Hands on: HTC One (M8)

Die Fotobranche hält sich zu Beginn des Jahres mit gänzlich neuen Produkten noch relativ zurück. Das gibt mir die Chance, einige liegengebliebene Hands-on-Berichte aus dem letzten Jahr einzustreuen.

Vor ein paar wenigen Monaten führte ich mir mal einige Smartphones zu Gemüte. Dabei waren Flaggschiffe der Hersteller und ein paar der beliebtesten und am weitesten verbreiteten Modelle. Zum Beispiel das iPhone 6 Plus, das Samsung Galaxy S5 oder das Huawei Ascend P7 sowie das Panasonic Lumix CM1.

Auch mit von der Partie war das HTC One (M8) – ebenfalls ein Flaggschiffmodell des Herstellers, wenn auch nicht mehr ganz neu. Der Nachfolger lässt aber noch auf sich warten, daher bringe ich das M8 mal mit einer kurzen Betrachtung hier unter.

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Eindruck

hands-on_htc-one-m8_003Okay, beginnen wir beim Eindruck des HTC One, denn das ist seine echte Stärke. Beginnen wir sogar noch vor dem Smartphone selbst, denn bereits die Schutzhülle ist erwähnenswert. Ich muss ganz ehrlich gestehen – ganz am Anfang bin ich der separaten Hülle gar nicht bewusst geworden. Die relativ weiche Kunststoffumhüllung ist flexibel aber widerstandsfähig und ausgesprochen dünn. Handy plus Hülle sind etwa so dick wie einige andere Smartphones ohne „Verpackung“. Das finde ich sehr angenehm, denn aufgrund des Feelings mag ich Smartphone-Hüllen generell nicht so. Sie machen das Teil meistens zu klobig und zu schwer. Beim M8 stört es mich überhaupt nicht.

Im Gegenteil: es hat sogar ein nettes Feature: Die Vorderseite ist perforiert. Tippt man das Phone an, wacht es kurz auf und zeigt die wichtigsten Statusinfos direkt durch die Hülle hindurch. Schicke Spielerei.

Von der Form her fasst sich das HTC super an. Es hat einen großen Monitor (5 Zoll, 1080p) aber kaum Rahmen an den Seiten und relativ schmale Begrenzungen oben und unten. Auf die Rückseite ist das Unternehmen recht stolz – es besteht aus einer abgerundeten Fläche, die zu 90 Prozent aus Aluminium besteht und dient gleichzeitig als Antenne. Der Empfang damit ist also recht gut. Das bringt es möglicherweise aber auch mit sich, dass man das Gerät nicht öffnen und den Akku austauschen kann. Äußerst zurückhaltend sind die Tasten gestaltet. Das ist beim Ein/Aus-Schalter in Ordnung, den braucht man eh seltener. Die Lautstärkewippe hätte aber einen Hauch erhabener sein können. Bedienen lässt sie sich trotzdem ganz gut.

Eigenschaften

hands-on_htc-one-m8_002Im M8 sind eine Quad Core-Minifabrik, 2 GB Arbeitsspeicher sowie 16 GB Gerätespeicher untergebracht. Das sind ganz gute Standarddaten, mit denen man (meiner Meinung nach) auch rund 12 Monate nach Erscheinen des Geräts prima zurecht kommt. Entscheidend ist, dass das Gerät sehr gut aufeinander abgestimmt ist. Es war bei meinem Test immer flott, immer geschmeidig und immer hilfsbereit. Die Kamera startet innerhalb von einer (gefühlt) halben Sekunde, das reicht schon.

Wobei – eigentlich muss man ja Kameras sagen, denn hier kommt die nächste Besonderheit ins Spiel. Im ganzen verfügt das M8 über drei Kameras: das Stecknadelgroße Selfie-Ding überm Display, eine etwas großzügigere Einheit auf der Rückseite und direkt darüber noch eine Kamera. Das ist HTCs Ansatz, aus der üblichen Kameratechnik etwas mehr Schärfentiefe- und 3D-Feeling für die Bilder herauszuholen. Genutzt wird auf der Rückseite eigentlich jedoch nur eine – die größere von beiden erzeugt 5MP-Fotos, die Einheit darüber wird nur zur Erfassung von Tiefeninformationen genutzt. Die vordere Kamera macht rund 3,6 MP große Fotos.

Das ist alles nicht wahnsinnig viel und war eigentlich auch schon beim Erscheinen des M8 veraltet. Vermutlich hat man die Auflösung so niedrig gehalten, damit die Verarbeitung der Daten noch einigermaßen flüssig über die Bühne gebracht werden kann. Denn so hat man auch hier nicht den Eindruck, dass das Gerät überfordert wäre, sondern eigentlich sogar eine Menge leisten kann.

Ziemlich verspielt geben sich die Möglichkeiten zur Nachbearbeitung. Es gibt einige Effekte, die sich die Dual-Kamera zunutze machen – sie generieren ein dreidimensional anmutendes Bild, das sich bewegt, wenn man das Smartphone bewegt. Man kann den Fokus nachträglich ändern oder komische fallende Blütenblätter einblenden. Die Standard-Bearbeitungs-App hält außerdem einige Effekte bereit (Schwarzweiß, Lomo, Retro und so Zeugs) und erlaubt das Notizen aufmalen oder Rahmen hinzufügen. Also eine ganz gute Ausstattung für eine integrierte App.

Seltsamerweise sind die Beauty-Retusche-Funktionen (ja, die gibt es auch) direkt an die sogenannte Selfie-Kamera gekoppelt. Statt Vorderkamera oder so wählt man nämlich die Selfie-Kamera aus, macht ein Bild (mit standardmäßig eingestelltem Selbstauslöser, per Sprachbefehl oder per Lächeln) und direkt im Anschluss poppt eine Bearbeitungsleiste auf. Typisch japanisch kann man hier die Haut blasser machen, die Augen größer oder den Kopf schmaler.

Performance

An technischen Spielereien mangelt es dem Smartphone nicht. Vorder- und hintere Kamera können gleichzeitig genutzt werden – etwa, um die Geburt eines Kalbs zu filmen und gleichzeitig sich selbst beim Würgen aufzunehmen. Oder um Videokonferenzen abzuhalten, bei denen bis zu fünf Bilder zusammengelegt werden, während die Software Gesichter erkennt und die jeweiligen Bildausschnitte darauf beschränkt. Oder aber, um Videos in Full-HD aufzunehmen und Spielereien dabei einzublenden oder Bilder nachträglich zu bearbeiten.

Eigentlich ist auf dem HTC One ja ein stinknormales Android installiert – die eigens erstellten Apps allerdings weisen so ein paar Eigenheiten auf. Am wichtigsten hier in diesem Zusammenhang ist natürlich die Kamera-App. Wie üblich kann man hier zwischen Foto- und Videomodus umstellen, muss dazu aber erst in ein separates Menü. Dort findet man dann zwei Kameramodi, deren Unterschied mir nicht ganz klar geworden ist. Der zweite Modus scheint lautlos zu arbeiten, was man erstmal herausbekommen muss – die Kamera löst extrem schnell aus und benötigt praktisch keine Zeit zum Speichern der Daten, ein optisches Feedback beim Auslösen gibt es nicht und die Lautstärkewippe, mit der man das Foto schießen kann, hat kaum haptisches Feedback. Während man sich also fragt, ob das Foto geschossen wurde, liegen schon zwanzig Bilder in der Galerie. Den Modus hätte man auch über einen Zusatzbutton anbieten können, der einfacher zu verstehen ist als ein undefinierter „Kamera 2“-Modus.

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Hat man ein wenig damit herumgespielt, kommt man langsam dahinter, warum das so gelöst wurde. Nehmen wir mal an, ich mache gerne Bilder mit irgendeinem schrägen Filter drauf, will gleichzeitig vorne und hinten aufnehmen und immer den Selbstauslöser angeschaltet haben. Dann muss ich das entweder alles immer wieder einstellen oder ich speichere den Status als eigene „Kamera“ ab. Dann kann man schnell zwischen verschiedenen Konfigurationen hin- und herwechseln. Das ist eigentlich ne nette Geschichte aber wie gesagt – ich muss immer wissen, was sich hinter welchem Symbol verbirgt.

Insgesamt ist das M8 ein ziemlich kräftiges kleines Ding. Wie schon angedeutet – das Speichern von Fotos und Videos bemerkt man fast gar nicht, Bearbeitungen sind sekundenschnell erledigt und die Beauty-Make-Up-mach-mich-schöner-Optionen bei Selfies lassen sich sogar in Echtzeit während der Aufnahme einblenden. Sie werden dann berechnet und möglichst passend über das Gesicht gelegt. Das gilt auch für verfremdende Filter, die sichtlich aber nicht spürbar Rechenkapazität benötigen.

Noch einen letzten Absatz zur Bildqualität: echt nicht so der Brüller. Und das ist verdammt schade. Mit dem HTC One M8 hat man einen schicken kleinen Klumpen Smartphone, das gut verarbeitet ist, alles Notwendige bietet und wirklich Spaß macht, weil es sich schnell und flüssig bedienen lässt. Aber als Kameraersatz nicht zu gebrauchen. Wie üblich hat auch beim HTC der Weißabgleich so seine Probleme – vor allem bei Kunstlicht wechselt die Live-Ansicht ständig zwischen Gelb und Blau hin und her. Mit überstrahlenden Lichtern kommt das Gerät überhaupt nicht klar und aufgrund der „geringen“ Auflösung und der bei Smartphones leider üblichen starken Nachbearbeitung wirken die Bilder am Ende schon arg digital. Ein bisschen Pixelmatsch hier, völlige Abwesenheit von Dynamikumfang da und überschärfte Kanten sowie überbetonte Farben tauchen immer dann auf, wenn das Smartphone viele Grundfarben erkannt hat. Wenn nicht, werden die Kanten eher unscharf und die Farben blass.

Fazit

Ach Mensch, HTC! Eigentlich ein schönes Telefon. Vom Gefühl her, der Bedienung, der Größe – alles richtig gemacht und würde ich so manch anderem Gerät vorziehen. Aber die Kamera geht leider gar nicht und der Fokus auf japanische Käufer ist schon deutlich für uns Europäer spürbar. Viele elektronische Spielereien, die man kaum braucht.

Wer ein solides, flottes und unkompliziertes Telefon möchte, wird sich über das HTC One M8 freuen. Wer ein Kameraersatz braucht, sieht sich vielleicht nach etwas anderem um oder hofft auf ein gepimptes M9. Wenn das eine gute Kamera bekommt, dürfte es wieder ein echter Geheimtipp werden.

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Mehr!

  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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2 Gedanken zu “Hands on: HTC One (M8)

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