Lynsey Addario [KW13/2015]

Die Tatsache, dass wir uns vorstellen können, wozu der Mensch fähig ist, ist nicht selten der Verdienst von Fotografen.

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Hat von euch eigentlich jemand die Dokumentation über Sebastião Salgado, Das Salz der Erde, gesehen? Ich kannte den brasilianischen Fotoreporter schon vor Wim Wenders Film, hab mir diesen dann im Kino angesehen und stellte erneut fest, was für ein Verhältnis „wir Durchschnittsmedienkonsumierer“ zu einer gewissen Art von Fotografen haben. Zu Konfliktfotografen. Nämlich praktisch gar keins.

Die Bilder aus Krisenzonen auf der ganzen Welt sehen wir in Magazinen wie dem Spiegel oder der New York Times. Aber woher sie kommen, ist für die meisten von uns kaum nachvollziehbar. Darüber denkt man auch kaum nach. Darüber, dass es Menschen gibt, die freiwillig an einen Ort gehen, an dem sie sterben könnten, um der Welt zu zeigen, was dort geschieht.

Salgado hat das fast sein ganzes Leben lang gemacht und ist daran beinahe kaputt gegangen. Viel zu viele seiner Bilder, die ich gesehen habe, rühren mich zu Tränen. Viele seiner Kollegen und Kolleginnen arbeiten für Agenturen wie Getty Images. Eine von ihnen, Lynsey Addario, hat Getty interviewt. Gezeigt werden dazu Bilder, die die Fotografin selbst am meisten berührt haben.

(Hinweis: Einige Bilder zeigen Gewalt und Tod. Nur ansehen, wenn ihr damit umgehen könnt.)

Warum sie das tut und sich in Gefahr begibt? Weil sie Menschen motivieren will, etwas zu tun, statt nur zu zuschauen. Dennoch finde ich es beachtenswert, sich immer wieder erneut diesen Dingen zu stellen und ihnen ins Angesicht zu blicken. Addario ht kürzlich ein Buch herausgebracht, das inzwischen auf den Bestsellerlisten ist. Angeblich ist eine Verfilmung durch Stephen Spielberg geplant.

Mehr!

  • Lynsey Addario : „One of my goals as a photographer is to motivate people to act“ | Behind the lens (Link) ist das Video der Woche vom 23.03.2015 bis 29.03.2015
  • Alle Videos der Woche sind hier zu finden.
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5 Gedanken zu “Lynsey Addario [KW13/2015]

  1. Salgado konnte manchmal nicht fotografieren, weil er selbst am Weinen war. Es waren erschütternde Bilder, sowohl im Fllm als auch in seinen sonstigen Büchern.

    Aber unser Verhältnis zu Konfliktfotografen (nämlich keins) erklärt sich daraus, das wir Konflikten, damit auch ihren Dokumentieren, aus dem Weg gehen. Etwas tun gegen Konflikte? Wenn schon die betroffenen Parteien nur noch den Weg sehen, sich gegenseitig den Schädel einzuschlagen? Sorry, ich hab nur einen Schädel.

    Was hat Salgado verändern können? Die Farm seines Vaters wiederaufforsten, und das war schon gewaltig, aber die Konfliktgebiete gibt es noch heute. Was machst Du gegen die Konflikte, Mario?

    1. JoJu!

      Danke erstmal für deine Anmerkungen, ist mir immer wieder ein Fest. :)

      Ja, vielleicht ist da ein gewisser Hang zur Verdrängung, der uns beseelt. Das könnte im Gegenzug die Motivation für die Fotografen sein, das, was passiert, ans Licht zu zerren und den Menschen zu zeigen, die lieber wegsehen wollen.

      Etwas gegen die Konflikte selbst zu tun, ist natürlich sehr schwierig und hängt zu einem Teil davon ab, was für Möglichkeiten man hat. Ich selbst habe vermutlich kaum welche, darum beschränke ich mich, für oder mit den Opfern von Konflikten aktiv zu werden.

      Ich spende und sammle Kleidung und Bücher, die dann per Flugzeug in die Flüchtlingslager geschickt werden. Ich beteilige mich daran, Unterkünfte für Asylsuchende zu finden und habe schon für Verfolgte gekocht. Ist vielleicht nicht viel, aber irgendjemandem bedeutet es etwas.

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