Hands on: walimex pro 2.0/135mm

Ein lichtstarkes mittleres Tele von walimex pro – so neu, dass es noch nach Fabrik riecht.

Zum neuesten walimex pro gibt es noch fast gar nichts – weder Pressemitteilungen, noch Berichte, noch Fotos. Das Ding ist so frisch, dass ich es nach dem Ausprobieren und Vermessen wieder zurück schicken musste, weil das Marketing noch Bilder davon machen wollte. :) Insofern nochmal vielen Dank an Walimex für den exklusiven Blick auf das Teil – ich würde sogar sagen, es hat sich gelohnt.

Tatsächlich wartet die Fotografen-Gemeinde schon eine ganze Weile auf die Optik, seit bekannt wurde, dass ein lichtstarkes Tele von einem Drittanbieter kommen würde, der es vermutlich zu erschwinglichen Preisen verkloppen kann. Das ist eine spannende Geschichte; vor allem, weil es für das Vollformat gerechnet ist und sich von den Werten her als schöne Porträtbrennweite anbietet, die in dem Segment für gewöhnlich teurer sind.

Aber schauen wir doch mal, ob sich das Warten lohnen wird…

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Eindruck

hands-on_walimex-135mmf2_slantDas walimex pro 2.0/135mm wird es in zwei Ausführungen geben: Als Video- und Fotovariante. Ich war mit der Fotovariante unterwegs, die Video-Version wird statt des gummierten Fokusrings und des glatten Blendenrings Zahnkränze besitzen. Damit lässt es sich optimal mit einem Follow-Fokus-System benutzen.

Ansonsten bietet sich das übliche Bild und das ist bei den heutigen Standards auf jeden Fall eine gute Sache. Man hat ordentlich Glas und Metall in der Hand. Genau gesagt rund 800 Gramm. Es fühlt sich also hochwertig an und wirkt dank des verschmitzt edlen roten Rings auch so. Ein solides Metallbajonett auf der Rückseite, nach Licht brüllendes großes Glas vorne. Dazwischen liegen einige Linsen, zu denen ich weiter unten noch mehr sage.

Eigenschaften

Wie im walimex-Lineup üblich, ist auch das 135er eine manuelle Optik – es darf also sowohl an den Fokus- als auch den Blendenring Hand angelegt werden. Für Foto-Aufsteiger, die von mehr oder wenigen aktuellen digitalen APS-C-DSLRs kommen, ist das sicherlich ungewohnt und teilweise auch abschreckend, was ich so mitbekomme. Foto-Fanatiker und Genießer werden es begrüßen oder kaum wahrnehmen. Fakt ist, dass man sich ein bisschen auskennen muss und sicherlich bewusster fotografiert. Mir persönlich macht es Spaß, Blende und Verschlusszeit auf ein Motiv einzustellen, das ich fotografieren möchte. Andere mögen das nicht.

Ich muss auch dazu sagen, dass meine Nikon den Belichtungsdienst bis Blende f22 verweigert hat. Man muss bei solch modernen Kameras das Objektiv auf f22 stellen und kann dann wie gewohnt an der Kamera selbst die gewünschte Blende einstellen. Also so abseits des üblichen Fotografierverhaltens ist das walimex gar nicht.

Ein wenig ungewohnt ist auch der Widerstand des Fokusrings. Das wäre im Grunde auch mein einziger wirklicher Negativ-Punkt. Denn der Ring reagiert nicht wirklich träge aber schwergängig. Nagut, so negativ ist das auch wieder nicht, denn kleine Fokussierbewegungen lassen sich damit sehr gut umsetzen, das Herantasten an ein Motiv erfolgt vorsichtig und exakt und man rauscht nicht sofort über den Schärfepunkt hinweg. Außerdem ist es gerade beim Filmen vorteilhaft, denn da will man sehr langsames, weiches und unauffälliges Scharfstellen. Trotzdem habe ich das auch schon leichter und flüssiger erlebt – dabei aber nicht weniger exakt. Wie gesagt; geht im Grunde in Ordnung aber für schnelles Durchfahren des gesamten Fokusbereichs könnte es etwas einfacher gehen.

In Sachen Linsenaufbau bewegt sich das walimex auf Standard-Niveau: elf Elemente in sieben Gruppen. Eine davon ist eine besondere ED-Linse, um Bildfehler zu korrigieren und dann gibt es noch UMC-Vergütung. Alles gut soweit und ich würde sogar behaupten, da muss man nicht viel mehr Ansprüche stellen. Denn schließlich handelt es sich um eine Festbrennweite und kein Zoom – weniger ist da immer mehr.

Performance

hands-on_walimex-135mmf2_aufrechtIn Sachen Performance wäre da zuerst nochmal das Fokusverhalten zu nennen – wie gesagt, etwas langsamer als es vielleicht sein könnte. Angetan war ich dennoch vom Fokussiervorgang – denn obwohl meine D800, an der ich das 135er verwendet habe, „nur“ den klassischen optischen (und doch sehr hellen) Sucher ohne elektronische Spielereien hat, kann man die Schärfe doch recht gut beurteilen. Klar, bei Makroaufnahmen eines wedelnden Grashalms und Windstärke 8 kann es etwas kompliziert werden, aber das gehört dazu.

Nehmen wir das neue walimex mal als Porträtbrennweite, dann würde ich draußen ohnehin mit f5,6 oder im Studio mit mindestens f8 fotografieren und da muss man sich über die Schärfeebene auch nicht mehr so viele Gedanken machen.

Die Bildqualität könnt ihr anhand der Fotos hier im Artikel ja selbst beurteilen – von mir gibts einen Daumen nach oben. Die Fotos sind unkorrigiert; chromatische Aberrationen sind unerwartet selten. Dafür sorgt natürlich zum einen die Kamera, die sich an einer ausgewogenen Belichtung versucht und allzu harte Kontraste verhindert, aber auch in extremen Situationen flackert nur manchmal eine bläulich-grüne Kante auf. Damit kann man leben.

Der Look ist schick und das Bokeh (also nicht nur die Form der Lichter im Unschärfebereich, sondern der unscharfe Bereich an sich) sehr nett. Ich sage bewusst „sehr nett“, denn da geht noch ein Nümmerchen mehr. Teilweise sind mir die Lichtreflexe etwas zu sehr Scheibchen, aber das kann auch an meinem persönlichen Geschmack liegen. Vorrangig bringt das walimex vor allem starke Kontraste gut rüber.

Fazit

Prinzipiell finde ich das walimex pro 2.0/135mm toll. Auf meiner imaginären Wunschliste steht allerdings seit langem das Sigma 85 mm F1,4 EX DG HSM als Porträtbrennweite, das irgendwo noch erschwinglich ist und mit rund 900 Euro einen fairen Preis hat. Noch einen Tick besser gefällt mir das Nikon-Pendant. Das AF-S 85mm 1:1.4G hat einfach ein super-schönes Bokeh für diese Brennweite. Allerdings ist es rund 400 Euro teurer als das Sigma.

Die 1.4er haben ein tolles, superfluffiges Bokeh, das mir für Porträts sehr zusagt und das ich als Fotograf auch ganz gut von einer Blende f2 unterscheiden kann. Ich würde es persönlich einfach bevorzugen – wohlgemerkt auch trotz der Tatsache, dass der Schärfebereich nochmal spürbar geringer ist bei Offenblende. Fakt ist auch, dass die 1.4er-Brennweiten früher die maximale Bildqualität und Schärfe erreichen. Also etwa bei Blende f4. Aber das ist dann auch schon fast nur für Profiqualität im Makro- oder Studiobereich wichtig.

Wer auf all das nicht so viel Wert legt wie ich und mit einem manuellen Objektiv Spaß hat, der wird das neue walimex mögen. Die Bilder sehen toll aus, haben eine sehr gute bis tadellose Qualität und vermitteln ein prima Feeling. Blende f2 ist eine schöne Sache und bereits im 135-Millimeter-Bereich sehr ansehnlich. Ich gehe davon aus, dass sich der Preis irgendwo zwischen dem erwähnten Nikkor und dem betagten Sigma bewegen wird. Gerüchteweise könnte der Preis sogar noch drunter liegen und das wäre richtig cool. Gemessen daran würde ich sagen: Alles richtig gemacht, walimex!

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Mehr!

  • Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen.
  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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9 Gedanken zu “Hands on: walimex pro 2.0/135mm

    1. Die Fotos sollen nicht repräsentativ für einen Anfänger sein, sondern den Bildlook des Objektivs wiedergeben.

      Mir stand das walimex nur ein paar Stunden zur Verfügung und ich wollte meinen Lesern einen ersten Eindruck verschaffen. Wie der Kommentar von Paleica belegt, trifft die Ästhetik durchaus auf Zustimmung.

      Gruß, ml

  1. Interessant, an der Crop ist mir das 135er fast zu lang, wirklich interessant für mich ist allerdings das Tilt/Shift 24 von Walimex und Konsorten, wobei an der Crop auch (fast) zu lang.
    Aber naja. Mal sehen, wann die Portokasse wieder voll ist.
    Das Sigma 85/1.4 entspricht an meiner Pentax natürlich etwa dem 135er, und ich kann es bislang nur empfehlen, ist mein neuester Streich, dank eines vorübergehenden Angebotes hab ich es für unter 600 bekommen. Das will nicht mehr weg von der Kamera.
    Wobei harte Kontrastkanten (Äste) mag es nicht so. Aber das mag keiner.
    :)

    1. Nagut, 200mm an einer Crop-Kamera mit dieser Lichtstärke sind schon lecker. Ich würde dann aber auch eher zu einem Telezoom tendieren – für eine Telefestbrennweite in dem Bereich arbeite ich zu selten mit sowas.

      Super mit dem Angebot für das Sigma – gut gemacht. An der Pentax wird das bestimmt nochmal reizvoller aufgrund der Brennweite. Und stimmt – Äste vor einem weißen Himmel sind generell bäh :)

    1. Na hey, dann war ja etwas für dich dabei – ist doch prima. :)

      Ja, die Stimmung hat mich auch gefesselt. Ich wäre an dem Tag auch zum Fotografieren draußen gewesen, wenn ich kein neues Gerät zur Hand gehabt hätte. Ich mag das Licht nach oder bei leichtem Regen und dann hing noch ein zarter Nebelschleier in der Luft.

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