Hands on: Nikon Df

Schon wieder eine Kamera im derzeit trendigen Retro-Stil? Gähn? Vielleicht aber auch nicht…

Mit dem Zeiss Otus 1.4/55 konnte ich kürzlich Hand an eines der am heißesten begehrten Ausrüstungsteile in Sachen Fotografie der letzten Monate legen. Das andere Teil, das ähnlich viel Reden von sich gemacht hatte, ist die Nikon Df.

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Über mehrere Wochen hinweg war nichts über die Kamera bekannt, lediglich eine Video-Kampagne gab es, die kunstvoll verhüllte, was da kommen sollte. Schließlich war klar: Nikon wollte nicht nur eine Kamera im Retro-Design heraus bringen, das derzeit so angesagt ist. Nikon wollte wirklich eine echte Retro-Kamera heraus bringen, die sich an puristische Fotografen richtet. Was das bedeutet und ob das nur Marketing-Gewische ist, erfahrt ihr hier.

Eindruck

Zuerst einmal: obwohl ich selbst eine Kamera in feinstem, modernen SLR-Design besitze, erliege ich total dem Retro-Trend. Ich gebe es zu, ich stehe auf den Imitationsstil analoger Kameras und entsprechend finde ich auch die Nikon Df hinreißend. Gerade das zweifarbige Modell ist eine Augenweide, wenn ihm in meinen Augen auch die leichte Eleganz fehlt, die etwa Fujifilm in die X-Modelle packt.

nikon-df_topDurchaus irritierend dürfte manchen vielleicht die herausfordernd wuchernden Einstellräder auf der Oberseite auffallen. Das scheint es zu sein, was Nikon unter Retro versteht. Da gibt es nicht nur zwei Ringe, nein, es gibt gleich zigvielmengen davon. Alles wurde irgendwie drehbar gemacht und einige Einstellringe sind sogar doppelt geschichtet. Die Rückseite wirkt dagegen erleichternd übersichtlich. Etwas unangenehm ist mir nur der Griffwulst aufgefallen. Die Df ist nicht gerade ein Leichtgewicht (765g) und der Griff zu dünn, so dass das Tragen über längere Zeit in die Finger geht.

Eigenschaften

Das Slogan der Nikon Df ist „pure photography“. Aber was heißt das eigentlich? Für Nikon bedeutet es die Konzentration auf das Wesentliche: das Fotografieren. Das soll sie aber in Perfektion beherrschen.

Das heißt unter anderem – und ich nehme es direkt mal früh vorweg – alles, was mit dem Filmen zu tun hat, kann sie nicht. Sämtliche Videofunktionen wurden weggelassen. Punkt. Bei der Df zählt einzig das Fotografieren und dazu hat sie die Hardware bekommen, die am weitesten entwickelt ist. Große Teile ihres Innenlebens stammen nämlich aus dem Flaggschiff des Unternehmens, der Nikon D4.

Das bedeutet, dass die Df eine Vollformatkamera ist, deren Sensor mit moderaten 16,2 Megapixel bestückt ist. Ähnlich wie bei der D800 kann der Sensor auch DX (APS-C-Format). Setzt man also ein Objektiv an, das nicht für das Vollformat gerechnet ist, dann schaltet die Kamera automatisch um und passt den Bildkreis an. Ich werde jetzt nicht alle Features auflisten und damit eure Lebenszeit verschwenden. Festzustellen bleibt aber, dass sich die Kamera beim Fotografieren ziemlich gut anfühlt (bis auf den Griff). Alles, was der Fotograf braucht, ist da und das manuelle Einstellen von Verschlusszeiten, Belichtungsanpassungen oder ISO-Werten macht mir einfach Freude. Übrigens hat man trotz der Einstellringe und des vielen Retro nicht das Display an der Oberseite vergessen. Ist zwar sehr klein und rudimentär, aber ich brauch sowas.

Performance

Lasst mich euch noch mal etwas vor Augen führen: Die beste Kamera, die Nikon behauptet, bauen zu können, kostet rund 5.500 Euro und besitzt einen 16-Megapixel-Sensor. Ich brauche niemandem von euch zu erklären, dass es weit günstigere Kameras mit höherer Auflösung gibt. Ich tue es aber trotzdem, denn damit will ich euch auf etwas aufmerksam machen. Der Verzicht auf extrem hochauflösende Sensoren kommt der Bildqualität eher zugute, denn die einzelnen Pixel haben mehr Platz auf dem Sensor. Sie sind empfindlicher, sammeln mehr Licht und die ganze Einheit erreicht viel höhere Dynamikwerte.

Kleiner Tipp: Wer gar nicht so recht weiß, was für einen Unterschied ein Vollformat-Sensor gegenüber APS-C macht, schaut sich bitte mal diesen Schnappschuss an. (50mm, ISO 100, f1,8, 1/4.000 Sekunde)
Kleiner Tipp: Wer gar nicht so recht weiß, was für einen Unterschied ein Vollformat-Sensor gegenüber APS-C macht, schaut sich bitte mal diesen Schnappschuss in voller Auflösung an. (50mm, ISO 100, f1,8, 1/4.000 Sekunde)

Und darum hat man den Sensor auch in die Df eingepflanzt. Hinzu kommt ein Bildprozessor, der ein richtiges Arbeitstier ist und ein robuster Verschluss, der laut Hersteller auf 150.000 Auslösungen getestet ist. Die ganzen technischen Daten könnt ihr ja nachschlagen – bei mir erfahrt ihr hauptsächlich, wie sich das anfühlt.
Und ich kann sagen, es fühlt sich ziemlich gut an… ;)
Das Teil ist einfach sauschnell. Wie die hochgezüchtete D4 fokussiert die Nikon enorm präzise und flott. Unterwegs habe ich ein Motiv gesehen, die Kamera hochgerissen, ausgelöst und das Motiv durch eine Scheibe mit Reflexionen hindurch ohne Verwacklung scharf gehabt. Mit 1/4.000 Sekunde minimaler Verschlusszeit ist sie zwar „nur halb so langsam“ wie meine eigene Kamera, aber dafür jagt sie bis zu fünf Bilder in voller Auflösung im Serienmodus durch den Prozessor. Der Verschluss klingt dabei, als würde er ein saftiges Blatt Papier wie ein Sushi-Meister filettieren.

Wer teurere Nikon-SLRs kennt, weiß, was das Unternehmen in Sachen Rauschverhalten drauf hat. Ihr könnt euch selbst davon überzeugen. Alle Bilder in diesem Artikel, die museumsmäßige Innenräume zeigen, sind mit ISO 800 entstanden. Wäre mir früher im Traum nicht eingefallen, aber schaut sie euch selbst an. Bildrauschen? Lächerlich.
Die Dynamik habe ich eben schon angesprochen: Der Umfang ist riesig und führt dazu, dass man die Kamera schon arg austricksen muss, um über- oder unterbelichtete Fotos zu produzieren. Lässt man sie machen, dann liefert sie Bilder, aus denen man sowohl in dunklen als auch hellen Bereichen noch haufenweise Details herausholen kann.

Dazu sei aber auch gesagt, dass man unbedingt in Raw fotografieren sollte. Wer bei einer solchen Kamera in JPEG arbeitet, verschenkt unglaublich viel Potential.

Fazit

Die Nikon Df mag ein fotografisches Kleinod sein und eigentlich ist sie genau das, was sich viele Leute wünschen. State-of-the-Art-Performance ohne Schnickschnack und Fotografie ohne Video. Das Retro-Design (übrigens ist sogar der Schriftzug vorne auf dem Prismenbuckel retro) unterstreicht das zwar perfekt. Aus meiner Sicht wäre ein Aufspringen auf den Trend-Zug aber nicht zwingend nötig gewesen.

Mich persönlich kann das Gesamtpaket überzeugen: Ich kann an Reglern spielen (Jungs mögen das) und meiner manuellen Leidenschaft Ausdruck verleihen, zeichne die Ergebnisse aber mit hochmoderner und sehr potenter Technik auf. Als Arbeitstier erscheint sie mir dennoch etwas zu verspielt, eher wie ein süßes Vergnügen. Dieses Vergnügen kostet derzeit fast 3.000 Euro und mag damit etwas luxuriös angehaucht sein, aber ich bekomme Kameratechnik aus der D4, die fast das doppelte kostet.

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Mehr! Die Bilder oben in Originalauflösung kann man sich hier anschauen. Weitere voll aufgelöste Bilder zu meinen Hands On-Berichten sind hier zu finden. Mehr Hands on-Berichte selbst zu verschiedensten Kameras und Objektiven gibt es hier.

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6 Gedanken zu “Hands on: Nikon Df

  1. ICH- WILL- ES! :) An Rädchen drehen mag ich auch – selbst als Frau ;)
    Ich find die Kamera eigentlich recht interessant, man bekommt ziemlich moderne und gute Technik im Retro Design. Mir persönlich gefällt das Design sehr gut. Fehlende Videos könnten für den ein oder anderen ein k.o Kriterium sein, wäre mir persönlich aber egal. Ich muss sagen – okay, Technik der D4 ist schön und nett, aber ich denke für Profis ist die Optik und handhabung einfach nicht das wahre und somit der Preis einfach zuviel. Wenn Nikon damit versucht die analog fotografen auf die digital seite der macht zu ziehen, sollte der preis doch eigentlich eher ein hindernis sein. Und Hobbyfotografen wie ich, die vllt schon eine d800, d610 usw besitzen haben das Geld ja auch nicht unbedingt locker. Ich frag mich einfach – für wen ist die ernsthaft interessant? ( mögliche Preisstürze mal ausser acht gelassen )

    1. Die Nikon Df kauft jemand, der noch Platz im Handschuhfach seines Porsche hat. Jemand, der eine D4 zu klobig findet. Auf jeden Fall jemand, der sein Geld nicht mit ihr verdienen muss. Und es gibt bestimmt ein paar analoge Fotografen-Dinosaurier, die das Bedienkonzept der Df ansprechen dürfte. Ich kann mir schon vorstellen, dass Modefotografen die einsetzen würden, aber ein Konfliktfotograf, der seine Kamera mit einer Hand einstellen muss, wird sich auf modernes DSLR-Design verlassen.
      Letztlich ist die Df aber ein Prestige-Objekt für Nikon. Kein unspannendes, denn die Technik ist über alle Zweifel erhaben. Aber sie wird sicher nicht der Bestseller im Portfolio werden.

      Ich weiß nicht, Sarah – stell dir vor, du hättest keine D800, aber das Geld dafür. Würden dich der Charme und die dir ergebenen Drehrädchen inklusive des D4-Sensors nicht auch in Versuchen führen? ^^

      1. Besser als du könnt ichs nicht auf den Punkt bringen. Einziger Punkt der mich ganz gewaltig stört ist “ Auf jeden Fall jemand, der sein Geld nicht mit ihr verdienen muss“. Ich finde das hört sich irgendwie abwertend an… Dabei hat auch die df durchaus Potential dazu, immerhin wurde schon mit eher schlechten Kameras genügend Kohle gescheffelt. Ich denk da immer ganz gern, naja eig eher ungern, an die Canon 1000D, irgendwer wird selbst mit der Geld verdient haben :P

        Was verstehen wir unter geld dafür haben? Reich sein oder nur eben das benötigte Geld? Ich denke wär ich reich, wärs die df, einfach zum profilieren. Geld verändert schliesslich Menschen. Hätte ich nur genügend Geld, wärs vermutlich wieder die D800, die nunmal ein top Gerät ist und dazu noch günstiger. Dann ist immerhin noch ein Objektiv drin ;)

      2. „Einziger Punkt der mich ganz gewaltig stört ist ” Auf jeden Fall jemand, der sein Geld nicht mit ihr verdienen muss”. Ich finde das hört sich irgendwie abwertend an…“

        Oh, abwertend habe ich das nicht gemeint, die Df ist keinesfalls eine schlechte Kamera. Als ich zur Markteinführung die D4 ausprobiert habe, hat mich die Bildqualität schier weggeblasen und auch die Df ist in der Beziehung nahezu makellos. Ich bezog das eher auf das Bedienkonzept und den Vergleich zum Statussymbol. Sie hat kein so widerstandsfähiges Gehäuse wie etwa die D800 oder die Flaggschiffe von Nikon und Canon. Man kann sie nicht so weit programmieren, um per Knopfdruck die Kamera der Situation anzupassen. Für den Preis ist es ein wenig schade, dass sie kein Video kann und für die professionelle Sportfotografie ist sie zu langsam. Solche Punkte meinte ich in Bezug auf „Geld verdienen“.

        Gruß, ml

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