Kowloon Walled City [KW32/2013]

Mit dem aktuellen Video der Woche entführe ich euch an einen Ort, der wohl komplett jenseits unserer Erfahrungswelt gelegen haben dürfte.

Ich stehe ja unheimlich auf den Film Blade Runner. Habe ihn unzählige Male gesehen und besitze die Ultimate Collectors Edition mit verschiedenen Schnittfassungen und einer Menge Extras. Was ich besonders mag und seitdem selten wieder gesehen habe, ist diese unfassbar düstere aber plausible Welt. In den Making Ofs wird verraten, dass eben diese Welt vom Design-Team im Verlaufe der Entstehung noch „freundlicher“ gemacht wurde.
Zuvor hatte man Test-Screenings gemacht, doch die Zuschauer fanden die ersten Entwürfe dermaßen finster und hoffnungslos, dass es sie schlichtweg deprimierte.

Für das dunkle und verkommene Los Angeles aus Blade Runner gibt es natürlich Inspirationsquellen. Dinge aus der echten Welt. Und es gab einen Ort, der dem Film nicht unähnlich war.
Die Rede ist von Kowloon Walled City, der Stadt der Dunkelheit.

Dabei handelt es sich um ein urbanes Gebiet, das bis etwa 1993 in Hong Kong existierte. Diese „Stadt in der Stadt“ wurde von England ignoriert, als man Hong Kong gepachtet hatte und von China vergessen. Sie wurde zu einem Ort, an dem sich Menschen ansiedelten, die Schutz vor dem Gesetz suchten, nirgendwo anders hin konnten oder sonstwo keine Chance fanden. Noch heute gilt Kowloon Walled City als eines der am dichtesten besiedelten Gebiete aller Zeiten. Bis zu 50.000 Menschen teilten sich eine urbane Fläche von rund drei Hektar.

kowloon2

Kowloon war ein Phänomen für die Politik, Soziologie und Architektur. Der Komplex wuchs über die ersten Jahrzehnte unaufhörlich nach oben und innen. Bis zu vierzehn Stöcke hoch waren die rund 500 Gebäude, die nach und nach miteinander verwuchsen. Alle Straßen innerhalb des Blocks wurden zugebaut – eine Wohnung, ein Verschlag am anderen. Tageslicht hatte nur, wer sich eine Wohnung an den Außenmauern leisten konnte. Im Inneren des chaotischen Labyrinths herrschte permanente Nacht.

Ich habe eine Dokumentation aufgestöbert, offenbar von einer österreichischen Firma in Auftrag gegeben, die in den letzten Jahren des Bestehens von Kowloon Walled City entstanden ist. Sie gewährt Einblick in eine Welt, die von Schatten bestimmt wird und so existiert hat, wie es sich Concept-Artists für einen Film wie Blade Runner höchstens vorstellen konnten.
Hong Kong lies die Monstrosität urbaner Wucherung Anfang der 1990er Jahre räumen, riss die Stadt ab und schuf einen Park, der noch heute an einen der exotischsten und abgründigsten Orte der Welt erinnert: den Kowloon Walled City Park.

Die Dokumentation ist auf Youtube in Teilen zu finden und startet recht unvermittelt:

Kowloon Walled City wurde von den Triaden kontrolliert. Keine Polizei ging hinein, es gab Drogen und Prostitution. Aber es gab auch Loyalität und Zusammenhalt. Jahre später hat man ehemalige Einwohner der „City of Darkness“ interviewt und sie gefragt, was sie am meisten vermissen. Die Antwort war oft: „Die enge Freundschaft.“

Kowloon Walled City [link] ist das Video der Woche vom 05.08.2013 bis 11.08.2013

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5 Gedanken zu “Kowloon Walled City [KW32/2013]

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