Linux-Adventures #10: Kubuntu Kontact und Google synchronisieren

Heute steht erneut weiterer Artikel im Rahmen meines Synchronleben-Kurses an. Dabei handelt es sich um das vierte und letzte richtige Tutorial zur Einrichtung eines Client-Programms, mit dem ihr eure Daten einsehen und abgleichen könnt. Weil das Beste (oder Schlimmste) immer zum Schluss kommt, geht es heute um „Kontact“. Das ist das PIM-Programm unter Kubuntu und vermutlich eines der schwergewichtigsten, die ich kenne.

Witzigerweise verwende ich inzwischen Kubuntu nicht mehr, aber der Vollständigkeit halber, soll es hier noch wie versprochen den entsprechenden Leitfaden zur Einrichtung des Programms geben.

Ubuntu benutzt als zentrales PIM-Programm Evolution und bei dem ist es (Gottseidank) recht einfach, auf die Google-Ressourcen zuzugreifen. Kubuntu will natürlich anders sein und verwendet entsprechend auch was anderes, nämlich Kontact (bei mir v. 4.3.2). Ich muss an alle Unwissenden gleich eine Warnung raushauen: Das Teil ist ziemlich mächtig! Mal so als Vergleich:
-> Outlook Express: super einfach, klein, schlank und einfach nur Email und Kontakte
–> Mozilla Thunderbird: einfach, schnell, jede Menge Email, obligatorisches Adressbuch und mit einer Erweiterung auch Kalender
—> Microsoft Outlook: sehr praktisch, sehr umfangreich, neben Email, Kontakten und Kalender auch Notizen und viele Managing-Funktionen
—-> Kontact: Godzilla unter den PIM-Programmen. Hat alles, was man will und auch einiges, was man lieber nicht will. Geht eher in Richtung Groupware und man kann damit vermutlich sein gesamtes Leben managen.

Dementsprechend erschlagen ist man auch erstmal von der Oberfläche und kriegt Atemnot, sobald man eines der Menüs aufklickt. Aber zum Glück bin ich durch die ÄchzUndStöhn-Phase schon durch und daher könnt ihr jetzt von meinem „Dschungelabenteuer“ profitieren. Wagen wir uns also an das Eingemachte:

Mail einrichten:

Da bin ich gleich zu Beginn schon mal in die falsche Straße abgebogen. Dort, wo man bei anderen Programmen die Liste der Emailaccounts vermutet, findet sich bei Kontact eine Liste von Identitäten. Das ist sozusagen noch eine übergeordnete Sortier-Einheit. Beim ersten Start und Einrichten sollte da aber schon was stehen, so dass wir uns da nicht weiter mit beschäftigen müssen. In der Symbolleiste ganz links am Bildschirmrand klicken wir also zuerst einmal auf das Briefsymbol mit der witzigen Bezeichnung „Email“ drunter und gelangen damit in dem Mail-Bereich des Programms. Als nächstes ein Klick in der Programmleiste ganz oben auf „Einstellungen“ und dann auf „Kmail einrichten„. Hier landen wir in einem neuen Fenster, dass uns sogleich mit den gerade genannten „Identitäten“ verunsichern will. Die lassen wir links liegen und klicken auf das Symbol darunter namens „Zugänge„. Fantastische Übersetzung, ich weiß, gemeint sind aber auf jeden Fall die Emailkonten. Um eins da reinzukriegen, braucht es einen Klick auf „Hinzufügen“ und dort könnt ihr alles wesentliche eingeben.

Falls ihr ein paar der vergangenen Artikel hier auf dem GlassBlog verfolgt habt, wisst ihr, dass ich meine Mails auf dem Google-Server belasse und sie nicht auf den Rechner herunter lade. So habe ich vom PC, Handy, Netbook und überall auf der Welt aus stets aktuellen Zugriff auf meine Mails. Aus diesem Grund wählt man nach dem Klick auf „Hinzufügen“ als Art des Kontos „IMAP“ aus. Dieses Protokoll gewährleistet, dass die Mails erstmal auf dem Server bleiben und nur dort bearbeitet werden. Im anschließenden Dialog gebt ihr dann alle notwendigen Daten ein. Bei Google gilt als Posteingangsserver „imap.googlemail.com“ (Port 993, SSL-Verschlüsselung) und als Postausgangsserver „smtp.googlemail.com“ (Port 587, SSL-Verschlüsselung). Das ist auch hier nachzulesen.

Habt ihr euch durch die ganzen Buttons gekämpft, ist die Sache eigentlich auch schon geschafft. Klickt ihr tausendmal auf „ok“ und kommt wieder zur Hauptseite von Kmail, dann seht ihr in der Ordnerliste schon euer Postfach unter dem Namen auftauchen, den ihr ihm gegeben habt.

Kalender:

Okay, widmen wir uns als nächstes dem Kalender. Schließlich wollen wir auch die nächsten Termine und Aufgaben immer präsent haben, wenn wir an dem Rechner sitzen. Also klicken wir uns als nächstes ins Kalender-Modul, das sich unter dem Emailsymbol von eben befindet. Wer jetzt (wie ich) clever zu sein glaubt und die gleiche Richtung einschlägt wie eben, landet sofort in einer Sackgasse, denn im „üblichen“ Einstellungsfenster finden wir nichts, was uns jetzt weiter hilft. Wer eine Synchronisation allerdings schonmal mit Evolution durchgeführt hat, dem werden die beiden Einträge in der unteren, mittigen Bildschirmhälfte auffallen. Da sind zwei Kalender aufgeführt namens „Geburtstage“ und „Standard-Kalender„. Das ist der Punkt, an dem wir ansetzen wollen, denn wir wollen diese beiden durch einen neuen Kalender ersetzen. Das klingt aber leider immer noch einfacher als es ist, denn Kontact verwaltet diese Daten nicht unbedingt selbst, sondern im Hintergrund des Programms werkelt ein eigener Server namens „Akonadi„. Und genau den müssen wir mit den entsprechenden Daten füttern. Ich musste selbst auch erst Googeln und fand hier einen tollen Beitrag dazu.

Da wird ziemlich genau beschrieben, was zu tun ist. Denn um Akonadi mit Google bekannt zu machen, braucht es ein (bzw. zwei) Plugins. Was noch besser ist: der Autor des besagten Artikels hat praktischerweise darauf hingewiesen, dass die entsprechenden Plugins mittlerweile auch auf einfache Weise als Pakete erhältlich sind. Wir stürzen uns also in die Paketverwaltung „kpackagekit“ von Kubuntu und geben in der Suchleiste „akonadi-kde-resource-googledata“ ein. Sofort spuckt er das richtige Paket aus, das wir auch gleich installieren. Raus aus der Paketverwaltung und als nächstes rüber zu den Systemeinstellungen. Dort gibt es oben zwei Karteireiter, von denen der zweite „Erweitert“ heißt und dort finden wir auch „Akonadi-Einrichtung„. Da klicken wir uns umgehend rein und finden wiederum zwei Karteireiter, von denen der gerade wichtigere „Einrichtung des Akonadi-Servers“ heißt. Ganz unten finden sich dort am Ende mehrere Buttons und wir klicken munter, ohne zu wissen, was wir tun, auf „Neu starten„. Damit wird der Akonadi-Server, der hinter Kontact arbeitet, neu gestartet. Das ist nötig, da erst nach einem Neustart, die Plugins hinzugefügt werden können.

Ist das Teil fertig, klicken wir uns wieder auf den ersten Karteireiter und dort lächelt uns auch schon der Button „Hinzufügen“ an. Sobald wir den ausprobieren, finden wir in der sich öffnenden Liste zwei Einträge: „Akonadi Google Calender Resource“ und „Akonadi Google Contacts Resource„. Die werden beide hinzugefügt und es gehen wiederum jeweils ein neues Fenster auf. Hier gebt ihr eure Google-Zugangsdaten ein. Also „name@googlemail.com“ und das Passwort. Ist das geschafft, habt ihr das Schlimmste schon überstanden. Befreit euch vom Fenster-Wust und öffnet wieder das Kalendermodul von Kontact. Erinnert ihr euch an die beiden Kalender in der unteren Bildschirmhälfte? Knapp drüber ist ein kleines grünes Kreuz, das nun angeklickt werden will.

Freundlicherweise erschlägt euch das nun aufgehende Fenster wieder mit einer Menge Einträgen, von denen uns aber nur der oberste interessiert, der mit „Akonadi….“ beginnt. Den wählen wir aus und ….voilá: da ist unser Google-Kalender! Um Verwirrungen zu vermeiden, könnt ihr jetzt auf den neu hinzugekommenen Kalender einen Rechtsklick machen und ihn als Standard-Kalender definieren und anschließend die anderen beiden Kalender löschen (sofern ihr dort noch keine Einträge vorgenommen habt!). Das hält die Sache übersichtlich.

Kontakte:

Das wird jetzt fast ein Kinderspiel, denn die hässlichste Arbeit ist schon getan. Im Prinzip verfahren wir bei den Kontakten ganz genauso wie beim Kalender. Erst ein Klick auf das Kontaktsymbol an der linken Bildschirmseite des PIM-Programms und auch dort finden sich unten wieder ein oder mehrere Einträge, also Adressbücher. Auch hier hilft uns ein Klick auf das grüne Plus weiter, die Auswahl des ersten Eintrages, der mit „Akonadi….“ beginnt noch weiter und der neu hinzukommende Eintrag schließlich macht uns glücklich, denn das ist unser Kontakt-Adressbuch aus Googlemail.

Wer mal neugierig reinklickt könnte feststellen, dass Kontact dabei sogar die Kontakt-Bilder übernimmt, die man in Google oder sonstwo eingestellt hat.

Glückwunsch, damit habt ihr ein Monster bezwungen und euren Kubuntu-Rechner in den Synchronizitäts-Kreislauf eurer Organisation eingebunden.

Hinweis: Dieser Artikel ist Teil eines Kurses der Vorstellung und Einrichtung eines Workflows, um die eigenen Organizer-Daten über verschiedene Systeme hinweg zu synchronisieren. Eine Übersicht aller Artikel dazu findet sich hier, sowie eine Auflistung der am Workflow beteiligten Hard- und Software.

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