Hands on: Sony Alpha 99 & 70-200mm F2.8 G SSM II

Es ist zwar nicht gerade frische Ausrüstung, mit der ich unterwegs war. Aber Sonys Vollformat-Gespann ist zumindest interessant genug, um es mal vorgestellt zu haben.

Innerhalb von Sonys Spiegelreflexkameras ist „Vollformat“ kein neues Thema, aber dennoch eines, dem bisher sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Gründe mögen unterschiedlich sein, Sympathisanten sind vermutlich der Meinung, dass sich der Hersteller Zeit nehmen wollte, um etwas wirklich Neues zu bieten. Das ist teilweise auch gelungen.

hands-on_sony70-200_013_online

Eindruck

sony-alpha-99Die A99 ist Sonys Flaggschiff und fühlt sich auch so an. Das Teil ist ungemein wuchtig und mit rund 700 Gramm auch nicht gerade ein Leichtgewicht. Aber es bringt alle Features einer erwachsenen Profikamera mit und sogar noch ein paar Extras.

Es sei angemerkt: Canon- oder Nikon-Fotografen, die hin und wieder mal ein Gerät des anderen Herstellers in der Hand haben, müssen sich zwar etwas umgewöhnen, kommen nach kurzer Zeit aber gut klar. Bei Sony dauert das einen Hauch länger. Sony-Kameras sind deutlich multimedialer aufgestellt und bieten oftmals noch mehr Spielereien und Kleinigkeiten, durch die man sich erstmal durchwurschteln muss.

sony-70-200mm

Zum Alpha-Objektiv 70-200 mm F2,8 G SSM II bleibt nur zu sagen, dass es sich um eine tadellose Optik handelt, die problemlos mit den Konkurrenten mithalten kann und auch hier leicht abweicht. Zum einen fällt auf, dass der Fuß der Stativschelle zwei Bohrungen besitzt: eine 1/4-Zoll-Bohrung für alle möglichen Stative und eine weitere 1/8-Zoll-Bohrung. Diese ist vor allem bei Video-Stativen und Rigs verbreitet. Insgesamt fühlt es sich sehr gut an und ist mit knapp 1,3 Kilogramm einen Hauch leichter als die übrigen Vertreter der Objektivklasse.

Eigenschaften

Gleich zu Beginn dieses Artikels habe ich schon gelogen! Die Alpha 99 ist gar keine SLR-Kamera (Single Lens Reflex), sondern eine SLT-Kamera (Single Lens Translucent). Wer sich nicht in Sonys Portfolio auskennt: Während bei SLRs der Spiegel hochklappt, um ein Foto zu machen, bleibt er bei der SLT unten. Dafür ist er jedoch teildurchlässig. Über den Daumen gepeilt, dringen 70 Prozent des einfallenden Lichts durch den Spiegel auf den Sensor (24 Megapixel Vollformat). Das restliche Licht wird auf den Phasen-Autofokus reflektiert.

Dieses System ist vom Prinzip her den klassischen SLRs überlegen. Denn sowohl Sensor als auch Autofokus bekommen so permanent Bildinformationen. Die Kamera kann sehr viel schneller reagieren und auch schnellere Bildfolgen abfeuern (max. 10 Bilder pro Sekunde) weil das Klappen des Spiegels nicht abgewartet werden muss.

Die Nachteile: Es dringen keine 100 Prozent des Lichts auf den Sensor und es gibt keinen optischen Sucher. In der Praxis wirkt sich der Lichtverlust allerdings praktisch unspürbar aus. Die Sache mit dem Sucher ist gewöhnungsbedürftiger. Ich mag optische Sucher einfach, muss der Alpha aber zugestehen, dass der elektronische wirklich sehr gut ist und den Vorteil hat, dass zahlreiche Informationen (Horizontausrichtung, Belichtungsänderungen in Echtzeit, Fokus-Peaking, pipapo) eingeblendet werden können. Dennoch: Für Puristen ist das (noch) nichts. Es kann vorkommen, dass der Minimonitor flimmert oder das Bild eben einen Hauch anders darstellt, als es eigentlich ist. Etwas störend ist auch, dass die Bildvorschau (die Anzeige des Bilds nachdem es aufgenommen wurde) standardmäßig auch im Sucher stattfindet. So sieht man sekundenlang nicht, was beim Motiv gerade geschieht und das hat mich tierisch genervt, da ich normalerweise sehr selten auf den Kamera-LCD schaue.

hands-on_sony70-200_010_online

Ansonsten hat die Kamera viele Annehmlichkeiten, die das Arbeiten bequem machen. so zum Beispiel den klappbaren Monitor. Toll auch, dass Sony sich von dem bisher eigenen Blitzschuh-Standard gelöst hat und einen Standardblitzschuh eingebaut hat. So braucht man zum Ansteuern einer Blitzanlage keinen Adapter mehr. Auch das Mikrofon an der Oberseite ist großzügig dimensioniert und liefert etwas bessere Aufnahmen als die übliche Stecknadellösung (wenngleich sie natürlich kein externes Mikro ersetzen kann).

Performance

Das SLT-System der Kamera hat deutliche Vorteile in Sachen Filmerei. Beim Aufzeichnen von Videos kann man auch durch den Sucher schauen, da der Spiegel nicht hochklappen muss. Und das Phasen-Detektionssystem ist noch eine Ecke schneller als der typische Kontrast-Autofokus von SLR-Geräten. Das Nachführen der Bildschärfe gerät also deutlich flotter und ist praktisch auf Camcorder-Niveau.

All die elektronischen Spielereien – allem voran der Sucher – saugen unheimlich Strom. Der Akku der Alpha 99 ist sehr robust, aber die Energiereserven schwinden auf längeren Fototouren doch sehr dahin (nett ist allerdings, dass man die Kapazität als Prozentzahl angezeigt bekommt.)

Zusammen mit dem 70-200er-Objektiv ergibt sich eine echte Profi-Kombination. Das bezieht sich vor allem auf das Aussehen. Das weiße Gehäuse der Linsenkonstruktion wirkt schon sehr auffällig und hintendran klebt eine fette Kamera. Angenehm ist jedoch, dass sich diese Kombination größtenteils auch professionell verhält. Das Scharfstellen erfolgt erwartungsgemäß sehr rasant. Ist der Fokus mal völlig verstellt und muss neu festgelegt werden, dann tasten sich die Sonys flott aber nicht sagenhaft schnell heran. Etwas schade ist, dass die Fokusfelder der Kamera so nah beisammen liegen. Gerade am Vollformat ergeben sich damit zu viele Bildbereiche, die nicht vom AF berücksichtigt werden.

Aberrationen oder Randabschattungen sind praktisch kaum ein Problem. Eigentlich machen die Bilder sogar einen sehr guten Eindruck. Davon könnt ihr euch selbst überzeugen – alle Bilder hier im Artikel sind nicht korrigiert und können im Original hier angesehen werden.

Fazit

Manchmal sind die Grenzen zwischen Kameras für Profis und solchen für ambitionierte Anwender etwas fließend. Die Sony Alpha 99 grenzt sich deutlicher ab und definiert sich klar über die Ansprüche professioneller Bildarbeiter. Sie ist so groß und schwer wie ein Gerät, das man zum Arbeiten mitnimmt und nicht für Schnappschüsse. Und sie bietet Video-Funktionen, die über den Bedarf eines Hobbyfilmers hinaus gehen.

Dafür verlangt die Kamera allerdings auch Kompromisse. Das SLT-System ist sehr fortschrittlich aber eben nicht über wirklich alle Zweifel erhaben. Traditionelle und puristische Fotografen werden es weiterhin schwer haben, sich damit anzufreunden.

Sony-Fotografen, die ihr System bei den Japanern gefunden haben, dürften viel Spaß mit der Kamera haben. Dasselbe gilt für das 70-200mm F2.8 G SSM II. Ich mag diese Brennweite: Am Vollformat passt sie für sehr viele Situationen und die hohe Offenblende sorgt für richtig schönes SLR-Feeling. Das ganze Ding könnte man vermutlich auch ein wenig kompakter gestalten, denn sowohl Body als auch die Streulichtblende pumpen das Gerät auf Unterschenkelgröße auf. Doch hey, damit sieht man letztlich auch wirklich nach Fotograf aus. :)

hands-on_sony70-200_012_online

Mehr! Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen. Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden. Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.

Advertisements

6 Gedanken zu “Hands on: Sony Alpha 99 & 70-200mm F2.8 G SSM II

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s