Dunkelkammerkunst 3: Presets

RAW-Konverter sind mächtige Werkzeuge, um aus Fotos Bilder werden zu lassen. Professionelle Ergebnisse erreicht man mit viel Übung und Verständnis. Oder mit Presets.
Am Ende des letzten Artikels habe ich es erwähnt: die umfangreichen Änderungen, die man in einem RAW-Konverter vornimmt, kann man abspeichern und für eine spätere Verwendung wieder aufrufen. Das nennt man Presets.

Oft werden sie dazu genutzt, um bestimmte Looks und Simulationen von Filmmaterial bereit zu stellen. Man lädt sich zum Beispiel ein Preset herunter, wendet es auf das eigene Foto an und schon sieht es aus, wie mit einem Polaroid BW 100 Film geschossen.

Ab diesem Artikel zeige ich euch, wie das geht und was man so bekommen kann. Das soll nicht nur dazu dienen, damit ihr schnell mal einen Look kopieren könnt, der gerade „in“ ist. Sondern auch, damit ihr Stile ausprobieren, vielleicht euren eigenen finden oder lernen könnt, welche Einstellungen was bewirken.

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Presets

1421687538033Wie geschrieben: Eine schnelle Möglichkeit, um Bildern einen Look zu geben, bzw. die Eigenschaften der von der Kamera erfassten Daten zu ändern (und um sich die Prozesse zu verinnerlichen) sind Voreinstellungen für RAW-Konverter. Das heißt, man weißt einem unfertigen Foto ein Bündel an Einstellungen zu, die ihm einen bestimmten Look verpassen. Man nennt dies “Vorlagen” oder englisch “Presets”.

Normalerweise würde es so laufen, dass ihr euch ein RAW-Bild schnappt, die Einstellungen festlegt, die euch gefallen und diese dann als Preset abspeichert. Damit könnt ihr den weiteren 100 Fotos derselben Serie mit einem Klick dieselben Entwicklungseinstellungen zuweisen. Und ihr könnt später mal mit irgendwelchen anderen Fotos dasselbe machen.

Natürlich lassen sich diese Presets auch aus dem Dateisystem des Computers fischen und mit anderen teilen. Das ist auch der Grund, warum es sie im Netz geradezu millionenfach gibt. Das Angebot reicht dabei natürlich von kostenlos bis zu kostenpflichtig.

Simulations-Presets vs. Filter-Massaker

Eines möchte ich zwischendurch nochmal verdeutlichen: es gibt solche und solche Presets. Und Presets sind im Umfeld der RAW-Konverter nicht genauso das, was die Filter irgendeiner App sind. Lasst mich euch den Unterschied erklären…

Bereits in den letzten Artikeln habe ich darüber gesprochen, dass die „Dunkelkammerkunst“ der digitalen Zeit dort eingreift, wo ein Foto entwickelt wird. Wir reden also nicht mehr über optische Filter vor dem Objektiv oder modifizierte Kamerasensoren, die nur noch IR erfassen. Wir reden auch nicht von Spaß-Filter-Sammlungen, die euer Portrait zu einem Ölgemälde machen oder einer Schwarzweiß-Radierung. Wir reden stattdessen von den Reglern und Einstellungen eines RAW-Konverters, der Bildmaterial interpretiert und es verfeinern kann. Er kann nicht mehr, als sich in den Grenzen bewegen, welche die Kamera aufgestellt hat.

Und darum möchte ich im Rahmen dieser Artikelserie auch nicht über Spaß-Filter und dergleichen sprechen, sondern eher über „Simulationen“. Denn mit den richtigen Einstellungen ist es zum Beispiel möglich, digitalen Bildern den Look analoger zu verpassen. Analoges Filmmaterial wird simuliert – komplett mit Farbfehlern, hohen Kontrasten (oder fehlenden), Körnung und so weiter.

Nochmal: Ich überspringe irgendwelchen Cartoon-Mist oder Sepia-Tönungs-Massaker. Ich werde euch auch nicht erklären, wie ihr abartige HDR-Looks erstellt. Wenn ihr wollt, holt euch irgendeine Filter-App und ballert eure Fotos da durch, bis ihr satt seid. Dann kommt ihr wieder und lest hier weiter.

Denn hier soll es eher um feine und künstlerische Änderungen gehen, die euren Fotos mehr Leben einhauchen können.

Kostenlose Presets

Wie gerade angedeutet, ist das Angebot an kostenlosen Presets fast schon unüberschaubar. Das gilt in erster Linie für solche, die sich mit dem beliebten und sehr weit verbreiteten Adobe Lightroom verarbeiten lassen.

Ernsthaft: es gibt kaum eine sinnvolle Möglichkeit, hier irgendeine nützliche Linksammlung zu präsentieren. Ich habe das vor Jahren schonmal gemacht, allerdings mit alleinigem Fokus auf Lightroom.

Wenn ihr eigene Vorschläge für diese Liste habt (gern auch zu anderen Programmen), dann ab in die Kommentare damit.

Kostenpflichtige Presets

1421687886925Da gibt es ebenfalls mehr als man meinen würde und sicher werde ich nicht alle aufzählen können. Möchte ich auch gar nicht, denn im Laufe dieser Artikelreihe möchte ich euch ein paar meiner ganz persönlichen Favoriten vorstellen, die zumeist auch noch Geheimtipps sind. Das wird vermutlich den Hauptteil dieser Artikelserie ausmachen und ich werde immer einen Beitrag hinzufügen, wenn ich etwas passendes Neues entdeckt habe.

Ihr fragt euch, warum ihr für eine Preset-Sammlung bezahlen solltet, wenn es doch unzählige kostenlos gibt? Ich habe mehrere Argumente für euch:

Zum einen sind sehr viele kostenlose Presets nur einzeln verfügbar. Irgendjemand hat es erstellt, bietet es zum Download an. Manchmal auch fünf oder so zusammengefasst. Das macht das Jagen und Sammeln sehr aufwändig, man kann andererseits aber auch gut selektieren.

1421689380024 (1)Natürlich gibt es auch Leute, die sich die Arbeit schon gemacht haben und Pakete zum Download anbieten. Irgendwelche Super-Packs mit “3.500 brandneuen und nie gesehenen Presets”.
Lasst bitte die Finger von sowas!
Zum einen ist es manchmal zweifelhaft ob alles legal zusammen gekommen ist, zum anderen können viele doppelt oder schlichtweg nutzlos für euch sein und letzten Endes werdet ihr von der puren Menge erschlagen und kommt da niemals durch.

Und das letzte Argument betrifft die Qualität: Auch wenn es wirklich sehr gute kostenlose Presets da draußen gibt, die kostenpflichtigen bieten nochmal ein anderes Level. Sammlungen wie die von VSCO oder Replichrome sind nicht nur marktführend, sondern werden auch sehr aufwändig hergestellt.
Die Entwickler treiben dafür die Originalfilme auf und belichten und entwickeln sie auf unterschiedlichste Art und Weise. Diese Ergebnisse werden dann analysiert und hochauflösend eingescannt, um das Verhalten der Farben oder des Filmkorns nachstellen zu können. Und wenn kein Film simuliert werden soll, werden Bildstile bestimmter Zeiten über Algorithmen analysiert und deren gemeinsame Nenner erfasst und nachgestellt.

Schluss mit Perfektion – ich will Leben!

Im nächsten Artikel zu diesem Thema schiebe ich eine Stil-Analyse ein. Wir beschäftigen uns kurz mit einem Bildstil, der digitale Fotos zwingt, seine Hosen runterzulassen und wir pulen den emotionalen Kern aus den Bildern.

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#dunkelkammerkunst:

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10 Gedanken zu “Dunkelkammerkunst 3: Presets

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