Dunkelkammerkunst 8: Replichrome: Slide

Nach ein paar Wochen Zwangspause geht es heute endlich weiter mit der #dunkelkammerkunst. Und ich hole direkt ein Versprechen nach – die Vorstellung des zweiten Pakets der Replichrome-Presets. Über diese habe ich bereits hier geschrieben. Insgesamt gibt es drei Pakete, die sich unterschiedlichen Aufgaben widmen:

  • Replichrome I: Icon ist eine Sammlung von Presets, die auf den – laut Aussagen der Hersteller – ikonischten Filmen der Geschichte basiert. Allerdings alles moderne Filme. So zum Beispiel der Fuji 400H, der Kodak Portra 400 und der Kodak Tri-X [link]
  • Replichrome II: Slide beinhaltet moderne und eingestellte Dia- und Umkehrfilme. Darunter fallen wirklich coole und sehr bekannte Varianten wie Velvia, Provia und Astia von Fuji, oder die eingestellten Kodak- und Agfa-Diafilme. [link]
  • Replichrome III: Archive versammelt 22 rare und schwer auffindbare Filmsorten aus der ganzen Welt. Darunter Exoten wie der Centuria Super 100, Unichem 100 oder Orwocolor [link]

Replichrome: Slide

Zu den Hintergründen der Replichrome-Presets könnt ihr gern im vorangegangenen Artikel lesen. Kurz zusammengefasst ist es so, dass die Lightroom-Presets erneut analoge Filmsorten simulieren sollen und dabei einem sehr wissenschaftlich korrekten Anspruch entsprechen wollen.

Die Macher hinter den Entwicklungsvorgaben haben die Filme überall auf der Welt aufgetrieben, mit unterschiedlichen Kameras in verschiedenen Situationen belichtet und die Ergebnisse dann analysiert, entwickelt und gescannt. Letzteres auch mit zwei verschiedenen Scan-Systemen (Noritsu und Frontier), was letztlich zu drei Varianten jedes Presets führt: einer Vorlage, die auf einem Noritsu-Scan basiert, eine, die mittels Frontier-Scan entstanden ist sowie eine nachträglich kalibrierte Version der Scans.

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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/4.000s, f2,0, Astia 100F Calibrated

Kompatibilität

Die Replichrome-Presets wurden für Adobe Photoshop Lightroom entworfen und sind daher mit diesem, aber auch mit dem RAW-Importmodul von Photoshop selbst kompatibel, mit Adobe Camera RAW.

Von Lightroom wird Version 4 oder neuer benötigt, ACR muss in Version 7 oder höher vorliegen – ist also kompatibel mit Photoshop ab Version CS6.

Beispiel

„Replichrome II: Slide“ enthält – wie der Name schon sagt – eine schöne Sammlung an Dia- und Umkehrfilmen. Entsprechend weniger Retro-blass geht es hier zur Sache wie noch bei Replichrome I, sondern die Bildstile fallen in aller Regel satter, knackiger und kontrastreicher aus.

Aufgeteilt sind die Filmsimulationen auf drei Gruppen: Fuji-Filme, Kodak und „andere“. Letztere enthält eine gigantische Ansammlung von genau zwei Herstellern: Agfa und Scotch Chrome.

Die Fuji-Varianten zeigen sich recht zurückhaltend und erinnern von allen noch am ehesten an Retro-Filme. Einzig der Velvia 50 ist etwas knackiger:

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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/1.000s, f1,8, Original
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/1.000s, f1,8, Provia 400X
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/1.000s, f1,8, Sensia 400
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/1.000s, f1,8, Velvia 50

Kodak

Die Kodak-Filme hauen gleich etwas mehr rein und bieten abwechslungsreichere Looks:

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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/3.200s, f1,8, Original
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/3.200s, f1,8, E100G, Noritsu
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/3.200s, f1,8, E200, Noritsu
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/3.200s, f1,8, Ektachrome64X, Noritsu
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/3.200s, f1,8, EPL/Panther 400X, Calibrated
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 1.8/85, ISO 100, 1/3.200s, f1,8, P800/1600, Noritsu

Andere

Noch etwas stärkere Bildeindrücke verschaffen die Agfa- und Scotch-Chrome-Filme.

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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 2/25, ISO 100, 1/1.000s, f2,0, Original
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 2/25, ISO 100, 1/1.000s, f2,0, Scotch Chrome 100
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 2/25, ISO 100, 1/1.000s, f2,0, Agfa RSX II 50, Noritsu
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 2/25, ISO 100, 1/1.000s, f2,0, Agfa CTX 100, Noritsu
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Sony A7 Mk II, Zeiss Batis 2/25, ISO 100, 1/1.000s, f2,0, Agfa1000RS, Noritsu

Meinung

Ganz ehrlich: Die Dia-Filme sind nicht ganz so mein Geschmack. Mir sind sie zu knallig und kontrastreich, was nicht so meinem Stil entspricht. Dennoch sind sie gut umgesetzt und verpassen RAW-Bildern einen ordentlichen Kick.

Meiner Meinung nach eignen sich die Presets vor allem für dokumentarische Aufnahmen und alles, was irgendwie an die 1970er und 1980er Jahre erinnern soll. Neben den reinen Filmsimulationen enthält das Paket auch noch Presets für Anpassungen, mit denen man die genannten Filme üblicherweise bearbeitet hat: so zum Beispiel abgedunkelte Himmel sowie Körnung oder Vignettierung in verschiedenen Stärken.

#dunkelkammerkunst:

Mehr!

  • Weitere, ausführliche Artikel rund um das Thema „Fotografie lernen“ findet ihr hier.
  • Schnelle Tipps und Hinweise habe ich hier zusammmengetragen.
  • Meine ganze Fotografie und Digital Art verpackt mit Worten.
  • Ausgesuchtes im mworkz.portfolio
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13 Gedanken zu “Dunkelkammerkunst 8: Replichrome: Slide

  1. Ich frage mich, was ein Klick auf einen Filter mit Dunkelkammer oder Kunst zu tun hat? Dunkelkammer ist ein Ort, wo physisch greifbare Bilder entstehen, vielmehr entstanden sind. Diese Filter manipulieren In Daten herum, was alle Programme auch tun, aber hat’s the big deal?

    Und wo ist das Bild, für das es diese Art Manipulation braucht. Sorry, ich konnte kaum Unterschiede der Variationen erkennen. Erinnert mich ein wenig an SilverFX, wo man lange durch 7 Dutzend presets klicken kann, aber das mit dem „fehlendes Bildkonzept finden“ halt doch nirgends findet.

  2. Mir gefällt’s, schöner Beitrag. Ich hatte mir schon nach Deinen letzten Beitrag die VSCO Filter angeschaut und die kostenlose Sammlung runtegeladen. Schöne Ansätze an den man weiter basteln und schleifen kann. Danke für den Tip.

  3. Natürlich sehen die Filter teilweise sehr gleich aus und die Variationen erkennt man oft auch nur, wenn man genauer hinschaut. Dennoch finde ich den Titel Dunkelkammerkunst durchaus gelungen.
    Es handelt sich um einen Mehrteiler, der sich mit der weiteren Entwicklung nach dem eigentlichen Fotografieren beschäftigt. Dazu gehört mittlerweile auch die Abwandlung mit Presets, wenn man nicht gerade selbst gerne mit den einzelnen Reglern herum experimentiert.
    Die digitale Fotografie ist nunmal der physischen Greifbarkeit entwichen und die wenigsten Menschen stellen tatsächlich noch „echte“ Abzüge ihrer Fotos her. Oftmals versacken sie zu tausenen auf Festplatten und sterben den digitalen Tod, weil man sie vergisst und nie mehr wiederfindet.

    Wer sich bereits in früheren Zeiten mit diversen Fotoapparaten und Filmen beschäftigt hat und einer ganz bestimmten Sorte Film oder Linse nachtrauert, kann mit solchen Filtern jedenfalls ein Revival erfahren. Von daher haben sie eine Daseinsberechtigung.

    1. Carsten!

      Mir ist auch aufgefallen, dass Bilder auf einem Smartphonedisplay sich noch viel ähnlicher sehen, als beabsichtigt. Hier erkennt man kaum noch Unterschiede. Auf meinem heimischen Monitor ist es deutlicher. Der ist allerdings auch Farbkalibriert. Du nutzt ein Apfel-Tablet oder? Wie ist es damit?

      Vielleicht sollte ich in Zukunft über wichtige Posts schreiben: Achtung, dein Display könnte Müll sein.

      Ich sehe das ähnlich wie du. Weil ich den Alltag des Bildermachens in praktisch jedem Aspekt kenne, gehe ich aber auch konsequent so weit, zu sagen, dass das Organisieren, Sortieren, Zuschneiden, Entwicklen, mit Filtern, Presets, sonstwas versehen digitaler Bilder die neue Dunkelkammer ist. Warum auch nicht? Der Entwicklungsprozess von früher war auch eine Einflussnahme auf das Ergebnis. Dasselbe passiert heute. Nur nicht mehr mit Chemikalien.

      Gruß,
      Mario

  4. Ja, aber warum dann nicht gleich „interessante Add-Ons“ oder „pfiffige PlugIns“ schreiben? Denn um das geht’s. Mit „Dunkelkammer“ verbinde ich Chemikaliengestank, lange Stunden in dumpfer Luft und am Ende 5 Varianten eines Bildes, die ich gern in den interessanten Teilen herausgenommen und in einem einzelnen Bild vereinigt hätte – was heute geht, aber ein komplett anderer Vorgang ist.

    Zum Thema Digitaltod gemachter Bilder sage ich einfach: Wenn jemand schon mal seine früheren Filme scannte, zeigt sich, wieviel von den Negativen noch nie über den Kontaktstreifen hinauskamen und wieviel Dias wieder verdrängt wurden. Tod durch Vergessen ist kein digitales neues Phänomen, wir machen nur mehr Bieler und die Vergessensquote bleibt etwa gleich. Das gilt bei mir auch für die gemachten Baryt-Abzüge, die mich einige Tage Lebenszeit kosteten ;).

    Beim Nachtrauern nicht vergessen: Schon damals gab es keinen perfekten Film. Es gab Filme, die man gern verwendete, aus welchen Gründen auch immer, und womit man dann die erinnerbaren, weil besonderen Bilder machte. Jetzt mal Augen zu und aus der Erinnerung das Bild beschreiben. Dann holen und anschauen. Stimmt das zueinander oder ist die Erinnerung ein Meister im Schönfärben? Das nämlich passt mir nicht an den Plugins: Das Verbrämen und das Fälschen.

    Ich habe Imme roch nicht erfahren: Wo ist das Bild, das solche Filter braucht, damit es wirken kann?

    1. Joju! :)

      „Dunkelkammerkunst“ nenne ich das, weil ich dir eigentlich zustimme und es eben NICHT die Arbeit in der Dunkelkammer ist. Flieg gern noch mal über die Einleitung dieser Artikelserie, dort gehe ich auch darauf ein.

      Das Verändern von RAWs, das Entwicklen und das Draufklicken von Presets ist natürlich nicht das haptische, stinkende, erwartungsvolle Erlebnis von früher. Aber das wird es sein, davon bin ich überzeugt. Bereits jetzt wachsen Generationen heran, die gar nicht mehr wissen, was eine Dunkelkammer ist. Aber die Fotos entwickeln können werden. Digitale Fotos. Und dieser Vorgang ist dann etwas ähnliches.

      Der Begriff „Dunkelkammerkunst“ soll an die Arbeit in der Dunkelkammer erinnern und an die Zeit. An den Umgang mit Film, mit Chemikalien. Einfach, weil die meisten der Filtersammlungen, die ich hier vorstelle, das Ziel haben, analoge Filme zu simulieren.

      Ich denke nicht, dass „Verbrämen und Fälschen“ etwas falsches sein muss. Ich halte es für ein Gestaltungsmittel, das sich der Fotograf oder Künstler zunutze machen kann, um eine Bildaussagen hervorzuheben oder zu verstärken. Fotografiere ich ein Pin-Up-Motiv heutzutage digital, warum soll ich nicht auch eine Filtersimulation verwenden, damit die Wirkung dadurch unterstrichen wird? Muss man nicht, kann man aber. Und um mal zu sehen, was es dafür so gibt, stelle ich hier diese Sachen vor.

      Gruß, Mario

      P.S. Die Frage nach dem Bild, das die Filter braucht, um wirken zu können, ist unfair, das weißt du auch. :) In diese Diskussion steige ich gar nicht erst ein.

      P.P.S. Tatsächlich zeigen die Filter oben nur wenig Varianten. Mir ist auch aufgefallen, dass es auf einem Smartphonedisplay noch schlimmer aussieht – hier erkennt man kaum noch Unterschiede. Auf meinem heimischen Monitor ist es deutlicher. Der ist allerdings auch Farbkalibriert. :-/

    1. Hey Katja!

      Das Lob für das Titelbild streiche ich gern ein, danke! :)
      Deinen Neid kannst du allerdings beruhigt wieder abstreifen; die Ausstattung hatte ich nur eine Weile zum Test. Wunderschöne Kombination, das muss ich gestehen. Aber ich bleibe vorerst meiner Nikon D800 treu.

      Gruß,
      Mario

      1. Aaach, fällt das bei einem Festival denn überhaupt auf, wenn zwei Objektive fehlen? :D Viel Spaß dort!

        Mein Kompliment übrigens zu deinem eigenen Blog – mir gefällt dein Stil.

        Gruß,
        Mario

  5. Hi Mario,

    ja – du hast Recht. Ich nutze gerne mal zum Surfen mein iPad 2. Durch die Fotobearbeitung habe ich allerdings auch einen älteren iMac mit 24″ Monitor in Benutzung, bzw. jetzt auch ein Macbook Pro. Die Farbqualität auf den Bildschirmen ist einfach irre und unabhängig sämtlicher Apple-Bashing Pro und Contra-Argumentation muss ich sagen, dass ich wirklich sehr gerne mit diesen Geräten arbeite.

    Ich habe zudem die direkten Vergleiche zu zwei weiteren Windows Laptops hier zu Hause, die nicht kalibriert sind und teilweise sind die Unterschiede in der Darstellung echt immens. Dann sind hier noch zwei weitere Monitore, die ab und zu mal genutzt werden und selbst die brechen in punkto Qualität sofort ein. Definitiv nicht zu gebrauchen, wenn es farbgetreu sein soll.

    Zu dem was Joju schreibt, muss ich dieser Person zustimmen. Gerade die älteren Semester (ist jetzt nicht negativ gemeint), die noch mit echten Filmen und richtiger Entwicklung in Berührung gekommen sind, stellt eine Dunkelkammer noch etwas Greifbares dar. Doch leider sind wir mittlerweile in einer digitalen Welt angelangt, in der viele nicht einmal mehr realisieren, warum wir zum Speichern ein Disketten-Symbol anklicken. Für diese Zielgruppe kann man schon mal „Dunkelkammerkunst“ als Überschrift-Augenfänger nutzen, um den Retro-Charme, den viele Filter und Film-Looks von Addons und Plugins besitzen, in einem kurzen, prägnanten Begriff zusammen zu fassen. Eine Überschrift soll schließlich auf den folgenden Text neugierig machen. Das dies auch gegebenenfalls zu Enttäuschung führen kann, wenn man etwas völlig anderes erwartet, ist natürlich schade – aber letztendlich auch kein Drama. ;-)

    Übrigens muss ich mal positiv bemerken, dass das Niveau, auf dem hier im Kommentarbereich miteinander gesprochen wird, sehr angenehm rüber kommt. Selten fühle ich mich motiviert, ein oder mehrere Kommentare zu schreiben, bzw. auf andere mehrfach einzugehen. Doch hier mache ich das gerne, weil ich nicht das Gefühl habe, dass es Getrolle ist, sondern da tatsächlich Menschen am anderen Ende eines Bildschirmes sitzen, die auch das meinen, was sie schreiben.

    In diesem Sinne – ich freue mich über weitere „digitale Dunkelkammerkunst“ :-)

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