Hands on: Sony Alpha 7s

Wer Sony neben den Big Playern der Foto-Branche immer noch nicht auf dem Schirm hat, sollte vermutlich langsam mal umdenken. Vor allem in Sachen Systemkameras.

Dem unaufhaltsamen Aufstieg der spiegellosen Systemkameras leistete Sony mit ständig neuen NEX-Modellen Vorschub. Dann beschloss man, das Gaspedal härter nach unten zu drücken und schickte die Alpha 7-Modelle ins Rennen. Erstmals konnten Fotografen, die auf die kompakten Maße einer CSC stehen, einen Vollformatsensor nutzen. Und das mit einer Auflösung von 24 bzw. direkt einmal 36 Megapixel.
Bäm!
Ein Killermodell?
Mein Hands on findet ihr hier.

Tatsächlich sind die 7er recht beliebt geworden, immerhin hat Sony mit den beiden Modellen ordentlich auf den Putz gehauen. Da durfte man gespannt sein, was als nächstes kommt. „Noch mehr reinpacken“ ging ja kaum.
Tja, knapp ein halbes Jahr später ist es soweit. Die Sony Alpha 7s ist da. Und nach den Statement-Modellen zur Einführung bringt man nun eine aufpolierte, feingetunte und auf Bildqualität sowie Video ausgelegte Kamera. Mit weniger Megapixel.

hands-on_sony-alpha-7s_teaser

Eindruck

hands-on_sony-alpha-7s_slantÄußerlich gibt es im Vergleich zu den Vorgängern praktisch keine Änderungen. Das Gerät ist schmal, fühlt sich ausgesprochen hochwertig und kompakt an. Das Bedienkonzept ist natürlich an SLR-Kameras angelehnt, aber der Fotograf wird nicht mit so vielen Knöpfen „erschlagen“. Ich persönlich kann gar nicht genug Hebelchen und Schalter haben, denn ich will nicht durchs Menü surfen, um was umzustellen, aber das ist Geschmackssache.

Jeden Geschmack dürften die Displays treffen. Sony kennt sich mit sowas zweifelsohne aus und so hat auch die 7s wieder einen neigbaren LCD mit moderater Auflösung von 1,2 Mio. Bildpunkten sowie einen schicken und brillanten OLED-Sucher. Der basiert auf der Lösung des SLT-Flaggschiffs Alpha 99, wurde aber noch weiter verbessert und stellt nun eine echte Auflösung von 1.024 x 768 Bildpunkten dar. Nagut, vielleicht treffen elektronische Sucher nicht jeden Geschmack, ich selbst habe dafür auch nicht soviel übrig. Aber Sony liegt mit seinen Lösungen ganz weit vorne, soviel steht fest.

Eigenschaften

Kommen wir zuerst zum hervorstechendsten Merkmal: die reduzierte Auflösung. Die Alpha 7R hatte die brachiale Auflösung von 36 MP (wir erinnern uns direkt an den Sensor der Nikon D800 bzw. der D810), die „normale Variante“, die Alpha 7, hat 24 MP Auflösung. Diese hat man für die 7s nun auf rund 12 MP halbiert. Auf dem Vollformat-Herzstück der Kamera kleben nun also vergleichsweise große Pixel, die entsprechend lichtempfindlich sind und für eine brillantere Bildreproduktion sorgen können. Ich begrüße diese Entwicklung voll und ganz obwohl ich selbst eine D800 besitze. Aber es geht noch weiter. Der Name der neuen Sony, 7s, verweist mit dem „s“ auf „Sensitivity“, also Empfindlichkeit. Was eine direkte Anspielung auf die Lichtempfindlichkeit des Sensors ist. Diese kann man nämlich bis auf einen fast schon astrologischen Wert von ISO 409.600 schrauben.

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Wir erinnern uns: auch das Update des Nikon-Flaggschiffs, die D4s, kann problemlos Bilder in quasi stockdunklen Bunkerräumen machen und auch sie hat das „s“ im Namen. Es ist also ein offenes Geheimnis, das hier die gleichen Sensorkonzepte zum Einsatz kommen. Leider konnte ich die Fähigkeiten der Nachteule von Sony nicht auf die Probe stellen, aber wer ISO 409.600 mal in Aktion sehen will, kann gerne hier nachschauen.

hands-on_sony-alpha-7s_rigAufgebohrt hat man außerdem die Video-Fähigkeiten der Kamera, auch dafür ist Sony ein Experte. Die Alpha 7s taugt damit weitgehend problemlos für professionelle Filmaufnahmen. Für gewöhnlich zeichnet sie in bis zu Full-HD-Format mit bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde auf. Damit bekommt man nicht nur butterweiche Bewegungsabläufe auf die Chipkarte, sondern kann auch leichte Zeitlupeneffekte realisieren. Genau dabei geht sie aber noch weiter und bietet einen echten Highspeed-Modus. Nämlich mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde – und das nicht in einer hässlichen Briefmarkenauflösung, sondern in HD.

Das ist schon eine recht beeindruckende Ansage, bei der allerdings immer noch nicht Schluss ist. Schließt man nämlich einen Rekorder an, so lässt sich ein cleanes 4k-Signal über den HDMI-Ausgang aufzeichnen. Gespeichert werden Filme in allen möglichen Formaten mit hohen Datenraten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde und wahlweise auch im XAVC S-Format, das für professionelle Videoproduktionen entwickelt wurde. Mit anderen Worten: die Sony Alpha 7s zeichnet brillante bewegte Bilder in erstaunlich hoher Qualität auf und kann für Filmprojekte zu einem vergleichsweise echt günstigen Preis eingesetzt werden. Ach ja: und sie ist viel handlicher als gewöhnliche Videokameras mit diesen Fähigkeiten. Einziger Wermutstropfen, der nicht unerwähnt bleiben darf: derzeit kämpft die Kamera noch mit Tearing-Problemen und wabernden Kanten bei schnellen Bewegungen.

Performance

hands-on_sony-alpha-7s_leftEs klang schon durch: die 7s gibt sich in Sachen Performance praktisch keine Blöße. Bis zu 120 BpS in HD im Videomodus müssen nicht weiter kommentiert werden. Die maximale Verschlusszeit von bis zu 1/8.000 Sekunde liegt auf Profiniveau, doch trotz reduzierter Auflösung schafft sie „nur“ 3 bis 5 Bilder pro Sekunde in voller Auflösung. So schnell pumpt auch meine Nikon die 36-MP-Fotos durch ihre Leiterbahnen.

Immerhin ist das Mess- und das Fokussystem auf der Höhe der Zeit. Die Scharfstellung erfolgt sehr schnell und präzise – vor allem die Bildanalyse ist rasend schnell – im Sprung kotzende Delfine sind ebenso wenig ein Problem wie die augenblickliche Gesichtserkennung eines Clowns, der sich im Gebüsch versteckt. Die Belichtungsmessung wertet gar ganze 1.200 Zonen binnen Sekundenbruchteilen aus. All das führt dazu, dass ich während dem Fotografieren kein einziges fehlbelichtetes Foto zu beklagen hatte. Sollte bei Kameras in dem Preissegment aber ohnehin nicht passieren.

Wie bei Sony üblich, erinnert die Funktionsvielfalt, die über das Menü zugänglich ist, an die Parametereinstellungen eines Flux Kompensators. Die Möglichkeiten sind üppig und man kann alles nach Belieben festlegen. Sich so „die eigene Kamera“ einzurichten ist also wie bei Profi-SLRs kein Problem.

Fazit

hands-on_sony-alpha-7s_backIch bin ein absoluter SLR-Fan, der etwas schweres, robustes in den Händen braucht. Aber sollte ich mal mit einer CSC liebäugeln, dann sind die Alpha 7-Modelle verdammt ernstzunehmende Alternativen. Wer etwas vergleichbares zu semiprofessionellen bzw. schon fast komplett professionellen Spiegelreflexkameras sucht, hat nur wenig Gründe, nicht eine Alpha 7s zu wählen.

Zusammengefasst bietet das Gerät einfach alles, was ein ambitionierter Fotograf braucht. Eigentlich sogar noch mehr, denn nicht viele Anwender werden von den kraftvollen Videofunktionen Gebrauch machen, über die sie ebenfalls verfügt. Einen Eindruck von dem herausragenden Sensor konnte ich mir schon mit der Nikon D4s verschaffen – einer wirklich außergewöhnlichen Kamera. Ob die 7s das Upgrade für Alpha 7- oder 7R-Besitzer lohnt? Schwer zu sagen, immerhin müssen dafür erstmal die Finanzen stimmen.

Denn auch hier sei wieder erwähnt: wer eine solch performante Kamera einsetzt, darf nicht beim Zubehör sparen. Die Sony verlangt nach rasend schnellen Speicherkarten und wirklich hochwertigen Objektiven. Erst dann wird man richtig Spaß an den Bildern haben.

Wer neu einsteigen will, die nötige Kohle locker hat und für wen SLRs keine Option mehr sind, der hat kaum eine Wahl – er entscheidet sich für die Alpha 7s. Denn den Sensor der Nikon D4s in ein so kompaktes Gehäuse zu pflanzen und mit solchen Videofunktionen aufzubohren ist fascht schon ein Schlag ins Gesicht der ganzen Branche. Gut gemacht, Sony.

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Post Scriptum

Für den flüchtigen Betrachter werden die Fotos oben reichlich unspektakulär wirken. Etwas malerisch vielleicht, was vor allem an dem fantastischen 55-Millimeter-Zeiss-Objektiv mit Blende f1,8 liegt, aber dennoch ein wenig flau. Was man dazu wissen muss, ist, dass die Fotos praktisch nicht verändert wurden, sondern im Grunde so aus der Kamera (als RAW) kommen. Die Lichtsituationen waren meistens sehr knifflig und auch wenn man es nicht glauben mag – die meisten Bilder oben wurden mit ISO 2.000 geschossen.

Als ich neulich den Technik-Tipp „Dynamikumfang I“ veröffentlicht habe, merkte „RK“ in den Kommentaren zu Recht an, dass ich die Sony-Kameras außen vor gelassen habe. Das liegt einfach daran, dass ich mit denen zu wenig Erfahrung hatte, aber das Hands-on zur Sony Alpha 7s will ich nun nochmal nutzen, um zu zeigen, was für Potential eigentlich in den Sony-Sensoren (die sich auch in Nikon-Kameras finden) schlummert und wieviel mehr die Alpha 7s ist, als nur eine teure Schnappschusskamera mit Vollformatsensor.

Darum gibt es am Sonntag noch ein kleines Special-Anhängsel-Dings zur Kamera.

Mehr!

  • Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen.
  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
  • Ausgewählte Arbeiten im mworkz.portfolio
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8 Gedanken zu “Hands on: Sony Alpha 7s

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