Hands on: HandeVision IBELUX 0,85/40 mm

2014 ist bereits ein gutes Jahr für außergewöhnliche Kameraausrüstung – und dabei ist noch nichtmal photokina. Heute stelle ich euch ein weiteres Highlight vor.

Ich kann mir gut vorstellen, dass viele von euch das Objektiv namens Ibelux gar nicht auf dem Schirm hatten. Ist nicht weiter verwunderlich, denn bis vor einigen Monaten gab es weder die Bezeichnung „Ibelux“ noch „Handevision“ in den Ohren von Fotointeressierten.

Kurz zum Hintergrund: HandeVision ist der Markenname unter dem Produkte veröffentlicht werden, die aus der Partnerschaft zweier Firmen hervorgehen. Es handelt sich dabei um eine Kooperation des deutschen Objektivherstellers IB/E Optics GmbH und Shanghai Transvision Photographic Equipment Co. Ltd. Von letzteren kennt man vielleicht die Kipon-Adapter.

Und falls ihr euch über das Ibelux informieren solltet, hier noch eine Klarstellung. Oft wird es als das „Lichtstärkste Objektiv der Welt“ bezeichnet. Das ist zwar verdammt nah an der Wahrheit aber dennoch reines Marketingsprech. „Objektiv“ ist ein weitgefächerter Begriff und es gibt ein paar (wenn auch nicht viele) Konstruktionen, die lichtstärker sind. Als das lichtstärkste Objektiv für die Fotografie überhaupt gilt (noch immer) das 1966er Zeiss Planar mit einer unfassbaren Lichtstärke von f0,7. Es wurde ursprünglich für die NASA gebaut, Stanley Kubrick hat es jedoch zum Filmen verwendet.

Was richtig ist: das HandeVision Ibelux 0,85/40 mm ist das weltweit lichtstärkste Fotoobjektiv für spiegellose Systemkameras. Aber allein das ist schon eine beeindruckende Hausnummer.

hands-on_handevision-ibelux_teaser

Eindruck

Gute deutsche Wertarbeit! Diese Bezeichnung trifft es am besten, obwohl das gar nicht stimmt. Entwickelt wurde das Ibelux in Deutschland, gefertigt wird es in China. Aber sobald man das Teil in die Hand nimmt, fühlt man sich sofort an Modelle von Zeiss erinnert oder die neueren Objektive von Sigma. Das Ibelux ist schlank, glatt, schwarz und brachial schwer. Eins von der Sorte, denen man anfühlt, dass keine Kompromisse eingegangen wurden.

Im Vergleich zu anderen modernen Optiken ist das Konzept des Ibelux ungewöhnlich, erinnert aber stark an analoge Objektive. Die Streulichtblende wird nicht aufgesetzt, sondern ist fest integriert und wird bei Bedarf nach vorn gezogen und arretiert. Manche kennen das vielleicht von seltenen Canon-Objektiven. Ähnlich der Objektivdeckel: kein billiges Stück Plastikpress mit Schnappverschluss sondern ein ernsthafter Metalldeckel mit Schraubgewinde. Ja, richtig gelesen: Schraubgewinde. Nicht unbedingt für schnelle Schnappschüsse geeignet aber wohl die Definition von Wertigkeit.

Einen wertigen Gesamteindruck macht das Teil sowieso auch insgesamt. Für die Fotos hier im Artikel hatte ich es mit einer Panasonic GF6 verschweist. Das hübsche kleine Ding wiegt knapp 200 Gramm. Das Ibelux klammerte sich fast sechsmal so schwer vorne dran. Man hat das Gefühl, einen fetten Brocken Glas in der Hand zu haben und im Grunde ist es das ja auch. Kein Klappern, kein Spiel und die Riffelungen der Stellringe sind aus Metall geschliffen.

Eigenschaften

Ich schließe direkt mal an die Verarbeitung bzw. den Aufbau an. Natürlich ist das Ibelux schwer, denn immerhin sind ganze 10 Linsen aus lichtschluckendem Glas verbaut. Interessant ist: genau wie beim beeindruckenden Zeiss Otus gibt es keinen Autofokus. Zeiss begründete das damals mit Kompromisslosigkeit in Bezug auf Bildqualität und des optischen Designs. Kann ich mir beim Ibelux auch vorstellen.

Jetzt zum „Problem“, das sich daraus ergibt. Das Ibelux ist für CSC-Kameras entworfen (erhältlich für Sony E, Fuji X, Canon EOS M und Micro 4/3) und die werden nach Möglichkeit so klein und leicht gebaut, wie es nur geht. Das HandeVision wird also in fast allen Fällen schwerer sein als die Kamera, die dran herum baumelt. Das wiederum bedeutet, dass man was Kleines wie die GF6 nicht nur an der Kamera anfassen kann, um das ganze zu benutzen, da der Schwerpunkt zu weit vorne liegt und man Angst hat, das Bajonett rauszubrechen.

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Die Kamera-Objektiv-Kombination liegt also in erster Linie mit dem ganzen Gewicht in der Hand. Das macht es etwas kompliziert, die Schärfe einzustellen, denn der breite Fokusring dreht sich in der Handfläche. Hinzu kommt, dass er mit 250 Grad Rotation recht weit gedreht werden muss, wenn man die ganzen Fokusebenen durchlaufen muss. Da ist eine gelenkige Hand nötig. Größere Kameras wie die Panasonic GH4 oder eine Olympus OM-D machen das einfacher, denn die sind handlicher.

Ansonsten muss man beachten, dass es sich beim Ibelux eigentlich nicht um eine „Normalbrennweite“ handelt, denn die 40mm werden je nach Sensorgröße bis zu 80mm. Porträts sind damit prima drin, richtig schöne Makros nicht, denn die Naheinstellgrenze liegt mir etwa 75 Millimetern recht weit weg.

Performance

hands-on_handevision-ibelux_standingSehr überraschend! Prinzipiell ist die Schärfe des Objektivs ausgezeichnet. Da braucht es sich nicht hinter hochwertigen Normal- und Porträtbrennweiten zu verstecken. Diese Aussage ist aber mit Vorsicht zu genießen, wenn man nicht weiß, was man da in der Hand hat.

Das Ibelux ist mit einer maximalen Blende von f0,85 rekordverdächtig lichtstark. Nunja, eigentlich ist es ein Rekord. Jedenfalls sorgt es damit für einen wirklich beeindruckenden Bildeindruck. So ähnlich, wie man ihn vielleicht mit einem 500er Tele und einer Lichtstärke von 1:1,2 erreichen würde (was es meines Wissens nach nicht gibt). Das Motiv wirkt extrem dicht und besitzt eine haardünne Schärfeebene bei maximaler Offenblende.

Und hier liegt die Herausforderung für den Fotografen: Bei Offenblende ist die Schärfeebene so schmal, dass bei einem fokussierten Auge die Wimpern schon unscharf sein können. Damit lässt sich großartig künstlerisch arbeiten und eine Atmosphäre aufbauen, die nichtmal mit einem Katana zu schneiden ist. Aber wenn man auch nur atmet, hat man den Fokus (den man manuell einstellen muss) schon verwackelt und statt dem Auge die Warze auf der Nase scharfgestellt.

Hinzu kommt, dass die Bildschärfe bei Blende f0,85 leidet. Die Leistung, die geschliffene Linsen bei dieser Ausrichtung für eine saubere Bildqualität bringen müssten, würde den Preis des (trotzdem nicht ganz billigen) Ibelux haushoch sprengen. Darum kommt es zu einer verminderten Schärfe und sichtbaren Aberrationen. Ähnlich wie bei den meisten Objektiven, wenn man mit ihnen bei Blende f22 fotografiert. Allerdings – und auch das muss man neidlos erwähnen – bereits bei Blende f1 bzw. f1,4 ist die Qualität tadellos. Und das ist immer noch unverschämt lichtstark und ein hervorragendes Prädikat für eine Porträt-Festbrennweite.

Fazit

Mit dem HandeVision Ibelux 0,85/40 mm steht CSC-Fotografen eine sehr spezielle und zweifellos beeindruckende Optik zur Verfügung. Das Ding ist nicht fehlerfrei, ja. Aber würde man es fehlerfrei bauen, könnte man es nicht mehr bezahlen. Denn es prescht haltlos in einen Extrembereich der Fotografie vor. Allein die Möglichkeit, so ein lichtstarkes Objektiv für Porträts oder zum Filmen zu benutzen, ist einen Applaus wert.

Das Ibelux ist anspruchsvoll und für Fotografen, die künstlerisch arbeiten wollen. Mir hat es jedenfalls einen Riesenspaß gemacht, eines der weltweit ersten Exemplare des weltweit lichtstärksten CSC-Objektivs auszuprobieren.

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Mehr!

  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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4 Gedanken zu “Hands on: HandeVision IBELUX 0,85/40 mm

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