Woodkid – The Golden Age [KW31/2014]

Fremde Musik aus einer vertrauten Welt. Und umgekehrt.

the-golden-age

Die Band bzw. den Künstler Woodkid gibt es noch nicht so wahnsinnig lang. Er hat es aber geschafft, dass die Musikszene bereits nach seinem allerersten Song und Video sehnsüchtig auf mehr von ihm gewartet hat. Mir ging es ähnlich, denn „Iron“ ist gigantisch gefilmt.

Der nächste Track – „Run Boy Run“ hat es dann sogar in die Mainstream-Medien geschafft. Ebenfalls wundervoll gemacht; über einen Jungen, der durch eine Fantasiewelt rennt. Danach kommt „I Love You„, auch wieder ein großartiger Song, der laut Video an den vorhergehenden anzuknüpfen scheint aber dann doch eine eigene Geschichte erzählt.

Und nun kommt – ganz frisch – „The Golden Age“ mit einem Video, das mich überrascht und auch beeindruckt hat:

Meine Meinung

Falls ihr Woodkid kennt oder die anderen Videos nun geschaut habt, wird euch etwas auffallen: in der Hauptrolle ist immer ein Mann. Mal als Junge, mal als Heranwachsender oder Erwachsener. Und genau diese Entwicklung scheint sich auch in den Videos wiederzufinden. Da sind die Fantasiewelten eines Kindes oder auch die Weiten eines orientierungslosen Geistes, der sich finden muss.

„The golden Age“ zeigt etwas, das im amerikanischen „boyhood“ genannt wird, Kindheit. Und wieder stehen junge und ältere Männer im Vordergrund. Man könnte fast glauben, dass der Umgang mit Homosexualität das Thema ist, aber das stimmt meiner Meinung nach nicht. Denn die visuelle Erzählung erfolgt zwar auf sehr intime, aber doch nicht entblößende Weise, wie man das üblicherweise machen würde.

Eure Meinung?

Also mich hat das Video fasziniert, denn so habe ich eine Geschichte noch nicht erzählt gesehen. Außerdem funktioniert „The golden Age“ nach dem gleichen Muster wie die anderen Woodkid-Videos: das Ende scheint irgendwie offen zu bleiben oder etwas erzählerisches fehlt. Der Anfang dagegen wirkt (auf mich) beunruhigend und so, als würde es nicht dazu gehören. Manchmal handelt es sich dabei sogar um einen Rückverweis auf ein anderes Video.
So genial ich den Einstieg in „The golden Age“ finde, ich kann ihn mir nicht so recht erklären – ihr?

Mehr!

  • Woodkid – ‚The golden Age‘ feat. Max Richter ‚Embers‘ (link) ist das Video der Woche vom 28.07.2014 bis 03.08.2014
  • Alle Videos der Woche sind hier zu finden.
Advertisements

6 Gedanken zu “Woodkid – The Golden Age [KW31/2014]

  1. Ohhhh wow….
    Danke!
    Beeindruckend!
    Dein Blog ist durch und durch so voll Gefühl.

    Es könnte vielleicht sein, dass das Kind der Vater zugleich ist. Der Opa, die Zukunft. Immer die gleiche Person. Das Kind in dir verlierst du nie. So ist die Geliebte und Frau irgendwie auch deine Mutter. Das Spielen begleitet dich dein Leben lang.

    Der Anfang könnte ich wie folgt interpretieren:
    Der Erschaffer gibt im Rechner ein Mensch ein….(So wie du, im Photoshop ;) ). *Gott* erschafft ein Mensch, er druckt ihn aus in 3D – golden ( Heutzutage ist sowas ja scheinbar möglich ^^ ). Ein Mensch ist noch viel mehr wert. Der Grund warum der goldene Zeitalter vorbei ist sollten wir bei uns selber suchen, nicht in der Kreation. Das Kind in uns wurde so quasi in der Wiege mitgegeben.
    Und wenn am Schluss das Licht durch den Wald schleicht – ich liebe übrigens diese kanadischen Wälder!!!!! Ufff….- ( ich denke es ist in Kanada gedreht worden ) und das Kind in Angst und Schrecken versetzt, dann geht der Mensch wohl wieder zurück in die Matrix – in den Rechner, wo alles begann.
    :) so habe ich diese Geschichte interpretiert.

    1. Sonja!

      Ah, da habe ich wohl wieder etwas gefunden, das die Gehirnzellen auf trab bringt, das freut mich. :)
      Eine spannende und tiefgehende Interpretation lieferst du da. Mir gefällt der Gedanke, dass in uns noch das Kind von damals steckt – das könnte eine absolut passende Erklärung für den Anfang sein. „The golden Age“ ist für mich die Zeit der Unschuld und des Heranwachsens, geprägt von Gemeinschaft, Familie und Erfahrungen. Später geht dies verloren und es liegt an uns – wie du sagst – zu ergründen, wie das geschehen konnte oder es zu verhindern.

      Angst sehe ich in dem Kind am Ende nicht, aber vielleicht eine Ungewissheit gegenüber dem, was kommen mag. Das würde auch dazu passen, wie der kleine Junge den jungen Mann am Ende die Hand reicht – als Brücke zwischen Kindheit und Erwachsensein. Die eigene Vergangenheit nicht zu vergessen und in das Erwachsenenleben mitzunehmen.

      Gruß, ml

      1. Ja, Angst ist vielleicht übertrieben, du hast recht. Jedoch empfinde ich folgendes:
        Es ist als ob die Mutter, Ehefrau sterben würde am Schluss, wo das Licht durch den Wald gleisst. Das Kind schaut verunsichert umher, mulmig ist es ihm allemal. Gibt sich selber, dem erwachsenen Mann hilfesuchend die Hand. Einander stärkend und auch tröstend.
        Im Video sah man den alten Mann vor dem Haus auf der Veranda im Himmel hochschauen als das Kind ihm die Augen verdeckte…. der alte Herr schien verwitwet ( ich habe keine alte Frau gesehen). Er scheint ein Moment glücklich und lächelt alleine mit der lebendigen Erinnerung an die Kindheit, an den Jahren als junger Mann……

        Aus dieser Sequenz heraus sehe ich am Schluss den Tod……. hmmmmmm…..

  2. Danke für den Hinweis zum neuen Video, ich habe bisher noch keinen wirklich schlechten Song von Woodkid gehört :) Jetzt wo du es sagst, muss ich mir alle Videos noch einmal anschauen ….. mein Entdeckergeist drängt danach deine Feststellung zu überprüfen ;) Ich interpretiere „The Golden Age“ eher so: In der Kindheit und Jugend verbringen wir die schönste Zeit unseres Leben, da wir die den Alltag und die harte Realität noch nicht kennen, frei von Verpflichtungen. Wir gehen in der Kindheit, Jugend bis ins frühe Erwachsenenalter immer wieder auf Erkundungstour des Lebens und machen unsere Erfahrungen. Aus meiner Sicht ist jedes der ersten 25-30 Lebensjahre eines Menschen eine Entdeckungsreise, doch irgendwann wachen wir leider in der grauen Realität des Alltags auf und wünschen uns an manchen Tagen die Zeit zurück in die Vergangenheit, wo das Leben noch „einfacher“ war.

    1. Hallo yveforreal!

      Freut mich, wenn ich deinen Entdeckergeist anregen konnte! Na klar, insgesamt kann deine Interpretation durchaus zutreffen. Zusammen genommen erscheint es wie eine Lebensreise, die von Entdeckungen und Erfahrungen geprägt ist. Die Verknüpfung der einzelnen Videos miteinander dürfte ein Indiz dafür sein.
      Einzig die „Computerbildsequenz“ am Anfang von „The Golden Age“ gibt mir noch Rätsel auf, aber Sonja gibt dazu hier in den Kommentaren eine interessante Erklärung.

      Gruß, ml

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s