Hands on: Zeiss Loxia 2/50 und 2/35

Heute gibt es mal wieder ein Hands on zu Optikgedönse. Und zwar zu dem momentan vermutlich besten Paar Augen, das man sich für eine Sony-Kamera zulegen kann.

Insider wissen: Die optische Technologie von Zeiss findet sich schon seit längerem in Objektiven für CSC-Kameras. Nämlich bei Sony. Seit letztem Jahr brachte das Unternehmen dann eigene Modelle heraus. Ich hatte die Möglichkeit, alle drei bisher erschienenen Touit-Ausgaben zu testen (da, da und da auch). Ebenfalls für CSCs, allerdings unter kompletter Eigenregie.

Sie haben sich (laut eigener Aussage) solange damit Zeit gelassen, weil die Sensoren bis dahin noch nicht gut (und groß) genug waren. Seit dem baut man Objektive für Sony- und Fujifilm-Kameras mit APS-C-Sensor.

Mit der A7-Serie hat Sony inzwischen verdammt leckere CSC-Kameras mit Vollformatsensor herausgebracht. Ein gefundenes Fressen für Zeiss, entsprechende Optiken dafür zu entwickeln. Die Loxia-Modelle.

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Eindruck

zeiss-loxia-2-50Fangen wir bei der Kamera an: Wie einige von euch bin ich jemand, der ein fettes Stück DSLR in der Hand braucht, um sich komplett zu fühlen. Ich arbeite mit meiner Kamera und brauche ein robustes, zuverlässiges Gerät und ich möchte einen Vollformatsensor verwenden. Darum mag ich spiegellose Kameras nicht so sehr. Aber die Sony A7-Modelle gehören zu den heißesten Alternativen und den aggressivsten Gipfelstürmern auf dem Kameramarkt. Ich habe bereits die A7r getestet, die mit blasphemischem 36-Megapixel-Sensor daherkam sowie die A7s, die in der Nacht besser sehen kann als eine Eule mit Restlichtverstärker. Tolle Kameras, das muss man neidlos zugeben.

Und für diese Teile hat Zeiss nun zwei Optik-Babys gebaut. Das ist wörtlich gemeint, denn mit knapp 6 Zentimetern Länge, fast ebensoviel Durchmesser und 300 Gramm Gewicht sind sie zwei Dinge: so klein und leicht, dass sie zur Kamera passen aber auch schwer genug, um sich nicht nach Plastikspielzeug anzufühlen.

Äußerlich und haptisch hat Zeiss vieles besser gemacht als bei den Touit-Modellen. Die Loxias sind nicht ganz so minimalistisch und elegant, dafür aber griffiger und mit professionellerer Anmutung: Skalen sagen dir jederzeit, was eingestellt ist.

Eigenschaften

zeiss-loxia-2-35Die Newcomer betreten im Doppelpack die Bühne: Das Zeiss Loxia 2/35 hat 35 Millimeter Brennweite, das 2/50 hat 50 Millimeter Brennweite. Beide bieten eine durchgängige Offenblende von f2. Man mag sich fragen, warum man ausgerechnet diese Brennweiten gewählt hat, wo sie doch außerdem so nah beieinander liegen. Tatsache ist, dass der Aufbau der Optiken unterschiedlich ist.

Das 2/50er verwendet das Planar-Objektivdesign. Laut Zeiss zeichnet es sich durch einen natürlichen und praktisch verzerrungsfreien Bildeindruck aus. Für das leicht weitwinklige Loxia hat man das Biogon-Design verwendet. Trotz stärker gekrümmter Linsen bringt es eine sehr gute Korrektur von optischen Fehlern sowie der Bildgeometrie auf die Qualitätswaage. Das ist kein Werbetext, sondern beruht auf meiner eigenen Erfahrung, da mich schon das Touit 2.0/12 ziemlich positiv überrascht hat.

So, jetzt die bittere Wahrheit. die Loxia-Objektive sind manuelle Optiken. Sie haben einen Blendenring sowie keinen Autofokus. Wenn man mit ihnen fotografiert, muss man wissen, was man tut und das richtige Gefühl für das Motiv haben. So ist das.

Und warum ist das so?

Im Hause Zeiss will man bei bestimmten Produkten keine Kompromisse eingehen. Darum. Dasselbe habe ich damals bei dem atemberaubenden Otus schon erlebt. Das Ding ist brachial groß, schwer, manuell und schlitzt dir im Gegenzug mit der Bildschärfe die Netzhäute auf, um schlichtweg brillante Bilder in dein Hirn zu pflanzen. Bei den Loxias geht der Hersteller denselben Weg. Aber im Gegenteil zu anderen Modelle haben sie einen dicken Vorteil in petto, der ihnen den Rücken stärkt: die Sony A7.

Hinweis: Alle Bilder oberhalb stammen vom Loxia 2/50 und der Sony A7. Alle Bilder im folgenden wurden mit derselben Kamera und dem Loxia 2/35 aufgenommen.

Wie gesagt, die A7 sind mit die fortschrittlichsten CSCs, die ich kenne und natürlich haben sie auch Spielereien eingebaut. So zum Beispiel eine Fokus-Peaking-Funktion und eine Sucherlupe. Dass die Loxias manuell sind heißt nicht, dass sie nicht elektronisch Daten übermitteln können. Und das tun sie – wenn man den Fokus einstellt, dann aktiviert sie automatisch die Sucherlupe. Die Peaking-Grafiken sagen dir dann zusätzlich noch ganz genau, was scharf ist und was nicht. Äußerst schick, darauf bin ich etwas neidisch, ganz ehrlich. Ich habe das 15 Minuten ausprobiert und danach so scharfe Bilder gemacht, wie sie ein Autofokus auch hinkriegen würde.

Ein interessantes Extra hat Zeiss den Objektiven noch spendiert. Damit man sie blind bedienen kann, haben die Blendenringe eine Rasterung. Bei jedem Blendenschritt klackt das Rad leicht, damit man weiß, was eingestellt ist. Filmt man jedoch, dann ist das höchst störend, denn man will fließende Einstellungen und ja keine Ruckler. Also hat Zeiss in den Bajonettring eine winzige Schraube integriert. Stellt man die um, lässt sich die Rasterung ausklinken und die Blende stufenlos sanft einstellen. Geile Sache.

Performance

2014-online_1249_hands-on_zeiss-loxia-235_001Ach ja, was soll man da sagen? Die beiden Loxias sind schlichtweg die besten Objektive, die man sich für eine Sony A7-Kamera kaufen kann. Punkt.

Ganz ehrlich, man kann mit ihnen machen, was man will: sie geben dir Detailfülle, sie geben dir korrekte Belichtungen, sie korrigieren Blendeffekte, chromatische Aberrationen und das 2/50er hat praktisch keine Vignettierung. Nada. Das Weitwinkel-35er reagiert etwas empfindlicher und hat bei extremen Einstellungen und Offenblende leichte Verwaschungen an den Rändern. Das ist typisch für Weitwinkel und dort treten dann auch chromatische Aberrationen auf. Blendet man das 35er ab, dann werden alle Bildfehler eliminiert. Sind einfach weg.

Es macht einen riesen Spaß, mit der Kombination zu fotografieren. Wie auch die Nikon-Kameras haben die „großen“ Sonys einen gigantischen Dynamikumfang. Fotografiert man einen gelben Herbstbaum, der in der Sonne steht, vor einem satt blauen Himmel und das Foto prickelt vor Detailfülle und hat weder Über- noch Unterbelichtungen, dann wird man das Motiv als gestandener Fotograf bald nicht mehr erkennen können, weil eine Tränchen die Sicht trübt.

Ich kann hier leider keine Messergebnisse nennen, aber ich habe die beiden Loxias auch unter Laborbedingungen getestet. Erst dachte ich, Zeiss hätte mir einen Mess-Prototypen geschickt, als ich die Ergebnisse sah. Es scheint aber zu stimmen: Es sind nicht die ultraschärfsten Optiken, die man sich vorstellen kann, aber solch exakte Werte habe ich fast nie zuvor gesehen. Die Loxias sind so perfekt berechnet und frei von jeglichen Produktionsfehlern, dass sie eigentlich nur auf dem Papier existieren dürften.

Fazit

Die Loxias sind keine Schnappschussoptiken, soviel ist klar. Das schließt größtenteils die manuelle Fokussierung aus, denn so schnell wie eine Elektronik ist keine Fotografenhand. Die Sony A7-Hilfsfunktionen machen das aber ganz gut wett. Wer soviel Zeit hat, zum Fotografieren. Wer genug Geld hat für so eine Kamera (oder damit Geld verdienen muss), der sollte sich überlegen, ob er bei der Optik Kompromisse eingehen will.

Falls nicht, wählt er eins der Loxias.

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Mehr!

  • Die voll aufgelösten Bilder zuzum Loxia 2/35 sind hier zu finden.
  • Bilder in voller Auflösung, die mit dem Loxia 2/50 gemacht worden sind, sind hier zu finden.
  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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21 Gedanken zu “Hands on: Zeiss Loxia 2/50 und 2/35

  1. Ich denke die Brennweiten sind der Vergangenheit geschuldet, 50 war das Normale, 35 die Reportagebrennweite bevor die 28er und 24er bezahlbar wurden. An der Kleinbild. Blende 2 ist rein historisch betrachtet natürlich lichtschwach. 1.7 war Standard, 1.4 gut, 1.2 die Ausnahme.
    Das soll jetzt aber nicht gemeckert sein. Ich hab nichts dergleichen im Schrank stehen. Außer eben dem alten Consumer-Minolta MD 50/1.7.
    ;)

    1. Hallo auto!

      Klingt nachvollziehbar und überhaupt nicht wie Gemecker. Gerade Lichtstarke Optiken sind für ungeübte Fotografen eine Herausforderung.

      Ich habe selbst ein 50-mm f1.2: irre malerischer Look aber dank manuellem Fokus nicht ganz einfach zu benutzen.

      Gruß, ml

  2. Eine gute 50er und 35er Brennweite ist echt was feines. Ich muß auch ehrlich gestehen, daß ich auf die Sonys ein klein wenig neidisch bin. Man kann nur hoffen, daß die großen Hersteller sich hier ein Beispiel nehmen und vergleichbares liefern. Mit dem manuellen Fokussieren ist es dank AF Hilfslicht eigentlich nicht schwer zu treffen ;-) aber wie du schon schreibst, bei Schnappschüssen kommt einfach auch ein gewisser Ausschuss zustande, der Autofokus ist halt doch ein wenig schneller. ;-)
    Bei der Blendenzahl schau ich allerdings auch ein wenig auf den Bildeindruck den die Linse liefert. Mein 50er Makro Planar hat auch „nur“ f2, trotzdem sind die Freistellmöglichkeiten und das Bokeh einfach toll. Bei 35mm schiele ich aber schon ganz konkret auf die f1.4 ;-)
    LG kiki

    1. Hi Kiki!

      So geht es mir auch, die A7er sind echt tolle kleine Teile mit VF-Sensor und auch Hans unten sagt es ja: „Manuelles Fokussieren war noch nie so einfach“. Könnte ich mir auch als extrem geile Kombination für die Street Photography vorstellen. Das Objektiv entsprechend abgeblendet, Fokus auf 5m eingestellt und eine kompakte VF-Kamera um den Hals. Das hat schon was.

      Gruß, ml

  3. Also ich hab die A7 mit dem Loxia 2/50 und bin einfach nur begeistert. Ich denke, manuell fokusieren
    war noch nie so einfach. Es macht einfach Spaß, damit zu fotografieren.
    Schärfetests hin oder her, es ist ein tolles Objektiv und bildet mit der A7 eine perfekte Einheit.

    1. Toll, Hans, Glückwunsch! :) Ist eine großartige Kombination, die mich auch begeistert hat.

      „Schärfetests hin oder her“ – beruflich mache ich diese Tests, um eine fundierte Aussage treffen zu können, aber hier im Blog sehe ich das genauso wie du: das Feeling muss stimmen und der Eindruck muss mich überzeugen. Dann kann ich behaupten, dass es sich um eine gute Kamera oder ein gutes Objektiv handelt.

      Gruß, ml

    1. Hallo, Werner Paukert!

      Hm, da war mir wohl ursprünglich irgendwas dazwischen gekommen, das mich davon abgehalten hat, die Bilder hochzuladen. Momentan bin ich unterwegs, da ist das Internet nicht so schnell greifbar.
      Die Bilder für das 2/35er habe ich aber bereits hochgeladen: http://goo.gl/yQYJsa

      Gruß, ml

  4. ich darf mal den klugscheisser raushängen lassen, zu beginn schreibst du dass zeiss unter dem namen sony die objektive baut. das ist nicht richtig. sony zahlt gebühren an zeiss dass sie ihren namen draufkleben dürfen. bei dem 55 mmf1.8 z.b. hat sony die ganze berechnung gemacht, da hat zeiss gar nichts mit am hut

    1. Danke für deine Anmerkung, Eike!

      Ich habe das oben mal umformuliert. Am genannten 55er kann man das anschaulich erklären: Es heißt nämlich komplett „Sonnar® T* FE 55 mm F1,8 ZA“ Wobei „Sonnar“ für ein optisches Design bzw. ein Objektiv steht, das ursprünglich von Zeiss entwickelt wurde. Sony darf das als Lizenznehmer nachbauen und muss dafür seine Produkte mit „®“ im Namen und dem Zeiss-Label markieren.

      Zeiss hat also die Grundlagen und die Berechnung der Linsen geliefert, Sony baut das nach. Gut möglich aber, dass Sony die Berechnung anpasst, damit es zu den eigenen Geräten passt.

      Gruß, ml

      1. ich bin mir nicht sicher ob zeiss linzenzen für die sonnar kontruktion nehmen kann. die bekommen ja auch kein geld von canon weil deren 50er auf der planar basis gebaut werden :)
        ich denke die bekommen ihr geld einfach für den namen den sony drauf pappen darf. denn wie man sieht kann sony objektive bauen, leider ist der markenname im fotobereich nicht hochwertig genug, im videobereich sieht das ja ganz anders aus. sind aber nur kleinenigkeitrn die nicht von deiner eigentlichen aussage ablenken sollen. fskt ist, die loxias sind schon was feines

  5. Was wissen wir schon, wer mit wem einen Vertrag abgeschlossen hat! Was Zeiss mit Sony abgemacht hat, wissen nur sie selber, rsp. die Geschäftsführung!
    Sony baut keine Objektive, sie lässt sie bauen, entweder bei Tokina oder Tamron, oder sonst irgendwo!
    Hingegen sind die ZEISS Loxia von Zeiss selber entwickelt worden und werden von Zeiss selber vertrieben und hat mit Sony nichts zu tun!
    Auf der Zeiss Internetseite kann man genau nachlesen, welche Objektive Zeiss selber produziert und vertreibt.
    Wie und was Sony mit dem Namen Zeiss mit Ihren Objektiven macht, wissen wir nicht. Ein Vorteil der Sony-Zeiss Objektive (ich nenne sie so) ist, dass Sony/Minolta die Objektive mit der Kamera anpassen können, rsp. die firmware optimal abstimmen.
    Ich hoffe, dass Zeiss weiter hochauflösende Objektive baut, denn in diesem Jahr kommen die neuen Sony-Sensoren auf den Markt mit 46 (für Sony Alpha), rsp. 54 MP (Canon)! Diese Sensoren sind sehr heikel und reagieren stark auf die bisherigen Objektive! Wer kennt nicht die Geschichte des Zeiss Otus mit der Nikon D800!!!! Das Otus wurde speziell für die D800 gebaut!
    Somit bin ich nicht sicher, ob die jetzigen Loxia 50 und 35 schon für die beiden neuen Sensoren geeignet sind! Mal abwarten….

    1. Hallo, Jean Pierre!

      Hast ja Recht, hast ja Recht :) Das meine ich wirklich so; es gibt diverse Fabriken in China und anderen östlichen Ländern, die ihre Produkte an verschiedene Firmen verkaufen, die es dann jeweils unter ihrem Namen herausbringen. Samyang ist ja auch so ein Beispiel.

      Die Kamerasensoren etwa, die vorrangig bei Sony-Geräten auftauchen, finden sich unter anderem in Nikons wieder. Und der CMOS-Mittelformatsensor vom letzten Jahr hat ja auch durch Hasselblad, Pentax und Phase One die Runde gemacht.

      Ganz sicher wird Zeiss das weiter fortführen. Das 55er Otus hatte ich selbst ausprobiert, tatsächlich auch an der D800 (http://wp.me/p1Dxv-38I) und es war eine wahre Freude. Leider habe ich das 85er Otus noch nicht in die Hände bekommen. Aber das waren sicher noch nicht die letzten Modelle.

      Ob sich die beiden Loxias für neue Sensoren eignen? In gewisser Weise schon. Vermutlich nicht, um die Auflösung zu liefern, denn da ist noch ein klein wenig Potential nach oben. Aber wie ich im Artikel schon schrieb – die Loxias sind ungewöhnlich exakt berechnet und schaffen brillante Bilder. Auch an noch höher auflösenden Sensoren, denke ich.

      Gruß, ml

    1. Hallo!

      Haha, Glückwunsch. Der Bericht hier ist ja schon ein wenig älter, inzwischen gibt es auch die Batis-Modelle, die einen AF auffahren und ebenfalls ziemlich geil sind. Aber es stimmt, die Loxias sind schon lecker. Verwendest du es zum Filmen?

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