Hands on: Samsung NX1

Ein Highlight kann ich dieses Jahr gerade noch so präsentieren. Meine Erlebnisse mit der Samsung NX1.

Aber eigentlich sind nicht meine Erlebnisse mit der Kamera das Highlight, sondern die Kamera selbst. Vorgestellt wurde sie auf der diesjährigen photokina und prompt zu einem der wichtigsten Geräte der Messe. Ich konnte sie dort kurz angrabbeln, hatte aber nicht viel Zeit. Später kam ein Modell herein geflattert, das aber noch nicht final war und über das nicht berichtet werden durfte. Tatsächlich gab es noch einige Änderungen – Samsung hat sogar einen der Drehschalter nochmal verändert.

Inzwischen jedoch ist das Teil erhältlich und ich war auch mit einer finalen Version unterwegs gewesen.

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Eindruck

hands-on_samsung-nx1_003Mit dem Aufkommen und dem Siegeszug der spiegellosen Systemkameras bauten die Hersteller einen entscheidenden Vorteil immer weiter aus: die kompakte Größe. Nikon zeigt das etwa mit der 1er-Serie und Panasonic stellt mit der GM-Serie ständig neue Rekorde auf. Die Samsung NX1 jedoch schließt sich dem nicht an. Sie sieht eigentlich eher wie eine DSLR aus und ist auch nur ein kleines bisschen kleiner.

Auch das Bedienkonzept entspricht weitgehend SLR-Feeling: Es gibt sogar nicht nur einen, sondern zwei Drehschalter auf der Oberseite, es gibt zwei Stellräder rechts wie bei der Reflex-Klasse üblich, es gibt sogar ein zweites Display oben und natürlich Buttons und Steuerkreuz hinten. Es gibt einen wuchtigen Prismenbuckel oben, obwohl kein Prisma drin ist und wem das Gehäuse noch zu klein ist, kann einen Batteriegriff drunter schrauben.

Warum ist das so?

Ganz einfach: weil die Samsung NX1 keine spielerische Zwischenklasse unterhalb der SLRs mehr ist. Die Samsung NX1 ist möglicherweise die professionellste spiegellose Systemkamera, die mir bisher untergekommen ist. Sie bläst zum Angriff auf die alteingeschworene Spiegelreflex-Gemeinschaft und sie leistet erstaunliches.

Was bringt sie mit, das sie von den SLRs absetzt? Eigentlich eine Menge – äußerlich sind das vor allem der klappbare Monitor und der elektronische Sucher. Im Prismenbuckel ist übrigens der letztgenannte untergebracht sowie ein Klappblitz, der bei vielen miniaturisierten CSCs nur noch als Aufstecklösung mitgeliefert wird.

Äußerlich wars das schon – stürzen wir uns mal auf die Innereien!

Eigenschaften

Also schön, Samsung Flaggschiff liegt mit offenem Herzen vor uns, was sehen wir da? Einen Sensor in APS-C-Größe. Tja okay – im Vollformatsektor wildert sie also nicht. Da sind ihr die Sony A7-Kameras also noch voraus, allerdings hat das auch seine Gründe. Denn es sei schon vorab verraten: Die Samsung NX1 erreicht eine bescheuert hohe Geschwindigkeit und das würde sie natürlich nicht ganz schaffen, wenn sie Vollformatdaten bewältigen müsste.

Aber dennoch – der APS-C-Sensor wurde mit einer Menge Pixel vollgekloppt. 28 Megapixel, um genau zu sein. Das ist durchaus sehr hochauflösend und übertrifft die bisherigen Standardauflösungen von APS-C aber auch von Vollformatsensoren. Apropos Auflösung: der Klappmonitor hinten bietet mit 1.03 Mio. Punkten ebenfalls Standardwerte, ist aber berührungsempfindlich und wirklich hübsch anzuschauen. Er verblasst jedoch gegenüber dem eingebauten elektronischen Sucher. Jede andere elektronische Betrachtungsmöglichkeit verblasst gegenüber diesem Sucher…

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Der EVF basiert auf Samsungs AMOLED-Technik und ist schlicht die beste Inkarnation dieser Lösung, die mir bisher begegnet ist. Die Auflösung beträgt 2,36 Mio. Punkte und auf dieser kleinen Fläche bedeutet das gestochen scharfe Bilder, bei deren Betrachtung man sich vorkommt, als könne man mehr von der Realität sehen als möglich. Während bisherige Alternativen zu gering auflösten oder ruckelten, agiert der Samsung-EVF nahezu kompromisslos und extrem schnell. Ist eine wahre Pracht da hinein zu schauen.
Ein bisschen zu kritisieren habe ich erstaunlicherweise dennoch: Ich weiß leider nicht, ob man das einstellen kann, aber beim EVF greift der Weißabgleich der Kamera nicht so wirklich. Die Vorschau bzw. der Blick durch den Sucher ist meistens zu kühl und viel kühler als die Ansicht auf dem rückwärtigen Monitor. Das irritiert mich, denn ich bin es von meinem optischen SLR-Sucher gewohnt, die Welt so zu sehen, wie sie ist. Natürlich sieht man sie auch durch den elektronischen so, aber es fühlt sich unbewusst anders an. Außerdem habe ich die Kamera tatsächlich dazu gebracht, dass der elektronische Sucher leicht nachzog. Das passiert äußerst selten, aber sorry, es ist passiert. :)

Konnektivitätsmäßig bietet die Kamera ein Komplettpaket: WLAN ist drin, NFC ist drin, Fernsteuerung per App ist drin, nahtlose Integration in die Samsung-Welt ist drin. USB-, HDMI-, Fernauslöser-Anschlüsse sind ebenfalls da. Ich könnte noch weitere 3.500 Worte über die technischen Eigenschaften dozieren, aber wie gewohnt, picke ich mir nur die Besonderheiten raus, den Rest kann man ja überall nachschlagen. Keine wirkliche Besonderheit ist die Verschlusszeit von minimal 1/8.000 Sekunde, aber sie steht für die Geschwindigkeit und das Profi-Niveau der Kamera. Schnellere SLRs gibt es nämlich auch nicht. Definitiv am beeindruckensten an der neuen Samsung ist das Fokussystem, denn das ist State-of-the-Art.

Performance

hands-on_samsung-nx1_001Ganz kurz zur Art der Fokussensoren: Kameras nutzen Liniensensoren und Kreuzsensoren, um die Schärfe im Motiv zu finden. Normalerweise sind alle Liniensensoren und ein paar davon Kreuzsensoren. Letztere erreichen aber eine höhere Genauigkeit, da sie in zwei Dimensionen Elemente registrieren. Den Liniensensoren können im schlimmsten Fall sehr horizontal streifige Muster entgehen.

Mehr Kreuzsensoren sind also besser, richtig? Die Samsung NX1 hat genau 153 Stück davon! Ob das viel ist? Zum Vergleich: meine Profi-SLR Nikon D800 hat 15 Kreuzsensoren, verteilt in 51 Messfeldern. Die Samsung NX1 platziert insgesamt 205 Autofokusfelder über den gesamten Motivbereich. Fairerweise muss man sagen, dass die D800 nicht auf Geschwindigkeit getrimmt ist, aber was die Samsung da auffährt, sind schon verdammt schwere Geschütze. Wie in dieser Klasse fast schon üblich, nutzt die Kamera außerdem eine Hybrid-Lösung aus Kontrast- und Phasenmessung. Mit anderen Worten: Du musst schon genau in die Sonne fotografieren, damit die NX1 nichts zum Scharfstellen findet.

Zum Scharfstellen benötigt die neue Samsung rund 55 ms. Das ist ungefähr die Zeit, die man braucht, um sich zu fragen, ob scharfgestellt wurde, während man durch den Sucher schaut. Eine Verzögerung oder Verpassen des Moments gibt es also praktisch nicht mehr. Angenommen, man hat die Kamera auf 1/8.000 Sekunde und JPG-Bilder gestellt, dann wird sie wirklich gierig. In voller Auflösung frisst die NX1 ganze 15 Bilder pro Sekunde aus der Welt und brennt sie auf die Speicherkarte. Allerdings mit Schärfenachführung. Tiere oder Kinder, die gerade zum Sprung ansetzen, haben also keine Chance, verwackelt oder unscharf fotografiert zu werden. Leider hält die Kamera diese Geschwindigkeit nur für 70 Aufnahmen durch – mit RAW-Bildern umfasst eine Sequenz 20 Aufnahmen. Das ist nicht das Top-Niveau einer Prozessorfabrik wie der Canon 1Dx oder der Nikon D4s, aber diese beiden Kameras bilden auch das Ende der Fahnenstange und daran kann sich die Samsung durchaus messen. Vor allem dank ihres Fokussystems.

Ach übrigens: die Samsung NX1 ist nur zur Hälfte eine der besten Fotokameras auf dem Markt. Zur anderen Hälfte ist sie eine halb professionelle Videokamera mit den neuesten Standards. Denn eingepflanzt wurde ihr die Weiterentwicklung des am weitesten verbreiteten Videocodec weltweit: h265. Damit ist sie praktisch ihrer Zeit voraus und geht auch in Sachen Videoauflösung mutig voran. Denn sie zeichnet Bewegtbilder einfach mal in 4K-Auflösung auf.

Zur Bildqualität habe ich jetzt gar keine Worte verloren, fällt mir auf. Aber zusammenfassend darf ich sagen, dass die die Farbwiedergabe sehr natürlich und zurückhaltend ist, wie ich es von Profi-SLRs gewohnt bin. Die Bildschärfe (auf meinen Beispielfotos nicht so gut zu beurteilen) ist … nunja … exzellent. Das kann man nicht anders sagen. Hängt zwar stark vom Objektiv ab und ist elektronisch gepusht, aber der Bildeindruck wirkt natürlich und erschlägt den genauen Betrachter dennoch mit Details.

Fazit

Manche mögen mir da widersprechen, aber meine Meinung nach ist die Samsung NX1 eine der beeindruckendsten Kameras in diesem Jahr. Wer bisher nur dachte, dass Samsung Fernseher und Handys baut, sollte nun wissen, dass deren Kamera auch das Segment der spiegellosen Systemkameras anführt. Das Unternehmen hat praktisch alle Eigenschaften der Klasse weiterentwickelt und die Messlatte eine Stufe höher gelegt.

Wo ist aber nun der Haken? Der Preis von rund 1.600 Euro inklusive Objektiv? Vergesst es, das ist durchaus angemessen, denn man bekommt eine hochgezüchtete Kamera, die fast keine Situation kennt, vor der sie kapituliert. Das einzige, was mir auf Anhieb einfallen mag, ist die zurückhaltende Unterstützung von Zubehör- und Objektivherstellern. Bei denen ist die Kameramarke Samsung noch nicht ganz angekommen, darum ist man auf das Portfolio des Herstellers angewiesen. Aber das mag sich mit der Zeit noch ändern.

Fotografen mit teuren SLRs werden nicht auf die Samsung NX1 umsteigen. Aber sie könnten sie als kleinere und leichtere Zweitkamera in Erwägung ziehen, wenn sie (fast) keine Kompromisse eingehen wollen. Für ambitionierte Fotografen, die bisher mit kleineren CSCs oder gar mit Einsteiger-SLRs gearbeitet haben, ist die Samsung NX1 der heißeste Scheiß, den man zurzeit haben kann.

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Mehr!

  • Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen.
  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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6 Gedanken zu “Hands on: Samsung NX1

  1. Hey ML, Danke für diesen Artikel. Es gibt so viel Spiegellose mittlerweile, dass mir die Übersicht schon länger verloren ging. Die scheint auf jeden Fall einen zweiten Blick wert.

    1. Hi Joju!

      Das stimmt, die Hersteller haben den Markt geflutet, als diese Klasse begann, beliebt zu werden. Wie ich schrieb, sind die meisten Geräte darauf ausgelegt, sich durch geringere Größe abzusetzen, aber den Gedanken einer Systemkamera aufrecht zu erhalten. Das bedingt in den meisten Fällen auch kleinere Sensoren.

      Die Modelle von Fujifilm, Olympus, Sony und Samsung kommen aber inzwischen mit größeren Sensoren und leisten inzwischen erstaunliches. Die NX1 ist momentan das Ende der Fahnenstange.

      Gruß, ml

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