Hands on: Samsung Galaxy S5

Das Galaxy S5 ist nun eine ganze Weile Samsungs Flaggschiff unter den Smartphones. Taugt es was zum Fotografieren?

Vielleicht liegt es nur an meiner eigenen Wahrnehmung, aber ich glaube, das Galaxy S3 war seiner Zeit der ernstzunehmendste Konkurrent für das Apple iPhone. Technisch war es dem Apfelgerät voraus und kletterte auf der Beliebtheitsleiter stetig höher. Das war vor rund zwei Jahren. Nun liegt das Samsung-Gerät in der fünften Version vor. Mehrfach verbessert oder auf den Lorbeeren ausgeruht?

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Eindruck

Mein erstes Smartphone war tatsächlich das S3. Ich hatte die freie Wahl und entschied mich gegen ein iPhone, weil ich die Apple-Politik und das iOS-Ökosystem nicht ertragen wollte, weil ich etwas zum Spielen brauche und schlicht… weils dank eines Angebots billig war. Ich habe die Entscheidung auch (fast) nicht bereut – es ist handlich, handschmeichlerisch und bietet einem die ganze Android-Welt. Einzig die zunehmend kaputt gepatchte Performance hat irgendwann tierisch genervt. Darum habe ich mich inzwischen von Samsung abgekehrt.

Das Galaxy S5 bietet eigentlich mehr vom gleichen, marginal verbessert. Überall hat Samsung ein Quentchen mehr Schick und Spielerei drauf gepackt. Es ist immer noch ein „Plastikbomber“, kommt aber sehr wertig rüber. Die Haptik ist toll, keine Frage. Nach dem Ascend P7 ist mir aber auch klar geworden, dass ich harte Kanten statt den rundgelutschten Samsung-Wülsten doch noch etwas griffiger finde.

Man muss das S4 nicht besessen haben, um sich mit dem 5er zurecht zu finden. Sogar ich als S3-Nutzer komme sofort mit dem System klar. Wie ich im letzten Smartphone-Hands-On erwähnte: eine dezentral platzierte Kamera (also zum Beispiel ganz oben in einer Ecke) ist durchaus cleverer, man kommt einfach seltener mit dem Finger davor. Beim Samsung ist sie wieder im oberen Bereich mittig und nach Benutzung der Alternative hat es mich tatsächlich ein wenig genervt, dass ich so oft beim Halten des Galaxy den Finger vor der Linse hatte.

Eigenschaften

Das offensichtlichste zuerst: ein recht großer und sehr schicker Monitor, das muss man neidlos zugeben. Samsung denkt sich ja immer neue Bezeichnungen für die Panels aus – inzwischen heißt das Ding „Super AMOLED“ und löst mit 1.920 x 1.080 Bildpunkten auf, bei einer Größe von 5,1 Zoll. Das geht durchaus in Ordnung – viel mehr als Full-HD, finde ich, müssen die Teile auch nicht darstellen können (Auch wenn mein eigenes Gerät da etwas ganz anderes sagt. Aber dazu ein andermal.) Auf jeden Fall soll das S5-Display eines der klarsten und bestaussehendsten momentan auf dem Markt sein.

Die Kamera ist inzwischen eines der wichtigsten Features eines Smartphones und darum steht es definitiv auf der Pack-noch-was-obendrauf-Liste von Samsung. Ganz in diesem Sinne bietet die Hauptkamera nun eine Auflösung von 16 Megapixel. Im S4 waren es noch 13, im S3 waren es 8 Megapixel. Die Frontkamera kann Narzissmusschnappschüsse mit 2 Megapixel aufnehmen.

Im Gesamteindruck kann das Teil schon überzeugen, offenbart aber keine Überraschungen. Es ist angenehm leicht (145 Gramm) und fühlt sich hochwertig an. Das S5 ist aber auch ein Stückchen wuchtiger als mein bisheriges S3. Eine separate Auslösetaste für die Kamera gibt es nicht, aber ich glaube, man sich die Lautstärketasten dafür konfigurieren, wenn ich mich recht entsinne.

Nette Geschichte, die man früher oder später zu schätzen weiß: Samsung bezeichnet das Gerät als staub- und wasserfest. Es kann also im Regen benutzt und auch mal schnell unter einem Wasserhahn abgespült werden. Am unteren Ende wird das USB-3.0-Kabel verbunden – der Schacht ist mit einer Gummikappe verschlossen. Zieht man das Kabel raus, erinnert das Telefon dran, die Kappe wieder dran zu pappen, damit kein Wasser reinkommt. Nettes Detail am Rande und wer mich kennt, weiß: Fotografieren mit einem Gerät, das keinen Regen ab kann, geht gar nicht.

Performance

Schön flott. Ich hege aber den leisen Verdacht, dass die Geschwindigkeit des Telefons genau auf das Modell abgestimmt ist, das man neu in die Hände bekommt. So war es schon beim S3, später wurde es immer eher schlechter als besser. Das S5 hat auch „nur“ 2 GB Arbeitsspeicher und das reicht auf jeden Fall für alles, was man damit auf Anhieb so machen will. Die Kamera ist jedenfalls ruckzuck gestartet und einsatzbereit.

So leicht bringt die Kamera auch nichts ins Schwitzen – der Fokussiervorgang ist flott genug und bestätigt wird das Scharfstellen mit einem animierten Symbol. Die Auslöseverzögerung ist kaum spürbar und Zeit zum Speichern braucht das Ding auch nicht. Aufgefallen ist mir jedoch eine ärgerliche Kleinigkeit: beim Wechsel vom Hoch- ins Querformat oder umgekehrt, ruckt die Anzeige einen kleinen Moment lang und das Bild kommt nicht mit. Ist nicht allzu tragisch, ist mir aber bei keinem anderen Gerät bisher so stark aufgefallen.

Seit es mir bewusst ist, konnte ich es auch beim Samsung beobachten: mit dem Weißabgleich scheinen Smartphones echt ein Problem zu haben. Immer wieder mal liegt er daneben oder man kann dem Gerät auf dem Display dabei zuschauen, wie es versucht, das richtige Licht zu erraten und hin und her schaltet. Das Ganze wird noch seltsamer, da ziemlich eindeutig ist, dass das Galaxy per Software die Primärfarben betont. Grün, Blau und Gelb sehen meist richtig satt aus. Beim Rot ist es zurückhaltender, was auch logisch ist, denn diese Farbe hat für uns die meiste Strahlkraft.

Seltsamerweise – und ich kann nicht sagen, warum – vertut sich das S5 auch immer wieder bei den automatischen Belichtungseinstellungen. Es will möglichst brillante Bilder liefern und jagt deswegen die ISO nicht hoch. Was mir gut gefällt. Allerdings senkt es die Lichtempfindlichkeit manchmal auch auf Werte von ISO 40, was erstens seltsam und zweitens nervig sein kann, denn dadurch verwackelt das Bild. Als Fan (und selbst dahin strebender Künstler) der Fine-Art-Fotografie mag ich glasklare Aufnahmen, aber mir ist ein verrauschtes Bild lieber als ein verwackeltes.

Auf der Haben-Seite verbucht das Samsung allerdings einen Pluspunkt beim Ablichten des Himmels. Der sieht auf allen Aufnahmen toll aus und ist weit von den weißen Laken der Vergangenheit entfernt. Wenn man das S5 richtig einsetzt, kann man sogar Lichtstimmungen damit festhalten.

Fazit

Ich glaube, dieser Artikel ist etwas kürzer als manch anderes Hands-on und vielleicht habe ich auch irgendwas vergessen, was ich schreiben wollte. Tatsache aber ist, dass mir die Galaxy-Reihe und das S5 als neuesten Vertreter unheimlich langweilig geworden ist. Ich kenne, wie gesagt, das S3 und hatte beim S5 nicht im geringsten ein „Wow, wie neu!“-Gefühl. Immerhin fällt auch nichts wirklich negativ auf. Das bedeutet auch, dass die gesteigerte Auflösung nicht zu Lasten der Performance geht und die Fotos im Großen und Ganzen einen sehr guten Eindruck machen. Wenn man mal die Bilder mit fehlerhaftem Weißabgleich weglässt, könnte jedes von ihnen auch aus einer Mittelklasse-Kompaktkamera kommen.

Gesteigerte Auflösung bedeutet allerdings auch 3,5 bis 5,5 Megabyte pro Bild. Die wollen auch erstmal hochgeladen werden, was bei der miserablen mobilen Internet-Infrastruktur in Deutschland ein teures Vergnügen werden kann. Ich warte immer noch darauf, dass mehr Phones es anbieten, ein großes und ein kleines Bild gleichzeitig zu schießen. Das Lumia 1020 kann das doch auch.

Hat von euch jemand das Galaxy S5 und kann seine Erfahrungen noch beisteuern?

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Mehr!

  • Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen.
  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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3 Gedanken zu “Hands on: Samsung Galaxy S5

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