Technik-Tipp: Schärfe I

#gettoknowyourcamera: Technik-Tipps, um mehr aus der Kamera herauszuholen. Heute beginnen wir mit einem facettenreichen Thema: schärfere Bilder.

Den meisten regelmäßigen Lesern hier wird der heutige Tipp banal vorkommen. Ist er aber nicht ganz und davon abgesehen behandelt er eine Frage, die ich relativ häufig immer wieder höre.

Gerade Fotoeinsteiger begreifen oft nicht, warum ihre Bilder unscharf sind. In der heutigen Zeit, wo 70 Prozent aller genannten es gewohnt sind, dass die Bilder immer gelingen, die sie mit dem Smartphone schießen, sind sie umso überraschter, wenn es mit einer „richtigen“ Kamera nicht immer klappt. Das kriegen sie unter Kontrolle, wenn sie die Automatiken benutzen: „Kinder“, „Nachtfotografie“ oder „Portrait“. Aber warum das so ist, wissen viele nicht und darum gelingen oft keine scharfen Bilder, wenn sie sich mehr zutrauen und die Einstellungen selbst in die Hand nehmen wollen.

Das Bild oben ist scharf. Und zwar rasiermesserscharf. Man mag mir vorwerfen, dass ich es nachträglich geschärft habe, aber das kommt tatsächlich so aus der Kamera. Nämlich der Sigma dp2 Quattro. Das Original findet ihr hier.
Das Bild oben ist scharf. Und zwar rasiermesserscharf. Man mag mir vorwerfen, dass ich es nachträglich geschärft habe, aber das kommt tatsächlich so aus der Kamera. Nämlich der Sigma dp2 Quattro. Das Original findet ihr hier.

Ich empfehle dann immer, das Zusammenspiel von Blende und Verschlusszeit verstehen zu lernen, denn oft ist das Problem eine zu lange Verschlusszeit. Ich überspringe dabei mal den Anwendungsfall einer verwaschenen Nachtaufnahme. Den meisten wird hier schnell klar, dass sie den Blitz benutzen müssen oder sie geben auf, indem sie sagen „ach, ist eh zu dunkel“. Wer sich so einfach aus der Affäre zieht, will auch gar nicht wissen, was Blende und Verschlusszeit sind. Nehmen wir stattdessen lieber mal jemanden, der echt Bock drauf hat, schöne Portraits zu machen. „So mit unscharfem Hintergrund und so voll gut so“.

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Model: Ekaterina

 

Er kommt schnell dahinter, dass er eine niedrige Blendenstufe einstellen muss, damit die Fotos „so voll gut so“ werden. Das sieht auf dem Display meist auch ganz gut aus, kann in der Vergrößerung aber schon anders wirken. Viele Leute stellen dann fest, dass das Gesicht doch irgendwie leicht unscharf ist und wissen nicht, warum. (An die Profis da draußen: Backfocus lassen wir mal links liegen, okay?)

Der Grund ist folgender: Eine niedrige Blendenstufe macht schöne Schärfentiefeeffekte aber Porträts werden dabei schnell unscharf, denn der Schärfebereich erstreckt sich unter Umständen nicht mal von den Augen bis zu den Ohren. Wackelt die Person, ist irgendwas sofort unscharf. Meistens sind es die Augen.

augen

Besser ist daher eine hohe Blendenstufe. Porträts fotografiere ich, falls möglich, immer mit Blende f8 – dann ist nicht nur das Gesicht, sondern der ganze Kopf scharf und bei Bedarf auch der Oberkörper. Auch Makroaufnahmen werden noch schöner und plastischer wenn eine hohe Blendenstufe verwendet wird.

Aber eine hohe Blendenstufe verlängert die Verschlusszeit! Darauf muss man achten und sie manuell herunter regeln, also verkürzen. Je nachdem, was ihr für eine ruhige Hand habt, solltet ihr mindestens 1/100 Sekunde einstellen. Besser noch ist 1/250 Sekunde – sich normal bewegende Personen bekommt ihr damit immer scharf abgelichtet.

Ihr werdet feststellen, dass eure Bilder dann eventuell zu dunkel sind. Dem könnt ihr entgegen wirken, wenn ihr den ISO-Wert hochdreht. Übt auf jeden Fall das Zusammenspiel dieser drei Werte, dann könnt ihr auch auf die Automatikprogramme verzichten, bzw. versteht, was sie tun. Das eingangs genannte Programm „Kinder“ favorisiert nämlich nichts anderes als schnelle Verschlusszeiten weil sich Kinder schnell bewegen. Für „Nachtfotografie“ werden hohe ISO-Werte angewandt, damit die Verschlusszeiten gering gehalten werden können und das Programm „Portrait“ sucht einen guten Kompromiss zwischen Schärfentiefeeffekt dank großer Blende und kurzer Verschlusszeit.

Noch ein Extra-Tipp:

Blende f8 – wie oben empfohlen – sorgt auch dafür, dass die Bilder weniger dicht und kuschelig wirken, weil mehr darin scharf ist. Wenn ihr wirklich mit weit offener Blende fotografieren wollt (f1,4 im Beispiel unten), dann sagt dem Model, es soll kurz völlig still halten und fokussiert auf jeden Fall die Augen an. Sind die Augen eines Porträts scharf, ist der Betrachter nicht irritiert und verzeiht euch andere kleine Fehler im Bild.

Alle Rechte vorbehalten, Download oder Weiterverbreitung untersagt.
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Ich versuche mal, weitere Artikel zu den Technik-Tipps häufiger zu bringen. Wenn ihr Fragen oder Themenvorschläge habt, dann schreibt sie mir bitte in die Kommentare, danke! :)

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6 Gedanken zu “Technik-Tipp: Schärfe I

  1. Auch, wenn ich die Tipps schon ein paar mal auf unterschiedlichen Blogs gelesen habe und selbst auch damit herum expirimentiere: es ist immer gut, noch mal eine andere Erklärung zu lesen. Und deine war wirklich gut und leicht verständlich, ich kann mir vorstellen, dass auch Menschen die sich noch gar nicht damit beschuaftigt haben, hiermit etwas anfangen können! :)

    1. Hi Schokokamel! :)

      Wow, das ist ein schönes Kompliment für mich, danke! Darauf kommt es mir auch an, dass etwas leicht verständlich und nachvollziehbar ist. Ab und zu tauche ich hier auch tiefer in die Materie ein, damit Fortgeschrittene auch noch etwas Neues erfahren können.

      Darum: wenn Fragen sind, einfach rein in die Kommentare damit :)

      Gruß, ml

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