Hands on: Nikon D3300

So, was? Schon wieder eine Nikon-Kamera im Hands on-Bericht? Ja schon, denn mit der neuen D3300 war ich bereits im Februar unterwegs und sie wollte noch verbloggt werden. Schauen wir doch mal, was Nikon für Einsteiger in die DSLR-Fotografie so bereithält.

Nikon hat mittlerweile ein festes Konzept für das untere DSLR-Segment und Einsteiger in die Spiegelreflexfotografie etabliert. Das ganze findet sich in der neuen D3300 vereint, welche die erste Berührung von Fotografen darstellen soll, die ihre Kompakte weglegen und eine Systemkamera wollen. Ein Jahr später sollen die dann mehr wollen und zu den Kameras der 5000er-Reihe greifen, bis sie irgendwann bei den APS-C-Flaggschiffen der 7000er-Serie landen. Aber ich schweife ab.

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Eindruck

Leute, die eine schwere DSLR haben oder es gewohnt sind, mit Vollformat-Kameras zu arbeiten, werden anfangs erschrecken, wie leicht die D3300 ist. Das Gehäuse allein wiegt rund 400 Gramm, ist extrem kompakt und handschmeichlerisch rund an den wichtigsten Stellen. Das mögen nicht nur viele Männer, auch zierliche Hände werden sich daran freuen. Nicht zuletzt Touristen, die das Ding widerlicherweise um den Hals tragen, finden das toll.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Objektiv, das im Kit mitgeliefert wird. Das AF-S DX NIKKOR 18–55 mm 1:3,5–5,6G VR II ist nämlich ebenfalls eine Ultra-Kompakte Kunststoffkonstruktion. Die kann man im ersten Moment gar nicht zum Zoomen nutzen, denn man muss einen runden Knopf am Rand drücken. Danach fährt sie auf normale Größe aus und kann zum Zoomen genutzt werden. Hm, interessante Lösung, um die Abmessungen möglichst gering zu halten. Aber ehrlich? Nee. Das hält mich nur auf sowas.

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Eigenschaften

Zurück zum etablierten Einsteigerkonzept. Nikon lötet in die Kameras der 3000er-Serie nunmehr einen DX-Sensor (also etwa APS-C) mit rund 24 Megapixel Auflösung. Finde ich schonmal eine ganz ordentliche Ansage. Und nennt mich meinetwegen altmodisch, aber ich bin der Meinung, dass 16 oder 18 MP im Einsteigersegment reichen würden. Hört endlich auf, den Leuten einzureden, dass mehr Pixel auf den winzigen Sensor gehören, weil das dann SLR-Feeling ausmacht. Bitte.

Den Tiefpassfilter hat Nikon ja schon vor einiger Zeit über Bord geworfen und so hat auch die D3300 keinen. Heißt: maximale Auflösung bzw. Schärfe ist rein theoretisch möglich und höhere Gefahr zu Moiré-Effekten besteht. Die Praxis gibt Nikon im generellen recht: trotz fehlendem Filter ist es echt schwierig, hässliche Moirés zu produzieren. Der kleine Sensor jedoch mit einer so hohen Auflösung wird das öfter sehen lassen. Und was die Schärfe angeht…Mit der Kit-Linse wird die ein Besitzer ohnehin nicht erreichen und es wird ihm auch schnurzegal sein, denn Einsteigerfotografen geht das am knackigen Hintern vorbei, solange die Fotos hübsch aussehen.

Und das tun sie eigentlich auch. Aus der Sicht eines Profis wird etwas interessantes deutlich. Die Nikon D3300 legt bei ihrer Bildverarbeitungsengine das Verhalten von einer Kompakten an den Tag. Sehr kontastreiche, knackige Bilder, die per Software nachgeschärft und oft (einen Hauch) übersättigt werden. Die Fotos sind meist ganz leicht überbelichtet und leider leider lässt der Sensor ein wenig Dynamik vermissen. Aber gut, das ist nachvollziehbar, denn auch hier liegt die Limitierung des Formats in Verbindung mit der hohen Auflösung zugrunde.

nikon-d3300-guideZwei wichtige Punkte noch, der kürzere zuerst: Nikon ist immer noch scheu und weigert sich, ein WLAN-Modul in die Kamera zu kloppen. Hier müssen sie langsam aber sicher nachlegen, denn bei den CSCs avanciert das praktisch schon zum Standard. Immerhin gibt es einen externen Adapter, der ohne viel Aufhebens für die Funkübertragung dienen soll.
Der andere wichtige Punkt für Anfänger ist der bewährte Guide-Modus, den Nikon in seinen Einsteigergeräten verbrät. Man startet die Kamera in diesem Modus, gibt ein, ob man Einsteiger oder Fortgeschrittener ist und die Kamera macht den Rest, während sie Beispiele und Hinweise anzeigt. Ach ja, ich glaube, auslösen muss man noch selbst.

Wer von diesem Guide-Modus noch nie etwas gehört hat kann sich dieses Video mal anschauen, da wird er unter anderem gezeigt. Ich will jetzt nicht unbedingt zu jeder Kamera ein Produktvideo in den Artikel packen, aber hier mache ich es nochmal, weil mir das Lied gefällt. :)

nikon-d3300-backTeilweise ist das aber ganz nett. Gerade für unerfahrene ist es praktisch, wenn sie sehen, wie der Hintergrund verschwimmt und man ein schönes Porträt machen kann, die Kamera dann die Blende entsprechend einstellt und der Fotograf das bekommt, was er haben wollte. Ob er dabei auch wirklich lernt, dass eine große Offenblende diesen Effekt hervorruft und die Kamera gleichzeitig viel mehr Licht einsammelt, sei dahin gestellt.
Nett ist auch die Darstellung der Einstellungen. Es gibt ja bei jeder DSLR diesen Info-Bildschirm, den man während der Aufnahme einschalten kann. Tut man das etwa bei einer Nikon D800 dann ersäuft man in Diagrammen, Informationen und dergleichen. Die D3300 hat überarbeitete Anzeigen und stellt die Messwerte in animierten 3D-Bildchen in Echtzeit dar. Und sie schreibt dazu, wenn das Motiv zu dunkel oder zu hell sein sollte. Süß von ihr.

Performance

Tadellos, das muss man schon sagen. Nikon hat inzwischen sehr gute Algorithmen gegen das Rauschverhalten und so kann man die D3300 im Notfall auch mal auf ISO 12.800 hochjagen. Ist erweiterbar auf eine Entsprechung zu ISO 25.600, aber … naja. Den Expeed 4-Prozessor hämmert Nikon derzeit in jede neue Kamera, denn er ist flott und die Daten der D3300 sind keine Herausforderung für ihn. Im Serienbildmodus schafft sie moderate 5 Bilder pro Sekunde (laut technischen Angaben aber wohl nur, wenn sie nix selbst einstellen muss und alles wichtige manuell geschieht). Die kürzeste Verschlusszeit liegt bei 1/4.000 Sekunde, das ist sehr okay.

Die oben angesprochene Bildverarbeitung, die an die Verhaltensweisen von Kompakten erinnert, sorgt zum einen für einen recht „digitalen“ Look. Die fotografische Atmosphäre muss man der Kamera erst mit einiger Übung entlocken. Das hat aber auch den Vorteil, dass praktisch jedes Foto irgendwie gelingt. Und das wollen Einsteiger ja.

Aufgefallen ist mir nur, dass ich irgendwann angefangen habe, die meisten Fotos schief aufzunehmen. Ich bin nicht sicher, woran das gelegen hat. Vielleicht daran, dass die Kamera einfach sehr leicht ist und man sie schneller verreißt. Vielleicht auch daran, dass ich gleichzeitig mit der D3300 auch eine dicke EOS 5D Mark II dabei hatte und daran das monströse Tamron 150-600. Da lahmt der Arm irgendwann einfach und hängt wie totes Fleisch an der Körperseite.

Fazit

Da gibt es nicht viel zusammen zu fassen. Gelungenes Konzept für Einsteiger. Zugunsten der Abmessungen hat Nikon vermutlich auf den schwenkbaren LCD verzichtet, das ist ein bisschen schade. Zugunsten der Zubehörkosten hat man vermutlich auch auf das WLAN-Modul verzichtet, das ist auch etwas schade.
Aber Einsteigern dürfte die Kamera sehr entgegen kommen und Spaß bringen. Denn die Bedienung ist unkompliziert und flotter als etwa Kompakte oder Bridge-Kameras.

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Mehr! Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen. Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden. Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.

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6 Gedanken zu “Hands on: Nikon D3300

  1. Moin Mario,
    Ich hoffe, ich darf jetzt mal etwas ganz Dummes fragen… was bringt mir ein W-lan Modul in solch einer Kamera? Zugegeben, im Fußballstadion sehe ich die Sportfotografen mit div. Laptops werkeln, aber bei deren Kameramodellen arbeitet oft auch eine Eye-Fi Karte. Gut, die Kameras besitzen i.d.R. auch 2 Kartenschächte ;-) Wlan kostet doch bestimmt auch Akkuleistung. Du mußt jetzt nicht direkt auf meine Frage antworten, kannst auch gerne einen Artikel über dieses Thema schreiben. ;-)
    LG kiki

    1. „Du mußt jetzt nicht direkt auf meine Frage antworten, kannst auch gerne einen Artikel über dieses Thema schreiben. ;-)“
      *grins* clever.

      Aber warum nicht, vielleicht mache ich das sogar mal. An dieser Stelle nur soviel: Ich erwähne es weniger wegen der Nützlichkeit, eher wegen der Konkurrenzfähigkeit. Die anderen Hersteller bauen es alle in ihre CSCs ein und sowohl Sony NEX-Kameras als auch sämtliche Panasonics kann man wunderbar per Smartphone fernsteuern. Das kann sogar echt nützlich sein, wenn man die Kamera so weit oben auf dem Stativ hat, dass der Zeigefinger nicht mehr an den Auslöser kommt.

      Gruß, ml

  2. Immer wieder schön, Deine Testberichte zu lesen. Diese Kam interessiert mich nicht die Bohne, da ich ja schon mit den Produkten für „Fortgeschrittene und Möchtegerns“ ausgestattet bin. Warum lese ich das dann? Weil es von Dir kommt und wirklich informativ und gut geschrieben ist. Kompliment an Dich, Du machst das wirklich gut!
    Das W-LAN-Modul vermisse ich dringend, wäre schon klasse, wenn man sich als Naturfotograf nicht mehr in irgendwelche blöden Tarnzelte verkriechen müsste sondern nur die Kamera an einem passenden Platz aufstellt und leicht tarnt und dann aus dem Hintergrund mal schnell die Kamera fernsteuern kann. Hat zwar was von einem „Drohnenfernsteuerungspiloten“ und scharf „schiesst“ man hoffentlich dann auch damit, aber wenigstens ohne Projektile.
    LG Stefan

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