Google+ Snapseed

Kontroverse und völlig subjektive Frage: Kann es sein, dass Facebook immer schlechter wird? Zumindest im Vergleich zur Konkurrenz scheint es mir oft so…

Diese Woche habe ich mich ja gleich mehrfach über Facebook aufgeregt. Habe dort ein Fotoalbum erstellt und wollte es später noch bearbeiten…keine Chance. Ich konnte kein anderes Startbild für die Galerie auswählen und einzelne Titel ebensowenig vergeben. Und dann habe ich für die Firmen-Page eine zweite Veranstaltung erstellt. Überraschenderweise waren die Einstell-Buttons völlig anders platziert als bei der ersten. Zwei unterschiedliche Adminstrationsoberflächen zum gleichen Zeitpunkt für dieselbe Aufgabe…

Aber gut, ich wollte mich gar nicht über Facebook aufregen, sondern kurz etwas über eine Neuerung auf Google+ berichten. Wie wir ja wissen, hat Google vor einer Weile Nik Software gekauft. Eines der wichtigsten Produkte des Unternehmens war Snapseed – eine tatsächlich sehr gute Foto-App für Mobilgeräte.
Inzwischen hat Google auch etwas neues damit gemacht – nämlich die Funktionen als Web-App umgesetzt und es kurzerhand kostenlos als Verbesserungsfunktion in Google+ integriert. Ich habe das ganze mal für euch ausprobiert.

Als Testbild habe ich einen Schnappschuss aus meiner D800 gewählt. Absichtlich habe ich an dem Raw-Bild nichts geändert und nichts entwickelt (bekannterweise sehen unentwickelte Raws ja immer ein wenig flau aus):
waiting-on-the-right_001_onlineLädt man das Bild jetzt auf Google+ hoch und klickt es an, kommt man in die Einzelansicht mit einer Werkzeugleiste am oberen Bildschirmrand. Ein Klick auf das dortige „Bearbeiten“ öffnet die neue Oberfläche, die auf Techniken von Snapseed aufbaut.

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Für ganz eilige bietet sich oben rechts direkt ein „Automagic“-Button an. Also eine Art One-Click-Verbesserung. Aktiviert man das, sieht man folgendes:

googleplussnapseed_001Der Screenshot zeigt bereits die Verbesserungen, die Google+ für nötig hielt. Rechts daneben sieht man netterweise auch, was geändert wurde, da die Regler bereits verstellt sind und die Möglichkeit, das anzupassen, bekommt man auch noch.
Auffällig ist, dass die Engine recht zurückhaltend vorgeht, was mir gut gefällt. Im Wesentlichen wurde der Weißabgleich angepasst, die Sättigung leicht erhöht und die Struktur verstärkt. Also alles Anpassungen, die einen lebendigeren, knackigeren Bildeindruck vermitteln sollen. Nachvollziehbar.

googleplussnapseed_003Ähnliches leistet auch der Button „Feinabstimmung“ der ebenfalls von der Startseite des Bearbeiten-Modus erreichbar ist. Er bietet etwa die gleichen Regler und ein paar einfacher zu interpretierende Buttons oben rechts, die schnelle Gesamtanpassungen vornehmen.

Interessant wird es bei der selektiven Anpassung:
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Hier sieht man eine der wichtigsten Techniken, die Snapseed bietet: Bereiche zu definieren, auf die man Änderungen anwenden will. Ähnlich wie bei Lightroom setzt man einen Punkt ins Bild (oder beliebig viele) und definiert damit den Bearbeitungsbereich. Schön daran: der Kreis zeigt eine sehr weich auslaufende Kante, die Änderungen wirken hinterher also nicht zu hart ins Bild gestempelt.

googleplussnapseed_005Hat man den Bearbeitungspunkt ausgewählt, bekommt man drei kleine Punkte, die man festhalten und nach links oder rechts ziehen kann. Das sind Schalter für Helligkeit, Kontrast und Sättigung.
Das ist jetzt nicht wahnsinnig viel, die eigentliche Snapseed-App hat dieses Konzept konsequenter eingesetzt, da man über die gesamte Anwendung hinweg noch mehr Anpassungen so gezielt regeln konnte.

Ansonsten gibt es im Bereich der Grundlegenden Anpassungen noch das „Zuschneiden“ und „Details“. Bei letzterem lassen sich Schärfe und Struktur (in Lightroom „Klarheit“) regeln. Und natürlich gibt es auch Filter:

googleplussnapseed_006Hinter den meisten steckt das, was man erwartet. Ganz interessant ist „Fokuspunkt“:

googleplussnapseed_007Auf dem Screenshot habe ich die Regler mal übertrieben eingestellt, damit man sieht, was das bewirkt. Man setzt also einen Punkt dort, wo das Bild scharf aussehen soll und alles nach außen hin wird unscharf gemacht. Außerdem kann dieser Bereich (wie auch der Fokusbereich) aufgehellt oder abgedunkelt werden.
Für einen schnellen Look bei einem Porträt sicher ganz witzig. Sinnvoll kann ich es mir bei Landschaften vorstellen, die nach außen hin romantisch verschwommen wirken sollen. Auf jeden Fall ist es cool, dass alles in Echtzeit angezeigt und berechnet wird.

Der Filter „Drama“ erhöht im wesentlichen die Kontraste, spreizt Lichter und Tiefen und erhöht auf Wunsch die Sättigung.
Tilt-Shift-Effekte muss ich heutzutage sicher auch keinem mehr erklären. Nett ist, dass man die Definitionsbereiche frei drehen und spreizen kann oder sogar einen kreisrunden wählen darf:

googleplussnapseed_008„Vintage“ gibt euch ein Set an Split-Tone-Filtern an die Hand. Cool ist hier die Auswahl der Stile und über Regler können auch noch die Effektstärke, Vignettierung und andere Spielereien angepasst werden:

googleplussnapseed_009Noch etwas verspielter geht die Filtersammlung „Retrolux“ zu Werke. Hier werden Entwicklungsverfahren und schlicht Belichtungsfehler simuliert. Auch hier stehen verschiedene Stile zur Verfügung, obendrauf gibt es noch eine Variation der Lichteinfälle. Und schließlich dürfen deren Stärke, die Menge der Kratzer auf dem Bild, Kontraste, Helligkeit und mehr feingetuned werden.

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Fazit

Die Arbeitsweisen von Snapseed hat man erstaunlich gut in den Browser portiert. Mit drei Klicks kann ich aus einem nichtssagenden Foto ein poppiges, Augenkrebs-verursachendes Social-Network-Bildchen machen.
Die Filter bieten einfach mal umfangreichere und sinnvollere Möglichkeiten als das Einmalgetippe etwa bei Instagram und ach ja – die Effekte lassen sich auch stapeln und nacheinander anwenden. Insofern muss ich meine obige Aussage relativieren: Hat man ein Bild mit einem Filter verschandelt, kann man natürlich noch selektive Auswahlpunkte drauf packen und weiter dran rumschrauben. Auch geil: Google+ merkt sich immer das Original und will man später mal dahin zurück, kann man es einfach wiederherstellen.
Nicht zuletzt rechne ich es Google hoch an, dass die verwendeten Optimierungsalgorithmen recht zaghaft vorgehen und nicht aus jedem Bild gleich eine Sehnerv-Katastrophe machen.

Alles in allem eine geile Erweiterung, die ich mir auch in Face… ach, vergesst es. Oh und einen dicken fetten Wermutstropfen gibt es, denn Google ist immerhin ein Wirtschaftsunternehmen: Der ganze Spaß funktioniert nur im Browser Chrome…

Doppelfazit

Wenn man sich mal daran erinnert, dass dies eigentlich keine eigenständige App ist sondern die Verbesserungsfunktionen für Fotos innerhalb eines sozialen Netzwerks, dann fällt mir dabei wieder etwas ein, das ein Social Media Guru neulich mal gesagt hatte:
Google+ ist kein soziales Netzwerk.
Da hat er recht. Ich kann es als Netzwerk wie Facebook nutzen und meinen Freunden Statusberichte über meinen Stuhlgang aufs Auge drücken. Oder als Veranstaltungsplattform. Oder als Broadcasting-Plattform, um Videoshows und Tutorials live zu veranstalten. Oder ich nutze es als Fotoplattform und persönliches Portfolio…

Was ist mit euch? Wie nutzt ihr Google+?

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3 Gedanken zu “Google+ Snapseed

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