#nixneuesheute: Phase One, Sony, Zeiss und hohe Auflösungen

Einigen von euch ist es aufgefallen: in letzter Zeit hatte ich nicht viel Gelegenheit für Hands-ons, die eigentlich mittwochs erscheinen. Darum bekommt ihr auch diemal #nixneuesheute.

nixneuesheute_03_sensor

Vor einer Weile hatte ich das neueste Modell aus der Zeiss-Otus-Objektivserie im Test und auch hier darüber geschrieben. Es handelt sich um (insgesamt derzeit zwei) Optiken, die Zeiss als die optische Krone für DSLR-Kameras ansieht. Tatsächlich ist das 85mm-Otus schlicht das beste verschraubte Stück Glas, das ich bis dahin getestet hatte. Es bringt die Leistungskurve einer Kamera zum Anschlag. Getestet hatte ich es mit dem Megapixelmonster Nikon D800.

Ich kam nicht umhin, meinem Kontakt bei Zeiss ein Kompliment auszusprechen. Die Entgegnung war etwa: „Wir haben nichts anderes erwartet.“

Das klingt jetzt ziemlich arrogant. Ist es eigentlich aber gar nicht, denn beispielsweise die Leute bei Zeiss (aber auch ein paar anderen Unternehmen) schauen aus einer anderen Perspektive auf die Dinge.

Dazu ein Fun-Fact: ein Computerchip versammelt inzwischen mehrere Milliarden (!) Transistoren auf einer Fläche von wenigen Quadratzentimetern. Wie gelangen die da drauf? Das ist ein Verhältnis, das seit Jahren nicht mehr mechanisch zu bewältigen ist. Tatsächlich werden dafür optische Systeme benutzt. In vielen Halbleiterfabriken setzt man beispielsweise Zeiss-Optiken ein, um die Bauelemente auf den Chip „zu belichten“. Gegen die Auflösung und optische Klarheit dieser Geräte ist ein Objektiv für die Fotografie eher eine Art Flaschenboden.

Mit anderen Worten: Objektive wie das Zeiss Otus kommen aus einer anderen Welt. Gedanklich und technisch stammen sie aus der Welt des Mittelformats.

nixneuesheute_03_phaseonexf

Auflösungsmonster

Letztes Jahr tauchte erstmals eine Mittelformatkamera auf, die statt eines CCDs, einen hochauflösenden CMOS-Sensor in sich barg. Ich hatte die Pentax 645Z zum ausprobieren, habe hier drüber geschrieben und mit Angie die Serie „there’s something in the woods“ geschossen.

Später tauchten Hasselblad- und Phase-One-Kameras – mit derselben Auflösung und der CMOS-Technik. Es ist vermutlich ein offenes Geheimnis, dass diese Teile einen ähnlich, vielleicht sogar denselben Sensor nutzten. Eine Entwicklung von Sony.

Tatsächlich stammt auch der Sensor der Nikon D800-Serie von Sony. Und so ist es kein Wunder, dass dieser auch in der Sony A7R auftauchte und die Einheit der Nikon D4 in angepasster Form in der Sony A7S.

Auflösungstechnisch geht es also weiter ungebremst nach oben.

Inzwischen hat auch Canon nachgezogen und in den neuen 5D-Kameras Einheiten mit 50 MP platziert. Und auch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Kürzlich sind auf Flickr versehentlich Fotos aufgetaucht, die mit einer noch unbekannten Sony A7-Kamera aufgenommen wurden. Dazu gab es keine offiziellen Angaben, aber rechnete man deren Auflösung um, kommt man auf rund 60 Megapixel. (Das hier verlinkte Bild hat 56 MP, später sind 59 MP-Bilder aufgetaucht aber wieder verschwunden.)

Richtungsweisend

Sony scheint also eine treibende Kraft zu sein im Bereich der Produktion extrem hochauflösender Kamerasensoren. Und kommen wir nochmal zurück zu Zeiss: die neuen Objektivserien Touit, Loxia und Batis werden alle für die A7-Kameraplattform dieses Herstellers entwickelt. Es ist also alles andere als ein Zufall, dass das deutsche Optik-Unternehmen sich mit seinem Wissen genau darauf konzentriert hat. Man kann sogar davon ausgehen, dass man dort etwas über die Zukunft der Kameratechnik weiß, das die breite Öffentlichkeit noch nicht erfahren hat. Und das dürften weitere, noch höher auflösende Kamerasensoren sein.

nixneuesheute_03_phaseonexf02

Phase One

Gerade erst in dieser Woche hat der Mittelformat-Spezialist Phase One ein neues Kamerasystem veröffentlicht – die XF-Plattform. Die Sensortechnik steht dabei gar nicht mal im Vordergrund. Vielmehr ist es eine langerwartete Runderneuerung der ganzen Kameratechnik.

Diese Mittelformatkameras (und Digital-Backs) bewegen sich auf einem Level jenseits der gewohnten DSLR-Technik. Sie sind die Speerspitze dessen, was möglich ist und produzieren Bilder mit 16 Bit Farbtiefe, einem Dynamikumfang von massiven 14 Blendenstufen und einigem mehr. Das neue XF-System wurde runderneuert und kommt mit einem eigenen Betriebssystem, das sich auf die individuellen Bedürfnisse anpassen oder auch Fernsteuern lässt. Auf Wunsch per WLAN über ein Apple-Tablet.

Mit anderen Worten, es handelt sich um ein High-End-Werkzeug der Fotografie.

Die maximale Auflösung der neuen IQ3-Backs geht hinauf bis 80 Megapixel. Also noch einmal eine ganz andere Klasse an Detailfülle, die nicht zuletzt von der Optik unterstützt werden muss. Und dazu vertraut Phase One auf deutsche Produkte von Schneider Kreuznach.

Gemeinsam mit dem neuen XF-System wurden so zwei neue Zentralverschlussobjektive veröffentlicht (120 und 35mm), die laut Hersteller auf Auflösungen von mehr als 100 Megapixel ausgelegt sind. Also selbst hier ist noch Spielraum nach oben.

Die Zukunft

Schaut man sich also an, was sich im Technikbereich ganz oben in der Fotobranche tut, erscheint der Kommentar von Zeiss, den ich eingangs erwähnte, gar nicht mal mehr so arrogant. Bei Firmen wie Zeiss, Schneider Kreuznach, Sony und vielen drum herum, liegen bereits heute schon ganz andere Maßstäbe an, als wir sie kennen.

Ich denke, wir dürfen gespannt sein, was da noch alles auf uns zukommt.

Mehr!

Advertisements

7 Gedanken zu “#nixneuesheute: Phase One, Sony, Zeiss und hohe Auflösungen

  1. Die Backs von PhaseOne haben schon längst Touchscreen und Kontrolle per iPad, das ist nichts Neues mehr. Okay, für Nikon liegt das natürlich noch Jahrzehnte in der Zukunft. Ich meine auch „Kontrolle“, nicht „auf eine blöde App gucken und ausser Auslöser drücken nichts einstellen können“. Hauptsache, man kann den Krempel gleich zu facebook und flickr rüberspülen.

    Neu dagegen war für mich, dass das Top-Display auch als touchscreen ausgeführt zu sein scheint, somit ein Handrad weniger existiert – das mag billiger für Phase One sein, aber auch besser oder schneller für den Anwender? Neu war für mich auch, dass der Lichtschachtsucher wieder Renaissance hat.

    1. Danke dir für die Ergänzungen, JoJu! Ich wollte mich gar nicht in den News zum XF-System ergehen, aber das sind so Punkte, die viele nicht wissen. :)

      Ich würde ja mal gern das sogenannte 3,2-Zoll-Retina-Display sehen, das wahlweise bereit stehen soll. So eine MF-Kamera ist ja schon ein fettes Teil, das Touch-Display oben macht insofern Sinn, als dass man schnell was einstellen kann – vermutlich ein paar Details mehr als mit Rad – ohne auf das Hauptdisplay schauen und dort navigieren zu müssen. Andererseits – wenn sie den Fotografen schon einen Lichtschachtsucher spendieren, warum lassen sie nicht das Rad dran, damit man die Kamera weiterhin blind bedienen kann?

      Stimmt, Nikon ist auch weiterhin zickig, was das angeht. Sie könnten ja, aber sie wollen nicht.

  2. Naja, das Rad kostet mehr, lässt sich weniger einfach abdichten, braucht auch Platz und kann weniger. Wirklich blind bedienbar ist es als Verschlusszeitenrad ja nicht, aber natürlich direkter. Allerdings trotzdem gut, dass sie konsequent das Display zur Eingabe nutzen und nicht die „Tastendrücken-Wählrad drehen-Ergebnis ablesen“ Variante genommen haben. Oder das ganze Zeug ins Menü verfrachtet. So wie ich das verstanden habe, kann man nur den Parameter antippen und dann mit den langen Tipptasten rechts davon verstellen oder auch gleich verstellen? So oder so, ich bin erstaunt, wieviel Hirn Phase One mit ihren kleinen Stückzahlen in so ein Konzept investiert und wie wenig bspw. Nikon, obwohl doch dort genügend Einkaufskraft sässe, um was zu bewegen.

    Hab selber Nikon, darum hau ich da auch drauf. :) Mittlerweile frage ich mich ja schon, wie hoch die Auflösung noch werden soll, wenn die Sensoren weiterhin überwiegend Bayer-pattern haben und die mehr Pixel gar nicht so recht „auf den Schirm“ bringen? Dieser leichte Interpolations-Schleier, der auf den Bildern liegt und die rechnerisch möglichen Details wieder verwischt…

  3. Mist. Muss einiges bis alles (zu Phase One, nicht zu Nikon) zurücknehmen und am besten erst weiterreden, wenn ich selbst mal so ein Viehding in der Hand hatte. Sowohl vorne als auch hinten am Handgriff gibt’s Einstellräder. Wohl eher nix mit Touchdisplay oben :(

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s