Hands on: Panasonic Lumix G70

Panasonic aktualisiert das Bindeglied zwischen der „Kann ich mir nicht leisten“-Kamera und den „Schlepp ich mal mit“-Geräten mit einem ambitionierten 4k-Modell.

Die neueste Erweiterung von Panasonics Kamerapark hatte ich schon vor einer Weile in den Griffeln. Erst seit jüngster Zeit können auch Lightroom und Camera Raw deren Fotos verarbeiten, so dass ich heute ein bisschen was zur Kamera präsentieren kann.

Wenn man so will, schieben mehrere Kamerahersteller derzeit eine „4k-Offensive“ an. Sie haben entdeckt, dass man hochauflösende Videoaufzeichnung gut als Feature-Vehikel nutzen kann, um neue und verkaufsfördernde technische Spielereien in die Geräte zu packen. Allen voran preschen Sony, Samsung und eben Panasonic. Nicht zuletzt, weil deren CSC-Kameras auf dem Markt beliebt sind und sie mit Fernsehern, Camcordern und Mobilgeräten ein passendes Ökosystem besitzen.

Auch der G70 hat Panasonic das Label „4k“ fest eingraviert. Das heißt aber nicht, dass sie nur Filmchen aufzeichnet, sondern damit auch so einiges anstellen kann.

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Eindruck

hands-on_panasonic-g70_slantDie Kamera an sich bietet äußerlich wenig überraschendes. Typisch beim Hersteller: Sobald ein ausladendes Objektiv am Gehäuse klemmt, orientiert sich das Design desselben an klassischer SLR-Architektur.

Das ist bei der G70 aber durchaus prima, denn dadurch ist sie nicht zu fuzzelig klein und fasst sich gut an. Gestaltungsmäßig soll sie die Lücke zwischen der FZ1000-Bridge mit fest verschnorkeltem Objektiv und dem Flaggschiff GH4 schlagen.

Eine Menge Einstellräder und Buttons machen vor allem „manuellen Fotografen“ Spaß: Vier Drehräder gibt es auf der Oberseite und auf der Rückseite typischerweise massenhaft Fn-Knöpfe, die sich nahezu frei mit Funktionen belegen lassen. Leider war kein Platz für ein zweites Statusdisplay, aber das ist bei CSCs erstens sowieso selten bzw. gibt es gar nicht und zweitens hat die G70 ein Klappdisplay.

Das gehört zur japanischen Verspieltheits-Vollständigkeitsliste und ist auch bei dieser Kamera gar nicht mal so ungeschickt. Denn erstens macht es das Leben des Fotografen in gewissen Situationen leichter (beim Kriechen über den Boden oder in der prallen Sonne) und zweitens denkt Panasonic auch ans Filmen. Packt man die Kamera zum Beispiel auf ein Schulter-Rig, macht ein Klappdisplay die Bildkontrolle um ein Vielfaches bequemer.  Und auch die Bedienung, denn das Display ist mal wieder berührungsempfindlich.

Dabei jedoch immer noch unverändert: Die Benutzeroberfläche ist zu finzelig. Man braucht teilweise einen kleinen Finger, um die zwar hochaufgelösten aber eben doch recht kleinen Bedienelemente auf dem Display anzutippen.

Eigenschaften

Die G70 ist die Nachfolgerin der Lumix G6 und damit kein Monster aber doch ganz gut ausgestattet. Sie bietet einem 16-Megapixel-MFT-Sensor ein Zuhause, das einen muskelbepackten Quad-Core-Prozessor als Türsteher hat. Er sorgt außerdem dafür, dass die zahlreichen Spielereien flüssig ablaufen.

Auf den neuesten Stand der Zeit hat man auch den OLED-Sucher gehoben, der nun eine Auflösung von 2,3 Millionen Bildpunkten besitzt. Ebenfalls an Bord ist ein Wifi-Modul, über das man die Kamera nahezu komplett fernsteuern kann.

Der 4k-Aufdruck auf dem Karton verspricht einiges. Einfachste Disziplin ist dabei noch das reine Aufzeichnen von 4k-Video, wobei hier schwindelerregend hohe Datenraten von bis zu 100Mb/s gespeichert werden. Das 4k-Format nutzt die Kamera jedoch noch für weitere Tricksereien.

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Im „4k Serie“-Modus zum Beispiel, werden 30 Bilder pro Sekunde erfasst, solange der Auslöser gedrückt ist (maximal rund 30 Minuten) oder mit zweimaligem Drücken des Auslösers, um die Aufzeichnung zu starten und zu stoppen. Im „4k Pre“-Modus nimmt die Lumix G70 in zwei Sekunden 60 Bilder auf. Die Hälfte davon sogar noch vor (!) dem Auslösen.

Hat man den ersten Sprung des Töchterchens vom 10-Meter-Turm abgefilmt, kann man anschließend in der Kamera durch die Bilder scrollen und den Schnappschuss mit dem dämlichsten Gesichtsausdruck als JPG extrahieren. Der hat dann zwar nur rund 8 Megapixel Auflösung, das reicht aber allemal, um eine peinliche Erinnerung festzuhalten.

Performance

hands-on_panasonic-g70_frontBemerkenswert ist unter anderem die Autofokusgeschwindigkeit. Viele Kameras (und Objektive) sind mittlerweile an die Grenzen des mechanisch möglichen gestoßen, so dass Rechenpower für Vorschub leisten muss. Davon hat die G70 einige und nutzt sie unter anderem für die „Depth From Defocus“-Technik.

Kurz gesagt hat man der Kamera beigebracht, unscharfe Bereiche in Bildern zu erkennen und sie von einigermaßen scharfen bis scharfen Bereichen zu unterscheiden. Das bedeutet, dass sie mit dem Objektiv nicht durch den Schärfebereich fahren muss, um zu suchen, sondern auch ohne mechanische Intervention bereits die Schärfe beurteilen kann. Das sorgt für einen drastischen Geschwindigkeitsgewinn. Außerdem kann die Kamera neben Gesichtern inzwischen auch Augen erkennen.

Angesichts der 4k-Fotofunktionen merkt man schon, dass die G70 eine Sprinterin ist. Das will sie auch bei Fotos in voller Auflösung sein, denn sie kann bis zu acht Bilder pro Sekunde auf die Speicherkarte löten. Wer dabei auch noch sehr kurze Verschlusszeiten braucht, nutzt den elektronischen Verschluss mit 1/16.000 Sekunde.

Fazit

Wir wissen bereits, dass japanische Hersteller wie Panasonic relativ schamlos agieren und auch in die Geräte der gehobenen Mittelklasse Top-Leistungsmerkmale integriert. Das ist auch bei der rund 1.000 Euro teuren G70 der Fall.

Dort bekommt man ein Leistungspaket, das viele DSLRs nicht mehr zu bieten haben. Darunter fällt zum Beispiel die Videoaufzeichnung, die inzwischen auf einem Level ist, um problemlos zum Beispiel für Musikvideos oder gar stark budget-abhängige TV-Produktionen geeignet zu sein. Die massive Rechenpower ermöglicht dann auch, aus den Videosequenzen Einzelbilder rauszuholen.

Daran muss man sich aber erst gewöhnen. Es wirkt schon überraschend und beeindruckend, wenn man kurz auf den Auslöser drückt und dann von der Kamera 60 knackige Bilder vor den Latz geknallt bekommt, die man erstmal durchblättern muss, um eins auszusuchen. In gewissen Situationen kann das aber auch den entscheidenden Vorteil verschaffen.

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Mehr!

  • Die Bilder oben kann man sich hier in Originalauflösung anschauen.
  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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