Dunkelkammerkunst 6: Replichrome: Icon

Hier im Rahmen der #dunkelkammerkunst Artikel stelle ich euch unter anderem Preset-Packs für RAW-Konverter vor. Aber nicht irgendwelche Larifari-Sammlungen, sondern die vielleicht besten, die man haben kann. 
1420753659911 Nach „VSCO Film“ im letzten Teil dieser Artikelreihe bekommt ihr direkt einen nächsten Einblick in ein weiteres, ausgezeichnetes Filter-Pack: Replichrome.

Das ist jünger und frischer, geht aber mit einem ganz ähnlichen Ansatz wie VSCO an die Sache heran. Nur, dass die Filmsimulationen hier (möglicherweise) noch etwas stärkeren wissenschaftlichen Background haben.

Replichrome: Icon

Inzwischen gibt es zwei verschiedene Packs von Replichrome:

[Update: Stimmt gar nicht, vor ein paar Tagen kam Replichrome III heraus, habe ich mir aber noch nicht angeschaut.]

  • Replichrome I: Icon ist eine Sammlung von Presets, die auf den – laut Aussagen der Hersteller – ikonischten Filmen der Geschichte basiert. Allerdings alles moderne Filme. So zum Beispiel der Fuji 400H, der Kodak Portra 400 und der Kodak Tri-X [link]
  • Replichrome II: Slide beinhaltet moderne und eingestellte Dia- und Umkehrfilme. Darunter fallen wirklich coole und sehr bekannte Varianten wie Velvia, Provia und Astia von Fuji, oder die eingestellten Kodak- und Agfa-Diafilme. [link]

Die Macher hinter Replichrome – Doug und Chenin Boutwell – wollten die akkuratesten und authentischsten Filtersimulationen, die man machen kann. Sie wollten, laut eigener Aussage, das gewaltige Potential digitaler mit der Schönheit analoger Aufnahmen verbinden. Um das zu erreichen, haben sie einen durchaus wissenschaftlichen und sehr aufwändigen Weg gewählt.

Making-of-Replichrome-Infographic1Sie beschreiben ihn auf dieser coolen Infografik. Demnach hat Doug Boutwell sämtliche interessanten, wichtigen und vor allem raren Filme auf der Welt gesammelt, die er finden konnte (137 Stück). Anschließend haben sie diese Filme verschossen – mit 19 verschiedenen Kameras unter vielen unterschiedlichen Lichtsituationen und immer mit einem Color Checker.

Mit den Negativen sind sie in verschiedene Labore gegangen und haben das Material dort auf speziellen Scannern eingelesen. Da es laut den Machern durchaus einen Unterschied macht, wurde das Zeug sowohl auf Noritsu- als auch auf Frontier-Geräten eingescannt. Das ist auch der Grund, warum jedes Preset im Pack doppelt vorhanden ist.

Die erhaltenen Daten bildeten dann die Grundlage, die Charakteristika der Filme zu analysieren und dies mit der RAW-Verarbeitungs-Engine von Adobe Lightroom und Adobe Camera Raw nachzustellen. Letztlich, sagen die Boutwells, haben sie das geschafft, von dem man behauptete, dass es nicht möglich ist.

Processed with VSCOcam with a6 preset

Kompatibilität

Die Replichrome-Presets wurden für Adobe Photoshop Lightroom entworfen und sind daher mit diesem, aber auch mit dem RAW-Importmodul von Photoshop selbst kompatibel, mit Adobe Camera RAW.

Von Lightroom wird Version 4 oder neuer benötigt, ACR muss in Version 7 oder höher vorliegen – ist kompatibel also ab Photoshop CS6 vorhanden.

Beispiel

Ich fände es unangebracht, beide Packs in einem Artikel abzufeiern, darum gibt es unten erstmal nur Beispiele aus Replichrome I.

dunkelkammerkunst-06-replichrome01-corridor01-original-LR-bw
Canon EOS 5D Mark II, Sigma Art 24mm F1.4, ISO 400, RAW, SW-Wandlung ohne Anpassungen via Lightroom
dunkelkammerkunst-06-replichrome01-corridor01-kodak-tmax-3200
Canon EOS 5D Mark II, Sigma Art 24mm F1.4, ISO 400, Filter: Kodak T-Max 3.200
dunkelkammerkunst-06-replichrome01-corridor01-versus
Links: RAW-Vorlage, Rechts: Kodak T-Max 3.200

In meinem Beispiel zu VSCO-Film wurde sehr deutlich, wie „flach“ und schlicht „unentwickelt“ ein digitales RAW-Bild ist, im Gegensatz zur Simulation eines analogen Films. Selbst bei dem monochromen Replichrome-Beispiel fällt das auf. Die LR-Wandlung in Schwarz-Weiß wirkt blass und sehr gleichmäßig, ist aber perfekt belichtet.

Der T-Max mit ISO 3.200 hat dagegen natürlich deutlich mehr Charakter, bringt ein kräftiges Rauschen und stärkere Kontraste rein – draußen vor den Fenstern gehen Details verloren, genauso wie in den Schatten hinten rechts. Die verstärkten Kontraste betonen jedoch das einfallende Licht und so bekommt das Bild zusammen mit dem „Korn“ mehr Atmosphäre.

dunkelkammerkunst-06-replichrome01-corridor02-original
Canon EOS 5D Mark II, Sigma Art 24mm F1.4, ISO 400, RAW
dunkelkammerkunst-06-replichrome01-corridor02-fuji-pro-800Z-noritsu
Canon EOS 5D Mark II, Sigma Art 24mm F1.4, ISO 400, Filter: Fuji Pro 800Z, Noritsu-scanned
dunkelkammerkunst-06-replichrome01-corridor02-fuji-pro-800Z-frontier
Canon EOS 5D Mark II, Sigma Art 24mm F1.4, ISO 400, Filter: Fuji Pro 800Z, Frontier-scanned
dunkelkammerkunst-06-replichrome01-corridor02-original-noritsu-frontier
von links nach rechts: RAW-Original, Noritsu-Scan, Frontier-Scan

Hier seht ihr das farbige Original des Korridors und die Simulation des Fuji Pro 800Z-Films. Ich habe das Bild zweimal entwickelt, damit ihr sehen könnt, dass es tatsächlich einen Unterschied macht, ob man den Noritsu- oder den Frontier-Scan nutzt. Letzterer wirkt auch warm, aber ein kleines bisschen flauer, trotz kontrastreicherer Farben. Sehr spannend und ein herrlicher Analog-Stil.

Meinung

Man merkt den Presets den wissenschaftlichen Anspruch an. Die meisten Effekte sind nur subtiler Natur, ändern nur wenig am Bild, sondern verschaffen ihm einen „analogen Hauch“. Im Grunde genau das, worauf es ankommt. Es hat den Anschein, als bleibt das Bild unangetastet, wird jedoch mit einem lebendigen Wesen eingekleidet.

Ich mag die Presets, nutze sie aber nicht so häufig, da sie zwar unheimlich echt sind, mir dadurch aber noch ein bisschen zu wenig Gefühl rüber bringen, wenn es mir wirklich auf „Retro“ ankommt.

Processed with VSCOcam with f3 preset

#dunkelkammerkunst:

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4 Gedanken zu “Dunkelkammerkunst 6: Replichrome: Icon

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