Hands on: Nikon D4s – lowlight

Der aktuelle Hands on-Bericht dreht sich nochmal um die für SLR-Fotografen derzeit vielleicht aufregendste Kamera: die Nikon D4s. Besonderer Schwerpunkt ist heute das lowlight-Verhalten.

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Meine letzte Kamera war die Pentax K7. Ich habe unheimlich viel mit ihr erlebt und sie wirklich geliebt. Aber so ehrlich muss man sein: In Sachen Bildrauschen markierte sie keine Bestwerte. Ich habe an ihr nur selten ISO 800 eingestellt und nur in Notfällen ISO 1.600. Alles drüber war aus meiner Sicht nicht mehr zu gebrauchen.

Jetzt bin ich mit Nikons aktuellem Flaggschiff, dem Ende der SLR-Fahnenstange, mal nachts unterwegs gewesen. Und die niedrigste Einstellung, die ich verwendet habe, war ISO 2.000. Unfassbar.

Eindruck

Die D4s ist gegenüber der D4 ja eigentlich nur ein „kleineres Update“. (Meinen ausführlichen Bericht dazu findet ihr hier). Aber sie wurde nicht nur in Sachen Geschwindigkeit, sondern auch in Bezug auf die Sensor-Leistung aufgebohrt. Erstmals überhaupt ist auf ihrem Datenblatt eine maximale Lichtempfindlichkeit von ISO 409.600 zu lesen. Ein astronomischer Wert, bei dem man sofort glauben müsste, dass es ein reines Marketing-Schlagwort ohne nennenswerte Bildqualität ist.

Aber es geht. Und es sieht tatsächlich weniger katastrophal aus als die ersten digitalen Fotos Anfang der 1990er Jahre. Klar kann man bei der Lichtstärke auf Anschlag nicht mehr von Bildqualität sprechen, aber man muss sich auch fragen: „Warum dann überhaupt“?

Ganz einfach: weil die D4s keine Kamera für Fashion-Fotografen oder Künstler ist. Das Teil ist ein Arbeitstier für Fotojournalisten, für Berichterstatter, für Reporter. Das heißt, ihre Bilder sind die ersten in den News-Netzwerken oder dem Fernsehen. Und dafür braucht es keine fantastische Bildqualität oder ultrahoch auflösende Bilder. Da kommt es darauf an, ein scharfes Bild vom Rennwagen zu haben, auch wenn die Sonne gerade untergegangen ist. Oder ein Video vom nächtlichen Raketenangriff.

Eigenschaften

Nochmal kurz zum pulsierenden Herz in der D4s: Die Kamera ist mit einem überarbeiteten Sensor ausgestattet, der zarte 16 Megapixel auf dem Vollformat vereinigt. Die normale Spanne der Lichtempfindlichkeit liegt bei ISO 100 bis ISO 25.600 und kann auf bis zu einer Entsprechung von ISO 409.600 erweitert werden. Mit den Bildern unten bin ich die voreingestellten Stufen mal durchgegangen.
ISO 2.000 ist noch recht dunkel und wirkt wenig spektakulär. Macht aber Sinn, wenn man bedenkt, dass man es in Raw aufnehmen und noch etwas aufhellen kann. Ansprechend finde ich sogar noch ISO 8.000 – hier wirkt das Motiv knackig und werft ruhig mal einen Blick auf das Wasser. Richtig lecker! Bis ISO 12.800 würde ich sogar noch mitgehen. Mal ehrlich, dieses Foto als 10×15-Druck im Fotoalbum? Juckt da jemanden das bisschen Rauschen? Ab ISO 25.600 fangen die Lichter an zu überstrahlen und bei 40.637 wird es dann richtig flau. Aber es ist schon erstaunlich, was bei max ISO noch alles aus dem Hintergrund auftaucht, oder?

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Noch ein Beispiel mit weniger Zwischenstufen. Auch hier: kein Stativ, Aufnahme aus der Hand und mit 1/100 Sekunde Verschlusszeit. Während Verwacklungen sowieso kein Thema sind, sieht das letzte Bild schon wie eine überbelichtete Aufnahme am Tag aus.

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Was man aus den Bildern noch herausholen kann, zeigt der nächste Vergleich. Beim ersten Foto sieht man, wie dunkel es wirklich war. Trotz ISO 2.000 kann man kaum was von der Hausecke sehen – kein Vordergrund, keine Häuserfront hinten und vom Himmel sowieso nichts. Das nächste Bild ist mit „moderaten“ ISO 102.400 aufgenommen. Hässlich aber für dokumentarische Zwecke top, denn alle Motivdetails sind drauf. Schickt man das Foto durch eine schnelle Korrektur in Lightroom wird es sogar recht ansehnlich und bekommt Atmosphäre zurück.

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Performance

hands-on_nikon-d4s_lowlight_001_onlineIch habe noch nie – wirklich noch nie – nachts einen Fahrradfahrer fotografiert und ihn ohne jede Bewegungsunschärfe abgelichtet. Auf die Idee wäre ich noch nichtmal gekommen. Mit der Nikon D4s kein Problem.
Wie ich bereits im ersten Bericht zur Kamera schrieb: sie will dieses Foto und sie wird alles dafür tun. Und meist sieht das Ergebnis gar nicht schlecht aus. Der Schnappschuss links zum Beispiel hat mich tief beeindruckt. Aufgenommen mit ISO 2.000 und 1/160 Sekunde Verschlusszeit, Blende f3,2. Die Kontraste brüllen einen nicht nur an, die Aufnahme ist auch noch glasklar. In der verkleinerten 2.000-Pixel-Version kann von Bildrauschen kaum die Rede sein, stattdessen zeigt sie einen verlockend plastischen und atmosphärischen Eindruck.

Fazit

Klar, die maximalen ISO 409.600 kann man belächeln und sich fragen, wozu man das brauchen sollte. Die Antwort habe ich oben versucht zu liefern. Aber selbst bei ISO 2.000 kann man mit der D4s super schicke Aufnahmen im Dunkeln machen, die noch mit Tiefe und Atmosphäre punkten können.
Nikon hat da einen richtig guten Algorithmus zur Rauschfilterung in den Kameras und es hat echt Spaß gemacht, nachts mal mit der D4s umher zu streifen.

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Mehr! Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen. Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden. Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.

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8 Gedanken zu “Hands on: Nikon D4s – lowlight

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