Hands on: Fujinon XF50-140mm F2.8 R LM OIS WR (& X-T1 Graphit Silber)

Ich hoffe, ihr hattet dieses Jahr noch nicht genug Schnee gesehen. Denn hier bekommt ihr noch Nachschlag.

Derzeit stocken die Hersteller das Einsteiger- und Mittelfeld ihrer Kameraserien auf. Wirkliche Brecher sind nicht dabei. Und das gibt mir Gelegenheit, ein paar Zeilen zu Geräten zu schreiben, die schon ein paar Tage länger darauf warten, getippt zu werden.

Es handelt sich dabei um die Fujifilm X-T1 Graphit Silber, die schon letzten September herauskam und das passende lichtstarke 50-140mm-Telezoom.

Zur Kamera wollte ich keinen extra Artikel verfassen, denn es handelt sich um eine leicht aktualisierte Version der X-T1, die ich bereits hier besprochen habe.
Was ist neu, was ist gleich?
Da sich Fujifilm weiterhin über eine Nachfolgerin der X-Pro1 ausschweigt, gilt die X-T1/X-T1 GS derzeit als das Flaggschiff des Herstellers. Eine tolle und meiner Meinung nach unheimlich schicke Kamera. Sie macht Spaß in der Benutzung, der X-Trans-Sensor hat durchaus eine eigene Charakteristik und der elektronische Sucher ist wirklich ausgezeichnet.

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Eindruck

Die X-T1 Graphit Silber: Neu ist in erster Linie das veredelte Oberteil des Gehäuses, das aus einem Magnesiumblock gefräst und mehrfach beschichtet wurde. Sieht ausgesprochen schick aus, ist aber nicht unbedingt ein Kaufargument für die meisten Benutzer, denke ich.

Wer aus Systemkameras die Bildstile kennt (zB lebendig, standard, entsättigt) findet dasselbe bei den Fujis als Filmsimulationen wie zB „Provia“, „Velvia“ usw. Die Graphit Silber bringt einen neuen mit, der „Classic Chrome“ heißt und Bildern einen „einzigartigen Glanz und ästhetische Tiefe“ verleihen soll. Angelehnt ist der Stil an die „Goldene Zeit der Reportagefotografie“.

Coole Nebensache, aber tatsächlich eher Nebensache. Die Bilder unten sind alle in dem Stil aufgenommen, aber – um ehrlich zu sein – nicht wahnsinnig repräsentativ. Man bemerkt am ehesten einen leicht entsättigten und kühleren Farbton, der die Bilder irgendwie hochwertig und künstlerisch wirken lässt. Immerhin bekommt man den Stil per Firmware-Update auch für die normale X-T1 nachgeliefert.

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Das XF50-140mm F2.8 R LM OIS WR: Wie üblich besteht der Name des Telezooms aus einem Wust an kryptischen Abkürzungen. „WR“ kennzeichnet eine Reihe, aber nicht alle Fujinon-Optiken. Es steht für „Weather Resistant“ und verweist auf eine gewisse Unempfindlichkeit gegenüber tropischen Regengüssen, Schneelawinen und Jahrhundert-Sandstürmen. Zeug eben, dem man täglich draußen so begegnet.

Die Brennweite entspricht im Kleinbildformat übrigens etwa 76 bis 213 Millimetern. Vom Gefühl her hat man als Vollformatfotograf also ein lichtstarkes f2.8er Telezoom vor sich. Und wie mir als jemand, der kein eigenes besitzt, immer wieder auffällt: geile Brennweite mit tollem Look.

Eigenschaften

hands-on_fujinon-50-140mmf28_003Die X-T1 Graphit Silber: Für Edelliebhaber und Knöpfchenspieler. Fujifilm-Außenseiter brauchen eine Weile, bis sie mit der X-T1 GS warm werden, so einiges macht der Hersteller anders. Aber ich liebe zum Beispiel die Drehräder oben, mit denen man Verschlusszeit und ISO-Wert manuell einstellen kann. Wie schon gesagt, ist auch der Sucher echte Sahne. Er simuliert entweder die Kameraeinstellungen, simuliert einen neutralen optischen Sucher oder bietet ein kontrastverstärktes Bild für mehr Details.

Der X-Trans-Sensor im Inneren geht mit der GS-Variante bereits in die zweite Generation und liefert satte und edel wirkende 16-Megapixel-Bilder. Fujifilm hat eine eigene Anordnung der Farbfilter auf dem Sensor, so dass sie sich einen Tiefpassfilter sparen können und noch ein Quentchen mehr Kristallschärfe aus den Fotos quetschen. Außerdem ist ein WiFi-Modul an Bord. Bisher war das noch relativ nutzlos aber so langsam verbessert Fujifilm auch die Apps, mit denen man die Kamera bedienen kann.

Das XF50-140mm F2.8 R LM OIS WR: Nicht viel erwähnenswertes hier, das Entscheidende ist die Performance. Festzuhalten bleibt nur, dass das Telezoom in dieser Klasse mit rund einem Kilogramm relativ schwer ist. Allerdings hat es auch eine Stativschelle mit separatem Fuß, was echt nicht verkehrt ist und sich auch noch bequemer tragen lässt.

Performance

Sowohl Kamera als auch Objektiv stammen aus Fujifilms Top-Klasse. Und das merkt man bei der Benutzung. Nicht nur, dass sich beide sehr hochwertig anfühlen. Es ist auch eine Kombination, die sich wie eine DSLR-Variante semiprofessionell bedienen lässt. Ich will damit sagen – beide sind groß, schnell und brillant genug, damit sich Fotografen gegenüber niemand anderem schämen müssen.

Wie gewohnt sorgt das Objektiv bei der Lichtstärke und Brennweite für super „dicht“ wirkende Bilder mit wahlweise extrem wenig Schärfentiefe. Umso schöner ist, dass das Ding nicht nur einen Autofokus hat, sondern auch noch einen überraschend schnellen. Sind die Motive auf ähnlicher Entfernung stellt die Kombi extrem schnell scharf und kennt kein Suchen oder Schärfepumpen. Auch das Durchfahren des ganzen Fokusbereichs dauert nur Sekundenbruchteile.

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Dieses Bild demonstriert gut die Power, die in der Fujifilm-Kombination steckt. Mit 1/75 Sekunde ist die Belichtungszeit um einiges länger, als ich sie aus der Hand gehalten bei 213 Millimetern (KB-Entsprechung) einstellen würde. Wie man sieht, meistern das Kamera und Objektiv spielend. Das Bild ist knüppelscharf. Fujifilm X-T1 GS, Fujinon 50-140mm, ISO 200, 1/75 Sekunde, 140mm, f2,8

Das ist top und wichtig, denn die X-T1 GS packt noch einen Geschwindigkeitsfaktor obendrauf. Sie hat einen elektronischen Verschluss spendiert bekommen, mit dem sie irrwitzige 1/32.000 Sekunde erreicht. Es gibt eigentlich nur wenige Situationen, in denen man das ausreizen kann. Zeigt aber, was technisch machbar ist. Will man es wirklich wissen, dann kann man mit der Kamera ganze 8 Bilder pro Sekunde in voller Auflösung und mit aktivem Tracking-Autofokus auf die Karte bratzen. Profi-Niveau.

Fazit

Irgendwie fühlt es sich absolut richtig an, zu einem Kameraflaggschiff auch ein 2.8er Telezoom zu haben. Das ist genau das, was sein muss, wenn man es mal ausprobiert hat. Und da vergisst man auch schnell, dass man eine spiegellose Systemkamera in der Hand hat und auf dem Objektiv „50-140mm“ drauf steht.

Noch eine seltsame Beobachtung. Als ich unterwegs war, hatte ich die Sony A7 II dabei – ebenfalls eine fantastische Kamera, die einen heiden Spaß macht. Aber das Hantieren mit der sich manuell und metallprotziger anfühlenden Fujifilm hat doch noch etwas mehr in den Fingern gekribbelt.

Fakt ist, dass die X-T1 Graphit Silber und das XF50-140mm F2.8 R LM OIS WR eine traumhafte Kombination sind. Beide sind praktisch allen Widrigkeiten gewachsen, sind schnell, sind schick und versorgen Fotografen mit brillianten Bildern, die nicht unter Megapixelitis leiden.

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Mehr!

  • Die Bilder oben kann man sich hier in Originalauflösung anschauen.
  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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7 Gedanken zu “Hands on: Fujinon XF50-140mm F2.8 R LM OIS WR (& X-T1 Graphit Silber)

  1. ich hab nie genug von so hübsch angezuckerten bildern – kann man auch im sommer sehen :)
    die kamera gefällt mir sehr gut, ist aber für mich keine option. als „immerdabei“ (als das ich die canon g15 eigentlich wollte und dann doch nicht einpacke) ist sie leider zu groß und neben der nikon brauche ich keine zweite, weil ich nicht wüsste, wann ich die eine und wann die andere benutze. aber die bildleistung überzeugt definitiv!

    1. Wenn dir die zu groß ist, dann warte auf meinen Bericht von der Panasonic GF7… ;)

      Aber ich sehe das ähnlich wie du: eine zweite Systemkamera neben der Nikon (in meinem Fall ja die D800) erscheint mir lächerlich, solange ich noch weiß, wohin mit meinem Geld. Andererseits würde die D800 auch die Entscheidung leichter machen. Überall, wo ich nicht den Wahnwitz eines 36-MP-Vollformatsensors brauche (zum Beispiel auf einem Trip in eine Stadt) nehme ich die kleine mit.

      Ich habe sogar gar keine Hemmungen mehr, schnell mal ein Foto mit dem Smartphone zu machen. Hatten wir ja neulich schon – das Teil lädt mich sogar dazu ein, die fehlende Schärfentiefe zu nutzen und eher grafische, flache Motive einzufangen.

      P.S. freut mich, dass dir die Bilder gefallen. Auf manchen sieht man eine Nebelwand zwischen den Bäumen, das ist mir noch nie begegnet im Winter.

      1. das kenne ich – so eine nebelwand zwischen den bäumen habe ich letztens auch einmal entdeckt. leider war nur das smartphone dabei, die bilder kommen nie ins blog ;)

        bei dir versteh ich das total. die d800 hat natürlich schon ein gewicht. da ich ja ansonsten nicht im vollformat unterwegs bin, ist das was anderes, da gibt es kaum unterschied…

        hemmungen mit dem smartphone habe ich nie, aber es ist einfach eine andere ästhetik!

      2. Ja, aber auch im Winter? Es war keine (wärmere) Wasserquelle in der Nähe und auch nicht unbedingt soviel Sonne (im Wald), dass Dunst hätte aufsteigen können. Echt ungewöhnlich. Noch mehr, weil sie sich langsam hangabwärts bewegt hat. *schauder* :)

        Mit der Ästhetik hast du völlig recht. So sollte man das sehen. Mich scheut zwar dennoch der Pixelmatsch niedrig auflösender Handy-Kameras, aber die Zeiten sind langsam auch vorbei.

      3. oooh wie gruselig ;) bei uns wars wegen dem Schneesturm, also nicht ganz so magisch in der geschichte, aber optisch genauso faszinierend :)

        ja ich versteh was du meinst, aber ich denke, es lässt sich für alles eine gewisse anwendungsweise finden. und das smartphone hat für mich so tagebuchfunktion, geht schnell, sieht nett aus, konserviert erinnerungen. mit der dslr gehe ich hingegen viel bewusster um.

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