Finde deinen Stil

Was unterscheidet eigentlich ein gutes Foto von einem besonderen Foto? Was macht „das Bild“ zu „deinem Bild“? Du bist es, und niemand sonst!

Wer hier regelmäßig mitliest, mag es vielleicht in einem leisen Hauch gespürt haben: Ich fotografiere nicht, um des Geräusches beim Auslösen willen. Ich möchte mich mit meiner Fotografie ausdrücken, sie soll (im besten Fall) mehr sein, als nur eine Erinnerung an einen Moment, den man festgehalten hat.

Wer diesen Anspruch aus sich selbst heraus entwickelt, wird irgendwann zu einer Frage gelangen. Wer mehr als nur knipsen will, wessen Fotos gar wiedererkannt werden sollen, wird eine Frage über alle Maßen beantwortet haben wollen: „Wie finde ich meinen Stil?“

Man stelle sich vor, jemand sieht euer Bild und sagt sich: „Das habe ich schonmal gesehen, das gefällt mir.“ Oder: „Ja, den Fotografen kenne ich.“ oder gar „Ahh, alles klar, das ist von Allsei Tsbekannt, die hat auch einen Blog.“

Dummerweise ist „Wie finde ich meinen Stil?“ die schwerste Frage, die man sich als Fotograf stellen kann. Nichtmal ich kann die beantworten. Und dass, obwohl ich schon 177 Wörter in diesem Artikel zum Thema verschwendet habe. Aber ich möchte einen Tipp geben, was euch hinführen kann.

Deine Schnappschüsse

Wer so lange und leidenschaftlich fotografiert wie ich, entwickelt irgendwann eine Vorliebe für bestimmte Arten von Motiven. Man beginnt, anders zu sehen, unterscheidet Licht von Schatten oder ahnt sogar einen geeigneten Moment voraus. Man kann auch sagen, dass sich ein gewisses Qualitätsbewußtsein entwickelt. Das darf sich jedoch nicht nur auf das Aufnehmen der Fotos beschränken, sondern sollte sich auch auf das Präsentieren ausdehnen.

Ich zeige euch jetzt etwas, das ihr normalerweise von mir nicht zu sehen bekommt. Unbearbeitete Schnappschüsse:

Wenn ihr solche Fotos gemacht habt und sie herzeigt, sagen manche vielleicht „Ah, wie nett“ oder „Voll schön!“ oder „Sieht toll aus, hast du gut gemacht!“. Das ist angenehm, aber wenn die Person sich herumdreht, hat sie die Fotos vergessen und kann sich nichtmal an das Treffen erinnern.

Was sagt ihr zu denen?

Das ist eine Serie, die ich hier im Blog bereits veröffentlicht habe: „mist in the woods„. Ich habe dafür seit Sonnenaufgang im Wald gelegen. Weil ich das Wetter beobachtet hatte, wusste ich, woher die Sonne kommt und habe auf den richtigen Moment gewartet. Das alles drückt sich in den Fotos aus, deren Stimmung ich heraus arbeiten wollte.

Deine Farbpalette

Ich bin oft allein im Wald, manchmal mehr als einen halben Tag lang. Wenn ich eine Stelle gefunden habe, die mir besonders erscheint, sehe ich mir jeden Winkel an und denke an die Fotos, die ich dort finden könnte. Fotografiert man dann einfach herum, dann kommen interessante aber beliebige Fotos dabei heraus:

Das Problem dabei ist, dass die Motive nicht haften bleiben. Die Lichtstimmung unterscheidet sich, die Perspektiven sind interessant aber wahllos. Mal ist der Horizont mit drauf, mal nicht. Mal spiegelt das Wasser, mal nicht, mal gibt es einprägsame und zulaufende Linien, mal kräuselt alles wild durch die Gegend. Da ist kein Plan, das macht keinen Spaß.

Darum sollte man sich vorher überlegen, was man heraus holen will. Es braucht ein Konzept, das eingehalten werden muss. Und ihr braucht eine Farbpalette!

Bei der Nachbearbeitung von Fotos habe ich keine Hemmungen – ich mache alles von „leicht optimiert“ bis „soll das ein Witz sein, das ist unfassbar!„. Es geht mir nicht um Realität oder Künstlichkeit, sondern um die Nachricht im Bild und das Echo im Kopf des Betrachters. Wenn euch das ebenso geht, solltet ihr auf jeden Fall zusehen, dass ihr die Stimmung eines Bilds am Kragen packt und ans Licht zerrt. Nutzt Schatten und Farben, setzt das Licht auf die gleiche Weise, stellt dieselbe Brennweite ein und achtet darauf, dieselben Elemente stets im Bild zu haben.

Eine Serie, deren Bestandteile zueinander passen und (zumindest eine kleine Weile) im Kopf bleiben soll, zeichnet sich durch Harmonie aus:

Dein Stil

Ich habe Jahre gebraucht, um einen Stil zu finden, den ich beherrsche. Sogar einen, den ich bis dahin noch nie woanders gesehen habe. Das ist beileibe nicht einfach, aber es lohnt sich.

Sobald ihr anfangt, etwas an euren Fotos zu ändern, aus ihnen noch etwas mehr herauszukitzeln oder schlicht Motive so fotografiert, wie es sonst keiner tut – dann seid ihr auf dem besten Weg, euren Stil zu finden.

Das wird der Moment sein, an dem man euch nicht mehr sagt „Ah, schön.“, sondern „Oh, wow.“

Mehr!

  • Meine ganze Fotografie und Digital Art verpackt mit Worten.
  • Ausgesuchtes im mworkz.portfolio
  • Weitere, ausführliche Artikel rund um das Thema „Fotografie lernen“ findet ihr hier.
  • Schnelle Tipps und Hinweise habe ich hier zusammmengetragen.
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8 Gedanken zu “Finde deinen Stil

  1. ganz tolle bilder – genau nach meinem geschmack! ich denke, man muss üben, üben, üben, viel von anderen anschauen um sich zu inspirieren, selber herumprobieren und sich nicht zu sehr von der technik verwirren lassen. aber eigener stil, den sonst keiner hat – das ist mit sicherheit die meisterklasse, die nur ganz, ganz wenige menschen beherrschen.

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