Hands on: Panasonic Lumix GM5

Klein, kleiner, am GM5sten.

Wie präsent ist eigentlich Panasonic als Kamerahersteller in euren Köpfen? Nicht so wahnsinnig oder? Teilweise ganz bestimmt zu unrecht, denn die haben einige interessante Modelle auf Lager.

Eigentlich erstreckt sich das Portfolio des Herstellers über alles, was man dem Markt so anbieten muss: Gewöhnliche Kompakte, robuste Outdoor-Kompakte, Bridge-Kameras. Und dann gibt es da noch den neuesten Panasonic-Trend: die spiegellosen Systemkameras, die auf der Micro-Four-Thirds-Basis aufbauen. Ja nagut, so neu ist der Trend nicht. Eher in der Beziehung, dass zum Angebot einige ausgesprochen professionelle, einige Premium- und ein paar wirklich kompakte Modelle gehören.

Da wären zum Beispiel die neue LX100, eine verdammt schicke Premium-Kompakte, die mit Leica-Optik und 4k-Video daher kommt. Die GH4, die quasi als Referenz unter den filmenden Fotokameras rangiert (Hands on hier) und noch relativ frisch ist die GM5. Eine CSC-Kamera, die man kleiner kaum bauen könnte.

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Eindruck

hands-on_panasonic-gm5_frontDer gesamte Abschnitt zum Thema „Eindruck“ müsste eigentlich mit miniaturisierten Superlativen daher kommen. Das Gehäuse der GM5 bewegt sich irgendwie zwischen „schick“ und „ach, ist die niedlich!“. Das Ding hat etwa die Größe eines Handtellers, ist 10 Zentimeter breit, 6 Zentimeter hoch und knapp dreieinhalb Zentimeter tief. Damit ist sie ein gutes Stück kleiner als die Kompaktkamera (!) LX100 und sogar kleiner als die Canon GX 7, mit der ich zeitgleich unterwegs war. Trotzdem handelt es sich um eine vollwertige Systemkamera, an die man das ganze Panasonic- und quasi auch Olympus-Objektivportfolio anschließen kann.

Weil der Großteil der erhältlichen Objektive allerdings ungefähr genauso groß ist wie die Kamera, gibt es im Kit sogar eine verkleinerte 12-32mm-Optik dazu. Die muss man mit einem Dreh erst ausfahren, um sie benutzen zu können. Deaktiviert verliert sich die Kamera somit in jeder Frauenhandtasche, hat in Männerhosen noch Platz neben dem Geldbeutel und fällt sogar auf einer dicken Touristenbrust um den Hals gehängt kaum auf. Dort kann sie dann auch baumeln, denn mit knapp 200 Gramm ist sie auch nicht schwerer als ein paar Schokoriegel.

Klar geraten die Bedienelemente dadurch etwas fitzelig. Darum gibt es davon auch nicht so viele. Auf der Rückseite findet sich das übliche Steuerkreuz, das ganz gut zu bedienen ist, da man mit dem Daumen nur drüber rutschen muss. Dann ist da noch ein Drehrad, wie man es von anderen Systemkameras kennt sowie zwei Fn-Knöpfe. Einer steuert das integrierte WLAN, der andere schaltet zwischen Sucher und Monitor um und wer das nicht braucht (einen Sensor zum Umschalten gibt es nämlich auch), der belegt diese Knöpfe mit seinen Wunschfunktionen. Zwingenderweise braucht man auch gar keine Knöpfe, denn der Monitor ist berührungsempfindlich. Cooles Bedienungskonzept, das alle befriedigt, die keine tausend Räder und Buttons für das Professional-Feeling brauchen.

Eigenschaften

hands-on_panasonic-gm5_backDie fotografische Arbeit verrichtet ein Sensor im FourThirds-Format (Stückchen kleiner als APS-C) mit 16 Megapixel im Panasonic-typischen 4:3-Verhältnis. Das als wichtigste Grundgröße, die endlosen Datentabellen könnt ihr euch hier einverleiben.

Viel interessanter ist beispielsweise, dass Panasonic sogar einen elektronischen Sucher in das Gehäuse gequetscht hat. Dafür muss man zwar auf einen integrierten Blitz verzichten (wird mitgeliefert), aber das ist cool, solange man sich nicht dafür schämt, die Kamera ans Auge zu halten. Denn wie gesagt, das Ding ist so klein, dass man die meiste Zeit das Gefühl hat, eine digitale Kompakte in der Hand zu halten. Und die bedient man ja inzwischen mit einer (traurigerweise Standard gewordenen) Haltung, bei der die Arme weit vom Körper weggestreckt sind. Dazu neigt man auch bei der GM5, aber der Sucher ist gar nicht schlecht und darf ruhig genutzt werden, denn mit 1,6 Mio. Bildpunkten ist er hochauflösend und darüber hinaus angenehm ruckelfrei. Es gibt wie gesagt sogar einen Annährungssensor, der zwischen Monitor und Sucher umschaltet, wenn man sich die Kamera ans Auge klebt.

Der LCD ist etwas weniger hochauflösend aber berührungsempfindlich. Mit drei Zoll ist er auch relativ groß aber ich hätte es gut gefunden, wenn vielleicht optional eine angepasste Bedienoberfläche einstellbar wäre. Denn die Kamera zeigt wie gewohnt Unmengen an Infos und Einstellungen an, die man bei Bedarf antippen und ändern kann. Dummerweise sind die dann so klein, dass dicke Wurstfinger mal eben die Selbstzerstörung auslösen, statt etwa die ISO umzustellen. Klappbar ist der LCD leider auch nicht – für mich kein Must-Have, aber dass man einen solchen Mechanismus kompakt machen kann, zeigt Sony mit den RX-Kameras (Hands on hier). Ja nagut, die Lösung hätte trotzdem Platz und Gewicht gekostet und die GM5 wäre dann nicht soo winzig pinzig geworden, wie sie ist.

Trotz Baby-Maßen steckt in der Lumix eine ausgewachsene Systemkamera – es darf in RAW-Formaten fotografiert werden oder automatisch sogar in speziellen Formaten, wenn ein 3D-Objektiv angeschlossen ist. Man hat sogar ein WiFi-Modul reingequetscht, was cool ist, denn Panasonic hat eine der wenigen wirklich guten Fernsteuer-Apps für Smartphones, die kaum Wünsche offen lässt.

Performance

Wenn sie nur nicht so klein wäre! :)
Von der Leistung her muss sich die kleine Lumix keine schrägen Kommentare gefallen lassen, denn das Ding ist wirklich schnell. Man kann zwischen mechanischem und elektronischem Verschluss umschalten. So schafft sie bis zu 5,8 Bilder pro Sekunde im gewohnten Modus und ballert bis zu 40 Bilder pro Sekunde mit der Elektro-Lösung auf die Speicherkarte. (Man darf übrigens eine gewöhnliche SD-Karte nutzen und muss trotz Miniaturisierung nicht auf Micro-SD umsteigen, sehr gut!) Der elektronische Verschluss erlaubt es auch, mit einer Verschlusszeit von 1/16.000 Sekunde das Essen zu fotografieren, das deinem Gegenüber gerade aus dem Gesicht fällt.

Auch die ganzen Live-View-Spielereien gehen butterweich über die Bühne: in Echtzeit kann man sich etwa ein Histogramm einblenden lassen, ausgefressene Lichter markieren oder eine Wasserwaage sowie Zebra-Muster einblenden lassen. Alles ohne spürbare Performance-Verluste. Szenenmodi gibt es japanisch-typisch natürlich wie Sand am Meer. Darunter so nützliche Programme wie „Künstlerische Nachtszene“, „Kindergesicht“ und „Appetitanregendes Essen“. Aber nicht auf die Idee kommen, damit „Würgreizendes Essen“ zu fotografieren!

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Das kann man ja filmen, denn das kann die Lumix auch gut: nämlich in Full-HD mit einer sehr hohen Datenrate von 28 Mb und 60 Bildern pro Sekunde. Ausgerechnet hier hat Panasonic mal alle vier grade sein lassen und der Kamera keinen 4k-Modus spendiert. Ist auch nicht schlimm – 4k-Videos, die man mit der Kamera aus der Hand filmt können nur Schwindelgefühle erregen.

Fazit

Hätte ich ein bisschen zuviel Geld übrig und ausreichend Klebeband dabei, dann würde ich die Panasonic GM5 gerne als elektronischen Sucher für meine Nikon verwenden. Denn viel größer als deren Monitor ist das Ding auch nicht. Panasonic hat sich alle Mühe gegeben und eine erwachsene Systemkamera so klein geschrumpft, dass sogar Kinderhände die 1.200 Euro problemlos festhalten und auf die Tischkante knallen können. Das verdient schon Respekt, wirklich.

Und dann ist das nichtmal eine schlechte Kamera. Die Miniaturisierung fordert ein wenig ihren Tribut bei der Bedienbarkeit, aber sie leistet alles, was man von einer fortgeschrittenen Kamera erwartet. Sie ist sogar noch schneller als einige Konkurrenten im gleichen Preissegment und hält dank System-Konzept, RAW-Fotografie, Fernsteuer-Option und Zubehörschuh alle Optionen für ambitioniertes Fotografieren offen. Schöne Sache das.

(noch ein paar mehr Bilder dieses ungleichen Paars auf g+)

Mehr!

  • Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen.
  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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4 Gedanken zu “Hands on: Panasonic Lumix GM5

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