Hands on: Pentax K-S2

Die blinkfreudige Mittelklasse-Pentax kommt ins Teenager-Alter und trägt einen neuen Namen: K-S2.

Geht es nur mir so oder fristen Pentax-Kameras noch immer ein Schattendasein? Hier und da sieht man mal einen Touristen vorbei hasten, um dessen Hals kein Gurt mit der Aufschrift „Nikon“ oder „Canon“ hängt, sondern eben Pentax. Meist handelt es sich dabei allerdings um Besucher aus der fernöstlichen Welt. Dort steht man eben sehr auf Produkte, die auch von dort kommen.

Zu Unrecht eigentlich, denn noch immer ist Pentax ein Kamerahersteller, der in so manchen Bereichen den Ton angibt und entgegen den „Big Playern“ mehr Innovationsfreude an den Tag legt. Dabei ist die K-S2 vielleicht gar kein so gutes Beispiel, denn ein Quentchen Innovation hat sie gegenüber der Vorgängerin verloren. Dafür jedoch an den richtigen Stellen. Und dazu kommen wir jetzt…

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Eindruck

hands-on_pentax-ks2_slantIch bin leider nicht dazu gekommen, die K-S1 seinerzeit hier vorzustellen. Es handelt sich um eine schnucklige kleine SLR, die sehr viel Wert auf ihr Äußeres legt. Zugegeben, deren reinweiße Version macht schon ein bisschen was her und sieht aus, als wäre ein wichtiges Bauteil von einem Raumanzug abgefallen. Aber dann waren da noch die LEDs…. Davon hatte die K-S1 reichlich, denn sie blinkerte wie ein Weihnachtsbaum zur falschen Jahreszeit. Unter anderem hatte Pentax fünf LEDs in den Griff gelötet, die zum Beispiel als visueller Countdown für Selfies herhalten mussten.

Ich weiß nicht, auf welchem Markt auf dieser Welt das schlecht ankam – fakt ist, die K-S2 wurde um einige optische Spielereien entschlackt und kommt nun wesentlich traditioneller daher. Dabei bleibt sie jedoch schnuckelig, denn mit rund 9 Zentimetern Höhe, 12 Zentimetern Breite und 7 Zentimetern Tiefe besitzt sie eine gute Figur und muss sich voll geladen mit 680 Gramm auch nicht wirklich fett vorkommen. Es gibt so einige Objektive, die da mehr auf die Waage bringen.

Das schöne daran: Pentax weiß, wie man eine Kamera halten muss und richtet sich nicht zu stark auf den asiatischen Markt aus. Das heißt, trotz kompakten Maßen besitzt sie einen großzügigen Griffwulst, über den man ihr gut in den Speck greifen kann und auch die Bedienelemente liegen zwar recht eng beieinander, aber man drückt aufgrund der Anordnung mit unterschiedlichen Tiefen nicht alle Knöpfe auf einmal.  Leider gibt es kein zweites Display oben, dafür ist ihr der illuminierte Auslöser geblieben.

Eigenschaften

hands-on_pentax-ks2_backDie K-S2 könnte man in der oberen Mittelklasse ansiedeln. Und dort bringt sie ein paar Sachen mit, die sich andere Hersteller nicht trauen. Zum Beispiel einen schwenkbaren Monitor. Kommunikationsfreudig hat Pentax die Kamera auch gemacht und ihr ein WIFI-Modul sowie NFC-Chip spendiert, damit sie sich auch mitteilen kann.

Bedient werden will die K-S2 mit Profi-Händen; dafür besitzt sie zwei Einstellräder und die üblichen Zusatzbelichtungsknöpfe, die andere Konkurrenten bei mehr-oder-weniger-Einsteigergeräten schon längst vergessen haben, damit eben diese Einsteiger nicht überanstrengt werden. Einziger Wermutstropfen dabei: Das so genannte Steuerkreuz besteht aus vier aufgeteilten Tasten, die praktisch keinen Druckpunkt haben. Man tippt sie leicht an, ist sich nicht sicher, ob man den Knopf getroffen hat und hat schon was umgestellt. Den Auslöseknopf betrifft das zum Glück nicht.

Ins Innere des zierlichen Gehäuses hat Pentax einen Sensor mit ordentlichen 20 Megapixel Auflösung geschraubt, der wie bei dieser Marke typisch, beweglich ist und damit den Job eines Bildstabilisators übernimmt. Finde ich immer wieder erwähnenswert, denn das heißt, dass gute Objektive nicht so teuer sein müssen wie bei anderen Herstellern.

Bereits seit einigen Generationen hat Pentax außerdem den Tiefpassfilter über Bord geworfen. Andere Hersteller haben das nachgeholt. Sein Weglassen erhöht eigentlich (in der Praxis nur selten sichtbar) die Gefahr der Bildung von Moirés, doch Pentax hat sich dafür etwas einfallen lassen. Da der Sensor beweglich gelagert ist, übernimmt er einfach auch diesen Job. Die Kamera lässt die Aufnahmeeinheit minimal vibrieren, damit zufällige Überlagerungen von Strukturen mit der Pixelmatrix Moirés verhindern.

Performance

hands-on_pentax-ks2_slant-whiteAuch die Fähigkeiten der kompakten Pentax bewegen sich im oberen Mittelfeld. Da wären der sehr flotte Autofokus, dessen Automatik fast immer das scharfstellt, was man auch ganz gerne scharfstellen wollte. Aufgenommen werden dabei sehr ordentliche 5 Bilder pro Sekunde mit einer minimalen Verschlusszeit von 1/6.000 Sekunde – das ist nur ganz knapp hinter Profi-Niveau. Empfindlich ist das gute Ding auch – nämlich bis ISO 51.200. Aber auch hier gilt wie bei den meisten Herstellern: ab etwa ISO 6.400 nur noch, wenn man es dringend braucht.

Prinzipiell kann die K-S2 also einiges. Manches nutzt sie halt nicht ganz aus. Zum Beispiel sind die Messfelder für Belichtung und Autofokus mal wieder ein kleines bisschen zu weit weg vom Rand. Und auch der allgemeine Bildstil ist ganz schön knackig. Voreingestellt ist bei Pentax meist „Lebendig“, was mit dem „Clarity Enhancement“ der K-S2 für Urlaubsschnappschüsse sorgt, die ganz schön in den Augen kribbeln. Aber das Zurücksetzen auf Standard schafft bereits Abhilfe, denn eigentlich sind die Pentax-Kameras äußerst sorgfältig auf eine korrekte Farbwiedergabe eingestellt.

Wer damit übrigens ein Kamel vor einer Sanddüne fotografieren will, braucht sich auch keine Sorgen machen. Pentax-typisch ist die K-S2 nämlich mit rund 100 Dichtungen gegen Auslaufen und Eindringen geschützt. Ich hatte früher ja auch selbst mal eine K-7 und es ist schon ein angenehmes Gefühl, wenn man das Ding hemmungslos in den Regen halten kann. Oder eben in die Wüstensonne. Pentax hat sich sogar eine klangvolle Technik einfallen lassen (Air-Gapless-Konstruktion), um den Monitor zu veredeln, damit er im direkten Sonnenlicht besser erkennbar ist. Habe ich gar nicht so darauf geachtet, da ich LCDs an Spiegelreflexkameras ohnehin kaum nutze, aber mit rund 900.000 RGB-Bildpunkten löst der eh nicht so wahnsinnig hoch auf.

Letztlich fühlt sich das Fotografieren mit der Kamera schnell, solide und problemlos an und das ist es eigentlich was zählt. Außer, man steht auf…

Spielereien

Die Japaner lassen sich das ja nicht nehmen und bei Kameras, die technisch auf einem so hohen Niveau sind, muss man offenbar auch ein paar Kinkerlitzchen rein löten.

So zum Beispiel das genannte „Clarity Enhancement“ – im Grunde der Klarheits-Regler aus Lightroom, der die Kontraste und Sättigung im Bild betont. Obwohl Pentax schon immer sehr gute Bracketing-Optionen hat, gibt es natürlich auch einen Auto-HDR-Modus, der eine Bilderreihe selbst verrechnet und zig Motivprogramme.

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Cool ist, dass man für Videoaufnahmen ein externes Mikro anstöpseln kann. Damit sich die Pentax auch irgendwo das Symbol „4K“ hinkleben kann, bietet sie aber noch einen anderen Modus: Mit der sogenannten „Intervall Movie Funktion“ nimmt das Ding Filmsequenzen in Abständen von 1 Sekunde bis 24 Stunden auf und erstellt daraus eine Videodatei in 4K-Auflösung. Zugegeben, damit kann man ziemlich coole Zeitrafferfilme machen. Astrofotografen werden sich über die Kompatibilität mit einer optionalen GPS-Einheit freuen – in Kombination damit wandert der bewegliche Sensor der K-S2 mit dem anvisierten Stern mit, um zu verhindern, dass er zu einem Lichtstreifen verschwimmt.

Etwas (seltsamerweise) lebensnaheres ist die Selfie-Funktion. Wird der Monitor um 180 Grad noch vorne gedreht, wechseln der Fotoauslöser und Wifi-Button die Funktion. So kann man die Kamera bequemer halten, wenn man sich selbst dabei fotografiert, wie man gegen einen Laternenmast knallt. Wer das möchte, kann das auch 2.000 Mal nacheinander machen, denn so viele „Doppelbelichtungen“ ermöglicht die Kamera in einer einzelnen Aufnahme maximal.

Fazit

Die K-S2 ist und bleibt eine Pentax-SLR. Das ist ein Kompliment für sie, macht ihr aber auch das Leben schwer, denn so attraktiv sie ist, werden nicht allzu viele ihr nachschauen. Mir gefällt jedoch Pentax‘ Definition der Mittelklasse, denn es gibt praktisch nichts im Leben eines Normalfotografen, was sie nicht hinbekommt.

Einige der Spielereien entpuppen sich sogar als sinnvolle Werkzeuge. Ich kann mir gut vorstellen, dass engagierte Timelapse-Regisseure genau so eine Kamera brauchen, um beeindruckende Filme von tropischen Wasserfällen zu machen. Und dabei müssen sie sich nicht Sorgen machen, dass ihnen die Kamera durch das Spritzwasser ertrinkt.

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Mehr!

  • Die Bilder oben kann man sich hier in Originalauflösung anschauen.
  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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3 Gedanken zu “Hands on: Pentax K-S2

  1. Du bist schon auf dem Laufenden?

    „…oberen Mittelklasse ansiedeln. Und dort bringt sie ein paar Sachen mit, die sich andere Hersteller nicht trauen. Zum Beispiel einen schwenkbaren Monitor. Kommunikationsfreudig hat Pentax die Kamera auch gemacht und ihr ein WIFI-Modul sowie NFC-Chip spendiert, damit sie sich auch mitteilen kann.“

    Hmmm, Canon hat pfundweise Schwenkdisplays in der 650D…760D Klasse (oder bin jetzt ich nicht auf dem Laufenden? Kann ja gar nicht sein :))) ), sogar mit – ohaaaa! – Tatschskriiehn, wow aber auch.

    Sogar Ömchen Nikon hat bei der D5x00 Serie die Spendierhosen an und tiltet und swivelt auch zufriedenstellend, nur gibt’s halt nix zu tatschen, Profis sind ja stockkonservative Gestalten.

    Nach dem Bild der K-S2 von der Rückseite frage ich mich ja schon, warum die 4 Knöpfe ohne Druckpunkt auch noch auf dem Display abgebildet sind? Kann man da auch tatschen oder dient das mehr so der Unterhaltung?

    WiFi ist auch bei der Konkurrenz drin. Lichtorgel weniger. Das mit dem GPS-startracking – cool, aber auch nicht stundenlang möglich, irgendwann hat der Sensor ja auch den Anschlag erreicht.

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