Hands on: Sony Alpha 7 II

Dass es ernsthafte CSC-Alternativen zu den Spiegelreflexkameras gibt, dürfte langsam klar sein. Sonys a7-Serie ist dabei ein Vorreiter und spendiert sogar Vollformat-Fotografie.

Ganz ehrlich: ich freue mich auf jedes Alpha 7-Modell, das ich in die Hand bekomme. Ich bin nach wie vor SLR-Fan, aber selbst denen hat Sony einiges zu bieten und ja, es haben diese Kameras sogar bereits in die Hände von Profifotografen geschafft, die sie beruflich einsetzen. Eine größere Anerkennung gibt es vermutlich kaum.

Die neuesten Inkarnation der Baureihe ist die Alpha 7 II. Nachdem sich Sony mit der 7, 7R und 7s ausgetobt hat, fokussiert man sich hier jetzt auf die Ansprüche der Anwender und schraubt dafür noch ein bisschen professionelleres Gerät zusammen.

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Eindruck

hands-on_sony-alpha-72An und für sich ist die Alpha 7 II erstaunlich flach. Wer nicht Bescheid weiß und sie in die Hand bekommt, wird überrascht sein, wie flach man Vollformat pressen kann. An ein paar Stellen „steht sie über“ aber der Hauptbody ist etwa 3cm tief – das fühlt sich schon sehr kompakt an. Die überstehenden Teile (Sucher und Handgriff) markieren eine gewisse Kompromisslosigkeit, denn hier zeigt sich bereits eine deutliche Änderung zu den Vorgängermodellen.

Gerade der Griffwulst ist deutlich wuchtiger geworden. Man hat jetzt mehr in der Hand und in die Formgebung passt die Hand prima rein – wie bei DSLR-Gehäusen. Seitens den Fotografen wurde bei älteren Modellen bemängelt, dass sich die Verarbeitung hier und da etwas klapprig anfühlte. Also hat Sony vor allem das Bajonett verstärkt. Weniger charmant dafür funktional sind auch die Stellräder und Knöpfe ausgelegt. Sie lassen sich in praktisch jeder Situation auch blind bedienen.

Mit an Bord ist auch wieder ein klappbarer Monitor sowie ein Blitzschuh für Aufsteckmikros, Systemblitze und zum Ansteuern von Studioblitzanlagen.

Eigenschaften

Im Vergleich zu älteren Modellen hat sich nicht wahnsinnig viel getan. In erster Linie wurde Finetuning betrieben und hier und da ein besonderes Feature reingekloppt. Das ist auch völlig in Ordnung, denn die A7-Modelle bieten meiner Meinung nach ein echt schickes Gesamtpaket. Was so dazu gehört, könnt ihr auch in meinen anderen Artikel zu den Kameras nachlesen. Als State-of-the-Art-Modell sind natürlich auch NFC und Wi-Fi mit an Bord.

Bei der 7 II hat sich Sony jetzt auf einen Vollformatsensor mit 24 Megapixel eingeschossen. Zusammen mit dem Prozessor jagt die Kamera bis zu 5 Bilder pro Sekunde durch die Leiterbahnen. Minimale Verschlusszeit ist 1/8.000 Sekunde und damit Profi-Niveau, was die mechanischen Verschlüsse angeht.

Einen Turbo hat Sony angeblich dem Autofokus spendiert, der nun rund 30 Prozent schneller sein soll als vorher. Dummerweise kann ich das nicht so genau beurteilen (habe selbst nicht gemessen), aber hier gab es auch vorher schon wenig zu meckern. Das Scharfstellen erfolgt schnell und präzise – besser, als bei so manchem Konkurrenten. Wenn dem Fotografen mit dieser Kamera was durch die Lappen geht, dann hat er sich falsch angestellt. Selbst die Gesichtserkennung geht extrem schnell und sicher. Unterwegs war ich mit der A7 II und dem fantastischen Sonnar T * FE 55 mm F1,8 ZA. Zeiss-Optiken sind eigentlich eher für ihre Präzision denn ihre AF-Schnelligkeit bekannt, aber diese Kombination ist kaum zu schlagen. Selbst das Durchfahren der gesamten Fokusentfernung dauert nur einen kurzen Ruck und ist schnell erledigt.

hands-on_sony-alpha-72-stabiDie große Neuerung und das Highlight der frischen Sony ist der Bildstabilisator. Der wurde nämlich fünfdimensional aufgebohrt. Die 7 II besitzt eine Sensor-Shift-Lösung, die die Aufnahmeeinheit über Magnetfelder bewegt. Er kann natürlich seitlich bzw. nach oben und unten geschoben werden, aber auch ein wenig geklappt und geschwenkt werden sowie gedreht. Letzteres ist praktisch, wenn man die Kamera leicht schief hält, der Horizont aber grade abgebildet werden soll.
Für Sony ist es das Nonplusultra-Highlight, aber lasst euch dahingehend keinen Bären aufbinden. Die Lösung gab es bisher schon – nämlich bei Olympus. Wahr ist allerdings, dass die 5-Achsen-Stabilisierung in der Sony erstmals bei einem Vollformatsensor angewandt wird. Üblicherweise haben Sony-Objektive ebenfalls einen eigenen Stabi. An der a7 II wird der allerdings nicht stillgelegt, sondern geht in die Berechnung der Sensor-Shift-Lösung ein und die beiden sollen sich ergänzen.

Sony-Kameras sind ebenfalls bekannt dafür, qualitativ hervorragendes Video aufzuzeichnen. Die neue macht das in Full-HD und bekommt das „XAVC S“-Format spendiert. Das erzeugt Filme mit wesentlich höheren Datenraten und das Videosignal kann bereinigt auch über den HDMI-Anschluss abgenommen werden.hands-on_sony-alpha-7s_top

Superschick ist außerdem der elektronische Sucher anzuschauen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn er bietet eine klirrend klare Auflösung von rund 2,4 Mio. Bildpunkten und 100 Prozent Bildfeldabdeckung. Gottseidank kann er auch zwischen Live-View und Simulation umgestellt werden. In letzter Einstellung zeigt er genau das, was die Kamera fotografieren würde – also inklusive der eingestellten Belichtung. Das kann zB im Studio zum Problem werden, wenn die Belichtungszeit zu kurz ist und man nur schwarz sehen würde. Dann schaltet man auf Live-View und kann das Bild unabhängig von den Aufnahmeeinstellungen komponieren. Hat man etwa an der A99 immer bemängelt – hier isses drin.

Performance

hands-on_sony-alpha-72-backDas Arbeiten mit der Sony A7 II macht einfach riesig Spaß. Da scheint es nichts zu geben, was sie nicht kann. Die Sony-Sensoren sind allgemein für ihre hohe Qualität (und ihr Auftauchen in Nikon-Kameras) bekannt. Das betrifft den gewaltigen Dynamikumfang ebenso wie das Rauschverhältnis, die hervorragend sind. Laien würde es in aller Regel nicht auffallen, ob sie ein ISO 100 oder ISO 2.000 Bild vor sich sehen.

Alles andere habe ich bereits angeschnitten: die Kamera ist schnell aber vor allem präzise und besitzt ein tolles Bedienkonzept. Praktisch jede wichtige Einstellung kann über die Buttons im Gehäuse vorgenommen werden. Wer ins Menü abtaucht, wird zwar schnell von der Fülle an Funktionen erschlagen, kann hier aber praktisch alles umschalten.

So gibt es ja bei den A7-Modellen das sogenannte „Fokus Peaking“. Fokussiert man manuell, kann man eine grafische Markierung anzeigen lassen – scharfgestellte Kanten werden hervorgehoben. Oder im Videomodus kann man sich ein Zebramuster anzeigen lassen, um die Belichtung im Auge zu behalten. Beides kann konfiguriert und sogar die Farben angepasst werden.

Fazit

Wie schon gesagt: mit der Sony Alpha 7 II zu arbeiten, macht einfach Spaß. Das Ding kann einfach alles, ist kompakt und hat einen Vollformatsensor, was will man denn eigentlich mehr? Jemand, der sich noch mehr wie ein Profi fühlen will, kann sie via Adapter auch an die fetten Objektive der A-Mounts schrauben oder einen Batteriegriff drunter klemmen.

Wer bereits eine a7s oder 7r hat, muss nicht unbedingt gegen die neue tauschen. Wer zum Vollformat aufsteigen oder seine DSLR-Ausrüstung gegen was handlicheres austauschen möchte, sollte dringend einen langen Blick durch den Sucher der neuen Sony werfen.

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Mehr!

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14 Gedanken zu “Hands on: Sony Alpha 7 II

  1. ich höre ja jetzt schon immer öfter von der sony alpha. bisher wäre ich nie auf die idee gekommen, eine systemkamera anstatt der dslr in betracht zu ziehen, aber gewicht und leistung sind schon nicht uninteressant. ich habe gehört, dass man auch nikon-objektive dran schrauben kann – weißt du da dazu was?

    1. Hi Paleica!

      Vermutlich weil sich immer mehr Fotografen in die A7er verlieben und das auch lauthals kund tun. Nicht ganz zu unrecht, denn die Teile sind schon sehr schick. Wer vorher nicht Nikon-Fotograf war, wundert sich außerdem meist darüber, wie groß der Dynamikumfang und die Farbwiedergabe der Sonys ist. Außerdem haben sich viele Fotografen auf die a7r gestürzt, weil sie sich keine D800 leisten konnten/wollten und trotzdem 36MP Auflösung wollten.

      Der einzige Wermutstropfen bisher: kein CSC-System besitzt bis heute den Zugriff auf das unüberschaubar vielfältige Zubehörangebot wie das DSLR-System.

      Die Alpha 7er nutzen das E-Mount, das mit den NEX-Kameras eingeführt wurde. Darum gibt es Adapter zB von Novoflex (https://www.novoflex.com/index.php) mit denen man Nikkors an die Kamera bringt. Er hat einen Blendenring, allerdings gibt es keine Übertragung der Infos – dh. es funktioniert eine Halbautomatik der Belichtung, aber Stabi und AF des Objektivs gehen nicht.

      Gruß, ml

      1. gern doch.
        Sehe ich auch so: Der Wechsel müsste ein kompletter Austausch sein und das macht man nicht mal eben. Die Advanced-APS-C-SLR wie die 7000er Reihe von Nikon wird ja auch immer schnuckliger. Mit Kit-Objektiv ist die auch nicht viel schwerer als eine a7 mit sehr ordentlichem Standardzoom.

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