Hands on: Canon EOS 7D Mark II

Endlich ist es soweit: Mein Ausflug mit der neuesten und lang erwarteten Canon-Kamera ist schon einige Tage her; jetzt endlich schaffe ich es, euch von ihr zu berichten.

Im Rahmen meiner Texte zur Photokina 2014 schrieb ich es bereits: Von den großen in der Branche, wie zum Beispiel Canon (aber nicht nur) war man leidlich enttäuscht, was die Neuvorstellungen anging. Obwohl die Gerüchteküche einige interessante Projekte ins Auge fasste, stellte Canon lediglich eine Premium-Kompakte (G 7X) und eine SLR vor. Bei letzterer handelte es sich um ein sogenanntes Minor-Update, also kein vollkommen neues Modell. Immerhin stellt die EOS 7D Mark II das momentane APS-C-Flaggschiff des Herstellers dar und wurde bereits seit zwei Jahren heiß erwartet.

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Eindruck

hands-on_canon-eos-7dmk2_slantWo taktet man die 7D Mark II ein? Als Klassenprimus unter den Canon APS-C-Kameras, das habe ich bereits erwähnt. Die Vorgängerin war eine flotte Allrounderin, die bei Fotografen enorm beliebt ist, wenn kein Vollformat gebraucht wird. Aber schon die 70D (Hands on hier) brachte die Technik mit ihrem neuen Dual-Pixel-Autofokus enorm voran und grub ihr damit das Wasser ab. Die 7D Mark II schickt sich nicht an, dies um Längen zu überflügeln, sie holt eher auf und richtet sich eher an engagierte Fotografen. Dabei verzichtet sie aber auch auf Details, die zum Beispiel die „kleinere“ 70D und die „größere“ 6D auszeichnen.

Canon selbst benutzt in der Außenkommunikation zur Kamera gern und oft den Begriff „revolutionär“. Das sollte man schnell vergessen, dennoch ist es keine schlechte Kamera. Canon hat sich hier und da etwas von anderen Modellen geschnappt und es in das Magnesiumgehäuse der neuen gestopft. So zum Beispiel den Dual-Pixel-Autofokus, bei dem ein Teil der Sensorpixel zur Schärfeauswertung verwendet wird. Dieses lässt sich per Menü ähnlich wie in der EOS 1D-X anpassen und tatsächlich sehr ausführlich und individuell einstellen.

GPS ist auch an Bord, weggelassen hat man jedoch das WLAN-Modul, über das die 70D verfügt sowie deren klappbaren Monitor. Immerhin bringt sie eine größere erwähnbare Neuerung mit: den Messsensor zur Belichtungsmessung. Der verfügt über 150.000 Pixel, der ein Motiv in beachtliche 252 Bereiche aufteilt und auch IR-Licht erfasst und auswertet.

Ansonsten zeigt sie wenig Neues in ihrem schwarzen Kleidchen. Das Bedienkonzept ist wie gewohnt, die Menüs scheinen mir etwas übersichtlicher und vor allem etwas reichhaltiger zu sein, als ich es bisher so gewohnt war. Die Videofähigkeiten sollte man vielleicht noch erwähnen, denn die liegen nun ebenfalls auf dem Standardniveau dieser Klasse. Bis zu 60 Bilder pro Sekunde in Full-HD sind zwar keine Zeitlupenfunktion wie es Canon nennt, kann man aber schon zumindest ansatzweise damit machen. Immerhin gibt die Mark II ein unkomprimiertes HD-Signal an Rekorder aus.

Eigenschaften

Was genau ist also der Einsatzzweck der 7D MkII? Pflückt man sich ein paar technische Eigenschaften heraus und geht davon aus, dass man für seine Bilder kein Vollformat braucht, kommt folgendes dabei heraus: Ein rund 20-Megapixel-Sensor, bis zu zehn Bilder pro Sekunde, 65 Kreuzsensoren für den Autofokus plus den mittigen AF-Sensor, der noch bis f8 zuverlässig arbeiten soll. Hat man die Kamera also mit einem – spinnen wir mal rum – EF 600mm f/4L IS II USM kombiniert und einen Zweifach-Konverter dazwischen geschweißt, dann reden wir hier über 1.800 Millimeter Brennweite mit denen die Kamera schnell und sicher arbeiten können soll. Das ist schonmal eine Ansage.

Zum Vergleich: das Canon-Flaggschiff 1Dx brennt 10 bis 12 Bilder pro Sekunde mit 18-MP-Vollformatsensor für rund 5.000 Euro mehr auf die Speicherkarte.

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Apropos Speicherkarte: Positiv überrascht war ich von den zwei Kartenschächten, die das Verwenden einer CF- und SD-Karte erlauben. Das trägt die deutliche Handschrift eines Profi-Features genauso wie die Anschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer. Das und ihr schneller und (relativ) kontinuierlicher Autofokus macht die 7D MkII zu einer vergleichsweise günstigen Full-HD-Videokamera.

Canon sieht den Einsatzzweck also vorrangig für Action- und Sportaufnahmen. Entsprechend wurde auch das Gehäuse mit Dichtungen versehen und witterungsbeständig gemacht. Dies allerdings ist auch ein Feature, das inzwischen zum guten Ton geworden und bei allen Herstellern zu finden ist. Pentax hats jahrelang vorgemacht. Nicht unerwähnt möchte ich die Programmierbarkeit der Kamera lassen. Das hat Canon sehr schön gelöst und bietet im Menü eine übersichtliche grafische Darstellung der Kamera und erlaubt daneben das Belegen der Knöpfe mit der Wunschfunktion. Fantastischerweise hat es Canon auch hinbekommen, einen 100-Prozent-Sucher einzubauen. Lob!

Performance

hands-on_canon-eos-7dmk2_backSolides Ding, keine Frage. Canon ist von der Rauschfilterung inzwischen so überzeugt, dass der ISO-Standardbereich bis 16.000 geht (und auf ISO 51.000 gesteigert werden kann). Meiner Meinung nach besitzt Nikon immer noch den besseren Algorithmus, aber gemessen am Einsatzzweck der 7D MkII darf man zufrieden sein und die ISO bei Bedarf gerne mal hochjubeln.

Unter der Bezeichnung iTR-Fokussierung hat sich Canon was interessantes einfallen lassen: Neben der Kontrastmessung nutzt das System Farbinformationen und Gesichtserkennung zur Auswertung. Stellt man die Geschichte richtig auf eine bestimmte Situation ein (z.B. ein Fußballspiel), dann lässt sich der AF nicht von Objekten verwirren, die kurzzeitig das Bild kreuzen. Sehr nette Sache. In hellem Gegenlicht ist der Fokus dennoch überlastet. Versucht ihr, ein Motiv scharfzustellen, wenn die Sonne ins Objektiv scheint und damit den Kontrast aus dem Hintergrund bläst sowie alles ein bisschen grau und blau werden lässt, findet auch das neue Fokussystem nicht mehr den großen Elefanten, der wütend auf euch zurast.

Bleibt noch die Foto-Geschwindigkeit. Hier kann die Mark II wirklich punkten und lässt sich absolut auf Geschwindigkeit trimmen. Eine minimale Verschlusszeit von 1/8.000 Sekunde ist für das Gerät schon Pflicht, JPGs reißt sie mit bis zu zehn Stück pro Sekunde auf die Speicherkarte bis diese schmilzt. RAW-Aufnahmen schafft sie in der Geschwindigkeit nur 31 am Stück.

Fazit

Tja, die Canon EOS 7D Mark II. Eine gute Kamera für anspruchsvolle Fotografen. Sie hat Ansätze, Profi-Features zu bieten und verzichtet auf Spielereien, die in der Einsteigerklasse inzwischen zum guten Ton gehören (WLAN, Klappmonitor, …). Das beschränkt ihre Vielfalt unterstreicht aber das Statement.

Sollte man sich das Ding kaufen? Die neue Canon ist die Kamera, die der Hersteller vor zwei Jahren hätte herausbringen sollen, damit sich niemand die Frage bewusst stellt, sondern einfach die Kohle auf den Tisch legt. Interessanterweise lautet die Antwort dennoch ja. Denn die Mark II verbessert die Vorgängerin (glücklicherweise) wesentlich und stellt sich damit im Vergleich zur Konkurrenz auf eine deutlich bessere Position.

Allerdings: würde ich eine EOS 70D besitzen und mir wären Videos leidlich egal, würde ich den Kauf wohl nicht wagen. Das etwas betagtere Modell ist ebenfalls sehr schnell, besitzt ausreichen Annehmlichkeiten und manchmal ist es einfach mehr wert, sich statt der neuesten Kamera lieber ein gutes Objektiv zu gönnen.

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Mehr!

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  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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8 Gedanken zu “Hands on: Canon EOS 7D Mark II

  1. Mir gefällt Dein hands-on! Super geschrieben, prima zu lesen, tolles Layout, Bilder, die für sich sprechen.
    Bei hellem schönen Sonnenschein.
    :))
    Weil aber heller, strahlender Sonnenschein der Moment ist, wo wütende Elefanten auf einen zugeschossen kommen und ich eine Stosszahn-Allergie habe, glaube ich jedenfalls, bleibe ich bei solchem Wetter lieber drin und warte, bis finster wird. Da mach ich dann den Nikon-Sarg auf und lass das Stativ daheim.

    Mir gefällt, dass in Deinem Hands-On rauskommt, dass wohl alle Kamerabesitzer finden, dass „ihr“ Hersteller noch einiges richtiger machen könnte. EOS 70D ist z.B. auch so ein Neidobjekt für Nikon. Du schriebst „Spielerei“ zu WLAN und Schwenkdisplay, zensierst dabei noch den Touchscreen und mir rinnen Tränen der Prä-iPhone-Ergonomie aufs immerhin wasserdichte Display, wenn ich denke, wie einfach alles wäre, wenn auch Nikon mal zur Gegenwart fände. Man braucht da schon das allseits verhasste und übel beleumundete DxO Rating, um ein wenig wärmenden Trost zu finden. Und klar, man sieht den Bildern nicht an, ob der Fokuspunkt hingetascht wurde oder klickerdiklacker in nur 10 Sekunden dorthin verschoben wurde, wo dann schon nicht mehr interessant war. Arrangieren kann man sich mit allem. Nur mit dem fehlenden roten Rallyestreifen, ich weiss nicht…

      1. Stimmt. Ach, bin momentan am schauen, was ich will. Und noch etwas unschlüssig ob Vollformat – brauche dann ja auch neue Objektive. Weswegen ich wohl öfters diese Modellbezeichnungen verwechsle…

  2. Ahhh, ja, das geht mir mit den ganzen Objektivkürzeln auch so. Seit ich bei Nikon auf Vollformat wechselte, nehme ich die „grossen“ auch für Halbformatbilder, aber ich hatte auch keine Halbformatkamera, die 10 Bilder/s machte.

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