzipiell durchaus in Ordnung. Letztlich macht es die Teile zu prima Schnappschusskameras, denn sie sind klein, unauffällig und haben diesen praktischen Klappmonitor. Um es in den Pressebildern von Nikon selbst auszudrücken:

Die Nikon 1 J5 ist prima für…

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Aber eigentlich nicht so sehr für ambitioniertere…

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Mehr!

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