Hands on: Leica T

Keine Kamera mit der jeder fotografiert. Aber eine, die nicht nur einen spannenden Namen trägt: Die Leica T.

„Junge“ Fotohersteller geben derzeit in der Branche den Ton an. Nur ganz langsam schließen die Traditionsunternehmen im digitalen Zeitalter auf oder verpennen es komplett (Kodak). Auch Leica strampelt sich ab und bediente sich bisher des öfteren verkleideten Sony-Modellen, um auf dem Markt eine Rolle zu spielen. Die M Monochrom war bereits ein wichtiges Statement und nun tritt eine weitere ernstzunehmende Kamera des Unternehmens an. Die Leica T ist die neueste Eigenentwicklung und eine spiegellose Systemkamera.

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Eindruck

hands-on_leica-t_003Der äußerliche und erste Eindruck der Leica T ist umwerfend. Manche können mit dem minimalistischen Design vermutlich nicht viel anfangen, aber es sieht unbestritten elegant aus und fühlt sich außergewöhnlich an.
Das Geheimnis ist die Handarbeit, die darin steckt. Das Gehäuse ist aus einem einzelnen Aluminiumblock gefräst und wird anschließend von Hand poliert. Leica hat den Prozess sogar in einem rund 45minütigen Video festgehalten. Keine unnötige Erhebung, keine Unregelmäßigkeit, kein Schnickschnack. Selbst der relativ hoch aufragende Blitz ist komplett im Gehäuse integriert. Einzig der Auslöseknopf ist als wichtigstes Bedienelement hervorgehoben. Darüber hinaus gibt es zwei Einstellräder wie bei SLRs und einen separaten Auslöseknopf für Videos – das wars.

Die Rückseite wird komplett von einem hochauflösenden Monitor eingenommen. Der LCD ist ausgezeichnet und öffnet die Kamera dem Benutzer über ein wirklich nettes Bedienkonzept. Denn der Monitor ist nicht nur berührungsempfindlich, sondern erkennt auch Gesten.

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Eigenschaften

Im Inneren der T verrichtet ein Sensor in APS-C-Größe seinen Dienst, der mit rund 16 Megapixel gepflastert ist. Darüber hinaus könnte man erwarten, dass Leica auf Kinkerlitzchen verzichtet hat, doch finden sich dennoch einige Ausstattungsmerkmale, die eigentlich praktisch CSC-Standard sind und von anderen Herstellern vernachlässigt werden. So zum Beispiel ein sehr schneller Prozessor, durch den die Leica praktisch nie in Verzögerungen gerät und sogar WiFi ist an Bord sowie ein interner 16-GB-Speicher – schick. Wer einen klassischen Sucher bevorzugt, muss auf eine elektronische Aufstecklösung zurück greifen – die hat dann aber auch ein GPS-Modul integriert. Hätte man sicher auch in die Kamera selbst einbauen können, zählt aber vermutlich als zusätzliches Kaufargument für das Zubehör.

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hands-on_leica-t_005Sehr gelungen fand ich das elektronische Bedienkonzept. Alle Optionen sind in Kacheln angelegt, die bequemer anzutippen sind als etwa Menülisten. Man muss sich aber erst dran gewöhnen und sich merken, wo was ist. Denn neben dem normalen Menü für alle Einstellungen gibt es noch ein weiteres Schnellmenü. Das kann man sich per Drag & Drop nach Belieben selbst zusammenstellen, die wichtigsten Funktionen auf einen Bildschirm pappen und schnell aufrufen. Nett gemacht und so konsequent bisher noch nirgendwo anders gesehen.

Performance

Die Leica T ist keine Schnappschuss- und auch keine Sportkamera. Das will sie natürlich auch nicht sein und das ist man schon gewohnt. Wie es auch bei Zeiss immer wieder auffällt, legt man mehr Wert auf Präzision denn auf Geschwindigkeit. Heißt einfach, dass die Leica T durchaus mal etwas brauchen kann, um scharfzustellen. Habe ich zum Beispiel zu flott ausgelöst, ist das Bild schonmal unscharf. Oder es ist ein Ast im Vordergrund fokussiert, den ich gar nicht haben wollte. Interessanterweise fühlt sich der Touch-AF präziser und schneller an: Auf dem Monitor tippt man den Bereich an, der fokussiert werden soll und genau so geschieht es dann auch. Denn Kompromisse macht die Kamera nicht. Sitzt die Schärfe, dann kann man sich den Arm dran abschneiden.

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Ein bisschen schade ist die (trotz allem geringe) Gemächlichkeit der Leica schon. Denn das Teil besitzt wie alle anderen Leicas ein bestimmtes Gen zur dokumentarischen und Street Photography. Man hat einfach Bock, sich neue Sichtweisen zu eröffnen und das Leben damit festzuhalten. Und dafür muss man manchmal die Kamera hochreißen und schnell auslösen.

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Leica T, extremer Dynamikumfang: gleichmäßige Belichtung, keine ausgebrannten Lichter, helle Schatten – praktisch schon HDR-Look, kommt aber als bloßes RAW aus der Kamera

Davon abgesehen sind die Bilder praktisch makellos. Keine einzige Fehlbelichtung, Zeichnung in Lichtern und Schatten und es ist fast schon erschreckend, was für einen Dynamikumfang die Kamera besitzt. Einige ihrer Bilder muten fast wie HDR-Aufnahmen an, obwohl sie es nicht sind. Nur mit Licht- und Schattenkorrektur im RAW-Konverter bekommt man so Bilder, die andere Kameras einfach nicht liefern können.

Fazit

Wie gesagt: Nach ein paar der „bei Sony geborgten“ Kameras habe ich mich gefreut, endlich wieder eine eigenständige Leica-Entwicklung in der Hand zu halten. Und diese ist wirklich gelungen. Sie fühlt sich nicht nur großartig an, sondern ist auch ein brauchbares Arbeitsgerät.

Den Leica-angeborenen Drang nach der fotografischen Dokumentation des alltäglichen Lebens kommt sie gut, aber nicht perfekt nach – hier geht noch was. Und bisher gibt es auch nur zwei eigene Objektive, dafür aber einen Adapter auf das Leica-M-System.

Wer auf Spielereien verzichten möchte (ein paar hat sie ja dennoch) bekommt ausgezeichnete Bildqualität und eine Luxus-Kamera für „nur“ rund 1.500 Euro. Und dieses kleine rote Logo an der Vorderseite, das einfach jeder kennt.

Mehr!

  • Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen.
  • Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden.
  • Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.
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6 Gedanken zu “Hands on: Leica T

  1. Chices Teil! Schlicht, elegant und schnörkellos minimalistisch, so stelle ich mir eine Leica vor. Und ganz besonders freut mich, dass Leica hier nicht dem Trend der anderen Kamerahersteller zum Retrolook folgt. Aber ein langsamer AF ist irgendwie nicht akzeptabel, wenn man sich mal umsieht, was da der Wettbewerb so alles zu bieten hat.
    Jedenfalls freut mich, dass Leicas Entwicklungsteam doch noch nicht im Dornröschenschlaf versunken ist.
    Wie gewohnt ein gut geschriebener Artikel von Dir, genau so mag ich das!
    LG Stefan

    1. Hi Stefan!

      Ja, nicht wahr, das Ding dürfte man über zig Meter hinweg als Leica erkennen und das war ja fast schon immer so. Ich mag den Retro-Look eigentlich schon aber das nicht jeder auf den Zug aufspringt, weiß ich zu schätzen.

      Zum „langsamen“ AF habe ich RK unten schon geschrieben. Er ist nicht so brutal schnell wie etwa der der Panasonic GH4 oder Nikon 1 V3 aber braucht halt auch nicht jeder.

      Oh und danke für das Kompliment – ich sehe das ganz genauso und darum ist es mir immer auch wichtig, ein bisschen auf den Hintergrund und das Drumherum der Kameras einzugehen.

      Gruß, ml

  2. Wieder einmal vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht! Die Kamera an sich würde ich mir selber zwar nicht holen aufgrund des Preises und des doch recht langsamen AF, aber die Qualität der Bilder, Dynamikumfang etc schaut schon klasse aus. Fehlen würde mir auch ein Sucher. Ich mag es einfach nicht, wenn ich für jede Kleinigkeit nochmal extra zahlen muss ;-) Gegen Retrolook (den Stefan erwähnte) hätte ich persönlich nichts einzuwenden .. ich mag den irgendwie ;-)

    1. Njaaaah, es braucht halt nicht jeder. Und nicht jeder braucht einen schnellen AF – Architektur- oder Landschaftsfotografen, sogar Studiofotografen ist die Schnelligkeit des AF egal, sie brauchen überlegene Bildqualität.

      Aber freut mich, wenn das ein bisschen auf den Bildern rüber kommt. Der Sucher fehlt mir übrigens auch. Wenn ich wochenlang mit meiner D800 fotografiert habe, ist es mir schon passiert, dass ich eines dieser Sucherlosen LCD-Dinger ans Auge gedrückt hab… -.-

      Gruß, ml

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