[Workshop Bildermanagement] Teil 7: Backups anlegen

Teil Sieben meines Workshops zum Bildermanagement. Eine Einleitung gibt’s hier und die Inhaltsübersicht am Ende dieses Posts. Heute geht es um das Sichern unserer Daten. Auch das gehört zu meinem Bildermanagement dazu und ist einer der wichtigsten Bestandteile. Denn das am großartigsten organisierte Bildarchiv nützt nichts, wenn du aus Versehen den Gashahn offenlässt und deine komplette Bude sprengst.

Was soll gesichert werden?

WSBM_teil07_screen001Im Wesentlichen gibt es vier Elemente, die gesichert werden müssen: den Monatsordner mit allen geschossenen Aufnahmen, den Ordner mit den final-Versionen deiner Bilder, den Ordner mit den online-Versionen und den Ordner, in dem deine Lightroom-Datenbank liegt.

Einem Backup-Programm könntest du das mitteilen und sagen: diese vier Ordner hier, die sichere mir mal. Es geht aber auch einfacher, indem du ihm den Jahresordner zu futtern gibst. Da sind ja dank unseres Managements alle vier drin. Und es geht noch effektiver. Du sagst einfach, er soll den Ordner „Fotos“ sichern. Denn dann nimmt er nach Ablauf eines Jahres automatisch auch den des neuen Jahres mit auf. Mit anderen Worten: du stellst das Backup einmal ein und brauchst nie wieder einen Finger rühren!

Worauf soll gesichert werden?

floppydiskGanz zu Beginn dieses Workshops habe ich schon geschrieben, dass die Fotos am Besten nicht auf derselben Festplatte (oder Partition) liegen sollten, wie das Betriebssystem (BS). Denn dort kann am ehesten mal was kaputt gehen. Packst du deine Fotos an einen anderen Ort, dann kannst du auch rankommen, wenn es dein BS zerledert hat. Aus diesem Grund packst du das Backup deiner Daten auch nicht auf die Systemplatte. Du könntest es auf dieselbe Partition tun, wie deine Fotos. Besser noch, du hast eine weitere Platte am Start.

Mir hat einmal ein Backup meine geistige Gesundheit bewahrt. Meine Fotos lagerten auf einer externen Festplatte. Das stets zuverlässige Stück High-Tech segelte unsanft zwanzig Zentimeter dem Boden entgegen und hauchte seinen Geist aus. Ich hatte wie gesagt noch ein Backup der Fotos, in diesem Moment war dies aber auch der einzige Ort, an dem all meine 25.000 Erinnerungen gespeichert waren. (Diese Zahl ist übrigens nicht ausgedacht -.-). Ich muss nicht dazu sagen, dass ich ziemlich nervös war während dieser Zeit. Sicher, man geißelt sich selbst, sind doch nur virtuelle Daten. Aber verdammt, es sind auch eine Menge Erinnerungen dabei. Jedenfalls seit diesem Zeitpunkt speichere ich meine Fotos auf meiner Arbeits-Festplatte. Dann mache ich ein Backup von ihnen. Und dann mache ich ein Backup von meinem Backup. Kein Scherz, ich sichere doppelt und die letzte Platte wandert in den Schrank.

Da haben wir also meine Empfehlung: erstens eine separate Festplatte. Zweitens ist eine externe Festplatte gut, denn die kann man vom Strom abziehen und abschalten, was die Nutzungsdauer verlängert. Drittens kann ich sie an einem Ort aufheben, den ich für sicher halte. Ich empfehle da einen vakuumversiegelten Tresor am Grunde des Marianengrabens oder einen atomsicheren Bunker deiner Wahl.
CDs und DVDs kannst du im Grunde vergessen. Zum einen, weil sie zu klein sind (in meinem Fall reden wir von rund 400 Gigabyte Daten für EIN Backup) und zum anderen, weil günstige Rohlinge nach ein paar Jahren hinüber sind und du ganz sicher nicht alle drei Jahre dein komplettes Archiv umbrennen willst. Und ach ja: Disketten sind auch keine sooo gute Wahl…

Meine Methode

Es gibt andere Methoden. Einfachere und auch billigere (siehe unten). Hier erstmal meine Methode. Ich nutze eine extra Software für Backups. Irgendwann einmal bin ich bei Acronis True Image gelandet und dabei geblieben. Das soll keine verbindliche Empfehlung sein, es gibt sicher auch andere, vielleicht auch bessere oder sogar ausgezeichnete kostenlose Programme (Schreibt’s in die Kommentare, wenn ihr welche kennt). Das ist meine Wahl. Nach einmaligem Einrichten muss ich es nie wieder anfassen, es macht seinen Job automatisch und zuverlässig und dafür gibt man auch gerne mal etwas Geld aus. Was das Programm alles kann, könnt ihr selbst nachlesen. Ich sage euch, wie ich damit arbeite. Ach ja, das sei noch erwähnt: das Programm ist in der Lage, ein Nonstop-Backup durchzuführen. Das heißt, es sichert in Echtzeit alle Daten, die geändert wurden. Grandiose Sache, nutze ich aber nicht, weil ich es nicht brauche und es Systemressourcen frisst.

Wenn ich das Backup anlege, muss ich den oder die Ordner wählen, die gesichert werden sollen. Wie oben schon geschrieben, wähle ich den Ordner „Fotos“ und sage dem Programm, dass alle Unterordner und Dateien darin ebenfalls gesichert werden sollen. Das wars schon – kein nerviges herumsuchen und zusammenklicken. Mit nur einem Häkchen habe ich alles berücksichtigt.

Es gibt verschiedene Arten von Backups. Es gibt solche, die einmal komplett alles sichern, also ein Voll-Backup machen. Zum nächsten Zeitpunkt wird wieder eines gemacht und das alte gelöscht. Das ist sehr sicher, verschlingt aber auch massig Speicherplatz und kostet Zeit. Wenn euer PC zu einem ungünstigen Zeitpunkt abraucht, habt ihr unter Umständen ein Problem. Ich bevorzuge das, was Acronis „Versionskette“ nennt.

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Es wird zuerst einmal ein Vollbackup erstellt. Zum Beispiel heute. Dann stelle ich ein, wann erneut gesichert wird, zum Beispiel wöchentlich. In sieben Tagen schaut das Programm also, was sich alles geändert hat, löscht verschwundene Dateien und packt die neuen rein. Dasselbe macht das Programm nochmal sieben Tage später. Am Ende eines Monats wird wieder ein Vollbackup erstellt und das alte gelöscht, dann geht es mit den inkrementellen Backups weiter.
Das hat mehrere Vorteile: erstens, die Backup-Vorgänge gehen wesentlich schneller und verbrauchen weniger Systemressourcen. Zweitens, es wird weniger Speicherplatz verbraucht, da die fetten Brocken regelmässig gelöscht werden und meist nur einer auf der Platte ist. Drittens: wenn ich eine Datei zurück haben möchte, die ich zwischenzeitlich gelöscht habe, habe ich einen Monat Zeit, um sie zurück zu holen. Denn ich kann bis zum ersten Vollbackup zurück gehen und die eine Datei dort rausholen.

Und so schnörkellos einfach aber effektiv kann das laufen.

Weitere Methoden

Gibt ja auch andere Wege. Da draußen gibt es eine Unzahl an Backup-Programmen verschiedenster Hersteller, die dasselbe oder vielleicht sogar noch mehr können. Wirklich, die kenne ich nicht alle. Wenn ihr Tipps habt, dann schreibt es gerne in die Kommentare. Ich habe oben erstmal meine Methode erläutert, für den Fall, dass ihr das bisher noch gar nicht kanntet. So könnt ihr entscheiden, ob das für euch auch gut klingt und schauen, ob das Programm eurer Wahl diese Möglichkeiten bietet.

Die allereinfachste Methode ist natürlich genauso effektiv: Ihr kopiert eure Daten einfach per Drag&Drop. Ihr würdet also den Ordner „Fotos“ auf eine andere Festplatte ziehen und all eure Fotos so kopieren. Beim nächsten Mal macht ihr das wieder und überschreibt beispielsweise den schon vorhandenen Ordner. Dann kommen alle Fotos neu drauf und zusätzlich die neuen, die noch nicht da waren. Problem dabei: die Fotos, die am ersten Ort gelöscht wurden, bleiben am zweiten. Ihr müsstet den Backup-Ordner also erst löschen und jedesmal ganz frisch kopieren.

Windows 7 (Vista auch schon?) greift euch da ein bisschen unter die Arme: wenn ihr einen Ordner auf einen zweiten zieht, der denselben Namen hat (und das würde ja bei der manuellen Methode so sein), fragt euch das BS erst, ob es Ordner 1 in den Ordner 2 integrieren soll. Sagt ihr Ja, dann fügt er nur die neuen ein, die dazu gekommen ist. Das spart Zeit, aber ihr sammelt trotzdem die Fotos an, die ihr in Ordner 1 eigentlich schon gelöscht hattet.

Falls ihr einen aufwändigeren Dateimanager wie Directory Opus oder FreeCommander oder dergleichen habt, dann verfügen die meist über Synchronisationstools. Die machen dasselbe wie das eben beschriebene und vergleichen zwei Ordner miteinander, bieten aber unter Umständen auch die Option, Dateien in Ordner 2 zu löschen, wenn sie auch in Ordner 1 fehlen. Eleganter machen das separate FileSync-Programme, die nur die Aufgabe haben, Ordner miteinander zu synchronisieren. Manche von ihnen lassen sich auch so einstellen, dass sie in bestimmten Zeitintervallen Ordner untereinander abgleichen. Da wären wir praktisch schon wieder bei den richtigen Backup-Programmen.

Ab in die Wolke

Weil ich paranoid und vollkommen plemplem bin, sichere ich einen Teil meiner Bilder auch in der Cloud – also in einem Online-Speicher. Wie ihr im Laufe des Workshops gelesen habt, ist das primär Picasa von Google. Dort parke ich die online-Versionen meiner Bilder, die aus genau diesem Grund auch so heißen.

Google Picasa muss nicht das Nonplusultra sein. Kann ja sein, dass ihr eine Unmenge von bezahltem Speicher bei Dropbox habt. Dann habt ihr es unter Umständen sogar noch einfacher, denn dann könnt ihr Dropbox sagen, es soll euren Ordner „online“ überwachen. Dann landet nämlich jede online-Version eurer Bilder sofort auf dem Online-Speicherplatz sobald ihr sie erstellt habt. Was viele auch nicht wissen: Dropbox erstellt Backups. Habt ihr also mal aus Versehen eine Datei gelöscht und sie ist auch nicht mehr im normalen Dropbox-Ordner, dann könnt ihr sie (ein paar Tage lang glaube ich) wieder zurück holen.

Ich habe es schon mehrmals erwähnt und haue es euch nochmal auf die Augen: Picasa ist mein primärer Backup-Platz, weil Fotos, deren längste Kante weniger als 2.048 Pixel breit ist dort nicht angerechnet werden. Aus diesem Grund sind auch alle meine online-Versionen in dieser Größe. So kann ich jahrzehntelang (oder zumindest bis Google tot ist) meine Bilder auf deren Server pumpen ohne dafür einen Cent bezahlen zu müssen.

Dazu noch ein Hinweis: Picasa ist neuerdings mit Google Drive verbunden und so habt ihr dort fünf Gigabyte kostenloses Speicher. Natürlich kann man auch welchen dazu kaufen, der bei Google allerdings extrem billig ist. 100 Gigabyte Speicherplatz kosten rund 3,80 Euro pro Monat! Bis zu 16 Terabyte könnt ihr mieten, also wenns sein muss, auch eure richtigen Daten online sichern. Um das zu machen, bin ich wiederum zu paranoid, aber das muss ja nicht für euch gelten :)

Übrigens: Ich hab schon im letzten Teil dieses Kurses darauf angespielt. Um die online-Versionen meiner Bilder zu Picasa zu schubsen, muss ich nicht einmal unbedingt das Programm verlassen. Denn man kann Lightroom unter anderem auch mit Export-Plugins erweitern. Davon gibt es auch eines für Picasa. Mit einem Klick werden dann alle markierten Fotos ins Netz hochgehievt. Und wisst ihr, was noch? Das Ding ist kostenlos.

Hinweis, Nummer drei: Cloud-Dienste sind eine fantastische Sache. Schieße ich ein Foto mit meinem Handy, dann wird es automatisch zu Picasa hochgeladen und landet mit all meinen online-Fotos an einem Ort, den ich von überall her ansteuern kann. Aber: vertraut diesen Diensten nicht euer Leben an! Wir wissen, im Internet kann auch viel Schindluder getrieben werden, Firmen gehen bankrott und sind morgen nicht mehr da oder eine Serverfarm fällt einem Vulkanausbruch zum Opfer. Ich liebe meine Fotos und gebe die final-Versionen nicht so leichtfertig her, aber aus diesem Grund habe ich euch im Laufe dieses Workshops auch erklärt, wie ihr Copyright-Hinweise in die Metadaten eurer Fotos schreibt und Wasserzeichen einbettet. Entscheidet selbst, ob euch das reicht und verwendet diese Lösung erst danach.

In Ordnung, jetzt seid ihr durch! Wir haben alle wichtigen Schritte meiner Empfehlung für ein gelungenes Bildermanagement abgearbeitet. Gestattet mir in einem letzten Teil morgen noch ein paar zusammenfassende und abschließende Worte zu dem Thema.


[Workshop Bildermanagement] Übersicht:

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3 Gedanken zu “[Workshop Bildermanagement] Teil 7: Backups anlegen

    1. Hallo Pius!

      Würde mich freuen, wenn du über die Artikelserie noch was Neues erfährst, danke dir. :)
      Auch für das den charmant in ein Kompliment gekleideten Hinweis auf die Webadresse. Ganz ehrlich, denn nachdem ich kürzlich meinen Rechner neu aufgesetzt habe, werde ich da garantiert mal vorbei schmökern!

      Gruß, ml

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