The Art of Krump [KW34/2013]

In dieser Woche eröffnet euch das Video der Woche erneut einen Blick in eine andere Welt. Und vielleicht die Ahnung einer Antwort auf eine selten gestellte Frage.

Ich habe mir die unten verlinkte Kurz-Doku angeschaut und empfand es als Antwort auf eine Frage, die ich mir zuletzt während meines Studiums gestellt habe: Wie entstehen Sub-Kulturen?
Wir alle kennen Sub-Kulturen: Kleidungsstile, Hip Hopper, Snowboarder, Raver. Die Sub-Kultur umfasst die eigene Präsentation nach außen hin, die Wahrnehmung von sich selbst und seinem Umfeld wie auch deren Ausgestaltung. Musik, Sprachstil, Lebensrhythmus.

Wie so etwas entsteht, kann man meist gar nicht so leicht definieren. Hängt sich ein Rapper den Mercedes-Stern in Gold um den Hals, ist das vielleicht ein Trend, dem einige folgen werden, aber schafft noch keine Sub-Kultur. Es muss sich eine Welt entfalten, die es so noch nicht gab und die ihre eigene Dynamik entwickelt.

Im aktuellen Video der Woche könnte eine solche Entstehung festgehalten sein. Es ist eine kurze Doku, in der zwei Jungs über einen Tanzstil reden, den sie entworfen haben. Sie nennen es „Krump“. Und würde man das einfach so ohne Vorkenntnisse sehen, würde man meinen, dass sich junge Leute von elektrischen Schlägen geschüttelt völlig verausgaben. Im Prinzip ist es das auch – nur, dass die elektrischen Schläge aus den Emotionen, dem innewohnenden Hass oder Glück, wie auch Zorn oder Freude bestehen.

Krump ist ein Tanzstil, der kaum strengen Regeln folgt. Man steigert sich emotional in seinen eigenen Gefühlszustand hinein und lässt es heraus. Man tut, was man glaubt, tun zu müssen, verkrümmt und verkrampft sich, schleudert die Glieder von sich oder schraubt sich in sich selbst zusammen. Was immer sich gut anfühlt.

Und warum? Die beiden Jungs im Video, ‚Tight Eyez‘ und ‚Big Mijo‘, kommen aus einer Welt, die sie selbst als „the darkness“, die Finsternis, beschreiben. Aus einem Leben, das von Gangs bestimmt wird. Ihre Zukunft bot die Entscheidung zwischen Gefängnis und Tod. Daraus wollten sie ausbrechen und haben das Tanzen begonnen. Man sieht im Video typische Hinterhof-Street-Dance-Szenarien: Enge, Licht, viele Menschen und Gang-Klamotten. Das mag überspitzt dargestellt sein, aber es erinnert mich an die Kämpfe aus Fight Club, in denen es um etwas sehr sehr ähnliches ging. Und man spürt fast die Emotionen, die jeder einzelne in diesen Szenen mit in die „Arena“ zu bringen scheint.

‚Tight Eyez‘ und ‚Big Mijo‘ haben Krump kreiert, um Freiheiten zu schaffen, um sich und andere von den Straßen runter zu holen und einen Weg zu finden, sich auszudrücken. An einer Stelle, an der sie sonst eine Waffe in die Hand gedrückt bekommen.
Im Jahr 2001 hat sich Krump in den Straßen von South Central, Los Angeles verbreitet. Fünf Jahre später wurde es durch eine Dokumentation auf der ganzen Welt bekannt, stößt jedoch noch immer auf viel Skepsis, weil es nicht als Kunstform angesehen wird. Vielleicht kann der Film von Kaizenpictures ja dabei helfen, dass die Leute verstehen, woher Krump kommt und warum sich die Leute damit ausdrücken können.

The Art of Krump „journey to heaven“ feat. TightEyez & E.R. [link] ist das Video der Woche vom 19.08.2013 bis 25.08.2013

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