Aufgebohrtr

Na Holla! Während Google kürzlich eine Menge Neuerungen vorgestellt hat, geistert Yahoo medienwirksam mit dem Kauf von Tumblr durch das Internet. Ganz nebenbei hat das Unternehmen aber auch Flickr einer Frischzellenkur unterzogen.

Flickr gehört mit zum Urgestein des Internets. Meist war es bisher einfach der Ort „wo man seine Bilder im Netz hochlädt“. Dann wollte es auch noch ein Social Network sein, was meiner Ansicht nach durch seine schiere Größe extrem schwer war. Eigentlich ein Trugschluss, denn Facebook ist ebenfalls extrem groß und dennoch der Prototyp des Social Networks. Kann also nur sein, dass man das Netzwerken noch nicht so auf die Kette bekommen hat. Und das will Marissa Mayer ändern, denn seit die für eine IT-Fach- und Geschäftsfrau viel zu hübsche Dame am Ruder ist, kommt bei Flickr so einiges ans Rollen. (Bitte kein #aufschrei, ich unterstütze Frauen in Führungspositionen und will auf jeden Fall mehr davon! ^^)

Mehr Spaß für umsonst

Flickr eignet sich gut, um ein Backup der eigenen Fotos anzulegen oder den ultimativen Bilderstream des eigenen Lebens im Netz unterzubringen. (Falls man das wirklich tun wollte) Der enorme Vorteil der Plattform war schon immer, dass die Bilder über extrem viele Schnittstellen überall im Netz leicht weiter zu verwenden waren. Das Problem dabei: wirklich Sinn machte so eine großangelegte Flickr-Nutzung nur, wenn man einen Pro-Account besaß.

Denn: hattest du keinen, dann konntest du zwar Bilder hochladen (max. 10 MB pro Bild, 100 MB pro Woche, keine Originalauflösungen), aber es wurden in deinem Stream nur 200 angezeigt. Ordentlich sortieren oder präsentieren konnte man die auch nicht, weil man beispielsweise keine Sammlungen anlegen konnte. Und das posten in Gruppen war auch begrenzt, was einen heftigen Einschnitt in die Netzwerk-Funktionen bedeutete. Denn aufgrund der extensiven Masse an Medien in Flickr konnte dein Bild eigentlich nur durch Zufall gefunden werden.

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Und was macht Flickr jetzt? Alle bekommen Pro-Accounts und zwar umsonst! Tatsächlich ist es so, dass man seit gestern keine Pro-Accounts mehr kaufen kann. Die 200-Bilder-Anzeige-Beschränkung fällt weg – ab sofort sind wirklich alle Bilder zu sehen. Ein einzelnes Bild darf jetzt bis zu 200 MB groß sein und wird in Originalauflösung angezeigt. Kostenlose Nutzer bekommen Speicherplatz von einem Terabyte (!) Umfang und Videos dürfen bis zu ein Gigabyte am Stück groß sein. Die bestehenden Pro-Accounts haben immer noch Vorteile: keine Werbung, unendlich Speicherplatz, Einsicht in die Statistiken und das Austauschen vorhandener Bilder.
Das ist nett und für professionelle Nutzer interessant, aber mal ehrlich: bei den Free-Optionen erträgt man auch gerne mal Werbung und ein Terabyte Platz reicht für eine ganze Menge an Bildern. Ich hab mal überschlagen: von den Online-Versionen meiner Bilder würde der Platz für rund 1,3 Millionen reichen. Da lädt man entweder jeden Mist hoch oder gönnt sich ein Backup der Originaldateien.

Mehr schöner für’s Netzwerk

Natürlich hat man auch am Design geschraubt. So schlecht fand‘ ich das bisher nicht, denn es war funktional und hatte etwas von den 1990ern. Aber eines kam dabei zu kurz: die Fotos. Das hat sich jetzt grundlegend geändert.

Das hier ist die persönliche „Startseite“ vom neuen Flickr:

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Größere Bilder in einem einspaltigen Stream untereinander! Angezeigt werden die neuesten Uploads befreundeter Leute. Davon hat man vorher nur 5 kleine Kästchen gesehen, wenn es nicht gerade eingeklappt war. Rechts sieht man, was in den eigenen Gruppen, auf Flickr allgemein und dem Blog so passiert.

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Etwas ähnliches zeigt der Reiter „Kontakte“. Auch hier sehe ich die neuesten Uploads, allerdings mehr auf einmal in einer Ansicht, die wir von der Google Bildersuche kennen.

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Der „Gruppen“-Reiter. Hier sieht man noch viel vom alten Layout, keine Ahnung, ob das noch angepasst wird. Deutlich wird aber, dass der Header überall kaum noch Platz verbraucht und damit mehr Raum für die eigentlichen Inhalte frei macht.

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So sehen jetzt Profilseiten aus. Im Bild zu sehen ist meine eigene. Flickr hat den ganzen ungenutzten weißen Platz einfach gekillt und zeigt jetzt das, was am wichtigsten ist: Fotos.
Nicht so geil: ich sehe auf den ersten Blick nicht mehr, in welchem Album ein Foto liegt.
Geil: klicke ich auf das Vergrößern-Symbol passiert genau das. Alles störende verschwindet und ein Foto wird in maximaler Größe angezeigt:

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Klicke ich ganz normal auf ein Foto, sehe ich es auch so groß wie möglich, kann aber auch runter scrollen und in Weiß setzt sich elegant vom Schwarz die Info-Sektion ab. Hier werden dann Kommentare angezeigt, ich habe alle Möglichkeiten zur Bearbeitung und in welchem Album das Foto liegt, erfahre ich hier auch:

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Ganz hat man sich nicht von den Flickr-typischen Kästen verabschiedet. Sie sind beispielsweise auch noch in der Alben-Übersicht zu finden:

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Klicke ich mich dann rein, sehe ich die gleiche Anordnung wie auch auf der Startseite: viele Fotos, alle schön nebeneinander.

Bereits vor dem gestrigen Frühjahrsputz hatte man das Upload-Tool verbessert. Und ich meine hier nicht, verändert, sondern wirklich verbessert. Darum ist es auch nicht schade, dass es noch genauso aussieht wie bisher:

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Was ich hier nicht finde: eine One-Klick-verbesser-deine-Handybildchen-Option wie etwa bei Google Plus. Stattdessen habe ich auf der linken Seite die volle Kontrolle über alle Meta-Infos und kann die Bilder gleich sortieren sowie mit Titel und Beschreibung versehen. Übrigens: sind schon Meta-Daten im Bild enthalten, können die ausgelesen werden.
Überhaupt fällt auf, dass dieses Design doch sehr an die Leuchtkästen professioneller Fotografen erinnert, oder?

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Was ich auf den ersten Blick vermisste, war der Link zum Organisations-Tool. Das übrigens hat Flickr sehr viel besser gelöst als viele ähnliche Seiten und es hätte mir echt gefehlt. Zwar brauche ich jetzt mehr als einen Klick, um hinzukommen, aber es ist noch da. In der eigenen Profilansicht muss man nun auf die drei kleinen Punkte oben rechts klicken und findet „Organisieren“ dann im Ausklappmenü ganz unten.

Hier kann ich meine Bilder per Drag & Drop sortieren, in Alben und Sammlungen stecken, Infos in Serie bearbeiten oder die Bilder in Gruppen schieben. Sehr schön, bitte auf immer und ewig behalten, Flickr.

Fazit

Flickr rüstet gewaltig auf und Yahoo-Chefin Mayer ist auf dem besten Weg, den Wunsch der Nutzer umzusetzen, die da einst baten: „Bitte mach Flickr wieder großartig.“
Keinen Moment zu früh, wie ich finde, denn auch Google hat ja in der letzten Woche für Foto-Fans schwere Geschütze aufgefahren: Bilder bis 2.048px Breite kosten ja eh keinen Speicherplatz, auch wenn du 5,4 Millionen davon hochgeladen hast. Trotzdem hast du nun 15 Gigabyte frei. Neu ist, dass Plus  aus Tausenden Schnappschüssen automatisch gute Aufnahmen erkennen soll und die Bilder optimieren kann (wobei es angenehm moderat zu Werke geht). Aus Bildserien erstellt Google+ Gif-Animationen, Texte kann ich draufpappen und Filter á la Instagram gibts auch, weil Google ja Snapseed aufgefressen hatte. Außerdem werden Gesichter erkannt, Fotos lassen ganz gut organisieren und ich kann erstaunlich gut meine Fotos nach „Himmel“ oder „Kind“ durchsuchen, obwohl ich das nie als Schlagworte vergeben habe.

Aber ich schweife ab. Flickr ist auf dem besten Weg, wieder das zu werden, was es einst war: der Ort im Internet, an den ich meine Fotos hochlade. Ein Terabyte Speicherplatz für umsonst, Bilder in Originalauflösung und ein enger geschnürtes Social Networking-Korsett sind schon starke Argumente.

Wer von euch jetzt auch einen neuen Blick auf Flickr werfen will, sollte es frühestens morgen versuchen. Die Server einer der größten Webseiten im Netz sind derzeit immer wieder überlastet, sicher sind auch schon ein paar ausgebrannt. ^^ Aber sagt ruhig mal, was ihr davon haltet und ob ihr den Dienst überhaupt nutzt. Oder vielleicht ist er jetzt ja interessant geworden für euch.

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6 Gedanken zu “Aufgebohrtr

  1. Prima Artikel! Ich habe mich gestern sehr gefreut, als ich das neue Design gesehen habe. Auch die Handhabung gefällt mir. Vielleicht klappt es ja doch, dass flickr wieder großartig wird. Grüßle, Bine

    1. Hey Bine, danke!
      Fand‘ ich auch – die Auffrischung hat ganz gut getan. Werde die Tage auch noch drin rumstöbern und schauen, wie nützlich mir das ist. Habe da auch einen laufenden Pro-Account.
      Mal schauen, ob das mehr in Richtung Backup oder Netzwerk für mich geht.

  2. Hmmm, ich lade eigentlich nur ausgewählte Bilder hoch, meist im Naturfotografen-Forum und natürlich auch in meinem eigenen Blog. Gelegentlich auch mal was im „Fratzenbuch“, aber da eher selten. Viele meiner Aufnahmen sind einfach nicht für die Öffentlichkeit, deshalb macht Flickr für mich recht wenig Sinn. Von Communities hab ich eh die „Schnauze voll“, wie z.B. die Fotocommunity. Viel Bauchpinseln aber konstruktive Kritiken zu Bildern sind da kaum zu bekommen. Für die eigene Archivierung nutze ich LR4 und mache da regelmäßig Backups auf 3 getrennten externen Festplatten. So kann auch nichts verloren gehen.
    Jedenfalls aber ein schöner Artikel, so bleibe ich auf dem Laufenden. Danke!
    Gruß Stefan

    1. Hallo Stefan!
      Das sind im Wesentlichen genau die Punkte, aus denen ich auch noch nicht so wirklich „süchtigr“ geworden bin. Wenn die Fotos nicht für die Öffentlichkeit sind, kann man Flickr ja dennoch als Backup nutzen; man muss die Bilder dann nur auf privat stellen. Der Vorteil wäre dann immer noch, dass man sie bei Bedarf einfach per Link irgendwo einbinden kann ohne nochmaligen Upload woanders. Aber sieht man Flickr als Community, hat man’s wie ich auch oben schrieb (oder wars hier? http://wp.me/p1Dxv-2CK) es relativ schwer.

      Die mangelnde konstruktive Kritik ist für mich ebenfalls ein generelles Problem. Facebook kann man da komplett abhaken, Nützliches Feedback bekomme ich lediglich auf deviantart oder Google+ am ehesten jedoch hier auf WordPress, worüber ich mich sehr freue. Backups mache ich genau wie du, kann man auch in meinem Bildermanagement-Kurs nachlesen: http://wp.me/p1Dxv-2yt.

      Gruß, ML

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