50 Millimeter – Deine beste Wahl

Wer von euch hat eigentlich eine Festbrennweite in der Fototasche? Bei wem ist es ein 50-Millimeter-Modell? 

50-Millimeter-Objektiv, ein Ringblitz und ein hübsches Model (Polina)
50-Millimeter-Objektiv, ein Ringblitz und ein hübsches Model (Polina)

Meine Kamera-Karriere verlief vermutlich ähnlich wie die der meisten Aufsteiger: begonnen mit einer Kompakten, gespart auf eine (analoge) DSLR und dann Umstieg auf digitale SLR sowie Aufstieg zu teureren und größeren Modellen derselben Klasse. Ich bin also schnell bei Systemkameras gelandet. Allerdings mochte ich als Anfänger natürlich die Möglichkeit, zu zoomen. Der Objektivpark meiner geheiligten Minolta Dynax umfasste daher neben einer Makrofestbrennweite nur Zooms. Nach dem Umstieg auf digital war das nicht viel anders. Eigentlich noch schlimmer, denn statt einem echten Makro setzte ich auf einen Satz Nahlinsen. Frevel aus heutiger Sicht.

Es hat tatsächlich bis zur Monsterkamera Nikon D800 gedauert, bis ich eine 50-Millimeter-Festbrennweite einsetzte, kennen und lieben lernte. Viel zu spät, wie ich heute fast bedaure…

Durch dieses 50-Millimeter f/2 Summitar von Leica schaute Alfred Eisenstaedt als er den "Kiss in Times Square" aufnahm. Eins der berühmtesten Bilder der Welt.
Durch dieses 50-Millimeter f/2 Summitar von Leica schaute Alfred Eisenstaedt als er den „Kiss in Times Square“ aufnahm. Eins der berühmtesten Bilder der Welt.

Das Nifty Fifty

mworkz_50mm_canon-50mmf18IIIm Finanzsektor gibt es Aktien, die hoch bewertet aber nicht teuer sind. Darauf stürzen sich Anleger wie die Geier, denn mit ihnen kann man nichts falsch machen. Der Begriff für diese Aktien lautet „nifty fifty“. Diese Bezeichnung wurde auch für das Canon EF 50mm f/1.8 II geprägt – denn es bot eine leichte Bauweise und scharfe Bilder zu einem niedrigen Preis. Heute wird der Begriff herstellerübergreifend verwendet, allerdings für dieselbe Sache: ein Objektiv, das jeder in seiner Tasche haben sollte.

Vorteile

  • Man kann das Nifty Fifty fast als verlässlichen Allround-Partner sehen. Die Brennweite liegt im Standard- oder auch Normalbereich, man kann also einen sehr natürlichen wirkenden Bildwinkel ohne Verzerrungen erfassen.
  • Außerdem hat sich eine hohe Lichtstärke für die 50er etabliert, die bei mehr als 1:2,0 liegt – man bekommt also auch einen schönen Look mit viel Schärfentiefeeffekt. Und trotz fehlender Zoomfunktion liegt hier bereits ein Vorteil gegenüber den verstellbaren Brennweiten. Üblicherweise liegt die höchste Lichtstärke bei 1:3,5 oder 1:4, seltener bei bis zu 1:2,8 (Ausnahme hier).
  • Das heißt, dass man mit einem Nifty Fifty bereits die Tür zu mehr Möglichkeiten aufstößt. Man kann bei weniger Licht fotografieren (muss später die ISO hochschrauben und hat weniger Rauschen), mit noch weiter geöffneter Blende, mit mehr Schärfentiefeeffekt und die maximale Auflösung des Objektivs wird früher erreicht.
  • Genau: Festbrennweiten sind in aller Regel schärfer als Zooms. Sie können eine höhere Bildauflösung erreichen, die dann dem Sensor zugute kommt. Ist auch ganz klar, denn eine zoomfähige Linsenkonstruktion ist immer ein Kompromiss, denn sie muss verstellbar sein und unterschiedliche Dinge leisten. Je mehr Glaselemente verwendet werden, desto „schlechter“ die Lichtqualität, die am Sensor der Kamera ankommt.
  • Ergibt sich von selbst aber noch schnell notiert: niedrige ISO ist ebenfalls verantwortlich für schärfere und knackigere Bilder. Die kann man auch am Tisch beim Abendessen noch machen, während ein Zoom u.U. die Kamera dazu zwingt, alles schon schön verrauschen zu lassen.
  • Man arbeitet mit einer festen 50er Brennweite als Fotograf gegen sich selbst und seine Faulheit. Statt das Motiv einfach ranzuholen, muss man die Beine zum Zoomen nutzen. Man muss sich bewegen, um ein Motiv zu framen, wird gezwungen, die Perspektive zu ändern, wird herausgefordert, Kanten und Linien zu nutzen. Ich kann nicht einfach alles mit dem 50er ablichten und das ist gut so – denn das zwingt mich, mir zu überlegen, was ich wirklich ablichten will. Was ich brauche und was nicht.
  • Und es regt daher natürlich zum Experimentieren ein. Das Spielen mit der Schärfentiefe, mit Bokeh-Effekten oder einfach mit Licht wird jeder an sich selbst beobachten können, der ein Nifty Fifty einsetzt.
  • Die Nifty Fifties sind meist recht günstig, dabei aber keinesfalls schlecht. Beweise dafür gibt es eine Menge. Auch viele meiner Modelfotos im Studio oder außerhalb sind mit der Brennweite entstanden. Noch extremer ist der Vergleich zwischen dem „Canon 50mm f/1.8 II“ für 125 Dollar und dem „Yongnuo 50mm f/1.8“ für 40 Dollar. Das werdet ihr sicher nicht erwarten…
  • Man muss sich nur mal ein Beispiel vornehmen: Shootet man innen oder am späten Abend ein Model, will man eine Telebrennweite, die lichtstark ist. Man schnappt sich also ein 24-70mm-Zoom, das 900 Euro kostet. Oder man hat ein 70-200mm-Zoom, für das man 1.150 Euro hingelegt hat. Oder aber man gibt ein paar Millimeter Brennweite (die man mit den Beinen wettmachen kann) auf gegenüber noch mehr Lichtstärke und einen dramatisch niedrigeren Preis von rund 100 Euro.

Nachteile

  • Oben habe ich so die Schärfe gelobt, aber das kann man leider natürlich nicht pauschalisieren. Bisher waren viele Japan-Nachbauten von 50er Festbrennweiten im Ruf, bessere Flaschenböden zu sein. Und auch bei maximaler Offenblende sind viele Fiftys eher weich. Dafür werden sie aber spätestens ab f2 scharf. Mein eigenes Nikkor 50mm f1,2 ist ab dieser Blende so scharf, dass man sich die Netzhäute dran aufschnippelt.
  • Äußerst lichtstarke (oder stark gekrümmte) Linsen neigen eher zu chromatischen Aberrationen. Bei starken Kontrasten und maximaler Offenblende können also regelmäßig farbige Säume auftauchen.
  • Du kannst nicht zoomen. Und formatfüllende Porträts von jagenden Geparden sind auch eher schwierig. Darum nennt man es auch Systemkamera – die 50er Festbrennweite ist nicht für alles praktisch, denn für andere Sachen gibt es andere Objektive. Dafür ist das 50er meist günstig genug, um es sich zu jeder anderen Optik dazu zu kaufen.
  • Ein interessanter Effekt: Manche der älteren 50er haben keinen Autofokus, weil es den damals evt. noch nicht gab. Manche haben keinen AF, damit sie billiger verkauft werden können. Und manche haben keinen, damit man die absolute Leistung rausquetschen kann. Gängige Nifties haben heutzutage aber einen AF standardmässig.

Beispielmodelle

Ich verweise mal auf ein paar Berichte und Aufnahmen, die mit festen 50-Millimeter-Brennweiten gemacht wurden. Die Links verweisen vorrangig auf meine eigenen Artikel und zeigen sich manchmal etwas großzügig in Bezug auf die Brennweite – ich habe hier und da auch mal ein paar Millimeter dazu geschmuggelt. Aber nicht, weil ich euch meine Artikel um die Nase reiben will, sondern weil das betreffende Beispiel vom Hersteller als die Standardbrennweite gesehen und empfohlen wird.

Weiter unten gibt es dann auch noch Verweise auf klassische Modelle, die ich noch nicht selbst in der Hand hatte.

  • Seit ich selbst die Nikon D800 habe, fotografiere ich daran fast nur mit meinem Nikkor AF-S 50 mm 1:1,8G. Das kann man sogar an einer 6.000-Euro-Kamera verwenden: Nikkor AF-S 50 mm 1:1,8G an der Nikon D4s
    mworkz_50mm_nikkor50f18-nikon-d4s_001
  • Ein kleiner Schatz in meinem Koffer ist das Nikkor 50 mm 1:1,2. Es ist das schnellste Objektiv, das Nikon baut und wird seit 1978 „King of Bokeh“ genannt. Es ist manuell und hat einfach eine umwerfende Optik: Nikkor 50 mm 1:1,2 an Nikon D800
  • Die Sony A7-Kameraserie umfasst großartige Geräte. Netterweise gibt es dafür auch großartige Optiken wie das Sonnar® T* FE 55 mm F1,8 ZA an der A7s.
    mworkz_50mm_zeiss55f18-sony-a7s
  • Das gerade genannte Objektiv wird von Sony gebaut, ist aber von Zeiss zertifiziert. Zeiss baut inzwischen auch eigene Modelle für die Sony-A7-Kameras. Mein lieber Scholli: das Loxia 2/50 an der Sony A7 ist eines der am perfektesten berechneten Objektive, die mir je untergekommen sind.
  • Auch Sigma hat vor nicht allzu langer Zeit eine hochwertige und lichtstarke 50er Festbrennweite ins Programm genommen. Nicht grade ein „Nifty Fifty“ in preislicher Hinsicht, aber ein geiles Teil: Das Sigma 50mm F1,4 DG HSM [A] an der Canon EOS 1200D und der EOS 5D Mark II.
  • Gipfelstürmer, Würdenträger, Krone der Schöpfung: das erste Otus von Zeiss hat viele Namen. Es handelt sich um eine 55-Millimeter-Festbrennweite, die nicht nur schwer, sondern auch eines der besten Objektive ist, die ich jemals ausprobieren konnte. Sie wurde für extrem hochauflösende Kameras entworfen: Zeiss Otus 1.4/55 an der Nikon D800.
    mworkz_50mm_otus55f14-nikond800_001
  • Ein exotischer Grenzfall ist das „HandeVision Ibelux 0,85/40 mm“. Es hat 40mm Brennweite, ist aber für CSC-Kameras entworfen. Bei besonders kleinen Sensoren gerät es somit bis auf fast 80mm, doch das Ding gibt es auch für Fuji- und Sony-ASP-C-Sensoren und liegt dann bei etwa 60mm. Auf jeden Fall bietet es einen beeindruckenden Look, denn es ist schlicht die lichtstärkste Festbrennweite für CSC-Kameras, die es gibt. Das HandeVision Ibelux 0,85/40 mm an der Panasonic Lumix GF6.
  • Eine Vorstellung der „üblichen Verdächtigen“ findet ihr hier. Dort gibt es Sachen wie das „Canon EF 50mm f/1.4 USM „, das „Pentax SMC DA 50mm f/1.8“ oder das „Sony DT 50mm f/1.8 SAM“
  • Noch eine Legende ist das „Canon 50mm f/0.95“ mit einem unfassbaren Look. Es wurde in den 1960er und 1970er Jahren produziert. Der Fotograf Paul Marbrook hat das Ding an eine Sony A7-Kamera adaptiert.

Beispielbilder

Jeder meiner oben verlinkten Artikel enthält bereits anderthalb Tonnen an Fotomaterial, das in voller Auflösung auch auf flickr gefunden werden kann.

Ganz oben hatte ich ja geschrieben, dass die „Nifty Fifties“ einen besondern Look kreieren und zum experimentieren und künstlern einladen können. Darum verweise ich hier nochmal auf eine schöne Sammlung von 80 Aufnahmen, die alle mit der wichtigsten Brennweite aufgenommen wurden, die man haben kann.

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Fazit

mworkz_50mm_nikkor50f12-nikon-d800_002Qualität hin oder her. Teuer oder billig. Plastik oder Glas und Metall. Das Nifty Fifty hat viele Ausprägungen und viele Qualitäten.

Ich habe mich zwischendurch zum Beispiel oft gefragt, ob es wirklich lohnt, sich eine solche „Billiglinse“ zu kaufen, wenn ich doch eine Kamera habe, deren Sensor der (zurzeit noch) hochauflösendste VF-Sensor ist, den es gibt und die Kamera weit über 2.000 Euro kostet. Die logische Antwort lautet „Natürlich nicht“. Eine Recherche jedoch korrodiert dieses Argument: selbst billigste Japan-Nachbauten wie das Yongnuo 50mm f/1.8 können anderen Markenmodellen nicht nur die Stirn bieten, sondern übertreffen es auch in manchen Belangen. Nicht selten auch der Schärfe.

Ein weiteres Argument für die 50er sprengt dann jegliche Vorbehalte hinweg und ist mir persönlich am wichtigsten: Maximale Bildqualität oder nicht – das Nifty Fifty regt die Kreativität an und zwingt dich zum Handeln. Faulheit zahlt sich hier nicht aus, du musst etwas tun, wenn du ein Bild haben willst. Es wird gut aussehen, wenn du etwas investierst. Und darum ist es die wichtigste Brennweite, die man haben kann.

Und ihr so?

Ich greife nochmal die eingangs genannte Frage auf: habt ihr selbst ein solches „Nifty Fifty“ zuhause und was sind eure Erfahrungen? Würde mich echt mal interessieren, ob ihr solche Objektive an sich ebenso einschätzt wie ich. Vielleicht ist das für euch ja auch eher unbrauchbarer Glasabfall.

Falls ihr andere interessante 50er-Modelle kennt oder nutzt, dann ab in die Kommentare damit. Auch weitere Vor- und Nachteile sind willkommen.

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26 Gedanken zu “50 Millimeter – Deine beste Wahl

  1. 50mm Glasabfall ??? Nein , nein seit meiner Schulzeit (sehr lange her) hatte ich immer ein lichtstarkes 50mm Objektiv. Man sagte damals, das wäre eine langweilige Brennweite. Hab ich nie so empfunden. Wenn ich heute monsterchwere Gummilinsen vor der Kamera habe, schleppe ich doch meistens in der Tasche noch mein AiS 50mm 1.4 mit mir rum, leicht und unaufdringlich. Mir gefällt der sichtbare Randabfall bei Offenblende. Mein 50mm 1.8 G kann technisch alles besser, aber die Fotos mit der alten Optik sprechen mich mehr an. Immer wieder wird man gefragt warum man denn so alte MF Objektive an eine D800 verwendet, vom Ergebnis sind sie dann meistens überrascht.

    1. Danke Andreas – dein Kommentar ist eine schöne Unterstreichung zu dem, was ich im Artikel schrieb. Und der Look ist zumeist auch irgendwie besonders und speziell, da spielt es weniger eine Rolle, ob es das größte/beste/schärfste aller Zeiten ist.

      Gruß, mario

  2. „Und darum ist es die wichtigste Brennweite, die man haben kann.“ Nö. Einfach nicht. :)

    Also, bei mir jetzt. Mit einem 35er und einem 85er kam ich sehr gut durch die Welt in analogen Zeiten (und ohne Zoom, dafür die beiden Zeiss und beide f/1.4) und auch in der digitalen fühle ich mich dem 35er näher. Mein 50er Sigma, ein geliehenes Otus und mein anderes 50er Sigma (an einer DP3 Merill) hatte ich unlängst mal bei Offenblende verglichen.

    Natürlich darf man das nicht, zwei Vollformatlinsen und eine für Halbformat. Wenn’s aber um einen 100% Ausschnitt geht, sehen die beiden teuren an einer D810 gegen die Sigma-Kombi, die irgendwas nahe 400 € kostete, dann recht blass aus. Wobei ich den Unterschied komplett dem Sensor in die Pixelschuhe schiebe, die grossen Linsen könnten einiges mehr zeigen vor einem Foveon.

    Ich hatte auch mal ein Nikon 50/1.4 G. Der höhere Preis gegenüber dem 1.8 G ist rausgeschmissenes Geld, glaube ich, zumindest im direkten Vergleich. Wenn ich das Sigma dem ollen analogen Zeiss Planar 50/1.4 gegenüberstelle, komme ich schon ein wenig ins Grübeln, aber diese aus heutiger Sicht schönen Linsen wirken einfach falsch proportioniert an einem Fotomöbel wie einer D810.

    1. Hi Joju!

      Ganz klar gibt es da geschmackliche Unterschiede und persönliche Präferenzen, das ist ja logisch. Und ich will das um Gottes Willen auch niemandem abspenstig machen. Bin sowieso niemand, der sagen würde: „Vergiss die Scherben, du brauchst nur die da.“

      Ich hab das „Nifty Fifty“ vor allem wegen der symbolischen Bedeutung gewählt: günstig, man kann viel mit machen, qualitativ nicht unterirdisch und vom Bildwinkel her irgendwo bei Normalbrennweite (was auch immer der Begriff heißen mag). Ich mag daran, dass man es sich relativ problemlos kaufen und damit losschießen kann. Dass es eine günstige Alternative zu High-End-Optiken ist und man viele Aufnahmesituationen damit meistern kann. Es muss problemlos sein und dazu einladen, mehr zu machen. Nicht zuletzt auch, sich weiter zu spezialisieren und andere Brennweiten zu kaufen, gerade weil es für einen nicht das Optimum ist.

      Bei dem marginalen Unterschied zwischen 1.4G und 1.8G stimme ich dir zu. Das nimmt sich nicht viel und ist die Preisdifferenz kaum wert. Sind beides schöne Teile, aber wenn man wirklich noch eine weiter geöffnete Blende als f1,8 braucht, sollte man sich vielleicht dann doch nach anderen, hochwertigeren Modellen umsehen. Denn wenn man das entscheiden kann, weiß man inzwischen ganz gut, was man will.

      Das mit den „Altehrwürdigen“ kann ich nachvollziehen – hatte spaßeshalber mal die Petzval-Neuauflage an der D800 und da muss man schon grinsen.

      Gruß, mario

      1. Das dachte ich mir, dass Du’s nicht so absolut gemeint hast mit der „wichtigsten Brennweite, die man haben kann“. Wichtiger als die wichtigste Brennweite finde ich ja, dass man sich selbst damit bewegen muss – und auch darf, denn man hat ja nichts, womit man sich näher oder weiter weg schrauben könnte.

        Aus heutiger Sicht finde ich das für Anfänger lehrreich und einfacher, als zu den ganzen neuen Variablen auch noch die Brennweite ändern zu sollen. Damals hat’s mich nur genervt, denn zwischen „man darf die Beine benutzen“ und „man muss, weil das die einzige Linse ist, die man sich leisten kann“ lauert die ganze Hölle des „wenn ich erstmal alle Objektive habe, die wichtig sind, dann kann ich auch gute Bilder machen“.

        Geht schon vorher, man weiss es leider erst hinterher.

      2. Ja genau – ich freue mich ja auch, wenn jemand drunter schreibt „Nene, das ist Unsinn. Für mich ist Brennweite xy das Beste, was ich haben kann, denn…“. Denn dadurch lernen wir alle was dazu und kriegen noch eine Meinung mehr. Oder aber dein Hinweis auf das „Zoomen per Fuß“. Das ist mir ebenfalls ein wichtiger Aspekt der festen Brennweite, die eben nicht alle Bequemlichkeiten erlaubt, die ich mit einem echten Zoom vielleicht habe.

        Ich weiß nicht, ob das Zoomen so eine „Belastung“ für Anfänger ist neben den restlichen Variablen. Für die meisten Menschen wirkt es natürlicher, das Bild „zu vergrößern“ als etwa Blende und Verschlusszeit einstellen zu müssen. Und sie bekommen es ja schon mit digitalen Kompakten beigebracht. Interessante Überlegung dazu am Rande: Keine Ahnung, wieviele Menschen den digitalen Zoom ihres Smartphones nutzen, aber falls nicht, verleiten die den Nutzer ja auch dazu, sich zu bewegen und das wäre ja schonmal was Gutes. :)

        Gruß, mario

  3. Das Prob ist doch dass die 50 an der Crop einem leichten Tele entsprechen. In meiner Jugend war mein Minolta MD 50/1.7 mein Liebling, trotz Zoom 35-70. Auch ein 24er in billig liegt noch rum.
    Seit digital hab ich einige Festbrennweiten erworben, ob das vernünftig ist, keine Ahnung.
    Unter anderem das Sigma 30/1.4 und das Pentax Limited DA 40/2.8. Beide so um Normal herum. Dazu kommt das Pentax Limited 70 und 2 Sigma von 70/2.8 und 85/1.4.
    Mal sehen, ein 15er hätt ich noch gern, ein altes 135/2.8 mit M42 liegt noch rum. Vllt spar ich auch auf die angekündigte FF. In der Summe machen die Festbrennweiten Laune, zoomen geht auch mal am Rechner.
    Zusammen mit den Pancakes wird die DSLR dazu richtig kompakt.

    1. Vernünftig? Ist das echt in irgendeiner Beziehung ein gültiges Argument? :D

      Das ist eine stolze Sammlung von Festbrennweiten mit denen man eine Menge machen kann und sich nicht um die Qualit sorgen muss. Sehr schick!

      Und ja stimmt – eine „kleine, feste“ hält die Kamera kompakt und leicht. Das ist bei den Limiteds aber nicht so der Fall, oder?

      Gruß, mario

  4. Bin selber noch im Zoom-Stadium. Liebäugle aber schon lange mit einem 50mm, oder eben 35mm. Stellt sich halt die Frage, was man bei einem Crop-Faktor von 1.6 nun kaufen soll… Allerdings habe ich den Kauf bisher aufgeschoben, weil ich auf Vollformat umsteigen will. Da ist es dann sowieso ganz klar ein 50mm. Aber Kamera wechseln ist mir aktuell wichtiger. Und dazu dann die richtigen, passenden Objektive kaufen. Da sind auch 100 Euro zu viel, wenn man sie nur noch 3-4 Monate nutzen wird.

    1. Hi Sarah!

      Um das von hinten aufzuzäumen: Wenn du beim gleichen System bleibst, kannst du das „Nifty Fifty“ fürs Vollformat ja auch auf die APS-C-Kamera schrauben – damit hast du dann ein cooles und sehr lichtstarkes Porträtobjektiv. An deiner Stelle würde ich damit aber wohl auch bis nach der neuen Kamera warten.

      Gruß, mario

  5. Hallo Mario,

    unser Einstieg in die dslr-Welt begann mit einer D3200 mit 18-105mm Objektiv und direkt der 50er Festbrennweite 1,8 (Nikon).
    Gerade die bessere Schärfe, die Freistellmöglichkeiten bei Offenblende bilden doch den größten Unterschied zur Kompaktkamera und machen den Reiz aus. Mittlerweile haben wir für mich noch ne D300 gebraucht dazu gekauft und überlegen gerade unser Sortiment an Linsen mit ner 35er 1,8 (Nikon), oder der 30er 1,4 (Sigma) und der 105er 2,8 Makro von Sigma zu erweitern.

    Grüße

    Martin

    1. Hi Martin!

      Danke für deinen Beitrag, das ist toll! :)

      Die Freistellmöglichkeiten fallen da sicher zuerst auf. Mich würde interessieren: Konntet ihr als „DSLR-Einsteiger“ auch direkt die höhere Schärfe der Festbrennweite beurteilen? War das für euch deutlich sichtbar gegenüber dem 18-105er?

      Also mit dem 105mm-Makro werdet ihr sicher eine Menge Spaß haben. Das habe ich auch schon ausprobiert – perfekte Brennweite und Lichtstärke für den Zweck. In Betracht auf das 50er Nikon, das ihr bereits habt, fiele meine Wahl auf das 30er von Sigma. Einfach, weil es sich deutlicher von dem unterscheidet, das ihr bereits habt. Der Unterschied zwischen Blende f1,8 und f1,4 ist marginal, wie auch Joju oben schrieb – aber zusammen mit der weitwinkligen Brennweite ergibt sich nochmal ein schöner Unterschied zwischen dem Look, den ihr bereits kennt.

      Gruß, mario

      1. Am Anfang war das nur so ein Gefühl: die Fotos sehen ein Tick besser aus. Beim zoomen am Bildschirm (15″-Laptop) haben wir es dann nach eineiger Zeit gemerkt und erkannt. Mit der D300 für mich haben wir auch ein Tamron 18-270mm gekauft. Das bereue ich mittlerweile, da mir die Bilder fast durchweg matschig vorkommen. Dda spare ich nun auf das 17-70mm von Sigma oder das 16-85mm von Nikon als Immerdrauf bei meiner D300 und die beiden Festbrennweiten sollen noch dazu kommen…also spare ich ;-)
        Danke für den Tipp – denke auch das es das 30er Sigma werden soll.

        Gruß Martin

  6. ich hab mehrere festbrennweiten: das 35mm, 50mm und ein 60mm makro und dann jetzt noch das 50mm pentacon. und ich liebe jede einzelne. wobei ich sagen muss, das 35mm verwende ich nur für meine job-pflichtfotos. die anderen sind sehr liebgewonnene spielereien und ich überlege immer wieder, mit das 85mm petzval zu kaufen. ich hab das oft gern, grade wenn ich wo herumlaufe, wo ich alles zu kennen glaube, wenn cih mir mit einem „unflexiblen“ objektiv einschränkungen schaffe und mich so zu neuen blickwinkeln zwinge.

    1. Hey Paleica!

      Aahhh, schöne Auswahl, die du da hast. Mensch, ich muss doch mal losziehen. Ich habe das Petzval in Griffweite und muss es zurück schicken, aber bin damit noch nicht wirklich draußen gewesen. Zu wenig Zeit.

      Der Zwang zu neuen Blickwinkeln ist ja ein wichtiger Aspekt, den ich im Artikel oben mitschwingen lassen wollte. Das ist aus meiner Sicht mehr als lobenswert, wenn sich jemand selbst dazu bringen möchte. Das Petzval schafft garantiert einen unbekannten Look für dich. Spannend wäre vielleicht auch ein Fisheye oder noch besser: eines der ultralichtstarken Objektive wie das Ibelux. Die haben einen so schönen Look. Gibt es auch günstiger etwa von Voigtländer, SLR Magic oder Zhongyi Mitakon.

      Gruß, mario

      1. Muss ich mir echt mal anschauen. Momentan bin ich ja fast nur mit dem pentacon unterwegs obwohl durch den Adapter der unendlich-Fokus nicht funktioniert und ich nur mit 1,8er Blende Details fotografieren kann.

  7. Pingback: left | mworkz.net
  8. Das Thema „Nifty Fifty“ wird ja schon ewig proklamiert. Leider heutzutage, meiner Meinung nach, etwas unreflektiert.

    Damals, als alle Welt nur mit KB-Film fotografierte, entsprach das 50er dem menschlichen Sichtfeld, war einfach konstruiert, preiswert und in sämtlichen Variationen zu haben. Da haben die oben genannten Faktoren noch gestimmt.

    Heute, wo die meisten Einsteiger eine APS-C-Kamera haben, sehe ich es als sehr seltsam an, Einsteigern ein Portrait-Objektiv im 75mm-Spektrum pauschal zu empfehlen. Welcher Einsteiger hat denn eine FF-Kamera? Wenn wir heute von „Nifty Fifty“ sprechen, müssen wir über 50-mm-Equivalente reden. Also 35mm auf APS-C, 50mm bei Vollformat und 25mm bei M4/3. 25- und 35-mm-Objektive gehören aber nicht mehr zur <100-EUR-Klasse.

    Und eigentlich ist das ganze Argument "preiswert" auch blöde, weil die billigen Objektive auch … nun ja … billig sind. Gute 50iger-Equivalente kosten ja auch 500 bis 1000 € und mehr. Einem Anfänger, der gewillt ist, sein Wissen und seine Fähigkeiten zu verbessern, eine Glasscherbe zu empfehlen, macht keinen Sinn. Es geht ja auch darum zu erkennen, welchen optischen Wert sehr gute Objektive gegenüber preiswerten Kit-/Zoom-Lösungen haben. Einmal in eine ausgezeichnete Festbrennweite investiert, ist das auch eine lebenslange Anlage.

    Und dann ist natürlich die Frage, ob 50mm heutzutage überhaupt noch so relevant ist, wie vor etwa 30 oder 50 Jahren. Man könnte fast eher ein 35-mm-Equ. empfehlen. Aber 50mm hat den Vorteil, dass es etwas universeller ist. Man kann damit fast alles machen, und spielen mit Tiefenunschärfe ist auch noch drin.

    Das Argument mit dem Fuss-Zoom ist doch auch nicht korrekt. Es macht einen entscheidenden Unterschied, ob ich mit 24, 35, 50, 85, 135 oder 200 mm fotografiere – einmal davon abgesehen, dass manches auch gar nicht funktioniert. Verflachte Perspektiven, Tiefe, Büstenportrait, kontextuelle Portraits, Mittendrin-Aufnahmen … Ob ich mit einem Tele die Perspektive verflache oder mit einem Weitwinkel diese herausarbeite, macht einen Unterschied. Um diese zu lernen, wäre sogar ein Zoom wieder besser. Ebenso um herauszufinden, welche Brennweite man selbst bevorzugt.

    Die eigentliche Frage sollte daher sein: Was soll der Foto-Enthusiast eigentlich lernen? Und das ist vor allem Bild-Komposition .. arbeiten mit Dimensionen, Licht, Schatten, Farbe … das Auge für Details und Situationen trainieren … und erst das Bild im Kopf kreieren lassen. Vor allem weg von dem Technik-Ansatz, der Optionsvielfalt, hin zu einem gewissen Minimalismus und Konzentration.

    Daher ist meine Antwort auf "Nifty Fifty": Holt euch eine gute Festbrennweite – vielleicht sogar mit manuellem Fokus. Das entschleunigt euch, zwingt euch zum Anhalten und Beobachten, keine Schnappschüsse mehr. Ihr müsst ein Gefühl für Entfernungen und Blickwinkel bekommen. Die Kamera muss zum Muscle Memory werden. Welche Brennweite hängt von euch ab: Schaut eure alten Bilder durch, entscheidet was euch am besten liegt (sollte zwischen 35-50 mm KB-Eqv. sein, ggf. zwischen 28-75 mm) und holt euch dann für die Brennweite ein gutes Objektiv – gerne auch ein alter, gebrauchter Klassiker. Dann fotografiert ihr ein halbes Jahr lang nur mit dieser Linse, gewöhnt euch an sie, arbeitet um ihre Macken herum, baut ihre Stärken aus, experimentiert. Danach entscheidet ihr euch, ob es eine neue Brennweite sein darf (vielleicht etwas weiter oder etwas tele-iger?) oder ob ihr euch nicht vielleicht ein anderes Objektiv mit gleicher Brennweite holt, wo ihr dann am Charakter des Objektives arbeiten könnt. – Nix 50iger, nix billig, sondern lernen, was "diese Brennweite" eigentlich ausmacht.

    … irgendwie so …

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