Hands on: Fujifilm X-T1

Fujifilm begann die Baureihe seiner X-Kameras mit einem Paukenschlag: der X-Pro1. Seitdem wünschen sich viele Foto-Begeisterte die X-Pro2. Wann die kommt, ist ungewiss, aber sie wirft bereits ihre Schatten voraus.

Über Kameras und Objektive von Fujifilm lasse ich mich hier im Blog immer wieder mal aus. Liegt einfach daran, dass das Unternehmen kontinuierlich Neues nachschiebt. Das ist auch nicht grundsätzlich verkehrt, inzwischen gibt es aber schon das eine oder andere Modell, das mit nur wenigen Änderungen den jeweiligen Vorgänger ersetzt.
Das aktuelle Flaggschiff, die X-T1, nimmt sich davon auch nicht grundsätzlich aus. Es beschreitet aber wohl dennoch einen neuen Weg, wie sein Name vermuten lässt (andere Modelle hören auf die klangvollen Namensschöpfungen X-E, X-M oder auch X-A.

hands-on_fuji-xt1_teaser

Eindruck

Und warum jetzt X-T1? Was soll uns das T sagen und den Fotografen bescheren? Technische Finesse? Total toll? Temperaturneutral? Das ist gar nicht mal soo weit hergeholt, denn eines der Hauptfeatures der Kamera ist ein wetterfestes Gehäuse.

Man orientiert sich da möglicherweise ein wenig an Pentax, die es sich als Pflicht auferlegt haben, widerstandsfähige Kameras in Matsch, Pfützen, Schneewehen oder Sanddünen zu vergraben. Auch die neue Fujifilm setzt auf ein Magnesiumgehäuse, das mit 80 Dichtungen ausgestattet ist. Nahe Porträts eines aufgeregt schwatzenden Politikers sollten also kein Problem sein. Und auch Panoramaaufnahmen in der Kühltruhe sind machbar, denn Temperaturen bis minus zehn Grad jucken die Kamera ebensowenig.

hands-on_fuji-xt1_backAnsonsten fühlt sich die Kamera – wie fast alle Fuji X-Modelle – richtig an. Will sagen, es macht Spaß, sie zu bedienen – sie sind kompakt, haben viele Kinkerlitzchen angebaut, sind korrekt dimensioniert und viel Spaß macht mir immer wieder die Möglichkeit, den Blendenring des Objektivs einzusetzen. Zusammen mit den Rädern für Verschlusszeit und ISO oben drauf ergibt sich einfach ein herrliches ich-machs-manuell-Gefühl.
Wenn die Einstellräder mal nicht übertrieben sind, denn immerhin gibt es ganze fünf Stück auf der Oberseite. Und das „korrekt dimensioniert“ muss ich ein wenig relativieren: die Drehräder vorne und hinten (die vor allem DSLR-Fotografen kennen) sind ein kleeeiiiines bisschen zu fitzelig. Die eleganten Chirurgenhände einer Japanerin haben damit vermutlich kein Problem, doch große Menschen mit großen Händen könnten sich ab und zu fragen, ob sie die Räder lieber mit den Fingernägel bedienen sollten.

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Eigenschaften

Ohne Umschweife zum zweiten großen Highlight der X-T1: dem Sucher. Schon ein geiles Teil. Fujifilm ist bestrebt, die elektronischen Sucher nach vorn zu bringen und entsprechend besitzt auch die X-T1 einen solchen, obwohl sie einen schwer zu übersehenden Pentaprismenbuckel hat. Aber was Fujifilm da reingelötet hat, kann sich sehen lassen. Der OLED-Sucher bringt naturgemäß knackige Farben und ist richtig großzügig dimensioniert. Da kommt das Feeling eines optischen Vollformatsuchers auf – man muss schon mit den Pupillen rollen, um die Ränder des Minimonitors abzufahren. Außerdem ist das Ding mit leckeren 2,36 Millionen Bildpunkten aufgelösten, was derzeit Top-Standard ist und richtig gut aussieht. Auffällig ist dabei auch, dass das digitale Bild auch in dunklen Umgebungen fast nicht in die Knie geht und zu ruckeln anfängt.

Annehmlichkeiten bietet das Ding halt auch: so zum Beispiel Fokus Peaking. Dabei werden kontrastreiche Kanten farbig hervorgehoben. Hilft ungemein beim manuellen Scharfstellen: kannst du die Kanten im Motiv aufleuchten sehen, wird es dort knackscharf. Ergänzt wird der Sucher durch den schwenkbaren LCD. Der löst zwar „nur“ mit 1,04 Millionen Bildpunkten auf, aber hey, wer braucht das Ding schon?

Noch ein Leckerli bietet der Hybrid-Autofokus. Wie bei Autos, die gleichzeitig Strom und Sprit saufen, verbindet der Autofokus der X-T1 zwei verschiedene Techniken. Den Kontrast- und den Phasen-Autofokus. Kontrast-Autofokus kennen die Fotografen aus den allermeisten Fotokameras: die Kontraste im Bild werden auf dem Sensor gemessen und die Kamera „pumpt“ sich an die Schärfe heran, bis sie (und die Kontraste) am größten sind. Der Phasen-Autofokus ist etwas schmerzloser, misst die Differenz von irgendwasblabla (will das jetzt hier nicht ausführen) und ruckt sofort mal in die Schärfeebene. Videokameras machen das so und erlauben extrem schnelles Scharfstellen, dass erst am Ende feinjustiert wird. Die X-T1 nutzt also beides und entscheidet je nach Situation, was angemessen ist.

Performance

Die X-T1 soll unheimlich schnell sein. Trockene Zahlen versprechen eine Einschaltzeit von einer halben Sekunde, eine Auslöseverzögerung von 0,05 Sekunden und Aufnahmeintervalle von 0,5 Sekunden. Ob das stimmt? Tja, ich kanns nicht sagen. Also ich könnte schon, aber das spielt keine so große Rolle. Ich meine, schaut euch die Zahlen an und sagt mir, ob ihr davon profitieren würdet. Das ist einfach verdammt schnell und ja, vielleicht auch 0,736 Sekunden schneller als bei der Konkurrenz, aber es gibt für den Normalfotografen kaum eine Situation, wo er darauf angewiesen ist. Grundsätzlich ist die Entwicklung für Profifotografen interessant, aber die werden für Sportaufnahmen noch immer eine DSLR vorziehen, die mit Verschlusszeiten um die 8.000stel Sekunde umgehen und 6 Bilder pro Sekunde in voller Auflösung auf die Speicherkarte rotzen kann.

Immerhin klotzt bei Serienaufnahmen auch die X-T1. Sie gibt mit 8 Bildern pro Sekunde an. Zwar nur bei JPG-Output, aber immerhin hält sie die Geschwindigkeit für 47 Aufnahmen durch. Dafür braucht sie allerdings auch die richtige Speicherkarte. Die neue Fujifilm ist in dieser Hinsicht übrigens die erste Kamera, die SD-Karten des neuen UHS-II-Standards schlucken kann.

Ansonsten ist die X-T1 eine elegante, etwas verspielte Halb-Professionelle. Sie gräbt Profikameras noch nicht das Wasser ab, überzeugt aber mit handschmeichlerischen Annehmlichkeiten. So zum Beispiel mit sechs frei belegbaren Funktionstasten und programmierbaren Kamerafunktionen, damit man bei Auswahl gleich ein ganzes Set an Einstellungen festlegen kann.

Bildqualitativistisch kann die X-T1 wie gewohnt überzeugen. Der X-Trans CMOS II-Sensor mit 16 Megapixel erweist sich immer noch als eine fortschrittliche und überzeugende Fujifilm-Entwicklung. Sehr rauscharm, extrem hoher Dynamikumfang, Tiefpassfilter überflüssig. Die Bilder wirken meist etwas entsättigt und kühl, wahrscheinlich die ästhetische Präferenz in der japanischen Kameraschmiede.

Fazit

Achso, ganz vergessen: WLAN hat die X-T1 auch spendiert bekommen. Auch da hat Fujifilm den Hammer geschwungen und dem Gerät endlich eine brauchbare App zusammen geschustert. Reine Datenübertragung adé, nun ist auch eine schöne Fernsteuerung möglich.

Alles in allem bietet die X-T1 ein überzeugendes Konzept. Wie immer verführt sie mit einer Mischung aus Retro und Eleganz, gibt sich teilweise japanisch verspielt, legt aber auch viel Wert auf manuelle Steuerung. Für die CSC-Profikrone mag es noch nicht ganz reichen, aber sie macht mit sinnvollen Bedienkonzepten große Schritte dorthin.

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Mehr! Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen. Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden. Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.

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8 Gedanken zu “Hands on: Fujifilm X-T1

    1. *lach*

      Das ist auch keine Werbung – ich nutze selbst die Konkurrenz und bleibe definitiv dort. Aber ich blicke beruflich über den Tellerrand und schildere gern meine Eindrücke Leuten, die sich vielleicht eingerichtet haben, aber trotzdem neugierig bleiben.

      Gruß, ml

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