Workaround: Farbraum erhalten bei der Bildbearbeitung mit SplitTone-Technik

Ich hab mich mal wieder mit ein paar Fotos beschäftigt und kam währenddessen mal wieder in Konflikt mit dem Farbmanagement. Ursache war auch wie beim letzten Artikel darüber die SplitTone-Technik, bei der man ein Graustufen-Bild benutzt und es mit 2 Farben (für Schatten und Lichter) neu einfärbt. Die Herausforderung dabei: man braucht einen großen Farbumfang, da die Abstufungen sehr zahlreich sind und durch die Vorlage in Graustufen ohnehin schon Details fehlen können (was aber Absicht ist beim Split-Toning). Und jetzt die Besonderheit, die mit jeder Menge Fallstricken aufwartet: der Farbumfang muss erhalten bleiben, auch zwischen verschiedenen Anwendungen (wenn man denn mehrere benutzt).

Genau das ist bei mir das Problem: ich benutze Lightroom (LR) in Verbindung mit Photoshop (PS). Man könnte durchaus auf Lightroom verzichten und die gewünschten Effekte auch mit PS kreieren, doch ich möchte eigentlich nicht auf die sehr guten Einstellmöglichkeiten und die Handhabe von LR verzichten.

Ausgangsbild war diesmal ein Schnappschuß von Sarah, der zwar nicht nach allzuviel aussah, aber an dem ich irgendetwas interessantes fand.

trip01

Mit besagter SplitTone-Technik habe ich dann auch etwas heraus bekommen, das mir gefiel:

trip02

Im folgenden Artikel möchte ich ein Workaround beschreiben, das die Probleme thematisiert, die bei der Bildbearbeitung entstehen können, wie man ihnen auf die Schliche kommen kann und eine Technik, mit der man sie umgeht.

Die bloße Übergabe von Lightroom an Photoshop funktioniert nämlich nicht ohne weiteres, denn beim Übergeben des Bildes nach PS stellte ich fest, dass Photoshop einen anderen Farbraum benutzt, als Lightroom – nämlich einen, der auf meinen Monitor abgestimmt ist. PS bemerkt dies ebenfalls und fragt, was es mit dem Farbraum, der mit dem Bild mitgeliefert wird, anstellen soll:

trip03

Eins vorweg: jede der drei Möglichkeiten führt zu einer Abweichung des Bildes von der LR-Vorlage. Am ehesten bietet sich noch die mittlere Option der Konvertierung an, da sie noch am nächsten heran kommt.

trip04

Doch wie man sieht, fehlen hier jede Menge Farben. Auch eine Nacharbeit mit PS ist nicht die sicherste Methode, da man dabei sehr schnell Gefahr läuft, das Bild zu zerstören, indem es Lichter und Schatten ausgefressen werden und man beim Export (zB in jpg) wiederum ein anderes Ergebnis erhält, als einem angezeigt wird.
Mein nächster Schritt war also, bei den Farbäumen anzusetzen und alle aufeinander abzugleichen. Leider gibt es in Lightroom nicht allzuviele Möglichkeiten. Die Einstellungen für die Ausgabe legt man dort unter Bearbeiten/Voreinstellungen…/Externe Bearbeitung fest. Die Einstellung mit der höchstmöglichen Qualität ist hier:

  • Dateiformat: Tiff
  • Farbraum: ProPhoto RGB
  • Bittiefe: 16 Bit
  • Auflösung: (irgendwas über 300 dpi)
  • Komprimierung: ohne

Ebenso brauchbar ist die allgemein gängige Einstellung:

  • Dateiformat: Tiff
  • Farbraum: sRGB
  • Bittiefe: 8 Bit
  • Auflösung: 240 dpi
  • Komprimierung: ohne

Natürlich können bei 8 Bit nicht soviele Farben angezeigt werden, hier muss man wissen, was man anschließend in PS mit dem Bild machen will, denn einige Einstellungen und Filter funktionieren nicht mit 16 Bit-Bildern. Ich persönlich würde sogar empfehlen, sRGB statt ProPhoto zu nehmen; denn…

…als nächstes geht es daran, die optimalen Farbeinstellungen für PS festzulegen. Photoshop CS4 bietet eine ziemliche Menge an Farbeinstellungen, doch um es gleich richtig zu machen, zieht man am Besten Bridge CS4 heran. (Sollte meines Wissens auch ab CS2 funktionieren). Bridge übernimmt nämlich die Synchronisation des Farbraumes aller Creative Suite Anwendungen. Dahin gelangt man über Bearbeiten/Creative Suite Farbeinstellungen. Ist hier noch keine Einstellung vorgenommen worden, zeigt Bridge (und die anderen CS-Anwendungen) das so an: trip05

Im nun offenen Menü bieten sich hier 3 Auswahlmöglichkeiten an; entweder „Europa Web/Internet„, „Europa, universelle Anwendungen 2“ oder „Monitorfarben„. Letztere dürfte die universellste der drei sein, wichtig ist jedoch, dass alle 3 Optionen mit dem sRGB-Farbraum arbeiten. Achtung: die genannten Optionen bieten sich nur für die Arbeit am PC an, für den Druck benötigt man bestenfalls das CMYK-Farbmodell.trip06

Hat man Photoshop noch offen, kann man sofort eine positive Veränderung bemerken; noch bei laufendem Programm übernimmt PS die Farbeinstellungen

von trip04 zu trip07

Prinzipiell lassen sich hiermit schon einmal sehr gute Ergebnisse erzielen, ich habe aber festgestellt, dass mir das Bild immer noch zu blass ist, wenn ich in Photoshop über Datei/Für Web und Geräte speichern das Bild exportieren will. Nachdem ich viel recherchiert und in einem Forum diskutiert habe, bin ich langsam zu des Rätsels Lösung gekommen.

Grund für die Schwierigkeiten ist, dass das ursprüngliche Foto im RAW-Dateiformat vorliegt. Hierbei handelt es sich bekanntermaßen um das digitale Negativ, das selbst noch keinen Farbraum besitzt. Dieser wird erst bei der Konvertierung festgelegt. Da PS mit RAW-Dateien umgehen kann, wird die letztendliche Konvertierung erst im oben genannten Für Web und Geräte speichern-Dialog vorgenommen. Und da auf dem Weg dorthin das Bild durch verschiedene Programme und Änderungen geht, können nunmal auch viele Farbveränderungen vorkommen. Der sicherste Weg führt also über eine Konvertierung bereits in Lightroom.

Um dies vorzunehmen, sucht man sich also das bevorzugte Bild aus und macht einen Rechtsklick darauf. Ziemlich weit unten findet sich dann die Export-Funktion. Im folgenden Dialog wählt man Speicherort und Ausgabeformat.

trip08

Wichtig ist hierbei zum einen den Haken zu setzen bei „Diesem Katalog hinzufügen“ und weiter unten zum anderen das Format JPEG, sowie der sRGB-Farbraum. Natürlich wählt man bei der Qualität die vollen 100%. Bestätigt man diesen Dialog wird das Foto vom RAW ins JPEG-Format konvertiert und dabei der sRGB-Farbraum benutzt.
Nun geht man (immer noch in Lightroom) auf das Modul „Bibliothek“ und klickt links oben auf die Option „Vorheriger Export“ – hier taucht automatisch das Bild auf, das zuletzt exportiert wurde (zumindest sofern man den Haken gesetzt hat bei „Diesem Katalog hinzufügen„). Nun kann man sich an diesem Foto austoben und die jeweiligen Einstellungen vornehmen. Gibt man es nun an Photoshop weiter, erscheint eine neue Auswahlmöglichkeit:

trip09

Hier wählt man die oberste Option und kickt auf „Bearbeiten„. Anschließend wird das Bild in PS geöffnet und sieht exakt so aus wie die Vorlage aus Lightroom. Auch der Export über „Für Web und Geräte speichern“ kann nun nichts mehr an dem Aussehen des Bildes ändern. Ich habe das Ganze zwar noch nicht mit verschiedenen Einstellungen des Farbraumes ausprobiert, aber kann davon abgesehen ohnehin nur empfehlen, die Anwendungen synchronisiert zu lassen. Wie bereits oben beschrieben am besten im sRGB-Modus.

Die Irrfahrt hatte nun endlich ein Ende und ich kam schließlich zu dem Ergebnis, das mir am meisten zusagte:

trip10(get on the trip)

Abschließend möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass dieses Workaround nicht beschreibt, wie die Arbeit mit Farbräumen und verschiedenen Programmen funktioniert, sondern, wie man am Besten damit umgeht und dennoch zu einem gewünschten Ergebnis kommt. Sollte ich jemals komplett durch die Thematik der Farbräume durchgestiegen sein oder die Übergabe von LR an PS reibungslos verlaufen, dann vermelde ich das an dieser Stelle.

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