[Workshop Bildermanagement] Teil 3: Bilder sortieren

Teil Drei meines Workshops zum Bildermanagement. Eine Einleitung gibt’s hier und die Inhaltsübersicht am Ende dieses Posts. Heute geht es darum, zu verhindern, was ich ganz am Anfang schrieb: dass du irgendwann einmal von anonymen Bildermassen erschlagen wirst und auf deinem Grabstein steht: „Er/Sie fotografierte zuviel und sortierte zu wenig.“

workshopbildermanagementWo stehen wir? Du hast im zweiten Teil dieses Kurses erfahren, wie du in Lightroom einen neuen Katalog anlegst, Bilder importierst und ihnen die ersten, wichtigen Infos einimpfst. Heute beschäftigst du dich damit, wie du eine Ordnung in sie bringst und sie so präparierst, dass du später keine Probleme mehr hast, wenn du mit ihnen arbeiten willst. Let’s go!

Dein schärfster Kritiker

Erinnere dich, du siehst folgendes:

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Diese vier Bilder gehören bisher zu deiner Sammlung. Sind natürlich viel zu viele; dabei sind auch Schnappschüsse, verwackelte Aufnahmen und Fotos, von denen du keine Ahnung hast, warum du sie gemacht hast. Ich habe es schon mehrfach propagiert: eines der besten Werkzeuge, die du zum Sortieren von Fotos hast, ist die Entf-Taste auf der Tastatur. Bildersammler gab es vor Jahren viele und das war ich auch mal. Aber mittlerweile ist bei Fotografen und Foto-Begeisterten das Datenvolumen so hoch, dass man sich selbst damit belastet. Niemand schaut im Regelfall nach einem Jahr nochmal die 1.000 Fotos durch, die du im Urlaub gemacht hast. Das ist einfach viel zu viel. Selbst wenn jemand genug Zeit hat, fehlt die Ausdauer. Also lösch, als wärst du dein schärfster Kritiker!

JPG falsch belichtet oder Weißabgleich daneben? Weg! Bild verwackelt, Gesicht angeschnitten, Testfoto um die Kamera einzustellen? Weg! Du hast ein Motiv einmal in Hoch- und einmal in Querformat aufgenommen? Im Querformat kommt es nicht rüber? Weg! Du findest das Foto irgendwie witzig, aber es wurde drei Sekunden zu spät aufgenommen? Weg! Sei hart! Jedes Foto, das du löscht, macht es dir später einfacher.

Bilder bewerten

Als ich in Hamburg war, habe ich lächerlich viele Fotos geschossen, weil ich keinen Moment verpassen wollte und die Kamera nur manuell benutzt habe. Nach dem Sortieren und löschen hatte ich nur noch knapp die Hälfte. Mit anderen Worten: es ist manchmal eine Überwindung des eigenen Egos, rund 1.000 Bilder zu löschen. Davon abgesehen ist auch das eine gewisse Arbeit…

Jetzt kommt der Clou: du bewertest deine eigenen Fotos!* Die Möglichkeit, Fotos mit einer Wertung zu versehen ist mittlerweile in vielen Programmen etabliert, denn die Spezifikationen der Metadaten erlauben es, diese Information zu erfassen. Vorgesehen ist etwa eine Abstufung von fünf Sternen. Fünf Sterne sind absoluter Oberhammer, ein Stern ist würg, kein Stern ist deines verwöhnten Auges nicht wert. Und genau da setzt du an! Geh die ganzen Bilder durch, die du vorhin importiert hast. Beäuge sie kritisch und beurteile sie unter anderem nach den Hinweisen, die ich oben schrieb. Und gib ihnen Sterne oder gib ihnen keine. Du kannst das in einem Rutsch machen oder (besser) du gehst zweimal drüber. Aber welchem Bild sollst du wieviele Sterne geben?

*Auf die Idee mit den Bewertungen bin ich nicht ganz allein gekommen. Darauf hat mich Michel Mayerle gebracht, der an dieser Stelle ähnlich mit dem Sortieren seiner Bilder umgeht. Vielen Dank dafür!

Wie gesagt: ist das Bild Datenmüll, dann gib ihm keinen Stern. Ist es gut genug, es zu behalten, gib ihm einen Stern. Das machst du in Lightroom, indem du mit der Maus knapp unter das Vorschaubild fährst. Da tauchen fünf winzig kleine Punkte auf. Klick sie an, dann bekommt das Bild seine Sterne. Alternativ (und viel einfacher und schneller) drückst du eine Zahlentaste auf der Tastatur. Schau es dir in Lightroom an unter Foto/Bewertung festlegen. Also: ein Stern für „find ich gut, behalte ich“. Wenn du denkst, „hey das hat was, da will ich noch was draus machen“, dann bekommt das Bild zwei Sterne. Das sind die „Bearbeiten„-Bilder. Hast du später mal an einem dieser Bilder so rumgewurschtelt, dass du zufrieden bist, dann wird es drei Sterne bekommen.

Mit der Sichtkontrolle, harten Kriterien und den Zahlen von 0 bis 5 kommst du rasant und effektiv mit einer ersten Aussortierung durch deine Fotos. Keine Angst, damit lassen sich auch 200 Fotos auf einen Schlag gut bewältigen.

Bilder löschen

Gut, du bist durch! Gut gemacht! Du hast jetzt 3.000 Fotos durchgeackert, bist halb wahnsinnig und 1.000 davon haben keinen Stern. Das sind die, die wegkönnen. Du kannst jetzt nochmal durchscrollen und alle mit Strg+Klick (oder Strg+A) auswählen und dann löschen, bevor du an Überarbeitung stirbst. Oder du machst es cleverer. Es gibt zwei Arten.

Im Screenshot hast du auf der linken Seite den Punkt „Vorheriger Import“ gesehen. Den wählst du aus. Über den Vorschaubildern in der Mitte hast du verschiedene Bibliotheksfilter. Stellst du dort einen Filter ein, werden dir nur noch die Bilder angezeigt, die deinen Vorgaben entsprechen. Das machen wir uns zunutze.

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Klicke erst auf Attribut und dann auf das größer/gleich-Zeichen. Dort wählst du nun „Bewertung ist niedriger als oder entspricht„. Schon sortiert Lightroom. Du siehst nun nur noch die Bilder, die die keine Sterne haben (oder eine noch niedrigere Bewertung, was in diesem Fall nicht zutrifft). Jetzt brauchst du nur noch alle mit Strg+A markieren und die Entf-Taste drücken. Klasse, was? Aber es geht noch eine Nummer cleverer und bringt dir eine Technik bei, die du später noch brauchen kannst.

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Im Programm links hast du die Möglichkeit, Sammlungen anzulegen. Mit dem Plus neben der Überschrift erstellst du eine Sammlung mit einem selbst gewählten Namen und ziehst die Bilder da rein. Aber das machen wir später. Jetzt sind wir erstmal clever! Klicke auf das Plus und wähle Smart-Sammlung erstellen…
Ein neues Fenster geht auf und wartet auf deine Definition der Smart-Sammlung. Du gibst dort ein, was du auf dem Screenshot unten siehst. Die Regel für die Sammlung soll lauten, dass die Sammlung automatisch alle Bilder aufnimmt, deren Bewertung genau null Sternen entspricht. Also im Grunde das, was wir eben im Filter eingestellt haben. Und du nennst diese Sammlung 01_löschen und bestätigst mit einem Klick auf Erstellen.

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Die neue Smart-Sammlung taucht nun in der Baumstruktur ganz oben auf. Klickst du sie an, sind da schon Bilder drin! Nämlich alle, die du mit null Sternen bewertet hast. So, jetzt stoßen wir leider auf ein Problem, das nicht so schick in Lightroom gelöst ist. Fein wäre es jetzt, die Bilder mit Strg+A markieren und mit Entf löschen zu können. Geht aber nicht direkt aus einer Smart-Sammlung heraus. Stattdessen markierst du alle mit Strg+A, klickst auf eines mit der rechten Maustaste und klickst „Gehe zu Ordner in Bibliothek“ an. Nun springt er zurück in deinen Bilderordner, behält aber deine Auswahl markiert. JETZT kannst du Entf drücken und die Bilder vom Datenträger löschen. Das ist an dieser Stelle ein klein wenig ungeschickt und ich hoffe, dass Adobe das noch ändert. Es erspart dir aber trotzdem Arbeit, denn du musst deine ganze Bilderliste nicht nochmal durchscrollen.

Ich habe in meinem Beispiel die Bilder so bewertet:

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Das Boot ist mit interessanter Perspektive aufgenommen, die Gräser haben irgendetwas, ich muss mir das Bild mit anderem Licht vorstellen, und auf dem letzten Bild ist die Motiveinteilungen gelungen. Nur das erste Bild mit den Flamingos ist mir zu unruhig, das wandert in den Mülleimer. Klicke ich jetzt also auf meine Smart-Sammlung sehe ich:

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und lösche das Bild.

Warum so und nicht wie zuerst beschrieben? Mehrere Gründe: erstens landen darin automatisch alle mit null Sternen bewerteten Fotos. Egal, ob sie vom letzten Import stammen oder von dem vor einer Woche. Zweitens, du musst nicht die ganzen Bilder deines Katalogs durchscrollen, um die zu finden, die du löschen willst – Geschwindigkeitsbonus! Drittens: so eine Art Entscheidungspuffer. Du hast gerade 200 Fotos durchgesehen und 100 zum Löschen markiert. Du löscht sie aber nicht, weil du jetzt die Schnauze voll hast, sondern schaust morgen nochmal rein. Du guckst schnell über die Bilder in der Smart-Sammlung drüber und findest, dass ein oder zwei Fotos den digitalen Tod nicht verdient haben. Also gibst du ihnen einen Stern und schwupps verschwinden sie aus der Sammlung und sind vor dem Löschen sicher. Und viertens: du hast gerade gelernt, wie man Smart-Sammlungen benutzt und kannst die noch für vieeeele weitere Spielereien nutzen.

Noch mehr Smart-Sammlungen

Noch ein paar Anregungen. Du hast einigen Bildern ja auch zwei Sterne gegeben. Das sind die, mit denen du später mal noch was anfangen möchtest. Auch dafür kannst du eine Smart-Sammlung erstellen. Hat dich irgendwann mal die Muse geküsst und du kommst zurück zu Lightroom wartet dort ein Fundus an ausgewählten Bildern, an denen du ohnehin deine Kreativität ausleben wolltest. Hast du es bearbeitet, bekommt es einen dritten Stern und verschwindet aus der Sammlung. Die nimmt mit der Zeit ab oder bekommt neue Bilder hinzu. Eine Smart-Sammlung, die nur Bilder mit drei Sternen enthält, zeigt dir all deine Bilder, die du zu Ende bearbeitet hast und auf die du stolz bist. Du kannst jederzeit reingehen und siehst sie zum Beispiel chronologisch sortiert, mit Aufnahmedaten versehen, die du in zwei Jahren eh schon vergessen haben wirst und – noch geiler – kannst die Originalbilder wiederherstellen, wenn es dir nicht mehr gefällt.

Standardmässig enthält Lightroom eine Smart-Sammlung namens „Ohne Stichwörter„. Diese sammelt in Echtzeit alle Bilder, die noch nicht verschlagwortet sind. Das ist für dich auch praktisch, denn hast du mal keinen Bock mehr, die Bilder zu bezeichnen und willst später weitermachen, dann kannst du da reingehen und alle fein nacheinander abarbeiten bis die Sammlung leer ist. Großartige Hilfe!

Mit Smart-Sammlungen kann man noch viel verrücktere Dinge anstellen: zum Beispiel alle Fotos aussortieren, die mit deinem Handy gemacht wurden. Oder nur solche anzeigen lassen, auf denen Enten zu sehen sind. Oder, oder, oder…
Spiel herum, dir steht jetzt ein mächtiges Werkzeug zum Sortieren zur Verfügung!

Das wars wieder an dieser Stelle. Du kannst Fotos nun effektiv und schnell sortieren und löschen. Im nächsten Teil lernst du eine noch mächtigere Waffe eines gut organisierten Fotografen kennen.


[Workshop Bildermanagement] Übersicht:

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